Donnerstag, 30. April 2015

Nicht wie immer

Es war Mitte der Hand und somit wie immer Waffentraining. Da mein Herr also demnächst Richtung Wiese aufbrechen wollte, war ich jedoch total glücklich, dass seine Wache an diesem Tag etwas früher geendet hatte, sodass er noch etwas Zeit hatte, um ein wenig auf seiner Bank vorm Haus auszuruhen und die Aussicht über Stadt und den Hafen zu genießen, während ich vor ihm kniete. Insgeheim wünschte ich mir natürlich, dass die Anzahl der trainierenden Krieger für das an diesem Tag geplante Flaggentraining zu gering war und sich das Training auf relativ kurzes Schwertfuchteln auf der Wiese beschränken würde. Später stellte sich jedoch heraus, das jede Menge Krieger zum Training erschienen waren, mein Wunsch ging also leider nicht in Erfüllung… doch damit muss eine Kriegerkajira nun mal leben und das kann ich auch.

Ganz und gar nicht wie immer war an diesem Tag übrigens, dass netter Besuch vorbeikam. Es war der Schmied, der sich nach dem Befinden meines Herrn erkundigte. Im Gegensatz zu meinem Herrn hatte er anscheinend etwas länger gebraucht, bis Odins Blut seinen Kopf wieder verlassen hatte. Kein Wunder eigentlich, denn zu dem recht frühen Zeitpunkt, als mein Herr schwankend seinen Heimweg in Angriff nahm, hatte das Metfass noch eine ordentliche Menge von Odins Zeug enthalten und der Schmied hockte ja genau daneben, sodass er sein Horn einfach immer nur wieder einzutauchen brauchte. Da Odins Blut wohl tatsächlich nicht ohne ist, zumindest nicht bei großem Durst und komplizierten Ahnenvorbereitungen, hatte er im Gegensatz zu meinem Herrn etliche Hörner später anscheinend den Kampf mit seinen vielen Haustüren verloren… zumal er ja leider auch mich nicht hatte, die ihn sicher durch eine davon hindurch bugsiert hätte.


Nachdem sich die Herren noch ausgiebig über die Auswirkungen anderer Saufgelage ausgetauscht hatten und wie sehr Stahlhelme scheppern, wenn man mit ihnen gegen nicht vorhandene Türöffnungen läuft… die Erfahrungen der beiden Männer waren übrigens erstaunlich ähnlich… fiel meinem Herrn ein, dass er seinem Freund Grüße von einem Kollegen aus der Kaste der Metallhandwerker aus Enkara bestellen sollte, über die der Schmied sich offensichtlich sehr freute. Mein Herr betonte natürlich sofort, dass er nicht fremdgegangen war, sondern den Schmied aus Enkara dort nur zufällig getroffen hatte. Beim Erwähnen seines Tarnflugs dorthin, kam ihm übrigens ein ganz anderer Tarnreiter in den Sinn, nämlich die Kaissa-Spielfigur und weil mein Herr dieses anspruchsvolle Spiel gelegentlich gerne spielen mag, war es nur logisch, dass er sich erkundigte, ob der Schmied vielleicht ebenfalls Kaissa spielt, was aber leider nicht der Fall war.

Kurz bevor mein Herr dann zum Waffentraining aufbrechen musste, kam die Sprache erneut auf die bald bevorstehende Abreise des Schmieds, sobald er nach dem Heimsteinschwüren der Händlerinnen wieder einen klaren Kopf hat. Probleme mit dem Kopf werden meinen Herrn nach dieser Feier sicherlich nicht gefährden, denn er muss schon wieder auf eine längere Patrouille und ist daher nicht an seinem Heimstein, kann also weder an der Zeremonie noch am anschließenden Umtrunk teilnehmen… sehr bedauerlich, aber nun mal nicht zu ändern. Irritierend fand ich , dass der Schmied überlegt, nach der Rückkehr von seinen Ahnen den Schmiedehammer nicht wieder in die Hand zu nehmen und sich etwas anderes zu suchen, vielleicht sogar im Baugeschäft. Mir war natürlich sofort klar, wer möglicherweise dahinter steckt. Doch das geht mich selbstverständlich nichts an, zumal es einer Kajira eh nicht zusteht, über Freie zu urteilen… meine Gedanken und Gefühle kann mir aber trotzdem niemand nehmen. Und ob ein Mann durch Gefährtenschaft überhaupt in eine hohe Kaste wechseln kann, habe ich zwar noch nie gehört, geht mich jedoch ebenfalls nichts an.

Nicht wie immer war gestern übrigens auch, dass ich einfach ungefragt auf dem Marktplatz bei San stehenblieb, während mein Herr mit den anderen Kriegern zur Trainingswiese strebte… vermutlich beschäftigte er sich gedanklich inzwischen schon mit Schwertfuchteln, sodass ihm mein Fehlen nicht mal auffiel. Mich interessierte nämlich, wie die Sache mit dem Überraschungsragout am Vortag ausgegangen war und erfuhr von San, dass ihr Herr und der Hauptmann zwar überlebt, allerdings nicht erraten hatten, wer im Essen verarbeitet worden war. Ach ja, das Urteil des Hauptmanns über das Ragout war „zäh“, obwohl er eigentlich hätte froh sein müssen, dass die Urt unter dem Teppich im Gasthaus immer noch lebt… San hatte nämlich Mitleid mit dem kleinen Viech gehabt.


Hach, endlich mal wieder etwas Tratsch, denn es ist für Kajirae natürlich sehr wichtig, sich ab und an über Freie auszutauschen… z.B. über Schutzmaßnahmen gegen grobmotorische Veranlagungen, die ab und an erfreulicherweise aber auch in Wuscheln übergehen oder lächerliche Verbote wegen möglicherweise geschmolzener Gehirnzellen, vermutlich aufgrund von ständigem Helmtragen. Beim Thema Obhut, das San merkwürdigerweise nicht so ganz zu behagen schien, habe ich ihr natürlich vorgeschwärmt, wie toll ich es immer fand, wenn mich ein Herr in selbige genommen hat, weil ich mich dadurch nicht mehr so alleine fühlte. Der eine oder andere Kopfditscher ist dann auch gar nicht mehr so schlimm, zeigt er doch, dass ich nicht Luft bin, sondern wahrgenommen werde und bei angestautem Bewegungsdrang nützlich bin.

Ich hatte übrigens Glück, dass außer dem plötzlich und von mir leider vollkommen unbemerkt auftauchenden Herrn von San… ich hatte mich strategisch dummerweise etwas ungünstig platziert und ihn nicht aus der Brauerei kommen sehen… niemand mein Geplapper über behelmte Matschbirnen mitbekam und es daher ohne Folgen blieb. San bemerkte natürlich sofort meinen erschrockenen Gesichtsausdruck und beruhigte mich lachend, nachdem ihr Herr zum Training davongeeilt war: „Dina, mein Herr nimmt vieles nicht so krumm“, was ich wirklich bestätigen konnte… außer kalte Füße! Von der Bedingung ihres Herrn, mich nicht mit kalten Füßen an ihn zu kuscheln, wenn er mir manchmal befohlen hatte, seine Felle zu wärmen, wusste San übrigens nichts. Aber warum auch, ihm ist natürlich sehr schnell klar geworden, dass die Füße Rotseidener gar nicht kalt sein können! ;-))

Mittwoch, 29. April 2015

Aufläufe

Auf dem Marktplatz waren die letzten beiden Tage mal wieder Menschenaufläufe, während die Terrasse des Gasthauses ausgestorben war. Keine Ahnung, ob dies vielleicht mit der immer noch auf Reisen befindlichen Wirtin zusammenhing? Trotzdem war die Verpflegung durstiger Freier natürlich kein Problem und auch dem möglicherweise knurrenden Magen einiger Herrschaften konnte abgeholfen werden, durch ein gestern von San gekochtes Tagesgericht namens Überraschungsragout. Wobei ich nicht mehr herausbekam, worin die Überraschung bei diesem Essen bestand und auch nicht mehr nachgesehen habe, ob es der Urt im Gasthaus noch gut ging und hoffe, dass sie nicht aus schlagartig einsetzender, oberaktiver Verdauungstätigkeit mit unangenehmer Konsistenz bestand. Zu denken gab mir nämlich, dass San offenbar Fleisch verarbeitet hatte, das anscheinend weg musste. Zum Glück zog mein Herr es gestern jedoch wie meistens vor, zuhause zu essen, wo es sowieso immer am besten schmeckt. 

Genau wie mein Herr, der leider mal wieder eine sehr anstrengende, lange Wache gehabt hatte und entsprechend müde war, verspürte ich übrigens auch keinen allzu großen Drang zu einem Rundgang in die Stadt. Aber um mich geht es natürlich nicht und eine kleine Runde war natürlich nie verkehrt, zumal man vom Sitzplatz vor dem Haus meines Herrn sehen konnte, dass sich der Marktplatz zunehmend mit Menschen füllte… ich vermute allerdings, es war nicht wegen dem Ragout, sondern einfach aus Geselligkeit. Das vorherrschende Thema bei unserem Eintreffen war übrigens die Händlerkaste, die kurz davor ist weiter anzuwachsen. Wobei das Verhältnis von Kriegern zu Händlern dadurch Gefahr läuft, in leichte Schieflage zu geraten, weil demnächst die Heimsteinschwüre von zwei Händlerinnen anstehen… zum Bedauern des Hauptmanns übrigens beide am gleichen Tag, sodass er nur einmal umsonst essen und saufen kann.

Die Idee meines Herrn, dass einfach zwei Krieger die beiden Händlerinnen gefährten, um die Frauen danach in die rote Kaste aufzunehmen, damit das Verhältnis Krieger zu Händlern wieder zugunsten der Krieger in die erforderliche Unausgewogenheit verschoben wird, fand der Hauptmann anscheinend ganz toll, ich jedoch weniger. Einer der ledigen Krieger mit zukünftiger Händlergefährtin sollte nämlich leider mein Herr sein und ein solches Weib in seinem Haushalt, gefiel mir natürlich kein Stück, war ich doch die drohende grüne Gefahr erst vor kurzem losgeworden. Wie gut, dass mein Herr dieses Thema schließlich damit beendete, dass er erst einmal lediglich dazu bereit ist, darüber nachzudenken, eigentlich aber nicht interessiert ist. Puhh, trotzdem kommt einer ausgeklügelten rotseidenen Ablenkung in nächster Zeit wohl eine große Bedeutung zu… zumindest kann dies nicht schaden.


