Dienstag, 3. Februar 2015

Technik

…gegen Schimmel und gefährliche Strömungen.

Mein Herr hatte am Hafen Posten bezogen, ließ sich von mir seine Hafenwache aber standesgemäß mit einem Paga verschönern. Zu meinem Bedauern war mein Riecher bezüglich seines Durstes leider genau richtig gewesen, denn auf meine Nachfrage verzichtete er tatsächlich auf das längere Servieren seines Lieblingsgetränks. Eigentlich schade für mich, aber verdursten sollte er natürlich nicht. Mit seiner Entscheidung für den schnellen Paga lag er übrigens genau richtig. Zum einen konnte er meinen Anblick ja eh nicht wirklich genießen, weil seine kriegerische Aufmerksamkeit von irgendwelchen Rüpeln an der Fähre gefesselt wurde. Ich glaube, er war kurz davor einzugreifen, konnte es letztendlich aber mit seinem drohenden Kriegergebrüll in Richtung eines Bauern auf sich bewenden lassen. Trotzdem war jedoch Schluss mit der Ruhe am Hafen, weil aus der Unterstadt jetzt laute Hammerschläge zu hören waren und ihn veranlassten, sein Getränk schnell hinunterzustürzen, um dort mal nach dem Rechten zu schauen.


Ursache für den Lärm waren Bautätigkeiten des Schmieds, der allerdings diesmal nicht mit Metall werkelte, sondern mit Hammer, großen Nägeln und jeder Menge langen Brettern bewaffnet dabei war, die Bäckerei zuzunageln. Der Lederarbeiter und der Hauptmann standen als Zuschauer vor dem Haus und letzterer schien über das Auftauchen meines Herrn offensichtlich ganz erfreut zu sein, denn er fragte ihn sogleich, ob er mich für 5 Ehn ausleihen kann. Während ich mich dazu selbstverständlich nicht äußerte, mein in Schweigen hüllen aber vorsichtshalber hinter meinem Herrn in Deckung gehend gestaltete, erkundigte er sich natürlich erst einmal, wofür ich denn überhaupt gebraucht wurde. Die nicht gerade begeistert aussehende Ravina ließ mich allerdings Unangenehmes ahnen, vor allem weil sich ihre Miene mit Blick auf mich sichtlich besserte. Meine Vorahnung war leider tatsächlich richtig, denn das was nun kam war sogar mehr als unangenehm… total ekelig.


Der Schmied hatte die Bäckerei zugenagelt, weil ihn der Anblick und der unangenehme Geruch der vergammelten, restlos verschimmelten Backwaren und wahrscheinlich auch die vielen Fliegen gestört hatten. Tja, und ich sollte nun dabei helfen, den Dreck zu entsorgen, allerdings zum Glück nicht durch aufessen, sondern indem ich einen Sack holte und dem Hauptmann hinhielt, damit er mit seinem Speer das ganze Ekelzeugs dort hineinragen konnte. Mein Luftanhalten und das vor den Mund gebundene Tuch nützten dabei übrigens nicht wirklich etwas gegen den fiesen Gestank. Überlegenheit durch Technik nannte der Hauptmann sein Tun mit der Waffe… allerdings stanken die vergammelten Lebensmittel beim Hineinfallen in den Sack noch ekeliger. Aber es hätte noch schlimmer kommen können. Entgegen der Aussage von Shani vor einiger Zeit, war die Bäckerin nämlich immer noch verschollen, lag aber zum Glück nicht als verwesende Leiche im Obergeschoss des Hauses. 


Leider hatte es der Händler jedoch verpasst, das Haus rechtzeitig abreißen zu lassen, bevor der Schimmel zur Gesundheitsgefahr für alle Einwohner von Jorts wurde. Ach nee, stimmt ja gar nicht… für alle Einwohner außer einem hätte ich sagen müssen. Dieser eine war nämlich der Hauptmann, der als pilzsporenabgehärteter oberster Krieger von Jorts das Schimmelkommando übernommen hatte und ganz gewaltig mit seinen Erfahrungen beim Laufen in der stinkenden Kanalisation von Torcodino angab, während mein Herr die auf ganz Gor einmalige Handwerkerkaste von Jorts dafür lobte, dass sie das vergammelte Essen mit eingenagelt hatten, ohne es vorher zu entsorgen. Tja… wirklich Pech für mich… die beiden Handwerker waren jetzt mit vereinten Kräften leider mit den Brecheisen sogar noch schneller als vorher der Schmied beim Vernageln.

