Mittwoch, 4. März 2015

Wirtin auf Probe

Nachdem der Lederarbeiter sich in der letzten Hand bereits um die Beschaffung von Getränken für die demnächst geplante Orgie gekümmert hatte, war es nun an meinem Herrn, sich nach seinen vielen Wachdiensten endlich in Sachen Verpflegung schlau zu machen. Leider hatte auf dem Hof mehrfach niemanden angetroffen und auch einen der Krieger lange nicht gesehen, der je nach Jagderfolg oft sehr leckeren Tarsk- oder Tabukschinken verkauft oder manchmal auch Würste in verschiedenen Geschacksrichtungen. Mein Herr nutzte daher die günstige Gelegenheit sogleich aus, als er Letzteren vor einigen Tagen auf dem Marktplatz zusammen mit dem Hauptmann und dem grünkastigen Herrn traf, der sich dann aber auf die Suche nach dem Nachhauseweg begab. Der Zeitpunkt für die Schinken- und Wurstbestellung hätte jedenfalls nicht besser sein können, denn der Rarius hatte auf seinen Streifzügen durch die Wälder anscheinend ergiebige Jagdbeute gemacht, sodass sich die beiden Männer schnell über die Fingerhäppchen für die demnächst anstehende Orgie einig wurden. 


Der Hauptmann zierte sich übrigens merkwürdigerweise beim Thema klein schneiden ganz komisch, beruhigte sich aber sofort, als mein Herr ihm erklärte, dass sie über Schinkenwürste gesprochen hatten und nicht über irgendwelche Dinge, über die der Hauptmann wohl gerade fantasierte… wobei ich keine Ahnung habe, was das gewesen sein kann und wieso er danach dann plötzlich auf die Reservierung einer Stadtkajira für diesen Abend zu sprechen kam… aber egal. Nett fand ich allerdings, dass er sich selbst zum Schinkenexperten ernannte und wahrscheinlich vor Erleichterung nun kundtat, die Kosten für den Schinken zu übernehmen. Doch davon wollte mein Herr natürlich nichts wissen… wer zu einer Orgie einlädt, muss auch für die Verpflegung aufkommen, meinte er. Selbstverständlich wäre es fatal, sollte einer der Herren ausgerechnet dann vor Hunger einen Schwächeanfall erleiden, wenn es mit einer feurigen Rotseidenen so richtig heiß zur Sache geht.


Die Priesterkönige müssen der Orgie wohlwollend geneigt sein, denn schließlich gesellte sich auch der Krieger vom Hof dazu und die Käseverpflegung konnte besprochen werden... wobei die Entscheidungsfindung Bosk- oder Verrkäse, mild, halbscharf oder scharf, lange gereift oder lieber doch kein Stinkekäse, weil der Geruch bei den geplanten Aktivitäten eh schon etwas intensiverer Natur ist, fest oder weich und vor allem die richtige Menge für sechs Männer ziemlich kompliziert wurde. Letztendlich war mit der Ankündigung von ein paar Proben und dem guten Preis jedoch alles äußerst zufriedenstellend gelöst. Dank der fachmännischen Beratung des Hofkriegers weiß ich nun auch, dass Verrkäse gar nicht riecht, sondern nur die Böcke. Warum und wie man einen Verrbock melken kann, um das Ergebnis zu Käse zu verarbeiten, habe ich dann lieber nicht mehr hinterfragt, weil der anscheinend immer noch recht empfindliche Hauptmann schon wieder so ein eigenartiges Brummen von sich gab. Vermutlich lag ihm dieses Thema ebenfalls nicht und meine rotseidenen Ablenkungsversuche sowieso nicht, die bei ihm wie immer Binas vor die Tarsk waren.