Inzwischen waren die Händler und die neue Baumeisterin aufgetaucht, die zusätzliches Stimmengewirr erzeugte, zumal sie ja auch alle Anwesenden um einiges überragt. Sie unterhielt sich nämlich mit einem der Krieger, gleichzeitig aber auch mit dem ersten Händler quer über den Platz über irgendein Bauprojekt, bevor sie sich schließlich doch neben den Händler stellte. Der geplante Umbau eines Hauses wurde von den Rarii nun aufgriffen, um über eine durchaus interessante Möglichkeit für ein zusätzliches Kriegertraining zu sprechen, die sich durch ein leer stehendes Haus womöglich auftun könnte… aber mal abwarten. Während die Baumeisterin weiter über ihr Bauprojekt redete, bei dem es anscheinend um ein neues Bad in der früheren Bäckerei ging, berichtete mein Herr dem Hauptmann über seine Sondierungen in Enkara, die er vor kurzem… leider ohne mich… wegen der demnächst anstehenden Reise der neuen Sklavenhändlerin vorgenommen hatte. 

Er hatte dort vor Ort zwar nicht mit dem Kommandanten sprechen können, aber in dem Schmied von Enkara offenbar einen kompetenten Ansprechpartner gefunden. Mithilfe dieses lokalen Führers, der das Umland von Enkara anscheinend genauso gut kennt, wie mein Herr mich… ach nee, ich glaube er sprach von meinem Hinterteil... kann dieses etwas knifflige Geschäft der neuen Sklavenhändlerin wohl funktionieren. Ein wohlwollender Blick der Priesterkönige auf diese Unternehmung sollte aber bestimmt trotzdem nicht schaden, egal wie gut die Rückzugsmöglichkeiten sind. Ich befürchte nur, dass ich wieder nicht mit darf… vielleicht aber wenigstens bis Enkara? Mal abwarten, ob und wie ich meinen Herrn von der Wichtigkeit seiner rotseidenen Mobilheizung auf dieser Reise überzeugen kann. 


Merkwürdig fand ich übrigens, als der Hauptmann meinen Herrn neugierig danach fragte, ob er mich demnächst womöglich verkauft, wenn sich herausstellt, dass sein Investitionsgeschäft schlecht läuft. Doch mein Herr erwiderte zu meiner Erleichterung lediglich breit grinsend, dass er keine Schwierigkeiten bekommen wird. Der Vertrag über seine Kapitalanlage bei der neuen Sklavenhändlerin war nämlich am Vortag tatsächlich unterzeichnet worden. Allerdings nicht auf dem Marktplatz, weil dort ein ähnlich großer Auflauf an Bewohnern gewesen war wie gestern. Obwohl der erste Händler bekanntlich vor lauter Arbeit immer total gestresst ist… ich würde mir ja niemals nicht anmaßen, diesen stets laut verkündeten Umstand auch nur mit einem einzigen Piep in Frage zu stellen… hatte er das Dokument über die Geldleihe aufgesetzt, sodass mein Herr mit seiner Begeisterung über diesen Fleiß natürlich nicht hinterm Berg hielt.

Beim Durchlesen des Schriftstücks bemerkte er leider jedoch, dass anscheinend noch ein Missverständnis vorlag… das vorliegende Dokument entsprach jedenfalls nicht den Vorstellungen meines Herrn. Es ging also noch einmal um die Gepflogenheiten bei Kreditgeschäften, Zinssätze, Rückzahlung, Strafzinsen, Sicherheiten, Bürgschaft und, und, und… alles allerdings weitestgehend an mir vorbei. Erst als eine Einigung erzielt und alle Klarheiten beseitigt waren… ähmm, Unklarheiten meine ich natürlich… durfte ich den Geldbeutel meines Herrn holen und für die Änderungen Tinte und Feder, aber auch Tinte und Feder wieder wegbringen und beides erneut holen, nachdem schließlich allen Beteiligten klar war, wie viele Unterschriften auf sämtlichen Schriftstücken erforderlich waren. 

Mein Kontakt mit dem Tintenfass hinterließ diesmal erstaunlicherweise übrigens so gut wie keine Spuren an mir, im Gegensatz zur Anziehungskraft, die ich sonst auf Tinte ausübe. Naja, ein paar wirklich zu vernachlässigende Miniflecke waren natürlich doch an meiner Hand, die ich aber geschickt verbergen konnte. 

Dienstag, 28. April 2015

Odins Blut

Auf einem der Rundgänge meines Herrn, der logischerweise auch auf die Stadtmauer führte, ließ ich meine Blicke Richtung Unterstadt schweifen, während mein Herr er eine der Ballisten inspizierte. Dabei entdeckte ich zufällig den netten Schmied, der mit einem Horn in der Hand vor seinem Haus im Gras saß, neben ihm ein rotes Fass und machte meinen Herrn natürlich auf ihn aufmerksam. Mit „Kajira, der sieht ganz so aus, als ob er jemanden zum Mittrinken gebrauchen kann“ führte der Rundgang nun auf kürzestem Weg dorthin. Mein vorsorglicher Hinweis, dass es sich bei dem Inhalt des Horns sicherlich um Met handelte, also ein Getränk, mit dem mein Herr eigentlich eher auf Kriegsfuß steht, wurde von ihm jedoch mit der Bemerkung "aus Freundschaft tut man vieles“ einfach abgetan.

Erneut zeigte sich, welch eine Freundschaft die beiden Männer verbindet! Allerdings galt es nun erst einmal den Vorsprung von 3 Hörnern Met aufzuholen. Der gut gemeinte Hinweis des Schmieds, dieser Met kann einem schnell die Socken von den Füßen hauen… es war nämlich nicht irgendein Met, sondern ein dreimal so starker, ganz besonderer namens „Odins Blut“ aus roten Beeren, der nur zweimal im Jahr gebraut wird… wischte mein Herr einfach vom nicht vorhandenen Tisch, denn er trug ja Sandalen ohne Socken. Außerdem gab er sich beim Erwähnen der roten Beeren der Hoffnung hin, dass er von dieser Metsorte vielleicht nicht so viel braucht, bis es ihm schmeckt, da dieses Zeug eben viel mehr knallt, als der normale Met.

Mit dem Befehl „Kajira, nicht lange servieren… ich muss zusehen, dass ich hinterher komme!“ begann dann die Aufholjagd meines Herrn, bei der er mehrfach sein immer wieder neu gefülltes Horn in einem Zug leerte. Ok, anscheinend war diese Methode für einen Nicht-Met-Trinker mit einigem Rückstand vielleicht gar nicht so schlecht, denn mein Herr schaffte es tatsächlich, in relativ kurzer Zeit bis 3:4 aufzuholen. Die etwas undeutliche Frage seines Trinkpartners „na, dasch Zeusch haut rein, wasch?“ wurde auch prompt genauso undeutlich bestätigt „aiii, dasch keschelt!“, bevor sich ein kräftiger Met-Rülpser seinen Weg nach draußen bahnte. Selbstverständlich versuchte ich zwischendurch sowohl meinen Herrn, als auch den Schmied mit vollem rotseidenen Körpereinsatz ein wenig vom Saufen abzulenken, denn ich hatte natürlich Befürchtungen, dass ihre Köpfe irgendwann nicht mehr durch Türen passten. 

Doch leider gelang mir mein Vorhaben nicht so wirklich, auch wenn mein herausgerecktes Hinterteil bei meinem Herrn nicht unbemerkt blieb und mein zufällig verlorenes Gleichgewicht mit Landung auf dem Schoß des Schmieds, äußerst wohlwollend aufgenommen wurde. Leider wurde ich trotzdem weiter mit „Kaschiiraaa! Nisch schoooo lanschaaaam!“ angefeuert, die Methörner zu füllen, weil ein Nachteil bei Odins Blut wohl ist, dass man mit dem Trinken einfach nicht aufhören kann. Oder lag das an der Aussicht, am Morgen nach einem solchen Besäufnis angeblich den süßen Geschmack einer Kajira auf der Zunge spüren zu können, die eine ganze Nacht im Nadu auf dem Gesicht ihres Herrn gekniet hat? Egal, der Schmied hatte sowieso noch einen weiteren Grund für sein Gelage… oder sogar mehrere. 


Pure Unlust auf Arbeit rangierte an oberster Stelle, teilte er meinem Herrn lachend mit, bevor er ein weiteres gewaltiges Met-Bäuerchen von sich gab und dann mit ernster Miene hinzufügte, dass es um die Vorbereitung für ein Treffen mit seinen Ahnen ging, mit denen er anscheinend reden wollte. Oder ist diese Unterredung sogar ein Muss? Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher, denn in diesem Moment klatschte mir mein Herr plötzlich erneut übermütig auf den Po, sodass ich mich haltsuchend sehr eng an den Schmied drücken musste und logischerweise ziemlich abgelenkt war. Jedenfalls will er Richtung Norden aufbrechen, um in seinem ehemaligen Dorf auf einen Berg zu krabbeln, sobald sein Kopf nach der Feier zum Heimsteinschwur seines Mündels wieder klar ist. Ich glaube auch zu erinnern, dass der Herr dort auf dem Berg zusammen mit einem Priester seine Brüder erst verprügeln, danach mit ihnen reden und hinterher Kanda rauchen will… oder so.

Leider hatte mein Herr nach einiger Zeit immer noch ein Horn Rückstand hinter seinem Freund, sodass ich weiter reichlich mit Nachfüllen zu tun bekam, denn zu viel Luft in ihren Trinkhörnern gefiel beiden Männern ganz und gar nicht. Der Schmied erzählte meinem Herrn übrigens, dass er sich auf seiner Reise in den Norden ein Mittel erhofft, mit dem er das Tattoo auf seiner Brust entfernen kann. Obwohl ich mir sicher bin, dass ich meinem Herrn von diesem Zeichen erzählt hatte, erinnerte er durch den Metnebel jedoch nicht mehr, dass es für das Haus des Schmieds stand. Jedenfalls ist das Bild des Vogels für den Herrn inzwischen nur noch ein Bild ohne Bedeutung und soll weg. „Dasch kann die Grüne beschtümmmmt wegmaschen… Kaschira… hol die Medischa! Sach ihr, der Schmied hat nen Vogel, der weg musch… schnell!“ war trotz schwerer Zunge ein eindeutiger Befehl meines Herrn, der mich sofort zum Gasthaus sausen ließ, weil ich dort die Gefährtin des Hauptmanns zu finden hoffte. Das laut hinter mir ertönende „schtoooohoooopppp!“ des Schmieds ignorierte ich einfach.

