Mittwoch, 18. Februar 2015

Geheimnisvolles

Ich war meinem Herrn an diesem Tag zum Marktplatz gefolgt und bekam bei unserer Ankunft dort gerade noch die Frage des jungen grünkastigen Herrn mit, der sich beim Brauereibesitzer nach einer „laufenden Wegbeschreibung“ erkundigte. Wegen seines schlechten Orientierungssinns war er offenbar am Kauf der Brauereisklavin interessiert. Übrigens behauptete er, eigentlich gar nicht links und rechts zu verwechseln… sein ständiges Verlaufen liege angeblich nur an den zu komplizierten Beschreibungen der hilfsbereiten jortsschen Bewohner. Doch da der Brauer zurzeit wohl nicht an einem Verkauf seines Mädchens interessiert ist und außerdem mit ihr zum Schmied wollte, verwies er den Medicus in Sachen Wegweiserkajira an meinen Herrn. Zu meiner Freude gab dieser jedoch sofort breit grinsend von sich, dass ich wegen meines Preises nicht in Frage komme… oder so ähnlich drückte er sich aus.


Über das Vermögen des Grünen habe ich selbstverständlich keinerlei Kenntnis, sodass ich diese Antwort eigentlich nicht so ganz verstand. Doch mir reichte natürlich vollkommen sein „Nein“, das mein Kajiraherz mal wieder einen Extrahüpfer machen ließ und mich veranlasste, mich überglücklich an sein Bein zu schmiegen. Nachdem der Medicus dann den Weg zum Gasthaus erstaunlicherweise tatsächlich alleine fand… naja, es war aber auch egal, ob der den Baum auf dem Marktplatz links oder rechts herum umrundete… setzte mein Herr schließlich seinen Rundgang fort, der natürlich wie immer auch auf die Stadtmauer führte. Dort oben mit herrlichem Blick über Jorts Fähre und das Vosktal erkundigte er sich nun, ob mir die Bedeutung seiner Antwort klar sei, was ja nicht ganz der Fall war. Während ich nun das wundervolle Gefühl seiner Hand an meinen Kragen spürte, erklärte er mir daher nun kurz seine Worte, über die ich aber versprochen habe, Stillschweigen zu bewahren.


Die nächste Station auf unserem Rundgang war übrigens der Hafen oder vielmehr einer der Stühle vor der Taverne, denn es war inzwischen Zeit für einen Paga. Ein anderer jortsscher Krieger hatte sich dort bereits mit einer Schnitzarbeit niedergelassen und erzählte meinem Herrn von sich vielleicht anbahnendem Ärger mit irgendeiner Oase. Doch mein Herr tat dies einfach als ein zusätzliches Training ab, über das zwar der Hauptmann informiert sein sollte und begann dann mit dem Krieger über „gute alte Tarnreitersitten“ zu fachsimpeln. 

Die möglicherweise verärgerten Oasenbewohner können wohl eigentlich froh sein, von dem jortsschen Rarius nicht gleich im Alleingang erobert worden zu sein, weil sie dem Wort eines Kriegers nicht glaubten. Aber manchmal ist es tatsächlich besser, einfach zu gehen. Das muss wohl auch die merkwürdig gekleidete, sich sehr seltsam benehmende Person erkannt haben, die sich offensichtlich verlaufen hatte und sich zu meinem Erstaunen beim Näherkommen plötzlich als Frau entpuppte.


Das Gespräch der beiden Krieger zuvor hatte sich übrigens erneut um die geheimnisvolle Stätte im Wald gedreht, die der Krieger vor einigen Tagen beim Jagen entdeckt hatte. Ihre Bedeutung war ihm jedoch immer noch gänzlich unklar, sodass die beiden Männer nun beschlossen, sich dort gemeinsam umzuschauen… vielleicht waren die geheimnisvollen Steine inzwischen ja auch auf genauso mysteriöse Weise wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht waren? Waren sie allerdings nicht. Ein bisschen versteckt im dichten Unterholz hinter einigen orangerot leuchtenden Büschen befanden sich tatsächlich immer noch diverse große Steine mit eigenartigen Zeichen drauf, die von wem auch immer so bemalt worden sein mussten. 


Ich fand ja eigentlich, dass die Verzierungen ganz hübsch aussahen, wurde von meinem Herrn aber zum Schweigen verdonnert, weil diese Steine, warum auch immer sie dort waren und warum auch immer sie so aussahen wie sie aussahen, dort nicht hingehörten. Während mich nun doch leichte Furcht packte und ich mich bei jedem Rascheln im Wald ängstlich nach einer möglicherweise herannahenden Gefahr umschaute, rätselten die beiden Männer noch eine ganze Weile über die Bedeutung der Steine und der Zeichen. Doch sie kamen zu keinem Ergebnis und beschlossen daher, dass der Rat eingeschaltet werden muss. Dabei war oberstes Gebot, sich über diese geheimnisvolle Stätte im Wald vorerst möglichst bedeckt zu halten, um in der Stadt keine Panik zu verursachen. Das Wichtigste war vor allem, mit diesen bemalten Felsen nicht erneut den Zorn der Priesterkönige auf Jorts Fähre zu lenken, denn was das bedeuten konnte, war seit dem schrecklichen Inferno vor ungefähr vier Märkten in allen Köpfen noch sehr gegenwärtig. 

Puhhh, so sehr wie ich es sonst ja immer bedaure, wenn mein Herr seinen Wachdienst antreten muss, an diesem Tag war ich fast froh darüber, deswegen diesen geheimnisvollen, etwas unheimlichen Ort im Wald schließlich wieder verlassen zu können.

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