Dienstag, 31. März 2015

Nordmänner zu Besuch

Wie fast immer führte der Rundgang meines Herrn gestern erst einmal zum Marktplatz, denn sein wachsamer Blick zum Hafen hatte ihm gezeigt, dass dort nichts Besorgniserregendes los war. Wobei auch der Platz vor sowie das Gasthaus selbst fast menschenleer waren. Außer der Schneiderin, die auf der Bank vor der Gasthausterrasse in irgendwelche Zeichnungen über Kleider vertieft war, war nämlich keiner der Bewohner zu sehen. Dies änderte sich nun allerdings. Mein Herr hatte noch keine drei über die Begrüßung hinausgehenden Sätze mit der Herrin gesprochen, als die „auf dem Weg zur Händlerin“ wie ein Tarn auf seine Beute dazu stieß und die Schneiderin komplett mit Beschlag belegte. Während ich das kunstvolle Getüdel ihrer neuerdings aufgesteckten Haare neidlos bewunderte und mir total sicher war, auf meinem Kopf würde sich eine solche Frisur nie halten, textete die Neuherrin die Schneiderin dermaßen mit ihren Kleiderwünschen voll, dass ich meine Ohren ehrlich gesagt auf Durchzug stellte.


Meine Erleichterung, diesem Freiefrauengeschwätz zu entkommen, weil mein Herr kurz darauf seinen Rundgang zum Hafen fortsetzte, ist daher wohl verständlich. Wachsam ließ er dort natürlich seinen Kriegerblick wie immer über den Fluss wandern, bis er sich plötzlich anspannte und seine Schwerthand auf den Griff seiner Waffe legte. Am anderen Ufer waren nämlich drei Bewaffnete zu sehen, einer davon rot gekleidet, denen nun seine ganze Aufmerksamkeit galt, während ich mich innerlich wappnete, um auf seinen Befehl notfalls Alarm zu schlagen, falls die Besucher nicht in freundlicher Absicht kamen. Doch das war in diesem Fall nicht nötig, da lediglich ein verloren geglaubter jortsscher Krieger zurückkehrte, der von zwei Nordmännern aus dem Dorf begleitet wurde, in dem er sich zuletzt anscheinend aufgehalten hatte. Da sich dieser Krieger in der Zeit meiner Ausleihe mir gegenüber nicht gerade wohlgesonnen verhalten und auch vorher manchmal sehr brutale Anwandlungen gehabt hatte, war meine Begrüßung zwar höflich, aber verständlicherweise nicht allzu überschwänglich.

Mein Herr schien sich über die Heimkehr seines Waffenbruders jedoch zu freuen und erzählte ihm auch sogleich, dass er beim letzten Schwertturnier vermisst worden war. Doch das interessierte diesen offensichtlich immer noch sehr von sich eingenommenen Krieger nicht weiter, der sich sowieso als den besten Schwertkämpfer ansieht. Er erzählte meinem Herrn jedenfalls, dass es ihm anstelle einer Turnierteilnahme wichtiger gewesen war, seine Gedanken zu ordnen. Anscheinend hatte das Sortieren selbiger geholfen und nun zu dem Entschluss geführt, den Rat seines Heimsteins um ein Gespräch zu bitten. Worum es dabei ging, wollte er jedoch nicht bekannt geben, weil es privater Natur war. In mir keimte prompt eine Vorahnung, über die ich aber selbstverständlich geschwiegen habe, zumal sich jetzt herausstellte, dass die Ohren der Nordleute nicht ganz in Ordnung oder vielleicht wegen des herrlich milden Klimas in Jorts zugeschwollen waren vor Hitze… ziemlich dick eingepackt waren sie wirklich. Aber egal, jedenfalls hatte einer der Männer offensichtlich den Gruß meines Herrn überhört und reagierte nun etwas ungehalten.


Zum Glück klärte sich diese angebliche Unhöflichkeit schnell auf, sodass der heimgekehrte jortssche Krieger mitsamt seinen Nordleuten Richtung Marktplatz verschwand, während mein Herr sich von mir vor der Taverne einen Paga mit Hingabe servieren ließ, bei dem es mir diesmal zusätzlich besonders wichtig war, die Priesterkönige um Erfüllung eines Wunsches anzuflehen… allerdings nur stumm oder zumindest ganz leise, denn meine Wünsche gehören natürlich nicht in die Öffentlichkeit. Während mein Herr seinen Paga genoss und ich ihm dabei mit meinem Schenkel als Fußstütze dienen durfte, stellte sich übrigens heraus, dass er die gleiche Vorahnung gehabt hatte wie ich, der Heimkehrer war gar nicht heimgekehrt, sondern wollte lediglich dem Rat seine Auswanderung in den Norden bekanntgeben.... später erfuhren wir, wie richtig wir damit lagen.


Auf dem Heimweg schaute mein Herr selbstverständlich noch kurz auf der Gasthausterrasse nach dem Rechten… offenbar keine Ihn zu früh. Im Gegenteil, es war sogar schon fast zu spät. Die Nordmänner hatten mittlerweile nämlich Schweiß auf der Stirn, während sie vergeblich nach einem Getränk lechzten, weil ihre Kajirae dies trotz diverser Bemühungen des auswandernden Nichtheimkehrers und der freigelassenen Händlerkajira nicht auf die Reihe bekamen. Einem der fremden Mädchen stand offensichtlich mehr der Sinn danach, ihren Herrn zu bejarlen… ähmmm… zu belagern meinte ich. Wie gut, dass meine Ohren vom jortsschen Klima nicht zuschwellen. Aber ich war natürlich auch viel luftiger gekleidet als die Nordkajirae, sodass es kein Problem für mich darstellte, für die Besucher ein großes Tablett mit diversen Bechern und drei Krügen mit Ale, Paga und Wasser nach draußen zu schleppen. 

Während mein Herr nun aufpasste, dass keiner der Nordleute dem Ratsmitglied zu sehr auf die Pelle rückte oder sogar schlimmeres als das überreichte Gastgeschenk passierte... immerhin aus der Nordthassa angereister Fisch, über den der Händler nicht so wirklich in Begeisterung ausbrach, auch wenn er sich offensichtlich sehr darum bemühte, eine erfreute Miene aufzusetzen... bekam ich mit dem Getränkeausschank ganz gut zu tun. Lustig, und vor allem sehr nett fand ich übrigens, dass der eine Nordmann zwar zu spät, denn ich war gerade mit den Getränken auf die Terrasse zurückgekehrt, seiner Sklavin noch befahl: „Die kleine Südkajira sieht nicht so aus, als kann sie viel tragen, also hilf ihr“. Pahhh, und wie ich konnte! Mein Herr war jedenfalls sehr zufrieden darüber, wie ich seinen Befehl "Kajira, zeig diesen Nordsklavinnen mal wie Arbeit getan wird" ausgeführt habe… nur das zählt für mich! ;-))

Montag, 30. März 2015

Donnerwetter

„Geh dich waschen, Kajira, aber gründlich! ...da kommt man von seiner Wache zurück und dann sowas!“ waren Worte meines Herrn, die schlagartig jegliche Müdigkeit aus mir verscheuchten und mich nach unten sausen ließen. Das kalte Wasser, mit dem ich nun eiligst mein rußverschmiertes Gesicht und meine Hände wusch, tat dann ein Übriges. Verdammter Mist, was war nur in mich gefahren?! Nachdem ich spät in der Nacht nach den Anstrengungen in der Schmiede müde, aber auch total tiefenentspannt in mein leeres Zuhause gekommen war, hatte ich mich einfach in die Felle meines Herrn fallen lassen, die ganz leicht noch nach ihm rochen und war umgehend eingeschlafen. Ich hatte einfach nicht mehr die Energie gehabt, meine Tunika auszuziehen und auch nichts mehr gegen mein rußverschmiertes Gesicht und meine vermutlich noch schwärzeren Hände unternommen, geschweige denn gewisse andere Spuren beseitigt. Tja, nur mit seiner so frühen Rückkehr, die ich natürlich supertoll fand, hatte ich nicht gerechnet und auch nicht, dass ich den Ruß schlichtweg vergessen würde, sobald ich meinen Herrn sah.