Ich hatte tatsächlich Glück und obwohl der Hauptmann irgendetwas über zu viel Met von sich gab, sprang die Herrin sofort auf… hatte ihr aber auch mitgeteilt, dass es sich um einen Notfall handelte. Immerhin hatte der Schmied einen Vogel, der weg musste! Wobei ich auf dem Weg zurück der Grünen selbstverständlich nicht verschwieg, dass der Vogelbesitzer zusammen mit meinem Herrn im Gras ein Vogelgelage mit reichlich Blut abhielt, nämlich dem von Odin und beide inzwischen diverse Methörner intus hatten… also den flüssigen Inhalt natürlich nur, der seine kesselnde Wirkung bereits voll entfaltet hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, die beiden Herren waren tatsächlich sehr erfreut, als ich mit der Medica im Schlepp auftauchte. Der Schmied begrüßte mich nämlich rülpsend mit „öh… Düna da bische ja wieder“ und mein Herr rief: „Meddischa! Der Schmied hat nen Voschel, der den Prieschterköschigen eschal isch... desch is nischt einschaf...“

Tja, irgendwie hatte ich es geahnt… die Herrin konnte und wollte nicht, weder sofort noch später, das Vogeltattoo von der Brust des Schmieds entfernen. Nachdem sie einen Vortrag über Echtheit, sich über Folgen klar sein und mit ihnen leben, medizinisch nicht vertretbare Eingriffe und vorprogrammiertes Kopfweh gehalten hatte und ich weiß nicht mehr was noch alles, mit dem sie ihre Ablehnung an diesem Notfall kundtat, der in ihren Augen sowieso keiner war, sondern nur Betrunkenheit, wies sie auch noch die Einladung zu einer kleinen Kostprobe Odins Blut von sich und zog Richtung Gasthaus von dannen, während sich die beiden Männer darüber stritten, ob der Schmied nun leidet oder nicht. Mein Herr rief der Herrin nämlich hinterher „Medischa, der Mann leischet… aber schag dem Hauptmann, dasch die Kriescher hier gerade den Auschgleich erringen!“ und sein Freund behauptete das Gegenteil „isch leide doch nischt… isch werde erscht leiden, wenn kein Blut von Odin mehr da isch!“

Puhh, zum Glück war mein Herr nicht sauer auf mich, nachdem der Versuch mit der Grünen total fehlgeschlagen war. Im Gegenteil, er lobte sogar: "Hascht du schehr gut gemascht, meine Scharlaschrrrote“. Einige Hörner und zotige Witze später, aber auch ziemlich verwirrenden Worten über Weglängen und Abzweigungen zu Ahnen, sowie einer sehr ernsten Ermahnung meines Herrn an seinen Saufkumpan „wenn du nisch wieder kommscht, dann komm isch da hin wo du hingehscht und tret dir in den Arsch! Du kannscht uns hier nisch ohne Schmied hocken laschen... kannschu doch nisch einfasch!“ rappelte er sich dann zu meiner Erleichterung etwas ungelenk zwar, aber mit einigen Mühen trotzdem hoch, um breitbeinig und leicht schwankend den Nachhauseweg anzutreten, den er tatsächlich ohne meine Hilfe schaffte. 

Einzig am Hang vor seinem Haus schwächelte er etwas und an der Haustür konnte mein Herr sich nicht entscheiden, welche der beiden Türen er diesmal nehmen sollte. Dafür schaffte er die Treppe ins Obergeschoss nach kurzem Anlauf mit wildem Schrei im Sturm und reckte oben angekommen seine Faust triumphierend in die Höhe. Was für ein Mann… sogar mit nicht gerade wenig Odins Blut in den Adern!!!

Montag, 27. April 2015

Geschehnisse der letzten Hand

Auf einige werde ich hier allerdings nicht mehr näher eingehen... stattdessen dafür einfach ein paar Bilder:

kurzes Gespräch mit dem Mündel des Schmieds
Missverständnis auf der Gasthausterrasse

Verhandlungen über eine Investition mit guter Verzinsung
(Leider mochte SL mich einige Tage nicht, sodass ich von der freundlichen Unterredung meines Herrn im Haus des Lederarbeiters keine Bilder habe).


Die durchaus positiv zu bewertenden Entwicklungen der letzten Tage… die geistige Umnachtung eines hochangesehenen Ratsmitglieds aufgrund von häufiger Abwesenheit oder ich weiß nicht was, kehre ich einfach mal als nicht existent unter den Tisch… führten bei meinem Herrn verständlicherweise zu oberallerbester Laune, von der seine beste Nebensache, so nannte er mich nämlich, am nächsten Morgen ganz gewaltig profitierte und zwar nicht nur in Form von leckerem Essen anstelle ekeligem Sklavenbrei. Nach dem Aufwachen tat er zwar erst einmal so, als würde er das Präsentieren seines Eigentums überhaupt nicht bemerken und widmete sich ziemlich schräge singend nach meinem Empfinden viel zu ausgiebig seiner morgendlichen Rasur. Wie nicht anders zu erwarten, begann es natürlich immer heißer in meinem Innern zu kribbeln, weil ich mich danach sehnte, ihm zu dienen... an welcher Kajira geht schon der nackte Anblick ihres Herrn ohne diese Reaktion vorbei? 

Doch erst einmal durfte ich mich eine Weile in Demut und reichlich Geduld üben. Wie immer, wenn mein Herr singt, ging es auch in diesem Lied natürlich um Krieger, die für Jorts kämpfen und siegen. Naja, und da jeder Sieg logischerweise nicht nur durstig macht, folgte schließlich auch eine Strophe über die beste Nebenbeschäftigung von siegreichen Kriegern, die mein Herr mit seiner schließlich lichterloh in Flammen stehenden besten Nebensache dann bei seinem Frühstück umsetzte. Hach, wie gerne hätte ich noch den ganzen Tag mit ihm zuhause verbracht, doch leider entschloss er sich irgendwann zum Anziehen, um mit der Sklavenhändlerin ohne Kaste und Heimstein über ihre nicht ganz ungefährlichen Reisepläne zu sprechen, von denen er bei seinen Investitionsverhandlungen erfahren hatte. 

Nach einem leider nur recht kurzen Plausch mit dem am Voskufer angelnden Schmied, traf er schließlich die Freie am Hafen und erfuhr, dass es bei ihren Reiseplänen nicht um das Fangen von Wilden ging. Geschäftstüchtig wie sie ist, hatte sie bereits auf ihrer ersten Reise in Sachen Sklavenan- und –verkauf eine lockere Vereinbarung zum Ankauf von Sklaven mit einem in den Sümpfen von Enkara lebenden Stamm getroffen, die sie demnächst nun vertiefen will. Da mein Herr logischerweise sehr interessiert am Wohlergehen seines in den angestrebten Handel dieses Weibs investierten Kapitals ist und daher über einen Flug mit seinem Tarn in das Gebiet zur Sondierung der Lage dort nachdachte, holte er noch ein paar genauere Informationen ein… ob ich ihn vielleicht begleiten darf? Mal abwarten, noch war es nicht soweit, doch ich befürchte, dass meine Chancen da leider wohl nicht allzu gut stehen.


Am folgenden Tag sprach mein Herr übrigens auch mit dem Hauptmann über besagte Investition. Dabei stellte sich heraus, dass auch der Hauptmann Geld angelegt hatte, allerdings nicht in den Sklavenhandel, sondern in die neue Wirtin… zu annähernd identischen Konditionen. Beide Männer fachsimpelten daher ausgiebig über Vertrauen, Schuldscheine mit Zusatzklauseln und Zinsen, waren sich aber auch sehr schnell einig, dass sie eigentlich zu wenig für ihr Geld verlangt hatten. Bevor dem Hauptmann die demnächst anstehenden Heimsteinschwüre in den Sinn kamen, die seiner Meinung nach unbedingt an getrennten Tagen stattfinden sollten, um auf kein Festessen verzichten zu müssen, kamen die beiden Männer überein, zukünftig ihre Gläubiger möglichst vom Geld so abhängig zu machen, wie von Kanda. 

Kein Wunder eigentlich, dass meinen Herrn eine Spitzfindigkeit des Hauptmanns zu der Frage veranlasste, ob er vielleicht ebenfalls einen Onkel in der Händlerkaste gehabt hatte. In seiner Jugend hatte es nämlich einen solchen „Onkel“ gegeben, der aber offenbar kein Bruder seiner Mutter gewesen war, auch wenn sie ihm gegenüber diesen Mann immer so bezeichnet hatte. Als mein Herr nun erwähnte, dass sein Vater diesen „Onkel“ aus irgendeinem Grund nicht gemocht hatte, ich glaube er sagte sogar, sein Vater habe ihn gehasst, keimte in mir natürlich eine gewisse Vermutung auf, die meine Blicke über die nackten, vor mir auf den Stufen stehenden Beine des Hauptmanns langsam aufwärts wandern ließ, bis ich auf Höhe seines Schrittes innehielt. Der Hauptmann schlussfolgerte jedoch lediglich, besagte Abneigung habe damit zu tun gehabt, dass der „Onkel“ kein Krieger gewesen war. Klar, auch das hätte ein Grund sein können.

Allerdings war der Hass des Vaters auf diesen Händleronkel noch größer, als auf andere Nichtkrieger und außerdem war er immer äußerst aggressiv geworden, sobald er ihn nur sah. Puhhh, es war wirklich nicht leicht für mich und kostete mich jede Menge Beherrschung, dass man mir meine Gedanken nicht ansah. Ich war mir übrigens ziemlich sicher, dass die Medica dasselbe dachte wie ich, denn irgendwie erweckten ihre belustigten Blicke auf mich den Eindruck, als ob sie hinter ihrem Schleier grinste, während ihr Gefährte und mein Herr sich weiter ins Zeug legten, über den Hass des Vaters auf den Onkelhändler zu rätseln, den seine Mutter nämlich so gar nicht geteilt hatte. Sich nachdenklich am Kinn kratzend erzählte mein Herr schließlich noch, dass sie sogar immer ganz aufgeregt und sehr erfreut gewesen war, wenn dieser „Onkel“ auftauchte und bestätigte zumindest mir damit, dass ich mit meiner Vermutung über das Verhältnis seiner Mutter zu diesem Mann wahrscheinlich richtig lag.


Nach dem Erwähnen der wirklich sehr guten Erinnerung meines immer irritierter blickenden Herrn an diesen "Onkel", fiel letztendlich aber auch beim Hauptmann der Kupfer. Trotz der Gefahr durch seinen Vater war dieser Händler nämlich stets äußerst bemüht um ihn gewesen, hatte ihm Ratschläge gegeben, manchmal auch Geld zugesteckt und ihn ständig „mein Junge“ genannt. Leider endete die Affäre jedoch total schrecklich, indem der Vater meines Herrn irgendwann den "Onkel" erschlug und seiner Gefährtin den abgehackten Kopf brachte. Während mich diese Vorstellung total entsetzte, war der Kommentar des Hauptmanns dazu übrigens nur: „Etwas Schwund ist immer, vielleicht solltest du nicht weiter nachforschen. Kann sein, dass deine Mutter den Onkel… naja… mehr gemocht hat, als du denkst.“ Wie zu erwarten erkundigte sich mein Herr nun obergenau, was der Hauptmann damit hatte andeuten wollen. 

