Donnerstag, 26. März 2015

Opfer

Um es gleich vorweg zu nehmen, es war zwar ein Tag der Opfer, aber weder mein Herr noch sonst jemand in Jorts wurde verletzt. Aber der Reihe nach…

Da viele Krieger auf Wache oder ich weiß nicht mit was für kriegerischen Dingen unterwegs waren, war das Training hinter dem Hof ziemlich dünn besetzt. Selbstverständlich war der reichlich vorhandene Platz auf der Wiese für meinen Herrn und seinen Ex-Mentor kein Grund, diesen nicht für einige Runden Schwertkampf zu nutzen. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass der meinem Herrn zuvor noch verabreichte Vitaminschub in Form einer aufgeschnittenen Larma… also Larma pur… nicht so tolle Wirkung zeigte, wie Larma mit Kuchen. Und das lag nicht daran, dass er sich aufgrund meiner Art die Frucht zu servieren bereits vor dem Training verausgabt hatte… schade irgendwie, hatte ich aber auch nicht anders erwartet, denn zum einen war nicht genug Zeit zum ausgiebigeren Genießen und außerdem hält mein Herr es ja mit „erst die Kaste und dann das Vergnügen“… wenn das Letztere nicht ausfällt.


Merkwürdigerweise lag an diesem Tag genau neben dem großen Baum an der Trainingswiese ein Baumstumpf, auf den der Ex-Mentor zuvor seinen Fuß gestellt und dadurch so eine Art Siegerpose eingenommen hatte… das sah richtig toll aus. In der Annahme, die Larmavitamine würden meinen Herrn an diesem Tag zu einer neuen Höchstform auflaufen lassen, probierte ich diese Pose nun ebenfalls aus, nachdem die beiden Männer mit ihrem Training begonnen hatten, zumal ich in der wirklich bequemen Haltung viel besser zuschauen konnte. Ich fand mich also ziemlich klasse, besonders nachdem Hadi aufgefallen war, wie gut mein Branding durch den aufgestellten linken Fuß zur Geltung kam. 


Mist, während ich noch überlegte, ob ich nicht mein sowieso ziemlich knappes Oberteil einfach ausziehen sollte, um in dieser eindrucksvollen Pose vielleicht noch besser auszusehen, hörte ich meinen Herrn seinem Trainingspartner die Frage stellen: „Ist das etwa meine Kajira, die dort wie eine Tatrix auf Urlaub herumsteht?... Bei den Priesterkönigen, das ist ja wohl nicht zu fassen!“ Tja, ich behielt also mein Oberteil an und sank auch eiligst auf die Knie, hatte damit aber ein ungewolltes Opfer gebracht… mir nämlich blöderweise versaut, endlich mal wieder am Wasserfall schwimmen zu dürfen.

Bevor es weiterging mit opfern, denn mit dem Training war mein Herr mangels weiterer Teilnehmer jetzt durch, musste er allerdings noch abklären, ob der Händler an diesem Tag überhaupt Zeit hatte für das gemeinsame Opfer für die Priesterkönige... es passte aber tatsächlich. Was meinem Herrn allerdings zum Glück nicht passte, war der Vorschlag des Händlers, das Fell des Verr zuvor noch durch das Einflechten meiner langen schwarzen Haare kontrastreich zu verschönern. Schließlich sollte halbe-halbe geopfert werden, durch das Beisteuern meiner Haare wäre also eine Schieflage entstanden, denn der Händler konnte mangels eigener Kajira natürlich keinen Haarschmuck beisteuern. 


Trotzdem ist wohl nachvollziehbar, dass ich mich nun besonders eilig mit dem Geld meines Herrn Richtung Hof davonmachte, um das Verr zu holen, was sich übrigens als gar nicht so leicht herausstellte. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Hadi nichts davon wusste, was ihr Herr mit meinem am Vortag ausgemacht hatte und die Tiere ihr sowieso ans Herze gewachsen waren, sondern weil sich das Viech auf dem Weg in die Oberstadt leicht bockig zeigte und ständig irgendwelche Gräser fressen wollte, die auf der Wiese am Hof anscheinend nicht wachsen.

Wie gut, dass ich das Verr überlisten konnte, indem ich ein ganzes Büschel dieser oberleckeren Gräser vor seine Nase hielt, allerdings immer mit so viel Abstand, dass ihm vermutlich die Spucke im Mund zusammen lief, während es versuchte an die Gräser heranzukommen, es dies aber nicht schaffte, weil ich den Abstand konstant hielt. Auf diese Art und Weise kamen wir sogar die Stufen zum Altar hinauf, wo mein Herr und der Händler bereits warteten, zusammen mit dem ursprünglich aus dem Norden stammenden Schmied, der seinen Göttern zwar noch nicht abgeschworen hat, aber bei einem Opfer für die Priesterkönige trotzdem gern einmal zuschauen wollte. 


Während ich nun niederkniete und mich im Hintergrund hielt, traten mein Herr und der Händler dann mit dem Verr vor den Altar und mein Herr begann mit weit ausgebreiteten Armen mit der Ansprache an die Priesterkönige und seiner Bitte, seinen Schwertarm gegen jene zu führen, die sich ihm und dem Händler in den Weg stellen und die Verhandlungskunst des Händlers zu segnen. Wie immer beim Opfern war ich ziemlich ergriffen von dieser Zeremonie, aber es keimte in mir wie immer Mitleid mit dem Opfertier auf, auch wenn ich kurz zuvor noch ziemlich stinkig auf das störrische Verr gewesen war. Ich hielt daher nicht nur die Luft an, als mein Herr sein Schwert aus der Scheide zog, sondern schloss gleichzeitig meine Augen. 

Als ich dann wieder zum Altar schaute sah ich, dass aus dem abgetrennten Kopf des Verrs reichlich Blut floss, den mein mit reichlich Blut bespritzter Herr am Horn hochhielt, um ihn dann andächtig auf dem Altar niederzulegen. „Möge dieses Opfer euch wohl gefallen, auf das ihr uns und unserem Heimstein euren Segen gebt“, waren seine letzten Worte, bevor er gemeinsam mit dem Händler langsam und sehr ehrfürchtig bis zu den Stufen zurück trat, sich dann umdrehte und hinunter ging. Gekämpft, geopfert, gebetet... damit hatte mein Herr sein Tagwerk getan und konnte sich zurückziehen, während für mich noch das Reinigen seiner Kleidung im Bach anstand, eingetrocknete Blutflecken gehen einfach schlecht heraus oder oft gar nicht. 


Sein Argument, Blut sieht man auf der roten Kleidung eines Kriegers doch gar nicht, ließ ich jedenfalls nicht gelten und da mein Herr wegen der Frühwache am nächsten Morgen leider erneut sehr zeitig seine Felle aufsuchte, lief ich noch schnell zum Bach, um mich der Flecken anzunehmen.

Ok, ich gebe zu, weil sie besser rausgehen, wenn sie noch eine Weile einweichen, habe ich die Einweichzeit für ein kleines Bad genutzt, denn ich hatte eh vergessen, meine Tunika vor dem Verlassen des Hauses wieder anzuziehen.


Naja, und da Blutflecken noch besser herausgehen, wenn sie besonders lange einweichen, sprach eigentlich auch nichts gegen einen zusätzlichen Klöhnschnack mit dem netten Schmied. ;-))

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