Montag, 23. März 2015

Mitgefühl

Nachdem mein Herr das Haus sehr zeitig verlassen hatte, um während seiner Wache für die Sicherheit der Stadt zu sorgen, beeilte ich mich mit meinen Hausarbeiten und schnappte mir schließlich den kleinen Einkaufskorb. Ich wollte auf dem Hof vielleicht ein paar Lebensmittel erstehen. Leider traf ich dort jedoch niemanden an, sodass ich unverrichteter Dinge zurückkam, um nun mein Glück bei den Händlern am Hafen zu versuchen. Im Durchgang zwischen Brauerei und Schmiede kam ich mit dem freundlichen Krieger der Brauerei ins Gespräch. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass auch er nichts von der testweise installierten Armbrust auf der Stadtmauer wusste, die ich ihm nun zeigen durfte. Selbstverständlich habe ich ihn dabei auch auf den fehlenden Bolzen hingewiesen, den mein Herr mir auf seinem Rundgang gezeigt hatte, allerdings auf einen Vortrag über Flugbahn und Durchschlagsvermögen solcher Konstruktionen lieber verzichtet, denn so ganz habe ich mir diese Kompliziertheiten wohl doch nicht merken können.


Interessant war übrigens vom Brauereikrieger zu erfahren, dass die bemalten Steine im Wald nun anscheinend doch erst einmal stehen bleiben sollen, weil der Rat wohl Angst hat, den Zorn irgendwelcher fremden Götter auf Jorts Fähre zu lenken. In diesem Zusammenhang erzählte ich dem Rarius nun vom Vorhaben meines Herrn, den Priesterkönigen zur Gutelauneverbesserung demnächst ein Opfer zu bringen und bekam bei seiner Frage einen ganz gewaltigen Schrecken, ob ich vielleicht dieses Opfer bin. Naja, ich bin eben nur eine unwichtige Kajira und der Krieger konnte ja nicht wissen, dass mein Herr gemeinsam mit dem Händler in Sachen Geldvermehrung ein Verr opfern will und nicht mich… hoffe ich jedenfalls. Mir gänzlich unverständlich war allerdings, wie er auf die Idee kommen konnte, dass mein Herr in die Händlerkaste wechseln will, denn in meinen Augen ist kein Rarius so sehr von roter Kaste, wie mein Herr.


Inzwischen war der Schmied kopfschüttelnd dazugekommen und mokierte sich darüber, dass irgendein Nordmann anscheinend auf der Gasthausterrasse Anstalten machte, die Bond des Hauptmanns zu benutzen. Ich fand das ehrlich gesagt nicht weiter schlimm, denn irgendwelche freien Frauen waren doch nirgends zu sehen. Dies sollte sich allerdings kurz darauf ändern. Der Händler tauchte nämlich plötzlich auf und mit ihm irgendein mir unbekanntes, ziemlich tollpatschiges blondes Weib, das ich zuvor noch nie gesehen hatte. So wie die Freie an ihren Röcken herumzupfte, waren ihr die anscheinend viel zu lang und ihr Schleier saß wohl auch nicht so ganz richtig, denn es sah aus, als ob sie ständig darauf herumkaute. Aber was soll’s… das Getue der Frau interessierte mich ehrlich gesagt nicht weiter. Viel wichtiger fand ich, meinem Herrn Ehre zu bereiten und deswegen den sich nach ihm erkundigenden Händler ein wenig mit meinem Anblick zu erfreuen.

Ich blieb daher nach meinem Gruß mit weit gespreizten Schenkeln knien. Die Blicke der Fremden waren mir jedenfalls total egal, sollte sie doch woanders hinschauen und nicht gerade auf meine Hitze… jede Menge Möglichkeiten und genug Umgebung war wirklich ausreichend vorhanden, zumal ich die einzige Rotseidene weit und breit war. Bei der wohlwollenden Betrachtung meiner Schenkel durch den Händler war ich mir eigentlich auch ziemlich sicher, dass mein Vorhaben bei ihm die gewünschte Wirkung zeigte und wollte gerade noch etwas rotseidener nachlegen, als das Weib neben ihm plötzlich zischte: „Kajira, es ist ziemlich mutig von dir, dich ohne deinen Herrn einer Freien so zu präsentieren, ist dir das bewusst?“ Pahh, was bildete sich diese Trockenpflaume eigentlich ein… selbstverständlich wusste ich was ich tat, nur präsentierte ich mich doch nicht ihr, sondern dem Händler! Freundlich wie ich nun mal bin, klärte ich sie lächelnd darüber auf, dass ich auf Wunsch meines Herrn immer im Nadu knie, schloss meine Beine aber sogar einen klitzekleinen Hauch, um ihr meinen guten Willen zu zeigen. 