Leider zierte dieser sich jetzt jedoch etwas, denn er wollte natürlich nicht, dass seine Aussage niemals nicht und überhaupt auf keinen Fall zu irgendetwas zwischen ihm und meinem Herrn führt. Und da sich seine Gefährtin weiter strickt weigerte, dazu etwas zu sagen, verwies er letztendlich einfach an mich: „Frag am besten Dina… die kann dir das erklären.“ Uff… zum Glück kam es dazu nicht mehr. Meinem Herrn war inzwischen nämlich ebenfalls klar geworden, dass der „Onkel“ kein Onkel gewesen war, sondern ein Händler aus der Nachbarschaft und der Stahl seines Vaters Recht gesprochen hatte. „Der Stahl deines Vaters, was anderes kommt ja sowieso nicht in Frage… das wäre ja sehr komisch, wenn es anders ist“, bestätigte der Hauptmann diese Erkenntnis meines Herrn sofort und damit war das Thema „Onkel“ abgehakt. Das hauptmannsche Nachgeplänkel über „was nicht ist, ist nicht“ und „es kommt nicht in Frage, was zu behaupten, was ja nicht ist, weil das ja nichtig wäre“ habe ich jedenfalls nicht mehr verstanden und so wie die Medica ihre Stirn runzelte, sie wahrscheinlich ebenfalls nicht. ;-)

Montag, 20. April 2015

Pause

…vorerst zumindest, vielleicht aber auch generell, sofern meine Motivation zum Schreiben nicht irgendwann doch noch wieder zurückkommt. Ich möchte eine Weile in Ruhe darüber nachdenken und bitte um euer Verständnis, dass ich auf meine Gründe hier nicht näher eingehen werde.

Als ich 2009 mit diesem Blog anfing, habe ich übrigens weder damit gerechnet, das Schreiben allzu lange durchzuhalten, noch mir träumen lassen, dass die Zugriffe auf meine kleinen Geschichten hier jemals die schwindelerregende Zahl von 250.000 erreichen könnten… zeitweise über 300 Klicks am Tag! Deswegen an dieser Stelle an euch alle ein riesengroßes

D A N K E S C H Ö N  :-)))))

Eure Dina

Freitag, 17. April 2015

Verweigerung von Brot, Salz und Feuer

Mein Herr verließ schon vor mir sein Haus und war Richtung Hafen gegangen, wo sich eine kleine Menschenmenge versammelt hatte. Es waren irgendwelche Fremden aus dem Norden, die mir vage bekannt vorkamen. Ich glaubte sie nämlich mal zusammen mit dem Heimsteinabtrünnigen gesehen zu haben. Unsicher wie ich war, ließ ich darüber aber nichts verlauten. Merkwürdigerweise luden die Fremden die Schneiderin, die sie anscheinend sehr gut kannten und die freigelassene Kajira in die Taverne ein, was logischerweise zu reichlich Erheiterung bei sämtlichen Anwesenden aus Jorts führte, denn eine freie Frau, die etwas auf sich hält, würde sich nie in ein solches Etablissement begeben… im Süden herrschen nun mal andere Sitten als in den Longhalls des Norden. Doch diese anscheinend ungewollte Anzüglichkeit klärte sich auf, sodass die Fremden mit den jortsschen Weibern Richtung Gasthaus verschwanden.


Inzwischen war eine fremde Kajira aufgetaucht, die merkwürdigerweise den Hauptmann suchte, um ihm das Schild eines jortsschen Kriegers zu überreichen. Der Stinkeblick des Hauptmanns verhieß irgendwie nichts Gutes, als die Sklavin sich vor ihn kniete, da sie aus den Gesprächen vorher herausgehört haben muss, bei welchem Krieger es sich um den Hauptmann handelt. Er schien offensichtlich sofort erkannt zu haben, wessen Schild es war und hielt es meinem Herrn mit fassungslosem Unverständnis im Blick hin, damit dieser die darauf eingeritzte Botschaft lesen konnte. Der Heimsteinverräter, der sich vor kurzem klammheimlich aus der Stadt geschlichen hatte, denn seinen Namen nannte der Hauptmann jetzt, besaß nun anscheinend die Frechheit, erneut nach Jorts zu kommen und hatte den Hauptmann zu einem Gespräch im Wald aufgefordert… alleine natürlich. Naja, außer seiner Geschicklichkeit mit dem Schwert hatte er sich auch früher schon nicht gerade mit Ruhm bekleckert.


Der Hauptmann und mein Herr zogen sich logischerweise für eine kurze Unterredung in die Taverne zurück, damit nicht der halbe Hafen ihre Worte mitbekam. Zum einen war nach einer solchen „Überraschung“ natürlich ein schneller Stehpaga von Nöten, den ich den beiden Männern eilig servierte, nachdem ich das Schild hinterm Tresen erst einmal abgestellt hatte… als Tablett zum Servieren durfte ich es nämlich leider nicht benutzen. Während die beiden Krieger ihre Vorgehensweise kurz abstimmten, denn der Hauptmann hatte dem Heimsteinverräter anscheinend tatsächlich sein Wort gegeben, ihn noch einmal anzuhören, nutzte ich die Gelegenheit um die eingeritzten Zeichen auf dem Schild zu lesen, sodass sich meine Vermutung bestätigte. Ich verstand jedenfalls nicht, warum ein Verräter, dem bereits zwei Ratsmitglieder die Chance eingeräumt hatten, seinen Allerwertesten heil aus der Stadt zu schwingen, um nicht auf dem Pfahl zu landen, trotzdem noch mit dem Hauptmann sprechen wollte.


Letztendlich gingen der Hauptmann und mein Herr tatsächlich Richtung Wald davon. Es kommt zwar häufiger vor, dass Menschen ihren Heimstein verlassen, nur stellen sie es in der Regel geschickter an als dieser Krieger. Die Erkenntnis des Hauptmanns aus diesem Verrat war anscheinend, dass Söldner nicht zu Kriegern taugen und er nie wieder einen solchen in die Kriegerkaste von Jorts Fähre aufnehmen will. Ich musste leider in der Stadt bleiben, durfte schließlich aber einen der anderen Krieger bis zur Brücke hinter dem Hof begleiten, der dort seine wachsamen Blicke Richtung Wald schweifen ließ, um notfalls schnell dem Hauptmann und meinem Herrn zu Hilfe eilen zu können. Leider wählten mein Herr und der Hauptmann jedoch einen Rückweg aus dem Wald, auf dem sie von unserem Standort aus nicht zu sehen waren, denn plötzlich waren laute Rufe meines Herrn vom Marktplatz zu hören, die den Krieger und mich umgehend veranlassten, eilig zurück in die Stadt zu laufen.


„Höret ihr Freien und höret ihr Unfreien! Höret Bürger und höret Fremde!
Der ehrenwerte Kintradim, Hauptmann eurer geliebten roten Kaste, hat soeben dem euch bekannten Baljaro für das Verbrechen des Heimsteinverrates Brot, Salz und Feuer in dieser Stadt verweigert!
Der Heimsteinschwur des euch bekannten Baljaro ist somit nichtig! 
Sollte er gesehen werden, ist ihm jede Gastfreundschaft zu verweigern! 
Er ist fremd, er ist ein Feind! 
Um weitere Unehre von unserem Heimstein durch diesen Mann abzuwenden, entschied der weise Kintradim, ihn seiner Wege ziehen zu lassen, auf dass der Zorn der Priesterkönige Baljaro an einem anderen Ort treffen möge! 
Dieses Verfahren sei Warnung für jeden!“


Auch wenn mir die Blicke zweier Frauen bei dieser Entscheidung nicht so ganz verständlich waren... ihr Getuschel konnte ich leider nicht verstehen... war diesen eindeutigen Worten nichts mehr hinzuzusetzen, denn der Kontakt zu Feinden ist unehrenhaft und der zu einem Geächteten natürlich ganz besonders.

Donnerstag, 16. April 2015

Vor und nach dem Training

Es war noch einige Zeit hin bis zur Ahn, für die wie immer das übliche Waffentraining Mitte der Hand angesetzt war, nachdem ich alle meine häuslichen Arbeiten fertig hatte. Ich kniete mich daher vor meinen Herrn, der sich nun bei mir erkundigte, was ich denn über das Mündel des Schmieds weiß. Die Sache, wieso der Schmied nun plötzlich eine Tochter hat… so sagt er nämlich immer, seitdem er zum Vormund geworden ist…. hatte er vor kurzem in der Taverne wegen des eiligen Befehls zum Wachdienst anzutreten ja leider nicht mehr mitbekommen. Merkwürdig fand ich, dass er die Entscheidung der Freien für den Schmied und nicht für den Hauptmann nicht nachvollziehen konnte. Die hohe Kaste des Hauptmanns wäre nach Meinung meines Herrn nämlich vorteilhafter für sie gewesen, zumal die Frau beide Männer ja nicht kannte. 

Wäre ich in der Situation dieser gedächtnislosen Freien gewesen, hätte ich bestimmt ebenfalls den Schmied gewählt… aber erstens bin ich eine Kajira, die eine solche Wahl sowieso nicht hat und zweitens weiß ich ja um die grobmotorische Veranlagung des Hauptmanns und die sehr feinfühlige Art des Schmieds, bin also nicht unvoreingenommen. Außerdem leide ich nicht unter Gedächtnisverlust und selbst wenn es so wäre, ich bin mir sicher, dass ich mich immer für meinen Herrn entscheiden würde, zumal ja auch sein Name auf meinem Kragen steht. Wie immer bei solchen Gedanken streichelte ich natürlich sehr zart mit den Fingern über den Stahl an meinem Hals, während mein Herr mich auf eine sehr intensive Art musterte, die es mir heiß den Rücken hinunter laufen ließ, bevor er mich auf seinen Schoß zog und mir ins Ohr hauchte: „Viel Zeit bis zum Training ist nicht, aber die muss reichen.........“

Oh ja, es war wirklich äußerst knapp… aber so zusätzlich zwischendurch einfach wundervoll! Mir hat dieses Warmmachen vor dem Waffentraining jedenfalls sehr gefallen, es hat aber auch meinem Herrn offensichtlich sehr gut getan, denn später auf der Wiese war er dank seiner Tiefenentspannung richtig gut. Ich bin mir sogar sicher, die Wirkung war noch um einiges besser als Larmakuchen vor dem Waffentraining, sodass ich ihn in Zukunft wohl öfter daran erinnern werde. Zumindest hat er nicht den Eindruck erweckt eingeschlafen zu sein, wie ein gewisser älterer Krieger, der deswegen vom Hauptmann sogar geschont worden war, als es im Training jeder gegen jeden ging. Komischerweise behauptete dieser Krieger, selbst beim Schlafen im Gebüsch noch Treffer verteilt zu haben… was bei mir den Gedanken keimen ließ, dass dies eigentlich nur Traumtreffer gewesen sein können. Dabei muss ich anscheinend mal wieder etwas lauter gedacht haben, denn der Hauptmann lachte: „Besser Traumtreffer als Traumtänzer!“


