Sonntag, 29. März 2015

Endlich wieder...

Nach langer Zeit durfte ich nämlich mal wieder auf dem Tarn meines Herrn mitfliegen und es genießen, mit dem großen Vogel fast lautlos über Jorts Fähre durch die Luft zu rauschen. Ich glaube, auch meinem Herrn gefiel dieser Flug und vor allem, wie sich seine Mobilheizung an ihm festhielt, denn diesmal hatte ich meine Hände sogar unter sein Oberteil geschoben, während ich mich etwas seitlich von seinem Rückenschild eng an ihn anschmiegte. Wie immer war der Flug nach meinem Empfinden natürlich viel zu kurz. Doch es nützte nichts, denn mein Herr hatte zuvor den Befehl erhalten, später zu einem etwas längeren Patrouillenflug aufzubrechen, sodass er mich schließlich zuhause in seinem Garten wieder absetzte. Mir blieb leider nichts anderes übrig, als ihm hinterher zu schauen, bis zuletzt die großen Schwingen von Carolus am Horizont kaum noch zu erkennen waren und dann verschwanden.


Da ich mich immer gerne darüber informiere, ob vielleicht einer der Händler am Hafen frische Lebensmittel im Angebot hat, denn alles bekommt man auf dem Hof nicht, machte ich eine kleine Runde zu den Ständen dort, nachdem ich meine häuslichen Arbeiten erledigt hatte. Da die Gemüseauslagen jedoch eher nicht so wirklich frisch aussahen, blieb mir nichts anderes übrig als ohne Einkäufe meinen Rückweg anzutreten. Diesmal nahm ich jedoch nicht den direkten Weg zurück am Kai entlang nach Hause, sondern den Durchgang zwischen Schmiede und Brauerei, um noch einen Blick Richtung Marktplatz und Gasthaus zu werfen, kam allerdings vorerst nur bis zum Schmied. Der Herr hatte es sich nämlich auf den Stuhl neben seinem Schleifstein bequem gemacht und war anscheinend einem kleinen Klöhnschnack mit mir nicht abgeneigt, sodass ich mich neben ihn kniete.


Unser äußerst interessantes Gespräch wurde leider jedoch bald durch die Neuherrin unterbrochen, die ein Weib mitbrachte, das anscheinend auf der Suche nach einem Schmied war und einen merkwürdig klingenden Gruß von sich gab. Später wurde ich zwar eines anderen belehrt… die Frau sprach nämlich tatsächlich eine Sprache, die ich noch nie gehört hatte… doch anfangs glaubte ich mich verhört zu haben. Außerdem ermahnte mich die ehemalige Sklavin des Händlers gerade nach meinem Fastversprecher, sie zukünftig ganz ohne zu grüßen… die anderen Kajirae schaffen das schließlich auch… ob ich etwa weniger intelligent bin, als die anderen… angeblich bin ich besser ausgebildet, als die anderen und will meine ehemalige Herrin doch nicht blamieren. Bla, bla, bla dachte ich dabei nur, setzte aber vorsichtshalber eine Unschuldsmiene auf und hielt lieber meine Klappe.


Nachdem die Freigelassene mitbekommen hatte, dass es bei dem Geschäft um Pfeilspitzen ging, rauschte sie davon… angeblich um die rote Kaste abzulenken und auf dem Marktplatz war lautes Rumpen zu hören. Es war der Brauereibesitzer, der sich einen neuen Boskwagen zugelegt hatte. Leider bekam ich aus meiner knienden Position wegen der störenden Mauer nur die Hälfte von dem mit, was sich dort auf der anderen Seite tat und reckte entsprechend meinen Hals. Erneut zeigte sich, welch Kajiraversteher der nette Schmied ist. Er erlaubte mir nämlich, die Neuanschaffung aus der Nähe zu bewundern, befahl mir aber, ihm danach einen Becher Wasser zu bringen. 


Perfektes Timing übrigens, andernfalls hätte ich bestimmt weder die Bewunderung des Kriegerbauern für das stattliche, allerdings etwas störrische Tier mitbekommen, noch seine Warnung, der Brauereibesitzer soll aufpassen, dass der Bosk mit seinem Geweih nicht vornüber kippt… ob bei dieser Warnung womöglich etwas Neid dabei war? Egal, und es steht einer Kajira eh nicht zu, über Freie zu urteilen. Außerdem musste ich mich nun auch sputen, das Wasser für den Schmied zu holen, zumal mich ja auch interessierte, ob er mit der fremden Frau handelseinig wurde. 



Er wurde nach einigem Hin und Her tatsächlich einig über einen in meinen Augen nicht gerade kleinen Auftrag. „Dina, es wird eine lange Nacht“, waren nämlich später seine Worte, nachdem ich dem Weib den Weg zum Gasthaus gezeigt hatte. Als ehemalige Schmiede-Aushilfskajira war es mir selbstverständlich eine große Ehre, helfen zu dürfen, auch wenn ich dabei wie immer eine ziemliche Anziehungskraft entwickelt habe… für Ruß… es ging beim Schmieden der Pfeilspitzen nämlich ganz schön heiß und schweißtreibend her… ^^

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