Donnerstag, 5. März 2015

Auskunftsfreude mangelhaft

Während mein Herr noch auf Wache war, legte ich mich ordentlich ins Zeug, um mit dem Backen fertig zu sein, bevor er nach Hause kam. Es war nämlich mal wieder Mitte der Hand, also später am Tag noch Waffentraining angesagt und somit ein weiterer Larmakuchen zu backen, weil sich dieser Kuchen erst kürzlich ganz hervorragend als wirklich guter Energielieferant bewährt hatte. Diesmal habe ich allerdings sogar zwei Kuchen gebacken, denn mein Herr hatte zugestimmt, dass ich der Brauereikajira mit einem aushelfe. Leider war mir jedoch immer noch nicht bekannt, ob es einen besonderen Grund für Kuchen im Brauereihaushalt gab… aber egal, vielleicht gelang es mir ja noch, an diese Information heranzukommen?

Mist, bedauerlicherweise öffnete mir auf mein Klopfen an der Tür der Brauerei niemand und es waren auch weit und breit weder San noch ihr Herr in Sicht, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als den Kuchen neben der Tür auf der Bank abzustellen, bevor ich mich mit immer noch nicht gestilltem Wissensdurst über den Kuchengrund auf den Heimweg machte, denn mein Herr musste demnächst zurück sein. Immerhin traf ich San unterwegs und konnte sie so gerade eben noch über die Kuchenlieferung informieren, denn sie war anscheinend ganz gewaltig in Eile und hetzte ziemlich außer Atem und mit hochrotem Kopf gleich weiter. Man konnte fast glauben, jemand sei hinter ihr her, was aber natürlich nicht der Fall war. Später erfuhr ich dann, ihr war von dem Grünen Laufen verordnet worden… warum auch immer, denn zu dick ist sie wirklich nicht.

Zu Hause angekommen zeigte sich nun, wie gut es ist, dass sich die Haustür nach außen öffnet. Ich denke, so eilig wie ich hinein gestürmt bin, hätte ich sie meinem Herrn andernfalls bestimmt an die Nase geknallt. Er stand nämlich genau im Eingang neben seinem Waffenständer und war bei meinem Eintreffen gerade im Aufbruch zur Wiese, da er zum letzten Waffentraining vor dem Turnier am heutigen Tag natürlich nicht zu spät kommen wollte. Anscheinend hatte er nach Beendigung seines Wachdienstes den Weg am Hafen entlang genommen, während ich an der anderen Seite der Schmiede vorbei gelaufen war. Nun war ich natürlich sehr froh darüber, noch rechtzeitig aufgetaucht zu sein, um ihm ein großes Stück des noch lauwarmen Kuchens zu servieren, den er zu meiner Freude diesmal übrigens wohlwollend zwinkernd mit „beinahe atemberaubend!“ bewertete, denn ich hatte eine kleine Variante ausprobiert, die ihm anscheinend ganz gut schmeckte.


In Sachen Energielieferant ging die Rechnung jedenfalls auch diesmal wieder einigermaßen auf, denn mein Herr war wirklich in guter Form und beim Training mit dem Hauptmann sogar in Höchstform… aber der hatte ja vermutlich auch keinen Larmakuchen vorher gegessen und musste daher ab und an mit einem Happen Gras Vorlieb nehmen. Während mein Herr sich in einer kurzen Trainingspause um die Baumbewässerung kümmerte, erfuhr ich übrigens von der Sportverordnung des Grünen für San, denn einer der Krieger beschwerte sich darüber, dass sie das Nebentor in der Stadtmauer hatte offen stehen lassen und forderte Bestrafung dafür... es war sogar die Rede von Kupfer für die Stadtkasse. Aber es schien sowieso nicht ihr Tag zu sein, denn sie hatte wohl auf der Suche nach Grünzeug für einen Blumenstrauß das Kräuterbeet eines  Kriegers etwas gerupft und in Unordnung gebracht.