Die gute Laute hielt bei meinem tiefenentspannten Herrn übrigens auch noch nach dem Training an. Er gab nämlich die erste Getränkerunde im Gasthaus aus. Als sich die Terrasse zunehmend mit weiteren Gästen füllte, wollte er dann allerdings noch den Schmied besuchen, um sich die Mündeltochter mal anzuschauen und sich ihr vorzustellen. Tja, leider hatte er nur einen sehr schlechten Zeitpunkt erwischt, denn das Essen stand im Schmiedehaushalt quasi auf dem Tisch, sodass wir schließlich doch recht früh zu Hause waren… mein Herr wollte nämlich noch etwas arbeiten. Mal sehen, ob er zukünftig ein Einsehen hat, dass die Entspannung nach einem körperlich anstrengenden Training ebenfalls nicht vernachlässigt werden darf und Arbeit absolut kein Ersatz ist! ;-)

Mittwoch, 15. April 2015

Ausgegeistert

Hach, so ungewohnt wie die leeren Gassen auch waren… irgendwie hatte Jorts als Geisterstadt auch etwas. Nachdem die wenigen Bewohner ebenfalls auf Reisen gegangen waren, die sich nicht der Handelsreise der freigelassenen Kajira angeschlossen hatten, verliefen sämtliche Wachen meines Herrn ohne Zwischenfälle und so ruhig, dass er mich gelegentlich sogar auf seinen Patrouillenflügen mitnahm, was ich natürlich immer sehr genossen habe. Leider stand für ihn gestern jedoch ein etwas längerer Flug auf seinem Tarn an und ich musste zuhause bleiben. Während ich wie oft seit fast einer Hand gemächlich durch die leere Stadt Richtung Marktplatz geisterte, drang plötzlich eine mir unbekannte männliche Stimme an mein Ohr, die sich mit wem auch immer über zu flache Brüste unterhielt. Huch… gab es außer mir etwa doch noch andere Geister oder hatte es sich womöglich sogar ausgegeistert in Jorts?


Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste… ich drückte mich also erst einmal an die Mauer vor der Terrasse und linste hinüber. Gleichzeitig war ich natürlich auf dem Sprung, um notfalls wegzulaufen, denn wer sollte mir zu Hilfe kommen, wenn sich im Gasthaus Gesindel mit unguten Absichten bezüglich des Eigentums meines Herrn breit gemacht hatte? Mit großer Erleichterung stellte ich jedoch fest, dass in Jorts anscheinend wieder Leben eingekehrt war. Der Brauereibesitzer und seine Kajira waren nämlich wohlbehalten zurück von ihrer Reise. Lediglich San’s Nase sah etwas angedengelt aus. Während ihr Herr gemeinsam mit einem anscheinend befreundeten fremden Krieger den Staub der Reise mit Ale und Paga hinunterspülte, erfuhr ich, dass sie anscheinend eine etwas unliebsame Bekanntschaft mit einer Terrorbond gemacht hatte… aber zum Glück war nichts gebrochen.

Nach und nach trudelten dann auch die restlichen Handelsreiserückkehrer ein. Der fremde Krieger äußerte übrigens gerade reichlich irritiert sein Unverständnis über die Freilassung einer Sklavin, denn er hatte inzwischen vom Brauereikrieger die Gründe für die Reise erfahren, als sich nun leider herausstellte, dass der nette Schmied unliebsame Bekanntschaft mit einer Pfeilspitze gemacht hatte… am Bein verletzt kam er nämlich mit blutdurchtränktem Verband angehumpelt. Dank Kanda und irgendeinem Pulver hatte er wenigstens kaum Schmerzen und auch der von mir servierte Kalana war bestimmt gesund, lief jedenfalls nicht gleich wieder im dünnen Strahl aus der Wunde heraus, obwohl er ihn ziemlich zackig hinunterstürzen musste. Weil seine Erstbehandlung anscheinend von einer fremden Heilerin durchgeführt worden war, drängelte ihn die jortssche Grüne jetzt nämlich zur Nachbehandlung in die Krankenstation, sodass der Schmied seinen Wein in einem Zug austrank und dafür ein erstauntes Kompliment von ihr erhielt.


Das Gespräch zwischen dem fremden Krieger und dem Händler wandte sich nun den in der Tahari lebenden oder doch nicht dort lebenden freien Frauen zu und ging mangels Interesse an dieser Spezies weitestgehend an mir vorbei. Schade fand ich nur, dass sich der Brauer noch um seine Kessel kümmern musste und der fremde Krieger das angebotene Gasthauszimmer ausschlug. Trotzdem wurden die Sitzkissen nicht kalt, denn nicht nur der Schmied gesellte sich wieder dazu, nachdem die Begutachtung seiner Wunde wohl ganz zufriedenstellend ausgefallen war, sondern auch mein Herr, der wider Erwarten früher zurück war und damit mein Kajiraherz einen freudigen Extrahüpfer machen ließ. Er hatte auf dem Rückflug anscheinend Rückenwind gehabt und nun natürlich Pagadurst, dem ich umgehend abhelfen durfte. 


Mein Herr war natürlich sehr erfreut darüber, dass der Händler und seine freigelassene Kajira gesund zurück waren und Letztere anscheinend gute Geschäfte gemacht hatte, sodass sie sich nun wohl der Hoffnung hingibt, in die Händlerkaste aufgenommen zu werden. Selbstverständlich sprach er auch noch einmal seine Irritation darüber an, von dieser Reise und dem Termin kaum etwas mitbekommen zu haben, bevor die Stadt schlagartig wie leergefegt war, nachdem sich der Staub hinter dem letzten abgereisten Boskkarren gelegt hatte. Doch muss ich gestehen, dass ich bei dem nun Folgenden über angebliche Nichtunterstellungen, bei wem sich diese Freie sicher fühlt und bei wem nicht, und dass man sich Vertrauen verdienen muss, meine Ohren auf Durchzug stellte. Erst als die Frau, die sich doch tatsächlich in einer Pattsituation mit meinem Herrn wähnte und nun behauptete, er würde die ihre Freilassung betreffende Entscheidung ihres ehemaligen Besitzers nicht respektieren... eines Mannes seines Heimsteins.... horchte ich wieder auf.


Mal sehen ob es vielleicht hilft, dass mein Herr nun vor einem weiteren Zeugen, nämlich nicht nur erneut vor dem Händler, sondern zusätzlich auch vor dem Schmied wiederholt hat, diese Freilassung bei seiner Ehre, seinem Kodex und seinem Heimstein aus vollem Herzen zu akzeptieren.

Freitag, 10. April 2015

Totenstille

...war eingekehrt, denn Jorts Fähre war bis auf zwei Pilger, die mein Herr auf einem seiner Rundgänge im Kohlbeet des Hofes gefunden und zu einem Paga und einem Wasser ins Gasthaus eingeladen hatte, ausgestorben. Zum Glück hatte er am Vortag nach dem Training, an dem er gekränkt und verbittert wie er war, nicht teilgenommen hatte, erst mit dem netten Schmied und einem anderen Krieger, zuletzt aber doch noch mit dem Hauptmann sprechen können. Warum sollte mein Herr auch unter dem Kommando eines Mannes trainieren, den die Ehre eines ihm unterstellten Kriegers nicht interessiert? Im Gespräch mit dem Hauptmann kam dann heraus, dass diesen Weibergeschwätz anscheinend noch weniger interessiert oder es ihm sogar komplett am Allerwertesten vorbei geht. Klar, ein Mann hört wohl wirklich besser nicht auf das Geschwätz von Weibern und schon gar nicht auf das einer kastenlosen, vor kurzem erst freigelassenen Kajira ohne Heimstein.


Wie von mir befürchtet, habe ich jetzt natürlich die A-Karte gezogen... der Hauptmann kündigte nämlich an, dass er zukünftig jedes Gespräch abbrechen wird, sobald ich in der Nähe bin, weil ich getratscht hatte. Pahhh, eigentlich ständig ohne eigene Kajira, kann er selbstverständlich nicht nachempfinden, dass ein Krieger von seinem Eigentum über Geschehnisse informiert wird, die sich während seiner Wache ereignet haben. Gut, mit dem Unmut dieses Freien muss ich jetzt leben und bin mir sicher, dass es mir ganz hervorragend gelingen wird, auch wenn es wohl ein sehr einsames Leben wird, wenn mein Herr Wachdienst hat, denn der Hauptmann ist nun mal eine sehr zentrale Persönlichkeit, um die sich immer viele Bewohner scharren. Auf seine ständigen Kopfpatscher kann ich trotzdem gut verzichten.


Mich rar machen, aber vor allem meine Ohren auf Durchzug stellen und Klappe halten wird bei mir also zukünftig oberste Priorität haben, wenn ich nicht erleben möchte, dass sämtliche Gespräche eingestellt werden, sobald ich auftauche. Durchzug und schweigen klappte auch schon mal bestens, nachdem mein Herr mir später noch erlaubt hatte, zum Gasthaus zu laufen... es gelang mir tatsächlich, eine überflüssige weibliche Giftspritze einfach zu ignorieren. Vor die Tür durfte ich übrigens noch, weil ich während der Unterrredung meines Herrn mit dem Hauptmann vor der Schmiede gesehen hatte, dass meine ehemalige Herrin seit langer Zeit endlich mal wieder zuhause war und Richtung Gasthaus lief... und das auch noch an diesem für mich immer noch so besonderen Tag, an dem sie mir vor 28 Märkten ihren Kragen umgelegt hatte. 

Danke, dass du immer für mich da warst und es immer noch bist meine liebe ehemalige Herrin! :-)))

Mittwoch, 8. April 2015

Unruhe in der Stadt

Leider hatte mein Herr auch am nächsten Tag wieder einen sehr doofen Dienst erwischt. Ich glaube, wenn nicht ständig laute Rufe und irgendein merkwürdig klingendes, rollendes Bollern zu hören gewesen wären, hätte ich meine Nasenspitze nicht vor die Tür gestreckt und mich wahrscheinlich zuhause verkrochen. Selbstverständlich bin ich nicht neugierig, doch in diesem Fall ging es darum, mich über die eigenartigen Vorgänge in der Stadt zu informieren, um später meinem Herrn nach seiner Rückkehr davon zu berichten.

Die Quelle des Lärms war recht schnell geortet, denn kaum hatte ich den Marktplatz erreicht, musste ich mich auch schon an die Mauer vor der Schmiede drücken, damit mir der heftig rumpelnde Boskwagen des Bauern nicht über die Füße fuhr. Irgendjemand brüllte noch laut „Achtung!“ und ein anderer Herr vermutete, dass hier anscheinend gerade jemand seine Kutscherprüfung ablegte oder es zumindest versuchte. Der Schmied hatte seine Füße jedenfalls wohl auch nur durch einen beherzten Sprung zur Seite retten können, als der Wagen zuvor durch die engen Gassen der Oberstadt gefahren war, weil der Kriegerbauer der neuen Baumeisterin anscheinend eine große Warenbestellung für ein Fest oder so liefern wollte. Schade, ich hatte offensichtlich eine Menge Interessantes verpasst Außerdem blieb mir leider vollkommen unklar, wie ein solches Gefährt überhaupt in die Oberstadt gelangen konnte.