Nachdem ich mich schnell entkleidet und gewaschen hatte, wollte er natürlich sofort wissen, was ich am Vortag und in der Nacht alles für den Schmied getan hatte. Meine recht vagen Antworten schienen ihm allerdings nicht zu gefallen, denn er brummte leicht ungehalten: „Der Schmied kann was erleben“. Inzwischen untersuchte er meine gereinigten Hände ziemlich gründlich, vor allem auf Schwielen und bohrte gleichzeitig noch genauer nach. Ihn interessierten jetzt übrigens nicht nur meine Tätigkeiten als Schmiede-Aushilfskajira, sondern plötzlich auch meine anderen Dienste… die aber selbstverständlich nicht so detailliert, wie meine schweißtreibende Arbeit mit dem Schürhaken an der Esse. Etwas heikel wurde es bei seiner Frage, wann genau er dem Schmied erlaubt hatte, mich als Arbeitssklavin einzusetzen. Von „Arbeitssklavin“ hatte er seinerzeit nämlich nicht gesprochen, als er ihm angeboten hatte, mich jederzeit zu benutzen. 


Da ich den netten Schmied echt gerne mag und ihm immer total dankbar bin, dass er sich oft um mich kümmert, wenn mein Herr auf Wache ist, fand ich eigentlich, dass ein wenig mit dem Schürhaken in der Esse herumstochern das Mindeste war, was ich als Gegenleistung für seinen Schutz hatte tun können, auch wenn dabei leider etwas Ruß an mir kleben geblieben war. Ich druckste daher herum über allgemeines Benutzen und so, wurde nun aber angedonnert: „Ich habe damals ganz sicher von den Fellen des Schmieds gesprochen und nicht allgemein, Kajira! Komm mir jetzt nicht mit Haarspaltereien… ich habe nicht so viel für dich ausgegeben, damit du dann an einer Esse schuftest! Da tut‘s jede 10-Kupfer-Kajira, jetzt zieh dich an!“ Puhhh, nun war ich verständlicherweise oberschnell und schnappte mir die erstbeste Tunika aus der Kleiderkiste, die ich mir eiligst überstreifte, denn mein Herr wartete bereits und stürmte auch sogleich Richtung Schmiede davon, kaum dass ich angekleidet war. 


Wie gut, dass die Tür der Schmiede sehr solide gebaut ist, andernfalls wäre sie bestimmt aus den Angeln gefallen, so wie mein Herr dagegen hämmerte. Da das Öffnen ausblieb, stapfte er schließlich ungehalten brummend zum Haus des Schmieds weiter. Das Bollern an dieser Tür untermalte er dann zusätzlich noch durch lautes Gebrüll: "SCHMIED! Mach auf, du Sleen eines Nordmanns!" Doch auch diesmal war sein Versuch nicht von Erfolg gekrönt, außer dass die gesamte Nachbarschaft sich wunderte und wenig hilfreich „er ist in die Schmiede gegangen“, „was ist das für ein Lärm“ oder „hier ist er auch nicht“ von sich gab. Die Auskunft des Sattlers, der Metallhandwerker meldet sich bei ihm nicht ab, wurde von meinem Herrn jedenfalls nicht gerade erfreut mit „Pah… Handwerker! Ich glaube, den niederen Kasten dieser Stadt würde ein anständiges Erziehungs-Ubarat mal nicht schaden!“ kommentiert, bevor er dann zum Gasthaus stapfte, um sich das Tagesgericht und einen Paga von mir servieren zu lassen.


„Gegrillter Vuloschenkel in Honigkruste mit Brot“ wurde von ihm immerhin als erste gute Nachricht des Tages bezeichnet, der fehlende Preis allerdings weniger. Trotzdem ließ er sich auf der Terrasse nieder, sodass ich mich kurzfristig der Hoffnung hingab, seine Laune würde sich bei dem leckeren Essen und einem Beruhigungspaga bessern. Dem war jedoch nicht so. Im Gegenteil, der immer lauter werdende Disput des Ersten Schwerts über die Eigentumsverhältnisse seiner neuen Kajira mit einem fremden, seit kurzem in Jorts wohnenden, riesigen Weib aus der Kaste der Baumeister… die Gelbe behauptete dreist, das Mädchen gehöre ihr, weil sie ihr Essen gegeben hat und zeterte nach der Gerichtsbarkeit, um dem rechtmäßigen Besitzer der Sklavin ein Strafcollar umlegen zu lassen… veranlasste ihn schließlich mit dem angebissenen Vuloschenkel in der linken Hand aufzuspringen. Seine Schwerthand wollte er selbstverständlich frei haben und schon gar nicht honigkrustenverschmiert, um notfalls eingreifen zu können. Doch das war nicht nötig. Die Baumeisterin handelte sich mit ihrem Diebstahl anscheinend zehn Peitschenhiebe ein, Tendenz steigend. Ihre Bestrafung bekam ich jedoch nicht mehr mit, weil mein Herr inzwischen den Schmied auf dem Weg zu seiner Werkstatt bemerkt hatte und nun „der kann was erleben“ wahr machen wollte.


Die Art und Weise seiner Begrüßung mit "Tal mein Freund… kannst du mir erklären, warum meine Kajira heute Morgen total rußverschmiert bei mir aufgewacht ist?", sah zum Glück herzlich, aber dennoch nicht gerade zimperlich aus. Er haute ihm dabei nämlich ziemlich hart auf die Schulter… zumindest aus meiner Distanz sah es so aus. Da mir Unangenehmes schwante, hatte ich es vorgezogen, lieber im Hintergrund zu bleiben, auch wenn diese Vorsichtsmaßnahme nicht wirklich geholfen hat. Von meinem Herrn zur Rede gestellt, lobte der nette Schmied mich nun als Erklärung für den Ruß, wie fleißig ich geholfen und dass ich meinem Herrn damit höchste Ehre gemacht hatte. Natürlich habe ich mich über dieses Lob riesig gefreut, wollte gleichzeitig aber auch am liebsten im Boden versinken, weil dies doch eine Selbstverständlichkeit war, genauso wie es eigentlich das Waschen nach solch schmutzigen Arbeiten hätte sein müssen. Die Schuld für die Verärgerung meines Herrn lag also einzig bei mir.


