Montag, 30. März 2015

Donnerwetter

„Geh dich waschen, Kajira, aber gründlich! ...da kommt man von seiner Wache zurück und dann sowas!“ waren Worte meines Herrn, die schlagartig jegliche Müdigkeit aus mir verscheuchten und mich nach unten sausen ließen. Das kalte Wasser, mit dem ich nun eiligst mein rußverschmiertes Gesicht und meine Hände wusch, tat dann ein Übriges. Verdammter Mist, was war nur in mich gefahren?! Nachdem ich spät in der Nacht nach den Anstrengungen in der Schmiede müde, aber auch total tiefenentspannt in mein leeres Zuhause gekommen war, hatte ich mich einfach in die Felle meines Herrn fallen lassen, die ganz leicht noch nach ihm rochen und war umgehend eingeschlafen. Ich hatte einfach nicht mehr die Energie gehabt, meine Tunika auszuziehen und auch nichts mehr gegen mein rußverschmiertes Gesicht und meine vermutlich noch schwärzeren Hände unternommen, geschweige denn gewisse andere Spuren beseitigt. Tja, nur mit seiner so frühen Rückkehr, die ich natürlich supertoll fand, hatte ich nicht gerechnet und auch nicht, dass ich den Ruß schlichtweg vergessen würde, sobald ich meinen Herrn sah.


Nachdem ich mich schnell entkleidet und gewaschen hatte, wollte er natürlich sofort wissen, was ich am Vortag und in der Nacht alles für den Schmied getan hatte. Meine recht vagen Antworten schienen ihm allerdings nicht zu gefallen, denn er brummte leicht ungehalten: „Der Schmied kann was erleben“. Inzwischen untersuchte er meine gereinigten Hände ziemlich gründlich, vor allem auf Schwielen und bohrte gleichzeitig noch genauer nach. Ihn interessierten jetzt übrigens nicht nur meine Tätigkeiten als Schmiede-Aushilfskajira, sondern plötzlich auch meine anderen Dienste… die aber selbstverständlich nicht so detailliert, wie meine schweißtreibende Arbeit mit dem Schürhaken an der Esse. Etwas heikel wurde es bei seiner Frage, wann genau er dem Schmied erlaubt hatte, mich als Arbeitssklavin einzusetzen. Von „Arbeitssklavin“ hatte er seinerzeit nämlich nicht gesprochen, als er ihm angeboten hatte, mich jederzeit zu benutzen. 


Da ich den netten Schmied echt gerne mag und ihm immer total dankbar bin, dass er sich oft um mich kümmert, wenn mein Herr auf Wache ist, fand ich eigentlich, dass ein wenig mit dem Schürhaken in der Esse herumstochern das Mindeste war, was ich als Gegenleistung für seinen Schutz hatte tun können, auch wenn dabei leider etwas Ruß an mir kleben geblieben war. Ich druckste daher herum über allgemeines Benutzen und so, wurde nun aber angedonnert: „Ich habe damals ganz sicher von den Fellen des Schmieds gesprochen und nicht allgemein, Kajira! Komm mir jetzt nicht mit Haarspaltereien… ich habe nicht so viel für dich ausgegeben, damit du dann an einer Esse schuftest! Da tut‘s jede 10-Kupfer-Kajira, jetzt zieh dich an!“ Puhhh, nun war ich verständlicherweise oberschnell und schnappte mir die erstbeste Tunika aus der Kleiderkiste, die ich mir eiligst überstreifte, denn mein Herr wartete bereits und stürmte auch sogleich Richtung Schmiede davon, kaum dass ich angekleidet war. 


Wie gut, dass die Tür der Schmiede sehr solide gebaut ist, andernfalls wäre sie bestimmt aus den Angeln gefallen, so wie mein Herr dagegen hämmerte. Da das Öffnen ausblieb, stapfte er schließlich ungehalten brummend zum Haus des Schmieds weiter. Das Bollern an dieser Tür untermalte er dann zusätzlich noch durch lautes Gebrüll: "SCHMIED! Mach auf, du Sleen eines Nordmanns!" Doch auch diesmal war sein Versuch nicht von Erfolg gekrönt, außer dass die gesamte Nachbarschaft sich wunderte und wenig hilfreich „er ist in die Schmiede gegangen“, „was ist das für ein Lärm“ oder „hier ist er auch nicht“ von sich gab. Die Auskunft des Sattlers, der Metallhandwerker meldet sich bei ihm nicht ab, wurde von meinem Herrn jedenfalls nicht gerade erfreut mit „Pah… Handwerker! Ich glaube, den niederen Kasten dieser Stadt würde ein anständiges Erziehungs-Ubarat mal nicht schaden!“ kommentiert, bevor er dann zum Gasthaus stapfte, um sich das Tagesgericht und einen Paga von mir servieren zu lassen.