Während sich der Marktplatz nun zunehmend mit weiteren Freien füllte und gleichzeitig Überlegungen angestellt wurden, ob der Schmied als Zehenschutz gegen Zerquetschen durch schwere Wagenräder Stahlkappen für Stiefel anfertigen kann, rief der Hauptmann plötzlich meinen Namen und schnippte eindeutig mit seinen Fingern, sodass ich mich beeilte, in seine Nähe zu kommen. Wobei ich natürlich unter Berücksichtigung seiner Armlänge auf die nötige Distanz zu ihm achtete, denn ich kenne ja leider die unangenehme Neigung dieses Herrn zu fiesen Kopfpatschern. Er wollte merkwürdigerweise von mir wissen, warum ich mich an die Mauer gedrückt hatte und unterstellte mir doch tatsächlich zu lügen, weil er vermutete, dass ich etwas angestellt hatte. Pahhh… erstens sage ich immer die Wahrheit und außerdem hatte ich mich wirklich nur gegen die Mauer gedrückt, um nicht zerquetscht zu werden, als der schwerbeladene Wagen des Bauern an mir vorbei rumpelte. Zum Glück ignorierte die freigelassene Kajira aber seine Frage, was man mit Sklaven macht, die lügen.

Die Neuherrin war nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihre demnächst anstehende Handelsreise zu organisieren, von der sie sich wohl nicht nur erhofft, sich einen Namen als Sklavenhändlerin zu machen, sondern auch gut zu verdienen. Bei allem Vertrauen, das ihr ehemaliger Herr anscheinend in sie setzt, muss sie ja trotzdem irgendwie beweisen, dass sie es wert ist, in die Händlerkaste aufgenommen zu werden, um vielleicht irgendwann mal auf einen Heimstein schwören zu können... wenn sie überhaupt frei bleiben will und sich nicht doch wieder unterwirft. Da offensichtlich ganz Jorts mit auf Reisen geht, was wohl auch der Grund für die Unruhe in der Stadt war, erkundigte sich der Hauptmann jetzt nach meinem Herrn. Zusammen mit dem Kriegerbauern soll er in dieser Zeit nämlich seine Augen besonders offen halten. Um mir möglichst keinen weiteren Kopfditscher einzuhandeln… was aber trotzdem nicht klappte… verkniff ich mir lieber die Bemerkung, dass ein Krieger seine Augen selbstverständlich immer offen hält. Die nun folgenden Überlegungen, wer wo auf welchem Wagen, ob bei dem Brauereikrieger oder ob doch noch bei dem Schmied Platz ist, obwohl dort ja auch sein Mündel mitfährt, gingen mangels Interesse dann weitestgehend an mir vorbei.

Aufgehorcht habe ich erst wieder, als der Schmied die Vermutung äußerte, mein Herr würde ebenfalls mitreisen und noch mehr, als der Hauptmann der „nun auf dem Weg zur Sklavenhändlerin“ vorschlug, meinen Herrn wegen meines Verkaufs anzusprechen. Bei ihren Antworten an den Hauptmann „ich gehe dem Krieger aus dem Weg, solang er sich nicht beruhigt“ und zum Schmied gewandt „du glaubst nicht ernsthaft, dass ich einen Krieger in der Eskorte brauche, der so auf mich reagiert oder? Von Schutz kann man da nicht reden, das ist mir zu riskant“ konnte ich mir dann ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen, senkte aber schnell meinen Kopf, sodass dies der Freigelassenen zum Glück nicht auffiel. Ich bin nur gespannt, ob dem Schmied und dem Hauptmann die Ware dieser Frau tatsächlich zusagen wird, die sie ihnen auf der Reise zum Wärmen ihrer Felle in Aussicht gestellt hat. Zumindest der Schmied sah das wohl eher skeptisch, da er ankündigte, sich lieber an seinem Feuer wärmen zu wollen und die Favoritin des Hauptmanns scheint wohl eine Weiße zu sein.


Natürlich kam ich wie erwartet nicht drum herum, dem Hauptmann einen Stehpaga zu holen... den er dann allerdings auf der Bank vor der Terrasse im Sitzen trank... nutzte die Gelegenheit nach dem Servieren des Wassers für den netten Schmied dann aber, mich näher zu Letzterem zu knien, sodass ich endlich aus der grobmotorischen Reichweite des Hauptmanns heraus war und mein Kopf von weiteren Attacken verschont blieb, der inzwischen nämlich schon leicht brummte. Mit dem sich dazu gesellenden Händler wandten sich die Gespräche diversen Dingen zu, über die ich hier lieber Stillschweigen bewahren werde. Außerdem schweiften meine Gedanken sowieso zu meinem Herrn, während mich die so herrlich sanft meinen Nacken kraulende Hand des Schmieds auf eine sehr schöne Art ablenkte und tatsächlich ein wenig gegen meinen Brummschädel half… welch ein angenehmer Kontrast zu gewissen Kopfditschern!


Später auf der Terrasse gesellte sich übrigens auch die Tochter des Schmieds dazu und ich erfuhr, dass sie nicht seine Tochter, sondern sein Mündel ist, es gibt da also gar keine verwandtschaftliche Beziehung zu ihm. Wieso, weshalb und warum es zu dieser Vormundschaft gekommen war, erfuhr ich jedoch nicht mehr, stattdessen aber, dass die Nichttochter meine Hilfe beim Eincremen ihres Rückens benötigt. Hilfsbereit wie ich nun mal bin, sicherte ich dies selbstverständlich zu… aber natürlich nur, wenn mein Herr meine Dienste nicht gerade benötigt. Wobei sich die Herrin auf der Reise dann eh eine andere Kajira suchen muss, weil mein Herr ja nicht mitreist.

Dienstag, 7. April 2015

Schock der Sorte Gelb

Nachdem mein Herr von seiner langen Patrouille wieder zurück war, nahm er mir die Ledergurte schließlich ab. Naja… also… ok, ich gebe zu, es war nicht gleich und er stellte mich vorher natürlich noch zur Rede wegen der Unordnung auf dem Boden vor der Kiste, warum ich mich in selbige verkrochen hatte und überhaupt… und, und, und… diese Details interessieren hier jetzt aber bestimmt niemanden…

Gestern stand natürlich wieder ein Rundgang durch die Stadt an, zumal bis ins Haus laute Hammerschläge aus der Unterstadt zu hören gewesen waren, deren Ursache es nun zu erkunden galt. Die Quelle für das Hämmern fand sich am Anschlagbrett, denn dort hingen zwei neue Bekanntmachungen. Beide betrafen die seit einiger Zeit in Jorts wohnende gelbe Bohnensta… ähhmmm… Baumeisterin wollte ich natürlich sagen, die von so riesiger Körpergröße ist, dass Männer schon auf eine Bank gestiegen sein sollen, um im Gespräch mit ihr keine Genickstarre zu bekommen. Die Freie hatte den Rat der Stadt anscheinend ersucht, auf den Heimstein von Jorts Fähre schwören zu dürfen, will aber diesen Schwur offensichtlich nicht erst abwarten, sondern davon unabhängig sämtliche Häuser inspizieren und zwar nicht nur die öffentlichen, sondern auch alle privaten. „Ob ‘sie ist zu lang‘ wohl ein valider Einwand ist…“ war der erste, nachdenkliche Kommentar meines Herrn auf das Ersuchen dieser Freien aus gelber Kaste in Sachen Heimsteinschwur. Doch da hatte er noch nicht den anderen Aushang über die geplante Häuserinspektion der Baumeisterin gelesen. 


„Kajira, wenn du glaubst, dass diese Frau auch nur einen Fuß durch meine Tür setzt, liegst du schief! Ich lasse dieses Weib doch nicht mein Haus inspizieren… wenn die das alleine tun will, soll sie sich unterwerfen! Ohne meine Erlaubnis lässt du niemanden hinein. Ob der Rat überhaupt hinter diesem Unsinn steht, werde ich jetzt erstmal herausfinden. Aber Rat hin oder her… ich bin Ubar in meinem Haus, Kajira!“ Nach diesen mehr als eindeutigen Worten stapfte mein mittelprächtig erboster Herr dann auch gleich Richtung Oberstadt davon, weil dort immerhin zwei der drei Ratsmitglieder wohnen. Weit mussten wir allerdings nicht laufen, da wir bereits am Hang hinter dem Marktplatz auf ein Ratsmitglied trafen, den Hauptmann. Ein anderer Krieger hatte bei ihm anscheinend tatsächlich gerade die Klage gegen die Schneiderin eingereicht, weil sie ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der roten Kaste nicht nachgekommen ist. Über dieses Vorhaben hatte mein Herr mir vor kurzem ja schon einige Andeutungen erzählt… doch die Schwierigkeiten dieses Weibs interessierten mich immer noch nicht sonderlich.


Viel interessanter fand ich nämlich die Reaktion des Hauptmanns auf die Frage meines Herrn, ob es zu den Inspektionsgelüsten der Gelben einen Ratsbeschluss gibt, was wie erwartet nicht der Fall war und wohl auch nicht zu erwarten ist, so ungehalten wie der Hauptmann sich über den eigenmächtigen Aushang dieses Weibs äußerte. Die Gnädigste war also ordentlich übers Ziel hinaus geschossen und hatte damit wohl nicht gerade Freunde oder Befürworter ihres geplanten Heimsteinschwurs gewonnen. Aber mein Herr sagte es gleich ja beim Lesen und der andere Tarnreiter wiederholte jetzt, wie heikel es für eine Freie ist, das Haus eines Mannes zu betreten… außer sie will einen Kragen, wobei sie immer damit rechnen muss, getötet zu werden, wenn sie sich den falschen Krieger aussucht. Wie oft, wenn man vom Übel spricht, taucht es leider in Person auf… in diesem Fall in Gelb. Die Begrüßung der inzwischen recht zahlreich versammelten Männer war daher eine Mischung aus ungehaltenem Brummen und bestenfalls einem knappen, frostig bis eiskalten „Tal“. Dies hielt die hochkastige Gelbe aber nicht vom Blablaba über ihre Anträge beim Rat, undichte Fenster und einstürzenden Dächer ab. 