Mit steigender Nervosität hörte ich dann, dass der Schmied meinem Herrn eine Entschädigung für meine anderen Dienste zukommen lassen wollte, die dieser ihm jedoch aus Freundschaft angeboten hatte und als Dank für seine gute Arbeit. Immer noch war er mehr als höchstzufrieden mit seinem neuen Schwert aus ich weiß nicht mehr wie oft gefaltetem Stahl, das ihm anscheinend wirklich ganz hervorragend in der Hand lag. Es war mir auch irgendwie unangenehm anzuhören, wie einig sich die beiden Männer über meine Vorzüge bei besagten Diensten waren. Ich kann doch nichts dafür, es liegt doch einfach in der Natur jeder Rotseidenen, Männer zu erfreuen… darum dreht sich doch ihr ganzes Denken und Streben! Als es dann um meine Hilfsbereitschaft ging, denn wie schon erwähnt bin ich in einer Schmiede ja nicht ganz unerfahren, ging mein Herr zur Esse hinüber und bat den Metallhandwerker zu ihm zu kommen. Vermutlich hielt ich jetzt die Luft an, denn mir war natürlich nicht ganz geheuer, was nun vielleicht kommen würde.


Doch mein Herr erklärte nur: „Sieh mal Schmied… ich will, dass meine Kajira weiterhin so schön und geschmeidig und gut in den Fellen bleibt, wie sie jetzt ist... das verstehst du sicher. Deswegen bin ich darauf bedacht, dass sie nicht für Arbeiten eingesetzt wird, die das gefährden und vertraue dir, dass du das genauso siehst. Nichts dagegen, wenn du sie mal was machen lässt, aber behalte das einfach im Hinterkopf und sag ihr beim nächsten Mal, dass sie sich waschen soll... ehrlich, ich hab vorhin gedacht ich seh einen Kur!“ Danach fingen beide Männer an zu lachen, bis der Schmied mit der Silbermünze herumwedelte, die er immer noch in seiner Hand hielt und meinen Herrn fragte, was er damit denn nun machen soll. Tja, selbstverständlich musste er nicht zahlen, aber wenn es nun mal das Ehrgefühl gebietet und ein Mann von Ehre diesem Gefühl selbstverständlich folgen sollte, wäre es natürlich unhöflich die Münze nicht anzunehmen… der Silbertarsk wanderte also ganz schnell aus der Hand des grinsenden Schmieds in den Geldbeutel meines mindestens genauso grinsenden Herrn, der zuhause dann auch kein bisschen sauer auf mich mehr war!^^

Sonntag, 29. März 2015

Endlich wieder...

Nach langer Zeit durfte ich nämlich mal wieder auf dem Tarn meines Herrn mitfliegen und es genießen, mit dem großen Vogel fast lautlos über Jorts Fähre durch die Luft zu rauschen. Ich glaube, auch meinem Herrn gefiel dieser Flug und vor allem, wie sich seine Mobilheizung an ihm festhielt, denn diesmal hatte ich meine Hände sogar unter sein Oberteil geschoben, während ich mich etwas seitlich von seinem Rückenschild eng an ihn anschmiegte. Wie immer war der Flug nach meinem Empfinden natürlich viel zu kurz. Doch es nützte nichts, denn mein Herr hatte zuvor den Befehl erhalten, später zu einem etwas längeren Patrouillenflug aufzubrechen, sodass er mich schließlich zuhause in seinem Garten wieder absetzte. Mir blieb leider nichts anderes übrig, als ihm hinterher zu schauen, bis zuletzt die großen Schwingen von Carolus am Horizont kaum noch zu erkennen waren und dann verschwanden.


Da ich mich immer gerne darüber informiere, ob vielleicht einer der Händler am Hafen frische Lebensmittel im Angebot hat, denn alles bekommt man auf dem Hof nicht, machte ich eine kleine Runde zu den Ständen dort, nachdem ich meine häuslichen Arbeiten erledigt hatte. Da die Gemüseauslagen jedoch eher nicht so wirklich frisch aussahen, blieb mir nichts anderes übrig als ohne Einkäufe meinen Rückweg anzutreten. Diesmal nahm ich jedoch nicht den direkten Weg zurück am Kai entlang nach Hause, sondern den Durchgang zwischen Schmiede und Brauerei, um noch einen Blick Richtung Marktplatz und Gasthaus zu werfen, kam allerdings vorerst nur bis zum Schmied. Der Herr hatte es sich nämlich auf den Stuhl neben seinem Schleifstein bequem gemacht und war anscheinend einem kleinen Klöhnschnack mit mir nicht abgeneigt, sodass ich mich neben ihn kniete.


Unser äußerst interessantes Gespräch wurde leider jedoch bald durch die Neuherrin unterbrochen, die ein Weib mitbrachte, das anscheinend auf der Suche nach einem Schmied war und einen merkwürdig klingenden Gruß von sich gab. Später wurde ich zwar eines anderen belehrt… die Frau sprach nämlich tatsächlich eine Sprache, die ich noch nie gehört hatte… doch anfangs glaubte ich mich verhört zu haben. Außerdem ermahnte mich die ehemalige Sklavin des Händlers gerade nach meinem Fastversprecher, sie zukünftig ganz ohne zu grüßen… die anderen Kajirae schaffen das schließlich auch… ob ich etwa weniger intelligent bin, als die anderen… angeblich bin ich besser ausgebildet, als die anderen und will meine ehemalige Herrin doch nicht blamieren. Bla, bla, bla dachte ich dabei nur, setzte aber vorsichtshalber eine Unschuldsmiene auf und hielt lieber meine Klappe.


Nachdem die Freigelassene mitbekommen hatte, dass es bei dem Geschäft um Pfeilspitzen ging, rauschte sie davon… angeblich um die rote Kaste abzulenken und auf dem Marktplatz war lautes Rumpen zu hören. Es war der Brauereibesitzer, der sich einen neuen Boskwagen zugelegt hatte. Leider bekam ich aus meiner knienden Position wegen der störenden Mauer nur die Hälfte von dem mit, was sich dort auf der anderen Seite tat und reckte entsprechend meinen Hals. Erneut zeigte sich, welch Kajiraversteher der nette Schmied ist. Er erlaubte mir nämlich, die Neuanschaffung aus der Nähe zu bewundern, befahl mir aber, ihm danach einen Becher Wasser zu bringen. 


Perfektes Timing übrigens, andernfalls hätte ich bestimmt weder die Bewunderung des Kriegerbauern für das stattliche, allerdings etwas störrische Tier mitbekommen, noch seine Warnung, der Brauereibesitzer soll aufpassen, dass der Bosk mit seinem Geweih nicht vornüber kippt… ob bei dieser Warnung womöglich etwas Neid dabei war? Egal, und es steht einer Kajira eh nicht zu, über Freie zu urteilen. Außerdem musste ich mich nun auch sputen, das Wasser für den Schmied zu holen, zumal mich ja auch interessierte, ob er mit der fremden Frau handelseinig wurde. 