Tja, und dann wurde es… wie soll ich sagen… mir fehlt selbst jetzt noch fast die Sprache, denn ich war einfach total geschockt. Nein, nicht über die Ermahnungen dieser Frau… sie nicht weiter zu provozieren… dass ich bei meiner früheren Herrin gelernt haben sollte, wie ich mich freien Frauen gegenüber zu verhalten habe… und, und, und. Der kühle Blick dieses Weibs verflog nämlich schlagartig von einer Ihn zur anderen und zu hören war plötzlich schallendes Gelächter, das ich eindeutig Shani zuordnen konnte, der Kajira des Händlers. Ohje, wie Schuppen fiel es mir von den Augen… hatte Goldlöckchen etwa Flausen im Kopf gehabt und sich verkleidet? Sie forderte damit doch eine schlimme Strafe ihres Herrn heraus, die wahrscheinlich so fürchterlich war, dass ich sie mir nicht ausmalen mochte! Ich vermute übrigens, der Schmied war genauso erstaunt wie ich über die Mitteilung von Shanis Herrn, dass er seine Kajira freigelassen hatte. Puhhh, tatsächlich freigelassen?? Unfassbar!!!


Was hatte sie nur Schreckliches angestellt, um dermaßen grausam bestraft zu werden? Es wollte mir einfach nicht in den Kopf, denn frei zu sein wäre für mich wahrscheinlich mein Todesurteil. Arme Shani, das hatte sie auf keinen Fall verdient, auch wenn sie manchmal ganz schön zickig sein kann. Mein zutiefst empfundenes Mitgefühl war der Ärmsten jedenfalls sicher, egal wie viel Nutzen sie ihrem Herrn seiner Meinung nach mit ihrer Freiheit jetzt angeblich bringt und wie viel Vertrauen er nun in sie setzt… ach nee, ihrem ehemaligen Herrn muss ich nun ja sagen… der nun übrigens kundtat, dass sie trotzdem immer noch Shani ist, aber eben frei, allerdings auch nicht seine Gefährtin. Leider maulte sie inzwischen schon wieder ermahnend in meine Richtung, sie „Herrin“ zu nennen… sie ist also tatsächlich nicht mehr Shani, sondern eine Neuherrin. Mal sehen, ob ich ihre gewünschte Anrede tatsächlich irgendwann hinbekomme… gestern klappte es jedenfalls nicht.

Für meine Versprecher erhielt ich schließlich sogar eine strenge Ermahnung des Schmieds, der mir bei weiterer Missachtung ein brennendes Hinterteil ankündigte und mich mit unmissverständlichem „Har-ta“ zu sich zitierte. Damit war es ihm anscheinend genauso ernst, wie es ihm offensichtlich egal war, ob er hinterher eine Entschädigung an meinen Herrn zahlen muss. Leider zog sich die Neuherrin nun in Kleiderangelegenheiten mit der Schneiderin zurück, sodass ich nicht mehr üben konnte und bedauerlicherweise auch nicht mehr herausbekam, wo die neue Freie jetzt eigentlich wohnt. Wenn sie tatsächlich so auf ihren Ruf bedacht ist wie sie tut, kann das ja wohl nicht mehr bei ihrem Herrn sein… also dem ehemaligen. Ach was soll’s, mich interessiert sowieso nicht, was der Händler mit seiner freigelassenen Kajira in den eigenen vier Wänden treibt und außerdem befindet sich in seinem Haus eine separate Wohnung.


Hierüber noch länger nachzudenken, blieb mir außerdem eh keine Zeit, Es tauchte jetzt nämlich vor der Schmiede die Bond des Hauptmanns mit wackelnden Brüsten auf, deren heftiges Schwingen wegen der an ihren Knospen befestigten schweren Goldkette übrigens nicht weiter verwunderlich war, zumal das Mädchen sogar behauptete, dieses von ihr anscheinend innig geliebte Metall sei aus zwei Goldtarns hergestellt und dementsprechend schwer. Wahhh, wie unpraktisch! Aber egal, hier hielt sich mein Mitgefühl in Grenzen. Außerdem sollte das Teil nun entfernt werden und meine Meinung war sowieso nicht gefragt. Die Neue wurde dank der guten Arbeit des Schmieds den Zug nach unten zum Glück schnell los und die Kette wanderte in seine Tasche. Zuletzt händigte er dem Mädchen wie mit dem Hauptmann vereinbart einen Schmuck-Boskring aus… für das Durchlöchern ihrer Nasenscheidewand sah er sich allerdings nicht als zuständig an.


Während der nette Metallhandwerker die Bond nun nach Hause entließ, war ihm an meiner Gesellschaft anscheinend noch gelegen. Er befahl mir nämlich noch zu bleiben, was mich natürlich sehr freute. Nachdem dann so langsam Ruhe in der Stadt einkehrte und auch die Schneiderin sich nach einem letzten kleinen Plausch mit dem Schmied zurückgezogen hatte, entwickelte sich noch ein sehr interessantes Gespräch über Kajiraschmuck mit diesem gutaussehenden Herrn, in dem er mir auf seine sehr sanfte Art zusätzlich verdeutlichte, an welchen Stellen manche Männer ihre Sklavin mit Ringen schmücken und wie sich sowas wohl anfühlt… wobei ich mir sehr sicher bin, dass für meinen Herrn nur der Schmuck um meinen Hals zählt. ;-))

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