Mittwoch, 11. Februar 2015

Schon wieder?

Während mein Herr leider schon wieder eine Spätwache erwischt hatte und ich diverse, vor allem recht zeitraubende Arbeiten erledigen musste, die hier allerdings nicht weiter von Interesse sind, kam ich erst relativ spät am Gasthaus an und war einigermaßen verwundert, die Terrasse erstaunlich leer vorzufinden. An einem der Tische saß nämlich nur der Händler, von dem sich der Krieger aus Ko-Ro-Ba bei meinem Eintreffen gerade verabschiedete. Hmmm… schon wieder verließ ein Rarius das Gasthaus, kaum dass ich dort auftauchte… war das wirklich Zufall? Ein wenig zu denken gab mir dieses Verhalten schon, da erst am Tag zuvor genau dasselbe passiert war, allerdings mit einem anderen Krieger. Ach was, ich bin doch nur eine Kajira! Sollten sich Freie an meinem Anblick oder meiner Gegenwart stören, würden sie mir das doch mit Sicherheit sagen.

Mit dieser Erkenntnis dann zwar einigermaßen beruhigt, verursachten mir die nun folgenden Worte des sich verabschiedenden Herrn trotzdem ein wenig Kopfzerbrechen, zumal ich mir überhaupt nicht erklären konnte, warum er ausgerechnet mich dabei anschaute. Die Verabschiedung von Freien mit ihrem typischen „diene mit… Kajira“ ist an sich ja nicht ungewöhnlich, allerdings neu und mir ziemlich unerklärlich war diesmal jedoch, warum der Ko-Ro-Baner nach seinem „dient mit Feuer und Leidenschaft“ noch ein „und………“ anfügte, dann eine kurze Pause einlegte, in der er mich breit grinsend anschaute und schließlich seine Worte mit „........einem bescheidenen Mundwerk“ noch ergänzte. Menno, ich hatte doch gar nicht schon wieder dazwischen geplappert!?!


Keine Ahnung, ob nach meiner geäußerten Befürchtung Krieger zu vertreiben, mich die Feststellung des Händlers beruhigen sollte, dass nun ja keiner mehr zum Vertreiben da ist. Wobei er wohl sowieso an meinem Können zweifelte, dies mangels anwesenden Kriegern zu schaffen. Aber egal, viel interessanter war in diesem Zusammenhang zu erfahren, dass anscheinend eine Delegation der jortsschen roten Kaste als Geleitschutz zusammen mit dem jungen korobanischen Medicus in den Norden gereist war. Doch nach unseren Erfahrungen am Vortag mit diesem Grünen waren logischerweise weder die Brauereikajira und auch ich nicht so wirklich traurig über die Abwesenheit des Herrn. Wobei ihre brennenden Hände sich letztendlich einigermaßen schnell wieder normalisiert hatten, nachdem sie das merkwürdige Pulver abwischen durfte, und meine von seinen angespitzten grünen Fingernägeln angestochenen Schultern natürlich auch.

Übrigens suchte auch der Händler wenige Ehn nach meinem Auftauchen auf der Gasthausterrasse das Weite. Doch dafür konnte ich schon wieder wirklich nichts, der vielbeschäftigte Herr hatte bestimmt noch Wichtiges zu erledigen. Mein Plappern mit der Brauereikajira, die sich in der kurzen Zeit seitdem sie dem Brauer gehört wohl inzwischen ganz gut eingelebt hat, kann diesen meist wortkargen bis stummen Freien eigentlich nicht gestört haben, denn wenn es so gewesen wäre, hätte er uns bestimmt ein paar Takte dazu erzählt. Ich finde einen kurzen Tratsch mit einer anderen Sklavin übrigens immer besonders nett, wenn unser Kajirafunk von freien Ohren ungestört ist. Selbstverständlich bemühe ich mich aber auch dann stets um ein „bescheidenes Mundwerk“, weil dies einfach meine Natur ist und ich gar nicht anders kann… glaube ich jedenfalls.


Nachdem die Brauereikajira leider schon wieder zurück an die Kessel ihres Herrn musste, bekam ich erstaunlicherweise zu später Ahn doch noch ganz gut zu tun. Es trafen nämlich zwei Fremde ein, die sich den Staub ihrer Reise von wo auch immer aus den Kehlen spülen wollten, merkwürdigerweise aber gar nicht wussten, wo sie an Land gegangen waren, nachdem die Fähre im Hafen von Jorts angelegt hatte. Na gut, die beiden zwar sehr freundlichen Reisenden hatten sowieso ein eher ungewöhnliches Benehmen. Doch warum Freie Vergiftungen befürchten und von einer Sklavin ihre Getränke vorkosten lassen, darüber habe ich mir natürlich kein Urteil zu erlauben. Außerdem konnte ich beim Kosten feststellen, welch ein wirklich leckerer Tropfen Kalana im Gegensatz zum Paga ist.

Kurze Zeit später gesellte sich noch der Herr aus der grünen Kaste von Ko-Ro-Ba dazu, der inzwischen von seinem Ausflug zurückgekehrt war. Er reagierte übrigens auf meine vorsichtige Frage, ob ich sein Wasser ebenfalls vorher probieren soll, zuerst ein wenig irritiert, nahm dann aber an ich sei durstig und erlaubte mir davon zu trinken… was ja aber gar nicht der Fall war. Über diese Freundlichkeit keimte in mir fast der Gedanke, dass dieser junge Herr ja eigentlich doch ganz nett ist, aber eben nur fast. Ich spürte nämlich gleichzeitig erneut seine Finger auf meiner Schulter, allerdings nur kurz und ohne Fingernagelstichgefühl. Trotzdem war mein Gedanke in Sachen „nett“ schlagartig wieder auf Sparflamme.


Wobei der Grüne recht spendabel zu sein scheint. Er bestellte nämlich noch einen großen Teller mit verschiedenen Früchten… den er übrigens mittig auf dem Tisch platzierte und nicht auf meinem Kopf… und lud die Fremden ein, sich zu bedienen. Dennoch mag er außer pieksenden Fingern auf Kajiraschultern tatsächlich auch gerne Dinge auf Kajiraköpfen. Diesmal deponierte er ein Stück Larma auf meinem mit folgendem Hinweis: "Wenn du es schaffst, das Stück in deinen Mund zu bekommen, ohne deine Hände zu benutzen, dann darfst du es essen." Hach, das war natürlich oberleicht. Trotzdem traute ich der Sache natürlich nicht und fragte mit nachdenklich kraus gezogener Stirn lieber vorsichtshalber noch einmal nach, ob es wirklich nur darum ging, die Frucht ohne Benutzung meiner Hände in den Mund zu bekommen. Tja, und genauso war es… also zack, den Kopf geneigt… das Larmastück fällt auf den Boden… einfach tief vorbeugen und die Frucht mit den Lippen aufnehmen… lecker! ;-)

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