Er wurde nach einigem Hin und Her tatsächlich einig über einen in meinen Augen nicht gerade kleinen Auftrag. „Dina, es wird eine lange Nacht“, waren nämlich später seine Worte, nachdem ich dem Weib den Weg zum Gasthaus gezeigt hatte. Als ehemalige Schmiede-Aushilfskajira war es mir selbstverständlich eine große Ehre, helfen zu dürfen, auch wenn ich dabei wie immer eine ziemliche Anziehungskraft entwickelt habe… für Ruß… es ging beim Schmieden der Pfeilspitzen nämlich ganz schön heiß und schweißtreibend her… ^^

Donnerstag, 26. März 2015

Opfer

Um es gleich vorweg zu nehmen, es war zwar ein Tag der Opfer, aber weder mein Herr noch sonst jemand in Jorts wurde verletzt. Aber der Reihe nach…

Da viele Krieger auf Wache oder ich weiß nicht mit was für kriegerischen Dingen unterwegs waren, war das Training hinter dem Hof ziemlich dünn besetzt. Selbstverständlich war der reichlich vorhandene Platz auf der Wiese für meinen Herrn und seinen Ex-Mentor kein Grund, diesen nicht für einige Runden Schwertkampf zu nutzen. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass der meinem Herrn zuvor noch verabreichte Vitaminschub in Form einer aufgeschnittenen Larma… also Larma pur… nicht so tolle Wirkung zeigte, wie Larma mit Kuchen. Und das lag nicht daran, dass er sich aufgrund meiner Art die Frucht zu servieren bereits vor dem Training verausgabt hatte… schade irgendwie, hatte ich aber auch nicht anders erwartet, denn zum einen war nicht genug Zeit zum ausgiebigeren Genießen und außerdem hält mein Herr es ja mit „erst die Kaste und dann das Vergnügen“… wenn das Letztere nicht ausfällt.


Merkwürdigerweise lag an diesem Tag genau neben dem großen Baum an der Trainingswiese ein Baumstumpf, auf den der Ex-Mentor zuvor seinen Fuß gestellt und dadurch so eine Art Siegerpose eingenommen hatte… das sah richtig toll aus. In der Annahme, die Larmavitamine würden meinen Herrn an diesem Tag zu einer neuen Höchstform auflaufen lassen, probierte ich diese Pose nun ebenfalls aus, nachdem die beiden Männer mit ihrem Training begonnen hatten, zumal ich in der wirklich bequemen Haltung viel besser zuschauen konnte. Ich fand mich also ziemlich klasse, besonders nachdem Hadi aufgefallen war, wie gut mein Branding durch den aufgestellten linken Fuß zur Geltung kam. 


Mist, während ich noch überlegte, ob ich nicht mein sowieso ziemlich knappes Oberteil einfach ausziehen sollte, um in dieser eindrucksvollen Pose vielleicht noch besser auszusehen, hörte ich meinen Herrn seinem Trainingspartner die Frage stellen: „Ist das etwa meine Kajira, die dort wie eine Tatrix auf Urlaub herumsteht?... Bei den Priesterkönigen, das ist ja wohl nicht zu fassen!“ Tja, ich behielt also mein Oberteil an und sank auch eiligst auf die Knie, hatte damit aber ein ungewolltes Opfer gebracht… mir nämlich blöderweise versaut, endlich mal wieder am Wasserfall schwimmen zu dürfen.

Bevor es weiterging mit opfern, denn mit dem Training war mein Herr mangels weiterer Teilnehmer jetzt durch, musste er allerdings noch abklären, ob der Händler an diesem Tag überhaupt Zeit hatte für das gemeinsame Opfer für die Priesterkönige... es passte aber tatsächlich. Was meinem Herrn allerdings zum Glück nicht passte, war der Vorschlag des Händlers, das Fell des Verr zuvor noch durch das Einflechten meiner langen schwarzen Haare kontrastreich zu verschönern. Schließlich sollte halbe-halbe geopfert werden, durch das Beisteuern meiner Haare wäre also eine Schieflage entstanden, denn der Händler konnte mangels eigener Kajira natürlich keinen Haarschmuck beisteuern. 


Trotzdem ist wohl nachvollziehbar, dass ich mich nun besonders eilig mit dem Geld meines Herrn Richtung Hof davonmachte, um das Verr zu holen, was sich übrigens als gar nicht so leicht herausstellte. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Hadi nichts davon wusste, was ihr Herr mit meinem am Vortag ausgemacht hatte und die Tiere ihr sowieso ans Herze gewachsen waren, sondern weil sich das Viech auf dem Weg in die Oberstadt leicht bockig zeigte und ständig irgendwelche Gräser fressen wollte, die auf der Wiese am Hof anscheinend nicht wachsen.

Wie gut, dass ich das Verr überlisten konnte, indem ich ein ganzes Büschel dieser oberleckeren Gräser vor seine Nase hielt, allerdings immer mit so viel Abstand, dass ihm vermutlich die Spucke im Mund zusammen lief, während es versuchte an die Gräser heranzukommen, es dies aber nicht schaffte, weil ich den Abstand konstant hielt. Auf diese Art und Weise kamen wir sogar die Stufen zum Altar hinauf, wo mein Herr und der Händler bereits warteten, zusammen mit dem ursprünglich aus dem Norden stammenden Schmied, der seinen Göttern zwar noch nicht abgeschworen hat, aber bei einem Opfer für die Priesterkönige trotzdem gern einmal zuschauen wollte. 


Während ich nun niederkniete und mich im Hintergrund hielt, traten mein Herr und der Händler dann mit dem Verr vor den Altar und mein Herr begann mit weit ausgebreiteten Armen mit der Ansprache an die Priesterkönige und seiner Bitte, seinen Schwertarm gegen jene zu führen, die sich ihm und dem Händler in den Weg stellen und die Verhandlungskunst des Händlers zu segnen. Wie immer beim Opfern war ich ziemlich ergriffen von dieser Zeremonie, aber es keimte in mir wie immer Mitleid mit dem Opfertier auf, auch wenn ich kurz zuvor noch ziemlich stinkig auf das störrische Verr gewesen war. Ich hielt daher nicht nur die Luft an, als mein Herr sein Schwert aus der Scheide zog, sondern schloss gleichzeitig meine Augen. 

Als ich dann wieder zum Altar schaute sah ich, dass aus dem abgetrennten Kopf des Verrs reichlich Blut floss, den mein mit reichlich Blut bespritzter Herr am Horn hochhielt, um ihn dann andächtig auf dem Altar niederzulegen. „Möge dieses Opfer euch wohl gefallen, auf das ihr uns und unserem Heimstein euren Segen gebt“, waren seine letzten Worte, bevor er gemeinsam mit dem Händler langsam und sehr ehrfürchtig bis zu den Stufen zurück trat, sich dann umdrehte und hinunter ging. Gekämpft, geopfert, gebetet... damit hatte mein Herr sein Tagwerk getan und konnte sich zurückziehen, während für mich noch das Reinigen seiner Kleidung im Bach anstand, eingetrocknete Blutflecken gehen einfach schlecht heraus oder oft gar nicht. 


Sein Argument, Blut sieht man auf der roten Kleidung eines Kriegers doch gar nicht, ließ ich jedenfalls nicht gelten und da mein Herr wegen der Frühwache am nächsten Morgen leider erneut sehr zeitig seine Felle aufsuchte, lief ich noch schnell zum Bach, um mich der Flecken anzunehmen.

Ok, ich gebe zu, weil sie besser rausgehen, wenn sie noch eine Weile einweichen, habe ich die Einweichzeit für ein kleines Bad genutzt, denn ich hatte eh vergessen, meine Tunika vor dem Verlassen des Hauses wieder anzuziehen.


