Freitag, 13. März 2015

Vom Weg abgekommen

Auf dem Rundgang meines Herrn durch die Unterstadt, trafen wir am Hafen erneut auf den fremden Krieger aus Ar, der mit reichlich nachdenklichem Blick gerade irgendwie suchend umherschaute. Nach einer freundlichen Begrüßung, behauptete er jedoch, weder vom Weg abgekommen zu sein, noch sich verlaufen zu haben. Trotzdem war es selbstverständlich ein Gebot der Höflichkeit für meinen Herrn, sich bei dem Rarius nun nach seinem Befinden und dem Ziel seiner Reise zu erkundigen oder ob diese womöglich gar kein Ziel hatte, denn ein wenig verwirrt wirkte der fremde Krieger schon. Da in diesem Moment gerade eine Stadtkajira auftauchte, erhielt mein Herr von dem Fremden jetzt jedoch erst einmal die Einladung zu einem Kalana.


"Ich nutze die mir verbleibende Zeit und bereise das Land. Der Krieg mit Cos hat mich Haus und Hof gekostet", erzählte er meinem Herrn, nachdem sich die beiden Männer auf den Fässern vor der Taverne niedergelassen hatten und machte dabei einen äußerst deprimierten Eindruck auf mich. Da mein Herr auf Cos ebenfalls nicht gut zu sprechen ist, kommentierte er die Information nicht nur mit einem äußerst grimmigem Blick, sondern gab zusätzlich noch eine nicht gerade wohlwollend klingende Verwünschung über diese Stadt von sich, in der auch irgendetwas von einer Flammenbestrafung durch die Priesterkönige vorkam.


Vor der Taverne war inzwischen auch der Hauptmann aufgetaucht, der aber trotz des am Vortag gemeinsam konsumierten Kalanas wie immer unter schlechtem Namengedächtnis litt und damit bei dem Fremden nicht gerade für Begeisterungsausbrüche sorgte. "Für meinen Namen hat er etwa zwei Hand gebraucht", erklärte mein Herr daher grinsend, bevor er den Fremden zusätzlich noch vorwarnte, dass der gerade von der Fähre kommende Krieger, sein ehemaliger Mentor, nicht allzu gut auf Arer zu sprechen ist, man aber trotzdem sehr ehrenhaft mit ihm streiten kann… oder so ähnlich drückte er sich aus glaube ich. Der breit grinsende Hinweis des Hauptmanns zu dem Hinzugekommenen "wir haben Besuch aus Ar, das freut dich bestimmt", führte bei dem Angesprochenen allerdings nur zu einem Vergleich von Ar mit Bazi-Pest und dass nicht jeder Glück haben kann.


Bevor der Arhasser sich dann zusammen mit dem Hauptmann Richtung Wald davon machte, legte Letzterer allerdings noch einige Kupfer mit der Aufforderung für meinen Herrn auf den Tisch, auf Kosten und zum Ruhme der Kriegerkaste von Jorts zu trinken... spendabel war der Hauptmann wirklich schon immer. Mein Herr vermutete lachend sogar, dass der fremde Rarius seinem Kastenersten wohl sympathisch sein musste, auch wenn er seinen Namen nicht behalten hatte. Tja, den Kommentar des Fremden über irgendwelche wilden Träume des Hauptmanns, in denen der sich angeblich vorstellt, dass ein Rarius aus Ar ihn mit der Kurt erniedrigt, verstand ich leider überhaupt nicht, nur dass dem Arer die Meinung anderer schon immer egal war.


Aber das einzig Wichtige für mich war in diesem Moment ja auch, meinem Herrn seinen Kalana möglichst hingebungsvoll zu servieren... und nur das zählte! Hinterher lauschte ich dem Gespräch der beiden Krieger natürlich wieder mit voller Aufmerksamkeit, denn mein Herr versuchte den verwirrten Rarius nun irgendwie zurück in die Spur zu bringen und Hoffnung zu machen, indem er ihm berichtete, dass er seinerzeit ebenfalls mittellos und allem beraubt, was dem Recht nach ihm gehört hatte, nach Jorts gekommen war, wo er inzwischen aber Haus und Heimstein gefunden hatte. Er endete mit: "Jorts Fähre ist ein guter Ort für Krieger wie uns".


"Ich habe nicht viel übrig für Kastenbrüder, die andere Kastenbrüder bespötteln... und wenn der Hauptmann es vorlebt, werden es ihm Andere gleichtun. Mein Aufenthalt hier wird dem zur Folge nur von mittlerer Dauer sein", war letztendlich der Anfang eines mir unerklärlichen Stroms an Selbstmitleid, den mein Herr mit einer Mischung aus Verständnis, aber auch geballter Nachhilfe in rotkastigem Denken über Ehre und Stahl zu stoppen und in die richtigen Bahnen zu lenken versuchte, bis er wütend aufsprang und der Mimose aus Ar letztendlich an den Kopf warf: "Bei den Priesterkönigen, sieh dich an Rarius! Ein Krieger Ars, der hier mit Kalana und Kajira sitzt und über den Sinn der Ehre sinniert wie ein Schreiber und dabei jammert wie ein Heiler ohne Filzpantoffeln! Wenn mein Vater dich sehen könnte, er würde dir in den Arsch treten, dass du Zehennägel kotzt und das mit Recht!" 

Puhhh, endlich hatte der Krieger verstanden und verabschiedete sich knapp mit: "Du hast Recht. Ich muss mich auf den Weg machen um die Rechnung zu begleichen, die noch offen ist...", bevor er auf der nächsten Fähre in eine vermutlich sehr ungewisse Zukunft verschwand... mögen die drei Monde seinen Weg hell erleuchten, damit er ihn irgendwann vielleicht wiederfindet! ;-)

Kommentare:

  1. "... in den Arsch treten, dass du Zehennägel kotzt..."
    Den muss ich mir merken^^

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  2. Ravi... ich fand diese Formulierung von meinem Herrn so klasse, dass ich sie mir aufgeschrieben hatte! *wedelt kichernd mit ihrem Zettel* :-))

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