Mein Herr fasste die Sache letztendlich ganz treffend zusammen: „Sei mir nicht böse Baumeisterin, aber die meisten Käfige sind für dich einfach zu klein!“ und verzog sich dann Richtung Hafen, nachdem der andere Tarnreiter bestätigt hatte, gegen diesen Schock der Sorte Gelb einen kräftigen Schluck zu benötigen, denn er gehöre ja schließlich nicht dem Heimstein einer gewissen Schande am Fayheen an, sondern dem von Jorts Fähre! Um vor freiem Weibsvolk sicher zu sein, kam also nur die Taverne in Frage. Schade war nur, dass der nach langer Zeit mal wieder aus dem hohen Norden eingetroffene nette Händler nicht mitkam, weil er wegen seiner Geschäfte noch die neue Gasthauswirtin aufsuchen wollte und der Hauptmann mit einem anderen Ratsmitglied etwas zu besprechen hatte. Noch um ein Vielfaches mehr habe ich jedoch bedauert, dass meinen Herrn leider ein sehr dringender Befehl erreichte, der ihn umgehend zum Wachantritt beorderte, sodass er die Taverne bereits nach seinem ersten Paga sehr eilig wieder verlassen musste.


Wobei sein Platz nicht lange leer blieb, da sich auch der Schmied noch dazu gesellte, um sich seine überraschende Vaterschaft schön zu saufen. Der Ärmste hatte wohl erst jetzt durch Zufall erfahren, dass er anscheinend Vater einer mittlerweile erwachsenen Tochter ist, die er nun unter seine Fittiche nehmen soll oder so. Ich muss jedoch zugeben, dass ich inzwischen durch die Hände des Tarnreiters auf meinem Körper etwas abgelenkt war und mich daher nicht so wirklich auf diese Vormundsache in der Schmiede konzentrieren konnte, zumal es nach dem Eintreffen des Sattlers und seiner Kajira immer heißer herging und ich dem Krieger sein Ale schließlich auf nordische Art servieren durfte… manche Sitten des Nordens haben ja durchaus was, auch wenn die Aufmerksamkeit einer Kajira dadurch arg einschränkt wird.^^

Gefesselte Rutschpartie

Meine Handgelenke und Ellenbogen waren immer noch gefesselt als ich aufwachte und feststellte, dass mein Herr bereits zum Wachdienst aufgebrochen war… in diesem Fall sogar zu einer längeren Patrouille, von der ich ihn erst am nächsten Tag zurück erwartete. Mist und nun? Mit meinen auf dem Rücken gefesselten Armen, konnte ich mich kaum nützlich machen… weder zu Hause noch in der Stadt! Leise grummelnd ließ ich mich schmollend zurück auf sein schönes weiches Fell plumpsen, um es mir dort noch etwas gemütlich zu machen, soweit dies so verschnürt wie ich war überhaupt ging. Naja, so wirklich gut klappte es auch tatsächlich nicht, zumindest war Räkeln eher suboptimal, denn es gelang mir logischerweise einfach nicht alle Viere von mir zu strecken, egal sie gerne ich das jetzt getan hätte. Stattdessen wurde die Erinnerung an den letzten Abend sowas von präsent, dass es schon wieder ganz heftig in mir zu kribbeln begann und ich die Ledergurte sowieso nicht mehr loswerden wollte. Schließlich waren es Fesseln meines Herrn, die mich genauso wie sein Kragen mit Stolz erfüllten. Er hatte sie mir angelegt… einfach so, weil ihm danach gewesen war, denn ein Herr muss seiner Sklavin sein Tun nicht begründen.

Nachdem ich das Gefühl meiner Hilflosigkeit noch eine Weile ausgiebig genossen hatte, rappelte ich mich letztendlich aber trotzdem auf. Mein Magen knurrte inzwischen nämlich ganz gewaltig. In diesem Fall zeigte sich, wie praktisch es ist, dass noch genug vom Sklavenbrei vom Vortag übrig war, denn ich bekomme von dem ekeligen Zeug wirklich immer nur so viel herunter, dass das leere Gefühl im Bauch weg ist... aber das sagte ich hier bestimmt schon mehrfach. Da ich gleich nach meiner Ankunft auf diesem fremden Planeten Gor hatte lernen müssen, wie eine Kajira den Brei ohne Zuhilfenahme ihrer Hände direkt aus der Schüssel isst, war Essen also trotz der Fesseln kein Problem. Einzig mein verschmierter Mund und meine mehrfach in die Pampe eingestippte Nasenspitze, sahen wahrscheinlich trotz Abwischen in einem Reptuch immer noch nicht allzu stubenrein aus. Sonstige Körperhygiene war ohne Hände leider auch nicht möglich, sodass mir jetzt ein ausgiebiges Bad im Bach nicht verkehrt erschien.

Tja, erst nachdem ein ganzer Berg Kleidung neben der Kiste auf dem Boden ausgebreitet lag, gab ich schließlich auf. Ich hatte mich wirklich bemüht, aber ohne meine Hände benutzen zu können, war es schlicht und einfach illusorisch, mir irgendeine Tunika überzustreifen. Sollte mir auf dem Weg zum Bach oder zurück also tatsächlich eine freie Frau begegnen, musste sie mit meinem nackten Anblick eben leben oder woanders hinschauen. Wobei ich selbstverständlich nicht den Weg über den Marktplatz nahm, sondern hinter dem früheren Haus meines Herrn entlang schlich. Mein Vorhaben klappte auch wirklich bestens, denn mir begegnete tatsächlich niemand… meinem ausgiebigen Badevergnügen stand also nichts mehr im Weg. Einzig die Wassertemperatur ließ meine Zähne irgendwann dann doch leise klappern, sodass ich mich schließlich auf den Nachhauseweg machte, auf dem mir leider jedoch ein kleines Missgeschick passierte. Ich schlich natürlich den gleichen Weg wieder zurück, bedachte jedoch nicht, wie leicht nasse Füße auf Gras ausrutschen können und schlitterte plötzlich ziemlich unelegant auf meinem Hinterteil den Hang vorm Haus meines Herrn hinunter. 

Mist, dies war an sich ja schon unangenehm genug, noch schlimmer war jedoch, dass meine Rutschpartie nicht unbemerkt blieb. „Nanu, was machst du denn da?“ war die erstaunte Frage des Schmieds, vor dessen Füßen ich gelandet war. Aufgrund meiner Fesseln rappelte ich mich einigermaßen mühsam nun schnell auf, um ihn freundlich zu begrüßen. Wie nicht anders zu erwarten fiel dem Herrn natürlich sofort auf, dass ich meine Arme hinter dem Rücken hielt, sodass er mich fragte, was ich dort verstecke. Meine Erklärung, wegen meiner unfreiwilligen Rutschpartie reibe ich mir nur etwas den Po, denn so war es tatsächlich, führte dann natürlich zu einer Inspektion meiner Hinterseite und seinem Kommentar „ach… wie nett und praktisch!“, bevor dann auch schon meine Handgelenke gepackt und die Arme angehoben wurden, sodass ich mich vornüber beugen musste und nun die Hand des Schmieds sanft tätschelnd auf meinem vom Hang leicht in Mitleidenschaft gezogenen Allerwertesten spürte. Dummerweise habe ich viel zu schnell von mir gegeben, dass mir nichts weh tut und alles gut ist, sodass die Hand prompt wieder weggezogen und mir die Frage gestellt wurde, ob meine Fesseln denn bleiben sollen, denn so könne ich mich ja kaum nützlich machen.


Der Schmied hätte meine Dienste nämlich wirklich gut gebrauchen können, weil es seinem Rücken nach der Aktion mit den schweren Steinen im Wald anscheinend ziemlich schlecht ging, sodass eine Massage sanft knetender Kajirahände bestimmt genau die richtige Behandlung für ihn gewesen wäre… leider waren dafür jedoch nur Hände geeignet, die nicht gerade auf dem Rücken gefesselt sind, meine an diesem Tag also leider nicht. Auch wenn ich jeden Freien, der seinen Dolch zum Durchschneiden meiner Fesseln gezogen hätte, darauf hingewiesen hätte, dass diese der Wille meines Herrn waren und dieser Wille für mich selbstverständlich immer oberste Priorität hat, konnte ich nicht umhin, dem netten Schmied die kleine Testfrage zu stellen, ob er die Ledergurte vielleicht öffnen kann. Seine Antwort „Dina, wie viel Ehre hätte ich, wenn ich das tun würde? So leid es mir auch tut, ich werde keinen Finger rühren, denn dazu ist mir dein Herr ein zu guter Freund geworden“ bestätigte mir, er ist nicht nur sehr nett, sondern auch ein richtiger Herr mit viel Ehrgefühl! Kein Wunder also, dass ich mit der leckeren Süßigkeit im Mund, die mir der Schmied zuvor noch geschenkt hatte und vor allem nach seinem noch viel süßeren Kuss lächelnd mit meinen immer noch gefesselten Armen nach Hause lief. ;-))

Freitag, 3. April 2015

Steine versenken

Anscheinend muss es ein Missverständnis gegeben haben zwischen dem Bauern und seinem Boten, der doch tatsächlich in der Stadt verkündet hatte, dass sich alle Männer zur 8. Ahn auf der Kriegerwiese versammeln sollten. Da mein Herr um diese Zeit Wache gehabt hatte, war dieser Aufruf für ihn natürlich nicht weiter von Interesse gewesen. Später stellte sich allerdings heraus, dass der Kriegerbauer offenbar so ungefähr die 17. Ahn gemeint haben muss. Mein Herr hörte nämlich auf einmal laute Kommandos, die von der Wiese herüberschallten. Um die Sicherheit seines Heimsteins besorgt, unternahm er selbstverständliche einen zusätzlichen Kontrollgang dorthin, auch wenn ihm eigentlich gerade der Sinn nach etwas anderem stand. Ein Krieger muss selbstverständlich Prioritäten setzen und nach dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ stellt er sein persönliches Vergnügen natürlich immer hinten an.


Wie immer war ich überglücklich, ihn begleiten zu dürfen, auch wenn sich schnell herausstellte, dass ich wenig tun konnte bei der anstehenden Aktion. Der Rat von Jorts Fähre hatte mittlerweile anscheinend erkannt, dass die merkwürdig bemalten Steine im Wald dem Heimstein nicht gut tun und entfernt werden müssen… darum ging es also. Der Bauer und Hauptmannsvertreter zog daher mit seinem dicken Boskbullen und einem Bündel Seile beladen in den Wald und der Schmied hatte diverse Eisenstangen dabei. Andere Krieger waren schon vor Ort und hatten bereits die Erde um einen der großen Steine weggegraben und auch den einen oder anderen Baum gefällt, sodass Richtung Wasserfall eine Schneise entstanden war. Die Steine sollten nämlich nicht zerstört und auch nicht den Priesterkönigen geweiht werden, um keine nordischen Götter zu erzürnen, sondern in die Tiefen des Sees vor dem Wasserfall versenkt werden.