Naja, und da Blutflecken noch besser herausgehen, wenn sie besonders lange einweichen, sprach eigentlich auch nichts gegen einen zusätzlichen Klöhnschnack mit dem netten Schmied. ;-))

Mittwoch, 25. März 2015

Seltene Schauspiele

Mist, ich hatte schon wieder das Aufwachen meines Herrn und Frühaufstehers verpasst. Wobei das nicht weiter verwunderlich war, nachdem er so viel früher als ich seine Felle aufgesucht hatte. Er saß nämlich bereits draußen auf seiner neuen Bank und genoss dort anscheinend die Aussicht. Ich glaube übrigens, es war ganz gut, dass ich nicht noch länger geschlafen habe, denn meinen Herrn bewegten so merkwürdige Gedanken über sich schlecht benehmende Fremde, am liebsten aus roter Kaste, mit deren Behandlung er das merkwürdige Zucken in den Fingern seiner Schwerthand beruhigen wollte. Schade nur, dass es mir nicht gelang, seinen Bewegungsdrang zu den Wasserfällen zu lenken, die ja nicht nur ein tolles Schauspiel bieten, sondern auch eine wundervolle Bade- und sonstige Entspannungsmöglichkeit. Nach Auskunft des Schmieds sollen die Wassertemperaturen herrlich sein. Ich kann also nur hoffen, dass mein Herr nicht vergisst, mein Badeverbot vielleicht mal wieder aufzuheben.

Genauso wichtig wie Baden war für mich aber auch, dass er sich bei dem gefährlichen Zucken in seiner rechten Hand zum Glück an die mahnenden Worte seines Vaters erinnerte: "Scheiße, Junge, du rennst durch die Welt und rufst 'Töte mich! Kämpf mit mir bis zum letzten Blut!'... Es ehrt dich, dass du es so hältst, wie es jeden Krieger ehrt. Aber sei dir bewusst, irgendwann kommt mal einer, der dir den Gefallen tut!" Ich glaube, ich muss bei diesen Worten das Bein meines Herrn wohl extrem fest umklammert haben, weil schlagartig ganz schreckliches Entsetzen eiskalt nach meinem Kajiraherzen griff. Er streichelte danach nämlich sehr sanft meine Wange und ergänzte leise schmunzelnd, dass ich mir keine Sorgen machen soll, weil dieser Tag noch in der Ferne liegt… hoffentlich! Schließlich ließ er seinen Blick aber Richtung Schmiede wandern, wo anscheinend das Erste Schwert mit einer blonden Sklavin zu sehen war.

Nach meinem Bericht, dass dieser Krieger mit seinem Wildfang an diesem Tag wegen eines Brandzeichens zum Schmied wollte, war mein Herr jetzt natürlich neugierig geworden und wollte sich die Wilde mal ansehen. Außerdem meinte er, solch ein „meist seltenes und recht belustigendes Schauspiel“ mit dem glühenden Brandeisen durfte man sich nicht entgehen lassen. Ich gestehe, da das typische Knurren und Fauchen dieses Mädchens mit dem ganzen Metall im Gesicht und den angespitzten Zähnen für mich nicht mehr neu war, galt meine Aufmerksamkeit vor der Schmiede dann doch mehr dem netten Metallhandwerker, der mich nach meinem Gruß übrigens Schönheit genannt hatte. Wobei ich mir darauf selbstverständlich nichts einbilde, denn erstens steht Eitelkeit einer Kajira nicht und außerdem bezeichnet er viele Mädchen so. 


Das seltene Schauspiel mit der wilden Darstellerin verzögerte sich jedoch noch, da der Krieger sie vorher noch medizinisch untersuchen lassen wollte. Lange Weile kam aber trotzdem nicht auf. Im Gegenteil… mein Herr gab nun einen Witz zum Besten, bei dem der Schmied schließlich fast mit seinem Stuhl umkippte und ich vor Lachen hintenüber fiel und das obwohl ich kniete. Mist, leider kann ich mir nie Witze merken und erinnere nur, dass es um ein anderes seltenes Schauspiel ging, nämlich des sich verfinsternden Zentralgestirns, das nicht alle Tage vorkommt. Ein Heerführer hatte wegen besagtem Schauspiel wohl seinem Untergebenen den Befehl erteilt, alle Krieger sollen es sich auf dem Kasernenhof anschauen, außer es regnet, dann sollen sie in der Halle antreten, weil man bei Regen natürlich nichts davon sehen kann. 

Das Gedächtnis einiger Kriegeroffiziere in diesem Witz scheint jedoch noch schlechter zu sein als meins, sodass aus dem Befehl des Heerführers beim Weitergeben über ich weiß nicht mehr wie viele Rangebenen bis nach unten schließlich folgender Befehl wurde: "Morgen Verfinsterung des Heerführers im Drillkreis wegen des Zentralgestirns! Wenn es in der Halle regnet, was nicht alle Tage passiert, antreten im Kasernenhof! Sind Schauspieler dabei, sollen sie sich selten machen!" Ok, ich gebe ja zu, es fehlen hier jetzt wirklich die ganzen vertüdelten Befehle der schusseligen Krieger, die ich mir jedoch nicht merken konnte. Jedenfalls kugelten wir uns vor Lachen über diverse Möglichkeiten bei Regen und was sich alles verfinstern kann. 

Daher war schließlich zur Entkrampfung der Bauchmuskeln etwas Bewegung zum Hof in Sachen Opferung gar nicht so verkehrt. Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Herr und der Händler sich für ein paar gewinnbringende Investitionen das Wohlwollen der Priesterkönige erhoffen und weil sie natürlich nicht knauserig erscheinen wollen, hatten sie sich überlegt, ein Verr zu opfern. 

Mit der Anwesenheit des Kriegerbauern waren die hohen Herren aus dem Sardar meinem Herrn zumindest an diesem Tag jedenfalls wohlgesonnen und die Kosten für das Verr waren ebenfalls schnell geklärt. 

Genauso problemlos war übrigens auch die Abstimmung mit dem Händler, den mein Herr auf der Terrasse des Gasthauses traf. Einzig über den Termin wurden sich die beiden Herren noch nicht einig.

Jedenfalls stand dem Zuschauen des seltenen Schauspiels an der Schmiede mit dem glühenden Eisen auf dem Schenkel der Wilden schließlich nichts mehr im Wege, außer dem ganzen Blecht, das der Schmied zuvor noch aus dem Gesicht des Mädchens entfernte... aber das roch wenigstens nicht so versengelt.


Dienstag, 24. März 2015

Waschtag

Schon vor einiger Zeit war es mir mit ein wenig lautem Denken gelungen, meinen Herrn auf die Idee für ein paar Umbaumöglichkeiten zu bringen. So schön wie sein jetziges Haus zwar gelegen ist, fand ich es seit dem Umzug dennoch sehr schade, dass er den tollen Garten viel zu selten bis gar nicht nutzt… mangels Sitzgelegenheit vor allem. Gestern nun... leider ausgerechnet am Waschtag... war endlich seine neue Gartenbank geliefert worden, sodass als erstes ein paar Umräumarbeiten anstanden. Der Zaun sollte nämlich etwas versetzt werden und auch die Wäscheleine einen anderen Platz bekommen, weil an ihrer Stelle die neue Bank hin sollte… überdacht, mit Blick zum Hafen, aber auch Richtung Marktplatz. Anscheinend ganz angetan von seinen Entscheidungen, weihte mein Herr die Bank auch sogleich ein, während ich schnell die nasse Wäsche wieder anklammerte.


