Montag, 23. Februar 2015

Markt in Enkara

Bedingt durch die lange Patrouille meines Herrn mit leider ziemlich viel Gegenwind auf seinem Rückflug, war der jortssche Tross bestehend aus etlichen Kriegern, den beiden Ärzten und dem Händler nebst ihren Kajirae bereits zum Markt nach Enkara abgereist, als er nach Hause kam. So wirklich gut gelaunt war mein Herr darüber natürlich nicht, da er doch seine Eskorte zugesichert hatte. Doch zum Glück verstummte sein leicht ungehaltenes Brummen sofort, nachdem ich eilig mit seinem Gepäck zurückkam, das ja bereits fix und fertig nur noch auf unsere Abreise gewartet hatte und der Flug auf dem Tarn verlief auch ohne weitere Zwischenfälle, zumal der Wind nun nicht mehr von vorne, sondern eher von hinten kam.

Puhhh, was für ein Trubel! Bereits vor den Stadtmauern von Enkara hatten einige aus der Stadt flüchtende Freie… vermutlich unter Platzangst leidende Marktbesucher… meinen Herrn vor den Menschenmassen und möglichen Gehörschäden vorgewarnt. Doch das hielt ihn selbstverständlich nicht davon ab, sich selbst ein Bild zu machen. Die Begrüßung am Tor durch den dortigen Kommandanten war außerdem äußerst freundlich und als Angehöriger des Heimsteins von Jorts brauchte mein Herr nicht mal seinen Bogen ablegen. Dieses Privileg wurde sonst nämlich anscheinend nur noch den Kriegern aus Belnend zugestanden. Doch leider ging tatsächlich gleich hinter dem großen Stadttor ein fürchterliches Schieben und Gedrängel los und meinem Herrn wurde sofort klar, dass trotz der Freundschaft zur roten Kaste von Enkara an eine Übernachtung in der Stadt nicht mal ansatzweise zu denken war.

Von irgendwo laut zu uns herüberschallende Rufe wegen eines Diebstahls ließen meinen Herrn übrigens keine drei Ihn zögern, sondern umgehend die Kette an meinem Kragen befestigen. Es war in dem Geschiebe der vielen zwischen den Marktständen hin und her laufenden Menschen zwar nicht ganz einfach, ihm an der kurzen Kette zu folgen, dafür aber ein umso schöneres Gefühl, auf diese Weise zusätzlich unter seinem Schutz zu stehen, das ich total genoss und zu schätzen wusste. Wie gut, dass die Stimme des jortsschen Brauereikriegers so laut zu hören war, sonst hätten wir ihn wegen der Menschentraube vor seinen Stand mit Paga, Kalana und Ale bestimmt gar nicht gefunden. Wobei es bei den vielen anderen ausgetrockneten Kehlen dann für meinen Herrn doch nicht mit einem Getränk geklappt hat. Aber egal, ich glaube der Kommandant von Enkara hatte seinen Rachenputzer bei dem ganzen Trubel auch nötiger als er.


Wie gut, dass man am leeren Stand des Händlers aus Jorts Fähre wieder etwas zu Luft kam. Da zu diesem Zeitpunkt gerade niemand daran interessiert war, juristisch wasserdichte, belegbare Schuldscheine an ihn zu verkaufen, war nach einer freundlichen Begrüßung Gelegenheit für ein kurzes Gespräch und mein Herr erfuhr vom Händler schließlich sogar die Richtung, in die wir uns weiterschieben mussten, um den Marktstand des Sattlers zu erreichen. Vor kurzem beim Vermessen der Brauereikajira für ein ledernes Harness dabei gewesen, interessierte mein Herr sich nun nämlich sehr für das daraus entstandene Produkt, das der Lederarbeiter auf dem Markt anbot. Um dessen Geschäfte noch etwas anzukurbeln, brüllte er übrigens lauthals zur Begrüßung über die ganze Stadt: „Ah, der beste Sattler und Schirrmacher zwischen den nördlichen Wäldern und der Tahari… tal Val!“ Es kam mir fast so vor, als ob der Sattler dabei tatsächlich etwas verlegen wurde… aber ich kann mich auch getäuscht haben.


In der Genauigkeit, mit der mein Herr den Sitz der Lederriemen am Körper der Modell-Kajira prüfte, die sich der Lederarbeiter extra für diesen Markt von dem Brauereibesitzer ausgeliehen hatte, habe ich mich allerdings ganz sicher nicht getäuscht. Naja und so wie die Sklavin sabberte, schienen ihr die untersuchenden Hände meines Herrn zwischen Riemen und ihrem Körper wohl auch zuzusagen oder lag das etwa nur an dem Knebel den sie trug? Nee, auf keinen Fall… ich weiß ja wie toll es sich anfühlt, die Hände meines Herrn auf der Haut zu spüren. Da inzwischen weitere Kaufinteressenten am Stand des Sattlers auftauchten… die Gefährtin vom Hauptmann war nämlich geschickt worden, für seine neue Kajira ein Lederhalsband zu kaufen… einigte sich mein Herr schnell mit dem Lederarbeiter über den Preis für Lederfesseln, Knebel und Harness unter der Bedingung, dass sie demnächst zusammen eine schöne Orgie feiern, zu der der Schmied und noch ein paar Krieger eingeladen werden sollen. Uiiihhh, was für ein äußerst interessanter Vorschlag, auf den der Sattler natürlich sofort einschlug!

Schade fand ich nur, dass der Schmied auf dem Markt gerade einen guten, sehr alten Freund getroffen hatte und daher kaum Zeit für einen kurzen Plausch mit meinem Herrn fand. Trotzdem ging mir der Blick seiner mich musternden blauen Augen durch und durch und ließ ein paar sehr schöne Erinnerungen in mir aufkeimen, färbte meine Wangen vermutlich sogar etwas dunkler… aber das sah man bei dem inzwischen fortgeschrittenen Abend zum Glück wohl nicht.

Wobei der Markt sich immer noch nicht leerte. Im Gegenteil, nachdem mein Herr sich schließlich zur Rückreise entschlossen hatte, kamen uns vor dem Tor immer noch Menschen entgegen, die in die Stadt hinein strömten. Darunter war auch der anscheinend bestens gelaunte Kommandant von Belnend, der mir die große Ehre zuteil kommen ließ, meine Haare durchzuwuscheln. ;-))

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