„Gegrillter Vuloschenkel in Honigkruste mit Brot“ wurde von ihm immerhin als erste gute Nachricht des Tages bezeichnet, der fehlende Preis allerdings weniger. Trotzdem ließ er sich auf der Terrasse nieder, sodass ich mich kurzfristig der Hoffnung hingab, seine Laune würde sich bei dem leckeren Essen und einem Beruhigungspaga bessern. Dem war jedoch nicht so. Im Gegenteil, der immer lauter werdende Disput des Ersten Schwerts über die Eigentumsverhältnisse seiner neuen Kajira mit einem fremden, seit kurzem in Jorts wohnenden, riesigen Weib aus der Kaste der Baumeister… die Gelbe behauptete dreist, das Mädchen gehöre ihr, weil sie ihr Essen gegeben hat und zeterte nach der Gerichtsbarkeit, um dem rechtmäßigen Besitzer der Sklavin ein Strafcollar umlegen zu lassen… veranlasste ihn schließlich mit dem angebissenen Vuloschenkel in der linken Hand aufzuspringen. Seine Schwerthand wollte er selbstverständlich frei haben und schon gar nicht honigkrustenverschmiert, um notfalls eingreifen zu können. Doch das war nicht nötig. Die Baumeisterin handelte sich mit ihrem Diebstahl anscheinend zehn Peitschenhiebe ein, Tendenz steigend. Ihre Bestrafung bekam ich jedoch nicht mehr mit, weil mein Herr inzwischen den Schmied auf dem Weg zu seiner Werkstatt bemerkt hatte und nun „der kann was erleben“ wahr machen wollte.


Die Art und Weise seiner Begrüßung mit "Tal mein Freund… kannst du mir erklären, warum meine Kajira heute Morgen total rußverschmiert bei mir aufgewacht ist?", sah zum Glück herzlich, aber dennoch nicht gerade zimperlich aus. Er haute ihm dabei nämlich ziemlich hart auf die Schulter… zumindest aus meiner Distanz sah es so aus. Da mir Unangenehmes schwante, hatte ich es vorgezogen, lieber im Hintergrund zu bleiben, auch wenn diese Vorsichtsmaßnahme nicht wirklich geholfen hat. Von meinem Herrn zur Rede gestellt, lobte der nette Schmied mich nun als Erklärung für den Ruß, wie fleißig ich geholfen und dass ich meinem Herrn damit höchste Ehre gemacht hatte. Natürlich habe ich mich über dieses Lob riesig gefreut, wollte gleichzeitig aber auch am liebsten im Boden versinken, weil dies doch eine Selbstverständlichkeit war, genauso wie es eigentlich das Waschen nach solch schmutzigen Arbeiten hätte sein müssen. Die Schuld für die Verärgerung meines Herrn lag also einzig bei mir.


Mit steigender Nervosität hörte ich dann, dass der Schmied meinem Herrn eine Entschädigung für meine anderen Dienste zukommen lassen wollte, die dieser ihm jedoch aus Freundschaft angeboten hatte und als Dank für seine gute Arbeit. Immer noch war er mehr als höchstzufrieden mit seinem neuen Schwert aus ich weiß nicht mehr wie oft gefaltetem Stahl, das ihm anscheinend wirklich ganz hervorragend in der Hand lag. Es war mir auch irgendwie unangenehm anzuhören, wie einig sich die beiden Männer über meine Vorzüge bei besagten Diensten waren. Ich kann doch nichts dafür, es liegt doch einfach in der Natur jeder Rotseidenen, Männer zu erfreuen… darum dreht sich doch ihr ganzes Denken und Streben! Als es dann um meine Hilfsbereitschaft ging, denn wie schon erwähnt bin ich in einer Schmiede ja nicht ganz unerfahren, ging mein Herr zur Esse hinüber und bat den Metallhandwerker zu ihm zu kommen. Vermutlich hielt ich jetzt die Luft an, denn mir war natürlich nicht ganz geheuer, was nun vielleicht kommen würde.


Doch mein Herr erklärte nur: „Sieh mal Schmied… ich will, dass meine Kajira weiterhin so schön und geschmeidig und gut in den Fellen bleibt, wie sie jetzt ist... das verstehst du sicher. Deswegen bin ich darauf bedacht, dass sie nicht für Arbeiten eingesetzt wird, die das gefährden und vertraue dir, dass du das genauso siehst. Nichts dagegen, wenn du sie mal was machen lässt, aber behalte das einfach im Hinterkopf und sag ihr beim nächsten Mal, dass sie sich waschen soll... ehrlich, ich hab vorhin gedacht ich seh einen Kur!“ Danach fingen beide Männer an zu lachen, bis der Schmied mit der Silbermünze herumwedelte, die er immer noch in seiner Hand hielt und meinen Herrn fragte, was er damit denn nun machen soll. Tja, selbstverständlich musste er nicht zahlen, aber wenn es nun mal das Ehrgefühl gebietet und ein Mann von Ehre diesem Gefühl selbstverständlich folgen sollte, wäre es natürlich unhöflich die Münze nicht anzunehmen… der Silbertarsk wanderte also ganz schnell aus der Hand des grinsenden Schmieds in den Geldbeutel meines mindestens genauso grinsenden Herrn, der zuhause dann auch kein bisschen sauer auf mich mehr war!^^

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen