Dienstag, 10. Februar 2015

Opfer grüner Übungen

Ich musste an diesem Tag wieder mutig sein, denn mein Herr hatte erneut die späte Wache erwischt, sodass ich mich alleine Richtung Gasthaus aufmachte, um dort meine Dienste anzubieten. Eigentlich wurde ich jedoch gar nicht gebraucht, denn der Hauptmann, ein weiterer Krieger und ein Fremder waren von der Brauereikajira bereits bestens versorgt worden. Während dem Krieger merkwürdigerweise nun auf einmal irgendetwas nicht passte, denn er wollte plötzlich zuhause weiteressen, kamen wenige Ehn später noch der Sattler mit seinem Eigentum und die Hauptmannkajira dazu, sodass drei Freien schließlich sogar fünf Sklavinnen zur Verfügung standen.

Ich hätte mich also eigentlich verdrücken können, bin aber trotzdem geblieben, weil ich für meinen Herrn vielleicht ein paar Neuigkeiten zu erfahren hoffte… während seiner doofen Wachen verpasst er ja leider das eine oder andere. Besonders interessierte ich mich natürlich für den von Kopf bis Fuß grün gekleideten Fremden, dessen Kastenzugehörigkeit deutlicher nicht hätte sein können. Irritierend fand ich nur, dass der Herr sich vor meinem Eintreffen anscheinend gerade über das Benehmen des Kriegers mit einer Kajira beim Essen mokiert hatte, das wohl von den Sitten in Ko-Ro-Ba stark abweicht, denn wir befanden uns wie schon erwähnt auf der Gasthausterrasse und nicht in der Taverne. Doch was es mit der Pikiertheit des grünkastigen Herrn tatsächlich genauer auf sich hatte, wurde mir wegen des beleidigten Aufbruchs des Rarius leider nicht mehr ganz klar.

Aber egal, vielleicht hat dieser Grüne aus Ko-Ro-Ba auch zu viele weibliche Hormone... falls es sowas überhaupt gibt... denn es war weit und breit keine freie Frau zu sehen, sodass der Krieger mit dem Mädchen hätte tun oder lassen können, wonach ihm gerade war, ohne irgendein Weib zu brüskieren. Darüber nachdenken konnte ich jedoch nicht mehr, da mir der irritierte junge Herr inzwischen seine Aufmerksamkeit zugewandt hatte. Der Hauptmann hatte gerade nämlich von sich gegeben, das Gesicht seines Gesprächspartners würde möglicherweise sogar die Farbe der Kriegerkaste annehmen, sollte er mitbekommen, wie ich auf der Terrasse manchmal Herren bediene. Während ich nun höflich etwas dichter zu dem Fremden rutschte… selbstverständlich sollte er sich nicht den Hals verrenken, um mich näher in Augenschein zu nehmen… stellte ich erstaunt fest, dass er offenbar ähnliche Augenprobleme haben muss wie die zweite jortssche Grüne, denn auf seiner Nase thronte ebenfalls eine Sehhilfe.

Doch auch über diese Erkenntnis blieb mir keine Zeit lange nachzudenken, wollte der Grüne doch nun tatsächlich von mir wissen, ob eher „versaut“ oder besser „aufdringlich“ zu mir passt. Menno, ich mich ihm doch lediglich aus gebotener Höflichkeit genähert und meine Art zu servieren finde ich für eine rotseidene Kajira eigentlich normal… außer wenn ich vorher weiß, dass ein hingebungsvoller Serve Binas vor die Tarsk ist, denn solche Herren gibt es außer den Männern mit ausgeprägten weiblichen Befindlichkeiten ja leider auch. Puhhh, immerhin scheint mir meine angemessene, freundliche Antwort einigermaßen gelungen zu sein, denn ich hatte auch nur erwähnt, dass ich Dina genannt werde, mir aber verkniffen zu erzählen, wie mein Herr mich sehr oft nennt… dabei wäre vielleicht zu befürchten gewesen, dass dieser anscheinend noch jungfräuliche junge Herr noch irritierter geworden wäre.


Aber ich muss dem Grünen eigentlich dankbar sein, da er als Opfer die Kajira des Brauereikriegers wählte und nicht mich… zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie musste nämlich eine Schüssel auf ihrem Kopf balancieren, was logischerweise nur wenige Ehn gelang. Danach wurde sie dazu verdonnert, mit ausgebreiteten Armen für eine Ahn je eine Suppenschale in den Händen zu halten. Diese Übung war ja an sich schon mies, aber merkwürdigerweise verteilte der Herr vorher zusätzlich noch mit fiesem Gesichtsausdruck irgendein Pulver auf ihren Handflächen, das nach einiger Zeit wohl ein äußerst unangenehmes Brennen verursacht hat. Spätestens bei der Antwort des Fremden auf die Hauptmannsfrage nach den Konsequenzen, wenn die Sklavin es nicht schafft den Befehl auszuführen, hätte ich lieber nachhause laufen sollen, es aber leider immer noch nicht getan.


Die Brauereikajira wurde nämlich plötzlich entlassen, weil ihr mit brennenden Händen und Armmuskeln schließlich eingefallen war, dass sie in der Brauerei noch Aufgaben zu erledigen hatte. Sita hatte anscheinend einen Befehl ihres Herrn nicht ausgeführt und verdrückte sich ebenfalls eilig, genau wie Shani, die noch in die Taverne musste, sodass ich nun als einziges herrenloses Opfer übrig blieb, denn Ravi hatte ja ihren Eigentümer dabei. Wobei meine Opferrolle vergleichsweise glimpflich bei einer weiteren Runde Paga und den zu erwartenden Kopfpatschern des ja leider recht grobmotorisch veranlagten Hauptmanns begann, die zuletzt aber erstaunlicherweise doch noch in angenehmes Haare wuscheln übergingen. Übrigens ging es dem Grünen angeblich nur um Übungen, mit denen er glaubte bei Sklaven mehr zu erreichen, als mit Bestrafungen… keine Ahnung, worin bei der Suppenschalennummer der Unterschied zwischen Strafe und Übung bestand.

Zu vorgerückter Ahn erfuhr ich dann, dass der Fremde möglicherweise der Bruder der zweiten Medica von Jorts ist. Wobei sich die Verwandtschaftsverhältnisse an diesem Tag nicht mehr klären ließen, weil die Herrin nicht an ihrem Heimstein war. Für den Hauptmann war das Suppenschalenbeispiel leider Anlass, seinen schon wieder leeren Pagabecher schließlich auf meinem Kopf abzustellen. Um jedoch gar nicht erst nicht die Aufmerksamkeit aller Anwesenden unnötig auf mich zu lenken, tat ich erst einmal einfach so, als ob ich das gar nicht bemerkte. Andernfalls wäre der Becher bestimmt sofort herunter gefallen. Außerdem war der Sattler mit seiner Kajira beschäftigt und hatte kein Interesse an den Pagabecherbalancierkünsten auf meinem Kopf und den Grünen plagten gerade andere Sorgen. Er kann anscheinend nicht nur schlecht sehen, sondern verfügt wohl auch nur über wenig bis gar keinen Orientierungssinn.


Es war inzwischen nämlich noch später geworden und der Hauptmann wollte nach Hause, dem Herrn vorher aber noch die Krankenstation zeigen. Nach seinem Befehl nun den Becher wegzubringen, nahm ich das Gefäß dann einfach von meinem Kopf… doch das fiel bei dem allgemeinen Aufbruch zum Glück nicht weiter auf. Außerdem sollte ich mich beeilen in die Oberstadt nachzukommen, um als Fremdenführerin dem Grünen seinen Rückweg zurück zum Gasthaus zu zeigen. Anscheinend verläuft sich dieser Herr sogar in Zylindern, was bei den in diesen runden Bauten meist üblichen Wendeltreppen kaum vorstellbar ist… aber darüber habe ich selbstverständlich nichts verlauten lassen. Wie gut, dass ich über beste Ortskenntnisse verfüge, andernfalls hätte der fies grinsende Grüne bestimmt seine Ankündigung wahr gemacht, mich ein ähnliches Schicksal wie das der Brauereikajira erleiden zu lassen… mit gemeinen Übungen für Kajirae scheint er es wohl wirklich zu haben.


Keine Ahnung, ob die Nägel an seinen grünen Fingern angespitzt sind, zumindest fühlte es sich für mich so an, als er dem Hauptmann meine angebliche „Bewusstseinserweiterung ohne etwas zu tun“ demonstrierte und dabei meine Schulter traktierte. Wahhh, ich war davon so begeistert, dass ich mir ganz fest vorgenommen habe, diesem Herrn noch mehr als anderen Mitgliedern seiner Kaste aus dem Weg zu gehen. Die Priesterkönige müssen aber anscheinend sehr wohlwollend auf mich herabschauen, denn eigentlich gelingt mir dies seit etlichen Jahren ganz gut. Jedenfalls lege ich keinen Wert darauf, mich bei diesem Herrn irgendwelchen Spülungen zu unterziehen, auch wenn mich der Hauptmann dem Kerl wie saures Ale als Opfer angeboten hat… ich benötige vor allem keine härtere grüne Führung, um meinem Dasein treu zu bleiben. Hach, es ist einfach schön, dass mein Herr bei allen mich betreffenden Dingen ein Wörtchen mitzureden hat und zwar das entscheidende!


Übrigens zuletzt an diesem Abend hat sich noch herausgestellt, wie gut es ist, dass der jortssche Schmied seine Wurzeln im Norden hat. Es tauchte nämlich ein Nordmann mit einem für mich nur ganz schwer zu verstehenden Dialekt auf, bei dem ich bestenfalls einzelne Worte verstand wie „Odin“, mehrfach „Hall“ und immer wieder „Weyler“… was auch immer das ist… aber auch „Met“ und „Eyntopf“. Das letztere war tatsächlich Eintopf, sodass ich dem hungrigen Herrn um Mitternacht noch eine Schüssel davon im Gasthaus servierte, während der nette Schmied seinen Met holte… dieses süße Zeugs trinkt in Jorts ja sonst niemand… mich dann aber nach Hause schickte. Er muss mir inzwischen wohl angesehen haben, wie müde ich inzwischen war.

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