Wie die Strafe für San dann letztendlich ausgegangen ist, habe ich jedoch nicht mehr mitbekommen, weil es meinen Herrn jetzt nach einem Paga im Gasthaus gelüstete. Doch dazu sollte es erst später zu Hause dann kommen. Auf der Terrasse hatte sich nämlich eine fremde Freie niedergelassen, der nun natürlich die Aufmerksamkeit meines Herrn galt, denn ein Krieger ist selbstverständlich immer im Dienst, auch wenn er gerade keine Wache mehr hat. Fremden nicht unfreundlich zu begegnen, sich ihnen vorzustellen, aber dennoch ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen, ist eigentlich nie verkehrt. Daher fand ich es ganz normal, dass mein Herr der Fremden seinen Namen, seine Kaste und seine Heimsteinzugehörigkeit nannte und von ihr selbstverständlich das gleiche erwartete. Tja, das Weib sagte erst einmal nur ihren Namen, doch mit ein wenig Nachbohren war dann zu erfahren, dass sie eine aus dem Norden stammende Sklavenhändlerin ist.


Leider um einiges weniger auskunftsfreudig war die kurz darauf eintreffende, grün gekleidete Reisende, die offenbar auf der Suche nach einem Arzt war. Sie behauptete zwar nicht krank zu sein, doch das konnten sogar Nichtgrüne schon wenige Ehn später anzweifeln… die Gnädigste litt offensichtlich an einem ausgeprägten Hörschaden. Beim Anblick der grünen Robe des zurzeit in Jorts wohnenden Medicus schalteten ihre Ohren nämlich auf vollkommen taub für jegliche Fragen meines Herrn nach ihrer Kaste und ihrem Heimstein, nachdem sie immerhin ihren Namen genannt hatte. Nur einen Namen habe ich auch, bin aber trotzdem ein Nichts, denn ich bin unfrei, gehöre keiner Kaste an und habe auch keinen Heimstein. Für mich war es jedenfalls nicht nachvollziehbar, dass dieses Weib nicht gewillt war, meinem Herrn die gewünschten Auskünfte zu geben. Das einzig Wichtige für die Frau war offenbar das in ihrer Hand befindliche Dokument, dessen Empfänger sie nun in dem in Jorts wohnenden Grünen gefunden zu haben glaubte.


Daher konnte ich auch seinen langsam anschwellenden Zorn verstehen, als er fassungslos mit dem Kopf schüttelnd nun sichtlich erbost von sich gab: „Bei den Priesterkönigen… Frau, ich möchte von dir wissen, in welcher Kaste du bist oder welcher Tätigkeit du nachgehst… welchem Heimstein du angehörst oder wo du herkommst. Wird man von einem Krieger an einem fremden Heimstein nach diesen Auskünften gefragt, ist man mit einer Antwort gut beraten!" Doch auch die beruhigenden Worte des Grünen brachten nicht die gewünschten Informationen von dieser Reisenden, zumal nun der kräuterbeetgeschädigte Krieger hinzu kam und meinem Herrn sogleich in den Rücken fiel, indem er ihm tatsächlich die Frage stellte, ob einzelne Frauen wirklich eine solch unglaubliche Gefahr sind, dass man sie anfahren muss, als seien sie ein Kur mit Robe. Keine Ahnung, was bei den berechtigten Fragen "anfahren" gewesen sein sollte, zumal besagter Rarius ja auch erst später dazu gekommen war und die zunehmende Taubheit der Herrin gar nicht mitbekommen hatte.

Tja, leider brachten die bestätigenden Worte „wo er Recht hat, hat er Recht“ des ehemaligen Mentors meines Herrn den anderen Krieger noch mehr in Rage und beruhigten ihn kein Stück. Im Gegenteil, er sah die Frage nach dem Heimstein der Fremden weiterhin als überflüssig an und nahm sich sogar heraus, meinen Herrn im Beisein aller mit seiner Besserwisserei darüber zu verhöhnen, was er erst einmal lernen sollte, bevor er mit Erwachsenen redet. Da mir bekannt ist, dass in einigen Städten Gors Fremde sogar schon gepfählt werden, nur weil sie die Stadt ohne Erlaubnis betreten haben, war zumindest für mich nachvollziehbar… für den Krieger mit Kräuterbeetschaden wohl eher nicht… warum der Ex-Mentor meines Herrn schließlich von sich gab: „Manchmal glaube ich es wäre besser, Fremde erst auf einen Pfahl zu setzen und dann zu befragen, wo sie herkommen und was sie wollen… das erhöht erfahrungsgemäß die Auskunftsfreude deutlich“.

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