Danach berichtete ich ihm natürlich erst mal von meinen Erlebnissen am Vortag, denn wegen seiner Wache hatte er ja so einiges verpasst. Wobei ich mir die Freilassung von Shani bis zum Schluss aufbewahrte. Ich erzählte nämlich zuerst kurz von den Lebensmitteleinkäufen, informierte ihn etwas ausführlicher über die Bond des Hauptmanns und dass ich dem Schmied hatte helfen dürfen. Selbstverständlich erwähnte ich auch mein Gespräch mit dem Krieger von der Brauerei, die Besichtigung mit ihm auf der Stadtmauer und natürlich das Neueste über die bemalten Steine im Wald, was meinen Herrn zu dem lauten Ausruf veranlasste: „Fremde Götter nicht verärgern? Oh, ihr Priesterkönige… schickt nicht gleich den Feuerregen, der Rat kommt sicher noch zur Vernunft!“ Er wird demnächst also wohl noch persönlich den Hauptmann zu diesem Thema befragen.


Tja, die Reaktion meines Herrn auf den Oberknaller meines Berichts, nämlich dass der Händler Shani freigelassen hatte, war übrigens genau wie vermutet. Bankeinweihung hin oder her, nach dieser Neuigkeit hielt ihn nichts mehr auf seinem Allerwertesten, denn er sprang mit ungläubig gerunzelter Stirn sofort auf. „Er hat was? Na, ich wollte eh gerade einen Rundgang machen… Kajira, zieh dir was an!“ veranlasste mich selbstverständlich dazu, nicht lange nach einer Tunika zu suchen, sondern mir eilig die oben in der Kiste liegende vom Vortag überzustreifen, die zum Glück nach kurzer kritischer Musterung die Zustimmung meines Herrn fand. Puhh, wie gut, dass ich sogar bei solch oberschweren Entscheidungen manchmal auch schnell sein kann, denn mein Herr stapfte umgehend los, kaum dass ich wieder vor der Tür war.


Der Zeitpunkt für seinen Sturm Richtung Unterstadt hätte übrigens nicht günstiger sein können. Auch wenn Marktplatz und Gasthausterrasse erstaunlich leer waren, traf mein Herr dort tatsächlich den Händler und seine freigelassene Kajira, die er mit langem Kleid und Schleier vorm Gesicht jedoch nicht erkannte. Genauso war es mir einen Tag zuvor ja auch ergangen! Nur logisch also, dass er aufgrund der Farben ihrer Roben in der Frau eine Händlerin vermutete. Wieso der Händler aus dem Nichterkennen meines Herrn nun allerdings schloss, dass ich ihm nichts von Shanis Freilassung erzählt hatte, hab ich übrigens nicht verstanden. Doch das war eh nicht weiter wichtig, denn die Neuherrin wurde meinem Herrn nun sowieso mit „das ist Shani, auf dem Weg zur Händlerin“ vorgestellt.

So ganz genau konnte ich aus meiner knienden Position die Mimik meines Herrn nach dieser Mitteilung leider nicht sehen, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er den Händler wahrscheinlich mit einer Mischung aus Unverständnis und Missfallen, vielleicht auch mit hochgezogenen Augenbrauen angesehen hat, während er vorsichtshalber noch einmal nachfragte: "Du hast deine Kajira freigelassen?" Nach der nun folgenden Bestätigung des Händlers brach er dann in schallendes Gelächter aus. So wie der Händler aussah und das was man von Shani, auf dem Weg zur Händlerin sehen konnte, hatten die beiden mit einer solchen Reaktion vermutlich nicht gerechnet, sodass mein Herr, nachdem er sich einigermaßen wieder eingekriegt hatte, nun einen Händlervortrag erhielt… über die Austauschbarkeit von Sklavinnen und Geschäftspartner, denen man vertrauen kann, die angeblich noch schwieriger zu finden sind, als gute Kajirae... und, und, und.


Etwas unglücklich formuliert war übrigens ein Hinweis auf den Ratssitz des Händlers… ich glaube im Zusammenhang mit seinem Vertrauen in die ehemalige Kajira, auf dem Weg zur Händlerin. Mein Herr verstand nämlich, dass diese kastenlose Frau ohne Heimstein mit Brandzeichen auf dem Schenkel den Händler dort während seiner demnächst wohl anstehenden längeren Abwesenheit vertreten sollte. Hierbei handelte es sich jedoch um ein Missverständnis, das schnell geklärt werden konnte, sodass mein Herr schließlich abwinkte: „Verstehe meinen Ausbruch eben nicht falsch, mein Vertrauen zu dir ist ungebrochen... ich glaube, ihr Händler habt andere Arten, an eure Kajirae zu kommen und sie zu halten... bei Kriegern ist das mit dem Freilassen so eine Sache.“ Nach diesen Worten befahl er mir, meinen Kragen zu zeigen und erklärte dann: „Wir Krieger denken in Stahl. Da ist Stahl am Hals meiner Kajira und da ist Stahl an meinem Gürtel… nur durch Stahl wird der Stahl an ihrem Hals verschwinden!“

Leider machte sich bei meinem Herrn zu Hause recht bald die anstrengende letzte Wache bemerkbar, sodass er sich ziemlich früh schlafen legte. Meine riesengroße Erleichterung und Freude über seine Worte ließen mich jedoch einfach nicht einschlafen… ich war viel zu aufgekratzt. Um mich ein wenig abzulenken, lief ich daher noch einmal nach draußen zur Wäsche. Doch sie war immer noch nicht trocken, das Abhängen bot also keine Ablenkung, dafür aber die Erkenntnis, dass anscheinend nicht nur bei mir Waschtag war. Der gegenüber wohnende Tarnreiter schickte nämlich gerade seine neue Kajira zum Brunnen. Wobei das Waschen bei ihr nicht allzu viel nützte, denn sie sah hinterher immer noch ziemlich angeschmuddelt und ramponiert aus. Im Gespräch mit dem Krieger erfuhr ich schließlich, dass sie eine Wilde aus dem Wald war, die er erst vor kurzem gefangen hatte. Das erklärte auch, warum sie ständig fauchte und knurrte. Wobei sie die Befehle ihres Herrn ganz gut befolgte und sich wohl sogar an das Seil an ihrem Kragen gewöhnt hatte… nur ob in dieser Kajira jemals Sklavenfeuer entfacht werden kann… mal abwarten.


Auch beim Schmied war übrigens Waschtag gewesen oder eigentlich Badetag an den Wasserfällen. Hach… wie gerne würde ich endlich mal wieder schwimmen gehen! Doch das hat mein Herr mir leider immer noch verboten. Der Schmied muss anscheinend auf seinem Rückweg zur Werkstatt unsere Stimmen gehört haben und kam deswegen auf einen kleinen Abstecher den Hügel zu uns hinauf. Während der Krieger die Gelegenheit ergriff und mit ihm einen Termin vereinbarte, damit der Schenkel seines Wildfangs mit einem Brandzeichen verziert wird, lief ich schnell nach drinnen, um ein Tuch zum Abtrocknen zu holen… der Schmied war mangels selbigem nämlich immer noch klitschenass, vor allem seine schönen langen Haare trieften und durften von mir trocken gerubbelt werden. Schade nur, dass es inzwischen sehr spät geworden war, denn beim Abtrocknen des gut gebauten Herrn kam wohl nicht nur mir der eine oder andere interessante Gedanke.^^

Montag, 23. März 2015

Mitgefühl

Nachdem mein Herr das Haus sehr zeitig verlassen hatte, um während seiner Wache für die Sicherheit der Stadt zu sorgen, beeilte ich mich mit meinen Hausarbeiten und schnappte mir schließlich den kleinen Einkaufskorb. Ich wollte auf dem Hof vielleicht ein paar Lebensmittel erstehen. Leider traf ich dort jedoch niemanden an, sodass ich unverrichteter Dinge zurückkam, um nun mein Glück bei den Händlern am Hafen zu versuchen. Im Durchgang zwischen Brauerei und Schmiede kam ich mit dem freundlichen Krieger der Brauerei ins Gespräch. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass auch er nichts von der testweise installierten Armbrust auf der Stadtmauer wusste, die ich ihm nun zeigen durfte. Selbstverständlich habe ich ihn dabei auch auf den fehlenden Bolzen hingewiesen, den mein Herr mir auf seinem Rundgang gezeigt hatte, allerdings auf einen Vortrag über Flugbahn und Durchschlagsvermögen solcher Konstruktionen lieber verzichtet, denn so ganz habe ich mir diese Kompliziertheiten wohl doch nicht merken können.