Ich fand die ganze Aktion ziemlich spannend, hielt mich aber möglichst dezent im Hintergrund und beobachtete das Gewusel der Männer… der Bauer befestigte ein Seil um einen der Steine und zog ihn mit seinem Bosk weg. Der Schmied hebelte an einem anderen herum, allerdings mit Sinn und Verstand, denn er hatte sich für eine bessere Hebelwirkung vorher noch einen Baumstamm besorgt und ein weiterer versuchte seine Kräfte an einem der kleineren Steine zu messen, bei dem auch der eine oder andere Tritt dabei war. Mein Herr fasste für den etwas später eintreffenden Lederarbeiter das Gewusel der Männer eigentlich perfekt zusammen und gab das Brecheisen, das ihm der Schmied gerade in die Hand gedrückt hatte damit auch sogleich weiter: „Dein Kastenbruder redet nordisch, sagt zwischendurch aber was von lockern… du weißt bestimmt, was damit gemeint ist.“ Danach schaute er den beiden Handwerkern fasziniert zu.


Ich hielt mich ja wie schon gesagt etwas im Hintergrund und trat noch weiter zurück, nachdem der besorgte Schmied mich auf die Gefahr hinwies, dass einer der gelockerten Steine, der bei dem Gehebel der Männer mit ihren Brecheisen schon schmatzende Geräusche von sich gab, möglicherweise gleich wegrollen könnte. Besonders interessant oder eigentlich ziemlich irritierend fand ich dann die Überlegung, einen Stein erst aufzurichten, um ihn dann wegzurollen und konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass ich längliche Steine nicht hochkant, sondern lieber flach kullern würde. Zum Glück bekam mein Herr meine vorlaute Bemerkung nicht mit, da er gerade etwas abseits gegangen war und in seine Tarnpfeife hineingeblasen hatte, um Carolus herbeizurufen. Dennoch wurde ich zurechtgewiesen: „Dina, belehre die Herren nicht… das war schließlich ein Vorschlag vom Ersten Steinträger Jorts“. Puhh… die Priesterkönige müssen echt ein Einsehen mit mir gehabt haben, denn der Rarius konnte sich bei seinen Worten nur knapp das Lachen verkneifen.


Ein anderer Tarnreiter meinte übrigens, sein Tarn sei ein Kriegstarn und würde keine Steine transportieren, aber da hatte er natürlich nicht damit gerechnet, wie gut Carolus meinem Herrn gehorcht. Während der schlaue Schmied nun Überlegungen anstellte, warum man überhaupt einen der Steine mühsam gelockert hat, auf dem gar keine merkwürdigen Zeichen drauf waren und der Lederarbeiter die Frage stellte, wer überhaupt den Durchblick… ähmm… das Kommando bei dieser Aktion hatte, bekam ich doch noch etwas zu tun. Ich durfte meinem Herrn nämlich die Seile holen, mit denen er schließlich einen weiteren Stein per Tarn mit lautem Platschen im See versenkte… die solide Sattelanfertigung des Lederarbeiters hielt jedenfalls bestens… während die anderen Männer inzwischen schweißgebadet auf das Kommando „zugleich“ weiter am nächsten Stein herumackerten, bis dieser ins Kullern kam und ebenfalls im Wasser landete. Sie hatten sich übrigens doch noch auf „erst umkippen und dann rollen“ verständigen können.


„Gesehen, Männer? So macht das der Tarnreiter!“ war der lachende Hinweis meines Herrn nach diesem erfolgreichen und wenig schweißtreibenden Versenken, auf den der Kriegerbauer jedoch erwiderte, dass bei dieser Methode bald keine Seile mehr da sind. Tja, mit solch unwichtigen Details gibt sich ein Tarnreiter selbstverständlich nicht ab und schon gar nicht, wenn er mit seinem Eigentum noch anderes vorhat als Steine zu versenken. Da er wegen der Seile aber wohl doch ein Einsehen hatte, war „Dina komm“ ein Befehl, den ich mir nicht zweimal sagen ließ, sodass ich eiligst hinter ihm auf seinen Tarn krabbelte, bevor er freundlich „frohes Schaffen noch Männer“ rief und mit mir davon flog… erst die Arbeit, dann das Vergnügen… die Arbeit war für ihn jedenfalls getan.;-))

Mittwoch, 1. April 2015

Nicht mein Tag

Es fing damit an, dass ich mich komplett verzettelte und mein Herr lange vor mir sein Haus verließ, um auf Rundgang zu gehen. Auch wenn ich später dann immer noch etwas neben der Spur war, raffte ich mich dennoch auf, denn ich wollte natürlich bei ihm sein. Ohne wirklichen Plan, wo und ob ich ihn überhaupt finden würde, schaute ich mich suchend um und entdeckte eine blonde Kajira, die sich neben der Schmiede herumdrückte. Da auf ihrem Kragen kein Name stand und sie mich als Bond bezeichnete, erkundigte ich mich nach ihrem Besitzer… vielleicht gehörte sie ja zu den Nordleuten vom Vortag. Doch dem war nicht so. Durch hartnäckiges Nachfragen erfuhr ich schließlich, dass die Blonde einem der jortsschen Krieger gehört. Was dieses Mädchen an meinem Namen sonderbar fand… ich hatte ihr erzählt, dass mein Herr mich meistens Kajira, Dina wenn es zu Verwechslungen kommen kann oder oft auch anders nennt… bekam ich nicht mehr heraus, denn ich hatte ihn inzwischen auf dem Marktplatz entdeckt und den Herrn der Kajira ebenfalls. 

Da ich mich nun beeilte, zu ihm zu kommen, war leider nur Zeit für einen kurzen Gruß des Schmieds und des Brauereikriegers, die sich anscheinend übers Zelten und Mobilschmieden unterhielten… glaube ich jedenfalls. Dem Besitzer der Blonden kam ich anscheinend ganz recht, denn merkwürdigerweise fragte er meinen Herrn gleich nach meinem Eintreffen, ob er mich für zwei Ehn entbehren kann, damit ich seiner Kajira die Schneiderei zeige. Tja, leider habe ich nur noch nie gewusst, wo sich die befindet, war dort nämlich noch nie gewesen und habe in der Oberstadt ja eh nichts mehr zu suchen… außer ich darf meinen Herrn auf einem Rundgang begleiten, der aber meistens auf die Stadtmauer führt und dann zum Tarnturm. Da er erstaunlicherweise jedoch selbst noch in die Oberstadt wollte, erklärte er sich bereit, das Mädchen mitzunehmen.

An der Kreuzung, an der es geradeaus zum Haus des Hauptmanns geht und rechts zum Ratssaal, begann er dann mit einer Oberstadtführung für Anfänger. Ab und an finde ich ja, dass meinem Herrn etwas Akademisches anhaftet, nämlich immer dann, wenn er mit dem Dozieren anfängt… so auch in diesem Fall. Leider hatte er bei seinen Erklärungen jedoch nicht bedacht, dass die Blonde zwar das rote Banner am Hauptmannshaus sehen konnte, aber keine Ahnung hatte, was ein Tarnturm ist. Naja, ein paar Dinge möchte ihr Herr, der ja ebenfalls Krieger und Tarnreiter ist wie meiner, seiner Neuen bestimmt auch gerne selbst erklären, denn jetzt ging es vorrangig doch nur ums Zeigen der Schneiderei. Dabei war es egal, ob sich das Mädchen das Sklavenhaus und das Händlerhaus merken konnte. Dies erschien mir sowieso fraglich, denn es ist eigentlich normal, sich anfangs in der Oberstadt zu verlaufen… das ging bislang allen Freien und Unfreien so, die neu in der Stadt waren.

Als wir schließlich vor der Schneiderei standen, wollte ich meinem Herrn eigentlich gestehen, dass ich dort zwar noch nie gewesen war, mir das Banner allerdings durchaus hätte auffallen können… falls ich auf dem Weg in den Ratssaal oder zum Altar mal zur Seite geschaut hätte. Leider hatte ich es meistens jedoch entweder ziemlich eilig gehabt oder musste zuletzt ein etwas störrisches Verr davon überzeugen, wie ehrenvoll es ist die Stufen hochzulaufen, um auf dem Altar den Priesterkönigen geopfert zu werden. Doch zu diesen Erklärungen erhielt ich keine Gelegenheit, denn kaum dort angekommen behauptete mein Herr einfach, dass ich schon bei der Schneiderin gewesen bin und verbot mir danach das Sprechen. Nagut… Freie haben immer Recht… es war ja wie gesagt eh nicht mein Tag… ich verstummte also und kniete nieder, denn die Aufmerksamkeit meines Herrn galt wieder der Blonden.

Leider zeigte sich das Mädchen wenig auskunftsfreudig und vergesslich. Sie wusste angeblich nicht, wie lange sie schon an der Kette ihres Herrn ist. Wie kann eine Kajira solch ein Erlebnis vergessen??? Die Krönung war allerdings, sie fragte meinen Herrn doch tatsächlich, warum sie zur Schneiderin sollte! So unsicher, wie sie ihn zuletzt aber anschaute, und zwar nachdem er ihr die Ehre eines leichten Poklatschers erteilt hatte, konnte man sogar fast glauben, sie ist noch von weißer Seide, denn ein wenig verklemmt wirkte sie schon. Viel spannender fand ich übrigens ihren verwirrten Gesichtsausdruck, als mein Herr sie zurück in die Unterstadt schickte… nämlich alleine! Vor allem ihre Frage „wo bitte ist links und rechts“ nach meiner wie ich fand sehr einfachen Wegbeschreibung „geradeaus... links... rechts… ein paar Stufen hinunter und dann durchs Tor“ hatte großen Unterhaltungswert… nur war die Kajira irgendwann tatsächlich nicht mehr zu sehen. Vielleicht sollte mein Herr seinen Kursus „Oberstadt für Anfänger“ noch mal überdenken? Doch diese Bemerkung verkniff ich mir selbstverständlich, denn es war ja wie gesagt nicht mein Tag.

Warum hätte mein Herr auch mein Aussehen bemerken sollen, wenn sein Augenmerk und vor allem seine Gedanken ganz woanders sind? Nachdem er sich zu meinem Erstaunen jedoch auf der Bank am Kaissabrett in der Oberstadt niedergelassen hatte, konnte ich nicht anders, als meinen Rücken etwas mehr durchzudrücken und wurde wenigstens mit einem grinsenden „ach, heute oben ohne…“ belohnt. Gedanklich war er anscheinend immer noch bei der Schneiderin, bestätigte mir aber dann, dass er die Frau immer ohne mich besucht hatte. Oh oh… bei seinen genauen Beschreibungen ihres unten befindlichen Ladens und der darüber liegenden Wohnung, in der er mit ihr „verhandelt“ hatte, dämmerte mir nun auch der Grund für seinen Weg in die Oberstadt und diese Bank. 


Zu spät, nämlich erst bei „Kajira rede keinen Unsinn“, wurde mir dann klar, dass mein Herr mir eine Frage zum Schutz einer Freien, der ein Strafkragen droht, gestellt hatte, auf die er überhaupt keine Antwort hören wollte und die sich sowieso erübrigte. Nach dieser Erkenntnis zog ich es vor, lieber zu schweigen oder wenn es nicht anders ging, mich bestenfalls vage zu äußern… hinterher ist man schlauer. ;-)