Nachdem endlich eine der beiden Grünen geholt worden war, die sofort ausgiebig ihrem Unmut über die Schimmelaktion des Hauptmanns Luft machte, war ich dann endgültig erlöst. Wobei mein Herr mich vorher schon aus der stinkenden Bäckerei geholt hatte. Es ist einfach ein tolles Gefühl, einen Herrn wie ihn zu haben, der sich Gedanken um meine Gesundheit macht. Er widersprach nämlich dem Hauptmann und setzte sich vehement dafür ein, dass ich nicht alleine bei der Entsorgung helfen musste und schließlich abgelöst wurde. Draußen die frische Luft genießend bekam ich dann mit, wie die grünkastige Herrin nach einer kurzen Hausinspektion richtig laut wurde und uns verbot, das verseuchte Gebäude ohne richtigen Mundschutz zu betreten, bevor sie mit energischer, unmissverständlicher Stimme dann den Badeüberlegungen des Schmieds zustimmte. Sie sah es als erforderlich an, dass umgehend alle Pilzsporen von uns abgespült wurden.

Während der badescheue Hauptmann nun laut über das Waschen seiner Wäsche nachdachte, reichte meinem besorgten Herrn diese Aussage der Medica, um sich postwendend zu verabschieden und schnurstracks mit mir zum Voskufer vor seinem Haus zu laufen. „Hier ist eine gute Stelle um die Sporen loszuwerden, Kajira... du hüpfst rein und ich achte darauf, dass dir kein Fluss-Thalarion zu nahe kommt“, waren seine mehr als klaren Worte, die mich sofort mein bisschen Kleidung abstreifen ließen, bevor ich mich nackt in die Fluten stürzte. Juhuu, endlich wieder schwimmen… brrrr, warum war das Wasser so fies kalt!? Ich empfinde die Lufttemperaturen zwar meistens als recht milde in Jorts, zumal ich auch einigermaßen abgehärtet bin, aber seitdem ich Voskbade- und Angelverbot habe und nur noch in den Bach darf, hatte ich die Wassertemperaturen im Fluss echt nicht mehr auf der Rechnung.


Voller Freude über die Badeerlaubnis meines Herrn, war ich viel zu übermütig in die Fluten gesprungen und hatte sein „bleib am Ufer!“ beim lauten Platschen des Wassers überhaupt nicht mehr mitbekommen. Leider war das Wasser jedoch nicht nur mehr als erfrischend… damit wäre ich durchaus noch klar gekommen… sondern auch ziemlich reißend, denn der Pegel des Flusses war anscheinend um einiges höher als sonst und die Strömung entsprechend. Selbstverständlich wollte ich mir davon aber nichts anmerken lassen und wirbelte mit den Füßen spaddelnd kleine Wasserfontänen auf, während ich gleichzeitig laut auf Begeisterung schaltete und meinem Herrn zuwinkte. Ich glaube, vor allem wollte ich mich von der Kälte ablenken und ihm zeigen, wie kernig seine Kriegerkajira ist. Mist, ich kann zwar wirklich gut schwimmen, doch so kernig war ich eben doch nicht. Ich trieb nämlich immer weiter in die Mitte des Vosk Richtung Leuchtturm und schließlich auf die Schnellen an den Felsen zu.

Wie gut, dass mein Herr auf mich aufgepasst und inzwischen seinen Tarn herbeigepfiffen haben muss. Ich wusste plötzlich nämlich gar nicht mehr wie mir geschah, als auf einmal der große Vogel dicht neben mir über das Wasser glitt, mein Herr mich in perfekter Tarnreiterrettungstechnik am Arm packte und zu sich in den Sattel zog. Inzwischen schon ganz steif vor Kälte habe ich mich dann einfach nur noch an ihn geklammert und auch nur noch ganz kleinlaut auf seine donnernden Worte erwidert, dass ich eigentlich sehr gut schwimmen und tauchen kann. Leider wollte das laute Klappern meiner Zähne nach dem Trockenrubbeln zuhause irgendwie gar nicht aufhören, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich in Ofennähe an der Küchenanrichte etwas länger zu schaffen zu machen und unauffällig schnell noch ein paar Holzscheite nachzulegen, denn mein Herr sollte es ja schön warm haben und bei seinem Zuhausepaga nicht frieren. 


„Ich weiß wie sehr du Wasser magst Kajira, aber der Vosk ist ab sofort tabu für dich!“ Mist, mit diesen unmissverständlichen Worten meines Herrn konnte ich das Schwimmen im Fluss offenbar erst einmal vergessen. Wobei ich zugeben muss, dass mir sowieso nicht mehr der Sinn danach stand. Meine Schwimmtechnik ist wirklich gut, aber für die die Wassermengen und Stromschnellen in dieser Jahreszeit wohl doch nicht so ganz geeignet… da lobe ich mir doch die perfekte Flugtechnik von Carolus und dass mein Herr ein so toller Tarnreiter ist, denn ich glaube normalerweise machen Tarns lieber einen großen Bogen um Wasser herum.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen