Dienstag, 31. März 2015

Nordmänner zu Besuch

Wie fast immer führte der Rundgang meines Herrn gestern erst einmal zum Marktplatz, denn sein wachsamer Blick zum Hafen hatte ihm gezeigt, dass dort nichts Besorgniserregendes los war. Wobei auch der Platz vor sowie das Gasthaus selbst fast menschenleer waren. Außer der Schneiderin, die auf der Bank vor der Gasthausterrasse in irgendwelche Zeichnungen über Kleider vertieft war, war nämlich keiner der Bewohner zu sehen. Dies änderte sich nun allerdings. Mein Herr hatte noch keine drei über die Begrüßung hinausgehenden Sätze mit der Herrin gesprochen, als die „auf dem Weg zur Händlerin“ wie ein Tarn auf seine Beute dazu stieß und die Schneiderin komplett mit Beschlag belegte. Während ich das kunstvolle Getüdel ihrer neuerdings aufgesteckten Haare neidlos bewunderte und mir total sicher war, auf meinem Kopf würde sich eine solche Frisur nie halten, textete die Neuherrin die Schneiderin dermaßen mit ihren Kleiderwünschen voll, dass ich meine Ohren ehrlich gesagt auf Durchzug stellte.


Meine Erleichterung, diesem Freiefrauengeschwätz zu entkommen, weil mein Herr kurz darauf seinen Rundgang zum Hafen fortsetzte, ist daher wohl verständlich. Wachsam ließ er dort natürlich seinen Kriegerblick wie immer über den Fluss wandern, bis er sich plötzlich anspannte und seine Schwerthand auf den Griff seiner Waffe legte. Am anderen Ufer waren nämlich drei Bewaffnete zu sehen, einer davon rot gekleidet, denen nun seine ganze Aufmerksamkeit galt, während ich mich innerlich wappnete, um auf seinen Befehl notfalls Alarm zu schlagen, falls die Besucher nicht in freundlicher Absicht kamen. Doch das war in diesem Fall nicht nötig, da lediglich ein verloren geglaubter jortsscher Krieger zurückkehrte, der von zwei Nordmännern aus dem Dorf begleitet wurde, in dem er sich zuletzt anscheinend aufgehalten hatte. Da sich dieser Krieger in der Zeit meiner Ausleihe mir gegenüber nicht gerade wohlgesonnen verhalten und auch vorher manchmal sehr brutale Anwandlungen gehabt hatte, war meine Begrüßung zwar höflich, aber verständlicherweise nicht allzu überschwänglich.

Mein Herr schien sich über die Heimkehr seines Waffenbruders jedoch zu freuen und erzählte ihm auch sogleich, dass er beim letzten Schwertturnier vermisst worden war. Doch das interessierte diesen offensichtlich immer noch sehr von sich eingenommenen Krieger nicht weiter, der sich sowieso als den besten Schwertkämpfer ansieht. Er erzählte meinem Herrn jedenfalls, dass es ihm anstelle einer Turnierteilnahme wichtiger gewesen war, seine Gedanken zu ordnen. Anscheinend hatte das Sortieren selbiger geholfen und nun zu dem Entschluss geführt, den Rat seines Heimsteins um ein Gespräch zu bitten. Worum es dabei ging, wollte er jedoch nicht bekannt geben, weil es privater Natur war. In mir keimte prompt eine Vorahnung, über die ich aber selbstverständlich geschwiegen habe, zumal sich jetzt herausstellte, dass die Ohren der Nordleute nicht ganz in Ordnung oder vielleicht wegen des herrlich milden Klimas in Jorts zugeschwollen waren vor Hitze… ziemlich dick eingepackt waren sie wirklich. Aber egal, jedenfalls hatte einer der Männer offensichtlich den Gruß meines Herrn überhört und reagierte nun etwas ungehalten.


Zum Glück klärte sich diese angebliche Unhöflichkeit schnell auf, sodass der heimgekehrte jortssche Krieger mitsamt seinen Nordleuten Richtung Marktplatz verschwand, während mein Herr sich von mir vor der Taverne einen Paga mit Hingabe servieren ließ, bei dem es mir diesmal zusätzlich besonders wichtig war, die Priesterkönige um Erfüllung eines Wunsches anzuflehen… allerdings nur stumm oder zumindest ganz leise, denn meine Wünsche gehören natürlich nicht in die Öffentlichkeit. Während mein Herr seinen Paga genoss und ich ihm dabei mit meinem Schenkel als Fußstütze dienen durfte, stellte sich übrigens heraus, dass er die gleiche Vorahnung gehabt hatte wie ich, der Heimkehrer war gar nicht heimgekehrt, sondern wollte lediglich dem Rat seine Auswanderung in den Norden bekanntgeben.... später erfuhren wir, wie richtig wir damit lagen.


Auf dem Heimweg schaute mein Herr selbstverständlich noch kurz auf der Gasthausterrasse nach dem Rechten… offenbar keine Ihn zu früh. Im Gegenteil, es war sogar schon fast zu spät. Die Nordmänner hatten mittlerweile nämlich Schweiß auf der Stirn, während sie vergeblich nach einem Getränk lechzten, weil ihre Kajirae dies trotz diverser Bemühungen des auswandernden Nichtheimkehrers und der freigelassenen Händlerkajira nicht auf die Reihe bekamen. Einem der fremden Mädchen stand offensichtlich mehr der Sinn danach, ihren Herrn zu bejarlen… ähmmm… zu belagern meinte ich. Wie gut, dass meine Ohren vom jortsschen Klima nicht zuschwellen. Aber ich war natürlich auch viel luftiger gekleidet als die Nordkajirae, sodass es kein Problem für mich darstellte, für die Besucher ein großes Tablett mit diversen Bechern und drei Krügen mit Ale, Paga und Wasser nach draußen zu schleppen. 

Während mein Herr nun aufpasste, dass keiner der Nordleute dem Ratsmitglied zu sehr auf die Pelle rückte oder sogar schlimmeres als das überreichte Gastgeschenk passierte... immerhin aus der Nordthassa angereister Fisch, über den der Händler nicht so wirklich in Begeisterung ausbrach, auch wenn er sich offensichtlich sehr darum bemühte, eine erfreute Miene aufzusetzen... bekam ich mit dem Getränkeausschank ganz gut zu tun. Lustig, und vor allem sehr nett fand ich übrigens, dass der eine Nordmann zwar zu spät, denn ich war gerade mit den Getränken auf die Terrasse zurückgekehrt, seiner Sklavin noch befahl: „Die kleine Südkajira sieht nicht so aus, als kann sie viel tragen, also hilf ihr“. Pahhh, und wie ich konnte! Mein Herr war jedenfalls sehr zufrieden darüber, wie ich seinen Befehl "Kajira, zeig diesen Nordsklavinnen mal wie Arbeit getan wird" ausgeführt habe… nur das zählt für mich! ;-))

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