Mittwoch, 25. März 2015

Seltene Schauspiele

Mist, ich hatte schon wieder das Aufwachen meines Herrn und Frühaufstehers verpasst. Wobei das nicht weiter verwunderlich war, nachdem er so viel früher als ich seine Felle aufgesucht hatte. Er saß nämlich bereits draußen auf seiner neuen Bank und genoss dort anscheinend die Aussicht. Ich glaube übrigens, es war ganz gut, dass ich nicht noch länger geschlafen habe, denn meinen Herrn bewegten so merkwürdige Gedanken über sich schlecht benehmende Fremde, am liebsten aus roter Kaste, mit deren Behandlung er das merkwürdige Zucken in den Fingern seiner Schwerthand beruhigen wollte. Schade nur, dass es mir nicht gelang, seinen Bewegungsdrang zu den Wasserfällen zu lenken, die ja nicht nur ein tolles Schauspiel bieten, sondern auch eine wundervolle Bade- und sonstige Entspannungsmöglichkeit. Nach Auskunft des Schmieds sollen die Wassertemperaturen herrlich sein. Ich kann also nur hoffen, dass mein Herr nicht vergisst, mein Badeverbot vielleicht mal wieder aufzuheben.

Genauso wichtig wie Baden war für mich aber auch, dass er sich bei dem gefährlichen Zucken in seiner rechten Hand zum Glück an die mahnenden Worte seines Vaters erinnerte: "Scheiße, Junge, du rennst durch die Welt und rufst 'Töte mich! Kämpf mit mir bis zum letzten Blut!'... Es ehrt dich, dass du es so hältst, wie es jeden Krieger ehrt. Aber sei dir bewusst, irgendwann kommt mal einer, der dir den Gefallen tut!" Ich glaube, ich muss bei diesen Worten das Bein meines Herrn wohl extrem fest umklammert haben, weil schlagartig ganz schreckliches Entsetzen eiskalt nach meinem Kajiraherzen griff. Er streichelte danach nämlich sehr sanft meine Wange und ergänzte leise schmunzelnd, dass ich mir keine Sorgen machen soll, weil dieser Tag noch in der Ferne liegt… hoffentlich! Schließlich ließ er seinen Blick aber Richtung Schmiede wandern, wo anscheinend das Erste Schwert mit einer blonden Sklavin zu sehen war.

Nach meinem Bericht, dass dieser Krieger mit seinem Wildfang an diesem Tag wegen eines Brandzeichens zum Schmied wollte, war mein Herr jetzt natürlich neugierig geworden und wollte sich die Wilde mal ansehen. Außerdem meinte er, solch ein „meist seltenes und recht belustigendes Schauspiel“ mit dem glühenden Brandeisen durfte man sich nicht entgehen lassen. Ich gestehe, da das typische Knurren und Fauchen dieses Mädchens mit dem ganzen Metall im Gesicht und den angespitzten Zähnen für mich nicht mehr neu war, galt meine Aufmerksamkeit vor der Schmiede dann doch mehr dem netten Metallhandwerker, der mich nach meinem Gruß übrigens Schönheit genannt hatte. Wobei ich mir darauf selbstverständlich nichts einbilde, denn erstens steht Eitelkeit einer Kajira nicht und außerdem bezeichnet er viele Mädchen so. 


Das seltene Schauspiel mit der wilden Darstellerin verzögerte sich jedoch noch, da der Krieger sie vorher noch medizinisch untersuchen lassen wollte. Lange Weile kam aber trotzdem nicht auf. Im Gegenteil… mein Herr gab nun einen Witz zum Besten, bei dem der Schmied schließlich fast mit seinem Stuhl umkippte und ich vor Lachen hintenüber fiel und das obwohl ich kniete. Mist, leider kann ich mir nie Witze merken und erinnere nur, dass es um ein anderes seltenes Schauspiel ging, nämlich des sich verfinsternden Zentralgestirns, das nicht alle Tage vorkommt. Ein Heerführer hatte wegen besagtem Schauspiel wohl seinem Untergebenen den Befehl erteilt, alle Krieger sollen es sich auf dem Kasernenhof anschauen, außer es regnet, dann sollen sie in der Halle antreten, weil man bei Regen natürlich nichts davon sehen kann. 

Das Gedächtnis einiger Kriegeroffiziere in diesem Witz scheint jedoch noch schlechter zu sein als meins, sodass aus dem Befehl des Heerführers beim Weitergeben über ich weiß nicht mehr wie viele Rangebenen bis nach unten schließlich folgender Befehl wurde: "Morgen Verfinsterung des Heerführers im Drillkreis wegen des Zentralgestirns! Wenn es in der Halle regnet, was nicht alle Tage passiert, antreten im Kasernenhof! Sind Schauspieler dabei, sollen sie sich selten machen!" Ok, ich gebe ja zu, es fehlen hier jetzt wirklich die ganzen vertüdelten Befehle der schusseligen Krieger, die ich mir jedoch nicht merken konnte. Jedenfalls kugelten wir uns vor Lachen über diverse Möglichkeiten bei Regen und was sich alles verfinstern kann. 

Daher war schließlich zur Entkrampfung der Bauchmuskeln etwas Bewegung zum Hof in Sachen Opferung gar nicht so verkehrt. Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Herr und der Händler sich für ein paar gewinnbringende Investitionen das Wohlwollen der Priesterkönige erhoffen und weil sie natürlich nicht knauserig erscheinen wollen, hatten sie sich überlegt, ein Verr zu opfern. 

Mit der Anwesenheit des Kriegerbauern waren die hohen Herren aus dem Sardar meinem Herrn zumindest an diesem Tag jedenfalls wohlgesonnen und die Kosten für das Verr waren ebenfalls schnell geklärt. 

Genauso problemlos war übrigens auch die Abstimmung mit dem Händler, den mein Herr auf der Terrasse des Gasthauses traf. Einzig über den Termin wurden sich die beiden Herren noch nicht einig.

Jedenfalls stand dem Zuschauen des seltenen Schauspiels an der Schmiede mit dem glühenden Eisen auf dem Schenkel der Wilden schließlich nichts mehr im Wege, außer dem ganzen Blecht, das der Schmied zuvor noch aus dem Gesicht des Mädchens entfernte... aber das roch wenigstens nicht so versengelt.


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