Interessant war übrigens vom Brauereikrieger zu erfahren, dass die bemalten Steine im Wald nun anscheinend doch erst einmal stehen bleiben sollen, weil der Rat wohl Angst hat, den Zorn irgendwelcher fremden Götter auf Jorts Fähre zu lenken. In diesem Zusammenhang erzählte ich dem Rarius nun vom Vorhaben meines Herrn, den Priesterkönigen zur Gutelauneverbesserung demnächst ein Opfer zu bringen und bekam bei seiner Frage einen ganz gewaltigen Schrecken, ob ich vielleicht dieses Opfer bin. Naja, ich bin eben nur eine unwichtige Kajira und der Krieger konnte ja nicht wissen, dass mein Herr gemeinsam mit dem Händler in Sachen Geldvermehrung ein Verr opfern will und nicht mich… hoffe ich jedenfalls. Mir gänzlich unverständlich war allerdings, wie er auf die Idee kommen konnte, dass mein Herr in die Händlerkaste wechseln will, denn in meinen Augen ist kein Rarius so sehr von roter Kaste, wie mein Herr.


Inzwischen war der Schmied kopfschüttelnd dazugekommen und mokierte sich darüber, dass irgendein Nordmann anscheinend auf der Gasthausterrasse Anstalten machte, die Bond des Hauptmanns zu benutzen. Ich fand das ehrlich gesagt nicht weiter schlimm, denn irgendwelche freien Frauen waren doch nirgends zu sehen. Dies sollte sich allerdings kurz darauf ändern. Der Händler tauchte nämlich plötzlich auf und mit ihm irgendein mir unbekanntes, ziemlich tollpatschiges blondes Weib, das ich zuvor noch nie gesehen hatte. So wie die Freie an ihren Röcken herumzupfte, waren ihr die anscheinend viel zu lang und ihr Schleier saß wohl auch nicht so ganz richtig, denn es sah aus, als ob sie ständig darauf herumkaute. Aber was soll’s… das Getue der Frau interessierte mich ehrlich gesagt nicht weiter. Viel wichtiger fand ich, meinem Herrn Ehre zu bereiten und deswegen den sich nach ihm erkundigenden Händler ein wenig mit meinem Anblick zu erfreuen.

Ich blieb daher nach meinem Gruß mit weit gespreizten Schenkeln knien. Die Blicke der Fremden waren mir jedenfalls total egal, sollte sie doch woanders hinschauen und nicht gerade auf meine Hitze… jede Menge Möglichkeiten und genug Umgebung war wirklich ausreichend vorhanden, zumal ich die einzige Rotseidene weit und breit war. Bei der wohlwollenden Betrachtung meiner Schenkel durch den Händler war ich mir eigentlich auch ziemlich sicher, dass mein Vorhaben bei ihm die gewünschte Wirkung zeigte und wollte gerade noch etwas rotseidener nachlegen, als das Weib neben ihm plötzlich zischte: „Kajira, es ist ziemlich mutig von dir, dich ohne deinen Herrn einer Freien so zu präsentieren, ist dir das bewusst?“ Pahh, was bildete sich diese Trockenpflaume eigentlich ein… selbstverständlich wusste ich was ich tat, nur präsentierte ich mich doch nicht ihr, sondern dem Händler! Freundlich wie ich nun mal bin, klärte ich sie lächelnd darüber auf, dass ich auf Wunsch meines Herrn immer im Nadu knie, schloss meine Beine aber sogar einen klitzekleinen Hauch, um ihr meinen guten Willen zu zeigen. 


Tja, und dann wurde es… wie soll ich sagen… mir fehlt selbst jetzt noch fast die Sprache, denn ich war einfach total geschockt. Nein, nicht über die Ermahnungen dieser Frau… sie nicht weiter zu provozieren… dass ich bei meiner früheren Herrin gelernt haben sollte, wie ich mich freien Frauen gegenüber zu verhalten habe… und, und, und. Der kühle Blick dieses Weibs verflog nämlich schlagartig von einer Ihn zur anderen und zu hören war plötzlich schallendes Gelächter, das ich eindeutig Shani zuordnen konnte, der Kajira des Händlers. Ohje, wie Schuppen fiel es mir von den Augen… hatte Goldlöckchen etwa Flausen im Kopf gehabt und sich verkleidet? Sie forderte damit doch eine schlimme Strafe ihres Herrn heraus, die wahrscheinlich so fürchterlich war, dass ich sie mir nicht ausmalen mochte! Ich vermute übrigens, der Schmied war genauso erstaunt wie ich über die Mitteilung von Shanis Herrn, dass er seine Kajira freigelassen hatte. Puhhh, tatsächlich freigelassen?? Unfassbar!!!


Was hatte sie nur Schreckliches angestellt, um dermaßen grausam bestraft zu werden? Es wollte mir einfach nicht in den Kopf, denn frei zu sein wäre für mich wahrscheinlich mein Todesurteil. Arme Shani, das hatte sie auf keinen Fall verdient, auch wenn sie manchmal ganz schön zickig sein kann. Mein zutiefst empfundenes Mitgefühl war der Ärmsten jedenfalls sicher, egal wie viel Nutzen sie ihrem Herrn seiner Meinung nach mit ihrer Freiheit jetzt angeblich bringt und wie viel Vertrauen er nun in sie setzt… ach nee, ihrem ehemaligen Herrn muss ich nun ja sagen… der nun übrigens kundtat, dass sie trotzdem immer noch Shani ist, aber eben frei, allerdings auch nicht seine Gefährtin. Leider maulte sie inzwischen schon wieder ermahnend in meine Richtung, sie „Herrin“ zu nennen… sie ist also tatsächlich nicht mehr Shani, sondern eine Neuherrin. Mal sehen, ob ich ihre gewünschte Anrede tatsächlich irgendwann hinbekomme… gestern klappte es jedenfalls nicht.

Für meine Versprecher erhielt ich schließlich sogar eine strenge Ermahnung des Schmieds, der mir bei weiterer Missachtung ein brennendes Hinterteil ankündigte und mich mit unmissverständlichem „Har-ta“ zu sich zitierte. Damit war es ihm anscheinend genauso ernst, wie es ihm offensichtlich egal war, ob er hinterher eine Entschädigung an meinen Herrn zahlen muss. Leider zog sich die Neuherrin nun in Kleiderangelegenheiten mit der Schneiderin zurück, sodass ich nicht mehr üben konnte und bedauerlicherweise auch nicht mehr herausbekam, wo die neue Freie jetzt eigentlich wohnt. Wenn sie tatsächlich so auf ihren Ruf bedacht ist wie sie tut, kann das ja wohl nicht mehr bei ihrem Herrn sein… also dem ehemaligen. Ach was soll’s, mich interessiert sowieso nicht, was der Händler mit seiner freigelassenen Kajira in den eigenen vier Wänden treibt und außerdem befindet sich in seinem Haus eine separate Wohnung.