Da mein Herr an den darauffolgenden Tagen dann leider wieder zu einer längeren Patrouille eingeteilt worden war, habe ich mich überwiegend meinen häuslichen Aufgaben gewidmet und daher jeglichen Kajirafunk verpasst. Dadurch wusste ich logischerweise bis gestern genauso wenig wie er, dass es im Gasthaus eine neue Wirtin auf Probe gibt. Mit dieser Auskunft warnte der Hauptmann ihn nämlich vor, da er anscheinend Angst hatte, die Unkenntnis darüber könne der diensteifrigen Freien möglicherweise den Tod bringen. Natürlich war eine solche Befürchtung unbegründet, denn warum sollte mein Herr einem Weib feindlich gesinnt sein, das seinen Heimstein irgendwo nördlich des Voskdeltas hat und sich überlegt in Jorts das Gasthaus zu übernehmen? Seine Neugier und die des Brauereikriegers auf diese Frau war jedenfalls geweckt, sodass die Sitzkissen auf der Gasthausterrasse nun plötzlich eine erstaunliche Anziehungskraft für die Krieger besaßen, denn der Brauereibesitzer wollte jetzt natürlich seine neue Kundin für Paga und Ale kennen lernen.


Von der angeblichen Diensteifrigkeit der Probewirtin konnte ich bislang allerdings noch nichts feststellen. Die Gnädigste fragte nämlich weder was die Herren zu bestellen wünschen, noch bekam sie ihren Allerwertesten vom Sitzkissen hoch… eine Kajira scheint sie wohl auch nicht zu haben. Wobei ich meinem Herrn seinen Paga sowieso immer am liebsten selbst serviere, weil ich es einfach total genieße, wenn erst seine Blicke den Weg des Bechers über meinen Körper verfolgen, bevor er dann seinen starken Arm um mich legt und mich an sich zieht. Gestern war für ihn vorher aber noch die wichtige Frage nach der Stabilität des Pagapreises zu klären. Doch darüber hielt sich die Wirtin auf Probe bedeckt. Sie fand es merkwürdigerweise viel wichtiger dem Schmied zu bestätigen, dass es zukünftig im Gasthaus Met geben wird. Auch wenn ich diesem netten Herrn sein Lieblingsgetränk wirklich total gönne, war ich darüber nun doch einigermaßen erstaunt, da im Gasthaus von Jorts noch nie Met ausgeschenkt wurde. 


Seit meiner inzwischen schon ziemlich lange zurückliegenden Zeit als Brauereiaushilfskajira bis heute bin ich auch immer noch total stolz darauf, das einzige Ladenhüterfass mit Met zur großen Freude des Brauers vor etlichen Märkten höchstpersönlich verkauft zu haben, als ich ihn während einer seiner Reisen vertreten durfte. Auch der Hauptmann sah gestern übrigens keine Notwendigkeit für den Metausschank, denn Jorts Fähre liegt nicht im Norden und der einzige Metversuch der hier je gestartet worden war, kam wie gesagt schlecht an, weil es keinen der Bewohner nach dem süßen Zeug gelüstete… außer neuerdings jetzt einem aus dem Norden stammenden Herrn. Der Krieger von der Brauerei konnte übrigens froh sein, dass dieser Herr gestern mangels Lieblingsgetränk nur Wasser trank. In seiner Begeisterung über die Met-Äußerung der Probewirtin klatschte er sich nämlich spontan in die Hände und entleerte dabei seinen Trinkbecher... zwar unbeabsichtigt, aber eben sehr spontan und das leider in Richtung des Brauereibesitzers. 

Mit ihrem Unwissen über eine kulinarische Erfindung aus Ar, die sich wechselndes, extra günstiges, besonders leckeres Tagesgericht nennt, konnte die Freie bei meinem Herrn und dem stets hungrigen Hauptmann eigentlich nicht so wirklich punkten… glaube ich zumindest. Da sie ja wie schon erwähnt ihren Allerwertesten nicht hoch bekam und ich inzwischen in der Gasthausküche war, um den größten Becher den ich finden konnte für meinen Herrn mit Paga zu füllen, bekam ich den Rest jedoch nicht so wirklich mit.

Also mal abwarten, das Weib wird schon merken, wenn ihre Gäste fortbleiben, weil es tagelang immer das gleiche Gericht gibt… sie kündigte nämlich an, dass sie keine Reste wegwirft und veranlasste den Brauereikrieger zu der Bemerkung: „Resteessen freut den Feinschmecker… das bisschen was ich esse kann ich auch trinken“.

Naja, ich bin mir sowieso sicher, nicht nur meinem Herrn schmeckt es zuhause sowieso meistens am besten.^^

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