Donnerstag, 5. Februar 2015

Ar’s Kämpfer und Türme

Leider habe ich den Anfang der hauptmannschen Niederlage verpasst. Als ich die Wiese mit dem Waffentraining etwas verspätet erreichte, stand es nämlich bereits 7:4 für meinen Herrn und seine Tunika wies etliche Grasflecken weniger auf, als die des Hauptmanns. Zum Glück hatte jedoch die Zweitärztin mitgezählt und zählte auch weiter laut, sodass ich mich voll auf das lautstarke, vermutlich nicht allzu wohlerzogen klingende Anfeuern meines so toll mit dem Schwert trainierenden Eigentümers konzentrieren konnte, der seinem Gegner gerade verdeutlichte, wie unangenehm ein in Ar aufgewachsener Krieger werden kann. Allerdings konnte mein Herr seinen Vorsprung jedoch nicht weiter ausbauen und bot schließlich beim 10:7 das Unentschieden an… er ist eben ein Ehrenmann und weiß, was er seinem Hauptmann schuldig ist.

Doch der Hauptmann lehnte ab, da er meinen Herrn noch ein paar Runden mit dem Bogen verhauen wollte. Leider kam die grüne Herrin jetzt auf die doofe Idee, mich ein paar Becher und einen Krug mit Wasser holen zu lassen, falls einer der Krieger seinen Durst löschen wollte, sodass ich die erste Bogenrunde verpasste, die mein Herr wohl ganz knapp dem Hauptmann zugestanden hatte. Naja und da er seinen Hauptmann nicht allzu sehr frustrieren und ihm vor allem nicht seinen Rang streitig machen wollte, gestand er ihm mit dem Bogen sogar einen kleinen Sieg zu und versuchte nicht mehr aufzuholen, was der Hauptmann wohl auch ganz nett fand. Das Training wurde dann kurz unterbrochen, weil der Hauptmann tatsächlich einen Becher Wasser trinken musste… mein Herr lehnte übrigens wie erwartet ab. Ich vermutete ja, dem Hauptmann ging es vor allem darum, sich das Gras aus den Zähnen zu spülen, doch diesen Gedanken gab ich natürlich nicht laut von mir, denn er behauptete, Wasser sei gesund.

Das Auftauchen des Kriegers aus Ko-Ro-Ba passte dem Hauptmann danach anscheinend ganz gut in den Kram, da er sich von dem Rarius nun das Vermöbeln meines Herrn erhoffte. Mein Herr kündigte in seiner Großzügigkeit allerdings an, dass der Ko-Ro-Baner auch im Gras liegen darf, wenn er will… der Hauptmann sei nur stinkig wegen des gegen ihn verlorenen Trainings. „Gras ist gesund, regt die Verdauung an und macht nicht dick“, konterte der Herr aus Ko-Ro-Ba und strich mir dabei lächelnd über die Haare, während er auf dem Weg zur Wiese noch ergänzte, dass Ar angeblich noch nie besonders gut in irgendwas war, außer im Stolz. Da inzwischen der Schal meines Herrn angeflogen kam, den ich nun wie eine Kostbarkeit an meinen nackten Bauch drückte und der Trainingskampf der beiden Männer sofort begann, konnte ich leider nicht länger darüber nachdenken, was der Herr damit wohl gemeint hatte.

Mist oder äußerst geschickt? Ich bin mir nicht ganz sicher, möchte aber glauben, dass es bestimmt Taktik war, denn mein Herr ist ziemlich schlau und außerdem ja im berühmten Ar aufgewachsen. Er hat den kurzen Kampf zwar verloren, doch während er das Schwert schwang, reizte er seinen Gegner mit „Ar kämpft… Ko-Ro-Ba tanzt… Ar siegt!” und passte gleichzeitig auf, dass der alte Krieger am Ende immer knapp einen Schlag schneller war. Nach den letzten Worten des Ko-Ro-Baners „Schlappschwanz, du solltest weniger prahlen… ich danke dir fürs Warmmachen“ beendete mein Herr das Waffentraining dann und schnippste einfach nur kurz nach mir, um sich zuhause breit grinsend auf der Bank vor seinem Haus einen Paga servieren zu lassen. Ich fand jedenfalls, er konnte mehr als zufrieden mit seiner Leistung sein und verstand daher nicht so ganz, warum er meinte, er hätte sich besser mit dem Hauptmann nicht so verausgaben sollen. Ach, ich muss das auch nicht verstehen… auch ohne war es einfach toll, von ihm einen Kuss aufgedrückt zu bekommen.


Leider konnte ich mich diesem schönen Gefühl nur kurz hingeben. Siedend heiß fiel mir nämlich ein, dass ich den Schal meines Herrn vor Begeisterung über seine Schwertkunst irgendwo verloren haben musste. „Du hast was?! Ich zähle jetzt die Türme Ars in meinem Gedächtnis durch Kajira... wenn du nicht wieder da bist, bis ich fertig bin…“ Mehr hörte ich nicht, denn nackt wie ich war sauste ich bereits so schnell ich konnte, den Weg zurück zur Wiese und betete insgeheim, die Priesterkönige mögen mir beistehen, dass ich den Schal schnell finde und mein Missgeschick nicht zu streng bestraft wird. Übrigens muss der Hauptmann ohne eine Erklärung von mir, warum ich nackt durch die Unterstadt flitze, sofort den Ernst meiner Lage gemerkt haben und wie erleichtert ich war, mir den Schal an der Wiese zu schnappen. Seine Worte „Los nackte Dina… lauf!“ haben mich noch zusätzlich angespornt und bestimmt noch schneller zurück zu sausen lassen, als auf dem Hinweg.


Puhh, es hat tatsächlich geklappt! Ich weiß zwar immer noch nicht, wie viele Türme Ar hat und wie langsam mein Herr gezählt hat. Einzig wichtig für mich ist, er hat mir nach einer relativ kurzen Standpauke mit entsprechenden Ermahnungen meinen Fehler verziehen und meine Umsicht, rechtzeitig heißes Wasser für ein entspannendes Bad nach seinem Training vorzubereiten, fand er sogar eine sehr gute Idee… war sie ja auch!! :-))

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