Hierüber noch länger nachzudenken, blieb mir außerdem eh keine Zeit, Es tauchte jetzt nämlich vor der Schmiede die Bond des Hauptmanns mit wackelnden Brüsten auf, deren heftiges Schwingen wegen der an ihren Knospen befestigten schweren Goldkette übrigens nicht weiter verwunderlich war, zumal das Mädchen sogar behauptete, dieses von ihr anscheinend innig geliebte Metall sei aus zwei Goldtarns hergestellt und dementsprechend schwer. Wahhh, wie unpraktisch! Aber egal, hier hielt sich mein Mitgefühl in Grenzen. Außerdem sollte das Teil nun entfernt werden und meine Meinung war sowieso nicht gefragt. Die Neue wurde dank der guten Arbeit des Schmieds den Zug nach unten zum Glück schnell los und die Kette wanderte in seine Tasche. Zuletzt händigte er dem Mädchen wie mit dem Hauptmann vereinbart einen Schmuck-Boskring aus… für das Durchlöchern ihrer Nasenscheidewand sah er sich allerdings nicht als zuständig an.


Während der nette Metallhandwerker die Bond nun nach Hause entließ, war ihm an meiner Gesellschaft anscheinend noch gelegen. Er befahl mir nämlich noch zu bleiben, was mich natürlich sehr freute. Nachdem dann so langsam Ruhe in der Stadt einkehrte und auch die Schneiderin sich nach einem letzten kleinen Plausch mit dem Schmied zurückgezogen hatte, entwickelte sich noch ein sehr interessantes Gespräch über Kajiraschmuck mit diesem gutaussehenden Herrn, in dem er mir auf seine sehr sanfte Art zusätzlich verdeutlichte, an welchen Stellen manche Männer ihre Sklavin mit Ringen schmücken und wie sich sowas wohl anfühlt… wobei ich mir sehr sicher bin, dass für meinen Herrn nur der Schmuck um meinen Hals zählt. ;-))

Samstag, 21. März 2015

Auf Rundgang

Ein Krieger ist ja immer irgendwie im Dienst, auch wenn er gar keine Wache hat. Zumindest ist es bei meinem Herrn so, denn er überzeugt sich auf solchen Rundgängen gerne persönlich davon, dass in der Stadt alles ruhig ist… so auch gestern. Schmiede, Marktplatz und Gasthaus waren allerdings ausgestorben, sodass er am Hafen angekommen dann die Frage stellte, ob wir zu früh sind oder ob es einfach nur so ruhig war, weil alle Bewohner noch in ihren Häusern zu tun hatten. Doch gerade als er dann weiter in die Oberstadt gehen wollte, hörten wir Schritte hinter uns. Es war der Krieger von der Brauerei, der sich anscheinend mal am Hafen die Beine vertreten wollte, solange ihn seine vor sich hin blubbernden Kessel nicht brauchten.


Mein Herr nutzte das Zusammentreffen mit seinem Kastenbruder, um sich bei ihm nach dessen neuer Kajira zu erkundigen, denn er ist der Meinung, dass ein Kriegerleben zu kurz ist, um sich mit schlechten Kajirae abzugeben. Daher war er erfreut zu hören, wie zufrieden der Brauereikrieger mit seiner Entscheidung immer noch ist, San zu behalten… ich mag sie übrigens auch sehr. Während mein Herr jetzt das neue Pagafass bezahlte und ein paar Münzen den Besitzer wechselten, nutzte ich die günstige Gelegenheit, um mich der Betrachtung von zwei Paar herrlicher Männerbeine hinzugeben, denn auch der Krieger von der Brauerei hatte inzwischen wohl inzwischen erkannt, dass die milden Temperaturen keine langen Hosen mehr erforderten. Anscheinend gehörte er nicht zu den Oberfrostködeln wie der Hauptmann, der immer noch keine Haut an seinen Kriegerbeinen zeigt und sogar noch die dicken Stiefel trägt.

Beim Thema Geld angekommen, überlegte mein Herr dann, ob er sich mal mit dem Händler über Anlagemöglichkeiten unterhalten sollte, denn seit meinem Kauf braucht er sich schon lange keine Sorgen mehr um Geld zu machen. Das meiste seines Solds und seine Beute sowieso legt er auf die hohe Kante, nur leider vermehrt sich herumliegendes Geld nicht… eine gewinnbringende Investitionsmöglichkeit wäre daher nicht schlecht. Anscheinend hatte auch sein Vater schon für ein wenig Rückendeckung zusätzlich ein paar anständige Söldner bezahlt, zumal es durchaus sehr angenehm sein kann, sollte man von irgendeinem unehrenhaften Kerl mal herausgefordert werden, mit dem man sich nicht befassen mag und kann diese lästige Angelegenheit dann von seinem Söldner erledigen lassen.


Als der Rundgang meines Herrn schließlich in die Oberstadt führte, ging es natürlich auch auf die Stadtmauer, denn dieser sehr wichtige Schutz muss selbstverständlich ständig inspiziert werden. Sein besonderes Interesse fand eine Konstruktion, die anscheinend probehalber an der Balustrade installiert worden war. In meinen unbedarften Augen, denn ich kenn mich mit Waffen logischerweise kaum aus, sah das Ding wie eine Mini-Ballista aus, deren Bedienung mein Herr mir sogleich erklärte und dabei auch darauf hinwies, dass wohl noch ein Schlagbolzen zum Abfeuern fehlte. Naja, meine Vermutung über die Flugbahn nach dem Abfeuern schien ihn nur zu belustigen, denn breit grinsend hielt er mir erst einmal einen kleinen Vortrag über die Durchschlagskraft von solchen Konstruktionen und mit wieviel Schuss man so viel Kleinholz hat, um am Abend eine ganz Kaserne beheizen zu können… oder so.

Wobei ich zugeben muss, dass seine Erklärungen über Infanterie-Abwehr oder gegen Thalarion-Kavallerie, Flugkurven bei größeren Katapulten und Ballisten im Vergleich mit dieser fest montierten Armbrust ein wenig an mir vorbei gingen. So wirklich gut merken kann ich mir solchen kriegerischen Kram nämlich nicht, auch wenn ich mir wirklich Mühe gebe, eine gute Kriegerkajira zu werden. Trotzdem war ich einigermaßen froh, als wir schließlich auf den Händler trafen, denn ich erhoffte mir, dass es nun weniger kriegerisch zuging. Meine Hoffnung wurde tatsächlich erfüllt, denn das leise Gespräch über gewinnbringende Verwendungsmöglichkeiten von herumliegendem Geld war dann doch um einiges interessanter.


Der Händler war von dem Vorschlag meines Herrn wohl letztendlich auch ganz angetan, nachdem er sich mit ihm über den Unterschied zwischen Proviant und Provision einig geworden war. Anscheinend soll dieser Gedanke weiterverfolgt werden, da sich damit vielleicht tatsächlich etwas verdienen lässt. Um auf Nummer Sicher zu gehen, waren sich die beiden auch total einig, dass es auf keinen Fall verkehrt sein kann, den Priesterkönigen demnächst ein Opfer zu bringen, da die wohl ebenfalls einer Provision nicht abgeneigt sind.