Dienstag, 17. März 2015

Überschwemmungen

Es grünt zurzeit gewaltig… allerdings nicht nur in der Natur, weil En’Kara kurz bevorsteht, sondern besonders in der jortsschen grünen Kaste. Der schon seit einiger Zeit hier wohnende korobanische Medicus hatte sich nämlich eine Azubine zugelegt, sodass nun sogar drei Grüne in der Stadt ansässig sind. Während San und ich darüber tuschelten, dass in letzter Zeit Mitglieder dieser Kaste wie Tarndreck vom Himmel fallen, vermutete einer der Krieger als Ursache für die grüne Überschwemmung irgendwo ein Nest. Warum nun genau die Kastenerste, dann aber eigentlich wohl doch der grüne Korobaner Verhandlungen über irgendwelche Zahlungen aus der Stadtkasse mit dem Händler anstrebten, erschloss sich mir leider vorerst jedoch nicht, weil mein Herr sich nun mit allen nicht in dieses Gespräch involvierten Freien auf die Gasthausterrasse begab.


Thema Nummer eins war dort natürlich immer noch die grüne Schwemme, über die sich einer der Krieger sorgte. Mein Herr konnte ihn jedoch erst einmal damit beruhigen, dass nur die Hauptmannsgefährtin Heimsteinangehörige von Jorts Fähre ist und somit Gelder aus der Stadtkasse bezieht. Die Beweggründe der vor kurzem zugezogenen Sklavenhändlerin, ihren Wohnsitz an den Vosk zu verlegen, interessierten ihn übrigens viel mehr, da dieses Weib aus dem Norden kommt und somit zu befürchten ist, dass sie mit den südlichen Sitten, dem Kastenwesen und dem Glauben an die Priesterkönige nicht allzu vertraut ist. Immer gerne bereit, an der Verbreitung der südgoreanischen Kultur mitzuwirken, bot er der Herrin daher seine Hilfe bei Unklarheiten an.

Während ich inzwischen einen weiteren Krieger mit einem Getränk versorgte, wandte sich das Gespräch erneut dem Diebstahl der Stadtsklavin durch die fast nackten Wilden mit den angespitzten Zähnen und seltsam gezackten, kurzen Schwertern zu, der nicht gerade für Begeisterungsausbrüche gesorgt hatte. Da der Hofkrieger zum Schutz seines Besitzes jedoch Wachsleens abgerichtet hat, schienen ihn diese Neuigkeiten nicht sonderlich zu beunruhigen und wegen der geklauten Kajira machte er sich eigentlich sowieso keine allzu großen Gedanken, sondern haute sich erst lachend auf seinen Schenkel und mir dann auf den Po, während er äußerst belustigt behauptete, es sei nur eine Frage von Zeit, bis die Sägezahnwilden die Stadtkajira zurückbringen werden und dann wahrscheinlich sogar bereit sind, für sie zu zahlen… mal abwarten, ob er Recht hat.

Für meinen Herrn war nun übrigens  der richtige Zeitpunkt gekommen, sich für ein lautes „Ta Sardar Gor!“ zu erheben. Doch danach trank er nicht wie erwartet von seinem Paga, sondern leerte den Inhalt seines vollen Bechers komplett auf den Tisch mit den Worten "Mögen solche Wilden ihre Wege stets um Jorts Fähre herum finden, Ta Sardar Gor!" und warf das leere Trinkgefäß hinter sich, wo es laut scheppernd in einige große Scherben zersprang. Uuuiiiihh, nicht nur ich war zusammengezuckt und verwundert, denn ein den gesamten Tisch überschwemmendes Trinkopfer hatte ich in meinen ganzen Jahren auf Gor noch nie erlebt. Sichtlich zufrieden mit sich setzte mein Herr sich nach kurzer Betrachtung seines Werks dann wieder auf sein Kissen, schnippste knapp in meine Richtung „Nachschub Kajira“ und fragte den immer noch erstaunten Krieger vom Hof, ob ihm Trinkopfer nicht bekannt seien. Tja, eigentlich wohl schon, nur eben nicht so überschwemmungsartige.

Nachdem ich eilig einige Reptücher zur ersten Eindämmung der Pagaüberschwemmung auf den Tisch gedrückt hatte, servierte ich meinem Herrn seinen Nachschub dann lieber vorsorglich mit dem Wunsch, dass dieser Paga ihm nicht nur wohlbekommen und seine Sinne anregen, sondern vor allem auch seinen Gaumen erreichen möge, sofern keine weiteren Opfer mehr geplant sind. Anscheinend kennt er Trinkopfer nur in dieser umfangreichen Form, räumte dem Hofkrieger allerdings ein, dass man durchaus auch weniger Paga nehmen könne, um mehr für sich zu behalten. Er gab jedoch zu bedenken, dass sich die Priesterkönige vielleicht gerade besonders über dieses Opfer mit reichlich Paga gefreut haben und seine damit geäußerte Bitte erhören werden… somit hätten alle Bewohner von Jorts etwas davon.

Zum Glück war diese Überschwemmung wenigstens schnell beseitigt und kein Sitzkissen hatte Schaden genommen, vor allem nicht das des Händlers. So geschafft wie der sich nach seinem Gespräch mit den Grünen dort später auf seinen Allerwertesten fallen ließ, wäre ein nasses Händlerhinterteil mit Sicherheit ganz schlecht bei ihm angekommen, zumal seine Laune eh mal wieder ziemlich grenzwertig war. Er trauerte nämlich lautstark den Zeiten ohne Grüne in Jorts hinterher, weil die Stadtkasse anscheinend eine zweistellige Summe Gold für diese Kaste locker machen soll. Wofür genau, hatte der korobanische Medicus anscheinend noch nicht wirklich konkretisiert, es scheint aber auch mit der grünen Neueinstellung zu tun zu haben, über die der Händler genauso wenig begeistert erschien, wie die Krieger. 

Im Zusammenhang mit der horrenden Goldforderung kam logischerweise erneut zur Sprache, dass der zugezogene grüne Korobaner gar kein Heimsteinangehöriger von Jorts Fähre ist. Doch das scheint der Herr ändern zu wollen, denn er hatte dem Händler am Vortag wohl mitgeteilt, dass er seinen Schwur auf den Heimstein von Jorts Fähre beim Rat beantragen will. Tja, mal abwarten… mein Herr, der ja noch nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er Korobanern nicht über den Weg traut, sowie ein weiterer Krieger kündigten jetzt nämlich an, von ihrem Recht auf Einspruch gegen diesen Schwur Gebrauch machen zu wollen. Klar, dass der Krieger vom Hof auf die Begründungen der beiden neugierig war, doch darauf ließ mein Herr sich nicht ein, weil er diese mit Bedacht und wohlüberlegt formulieren will… nicht einfach mal so eben nebenbei bei einem Paga. 


Aber auch nicht gleich, nachdem wir zu Hause waren, denn da wollte er lieber noch ein wenig sein Eigentum und den schönen Blick übers Vosktal auf der Bank vor seinem Haus genießen. ;-)))

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