Dienstag, 7. April 2015

Schock der Sorte Gelb

Nachdem mein Herr von seiner langen Patrouille wieder zurück war, nahm er mir die Ledergurte schließlich ab. Naja… also… ok, ich gebe zu, es war nicht gleich und er stellte mich vorher natürlich noch zur Rede wegen der Unordnung auf dem Boden vor der Kiste, warum ich mich in selbige verkrochen hatte und überhaupt… und, und, und… diese Details interessieren hier jetzt aber bestimmt niemanden…

Gestern stand natürlich wieder ein Rundgang durch die Stadt an, zumal bis ins Haus laute Hammerschläge aus der Unterstadt zu hören gewesen waren, deren Ursache es nun zu erkunden galt. Die Quelle für das Hämmern fand sich am Anschlagbrett, denn dort hingen zwei neue Bekanntmachungen. Beide betrafen die seit einiger Zeit in Jorts wohnende gelbe Bohnensta… ähhmmm… Baumeisterin wollte ich natürlich sagen, die von so riesiger Körpergröße ist, dass Männer schon auf eine Bank gestiegen sein sollen, um im Gespräch mit ihr keine Genickstarre zu bekommen. Die Freie hatte den Rat der Stadt anscheinend ersucht, auf den Heimstein von Jorts Fähre schwören zu dürfen, will aber diesen Schwur offensichtlich nicht erst abwarten, sondern davon unabhängig sämtliche Häuser inspizieren und zwar nicht nur die öffentlichen, sondern auch alle privaten. „Ob ‘sie ist zu lang‘ wohl ein valider Einwand ist…“ war der erste, nachdenkliche Kommentar meines Herrn auf das Ersuchen dieser Freien aus gelber Kaste in Sachen Heimsteinschwur. Doch da hatte er noch nicht den anderen Aushang über die geplante Häuserinspektion der Baumeisterin gelesen. 


„Kajira, wenn du glaubst, dass diese Frau auch nur einen Fuß durch meine Tür setzt, liegst du schief! Ich lasse dieses Weib doch nicht mein Haus inspizieren… wenn die das alleine tun will, soll sie sich unterwerfen! Ohne meine Erlaubnis lässt du niemanden hinein. Ob der Rat überhaupt hinter diesem Unsinn steht, werde ich jetzt erstmal herausfinden. Aber Rat hin oder her… ich bin Ubar in meinem Haus, Kajira!“ Nach diesen mehr als eindeutigen Worten stapfte mein mittelprächtig erboster Herr dann auch gleich Richtung Oberstadt davon, weil dort immerhin zwei der drei Ratsmitglieder wohnen. Weit mussten wir allerdings nicht laufen, da wir bereits am Hang hinter dem Marktplatz auf ein Ratsmitglied trafen, den Hauptmann. Ein anderer Krieger hatte bei ihm anscheinend tatsächlich gerade die Klage gegen die Schneiderin eingereicht, weil sie ihren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der roten Kaste nicht nachgekommen ist. Über dieses Vorhaben hatte mein Herr mir vor kurzem ja schon einige Andeutungen erzählt… doch die Schwierigkeiten dieses Weibs interessierten mich immer noch nicht sonderlich.


Viel interessanter fand ich nämlich die Reaktion des Hauptmanns auf die Frage meines Herrn, ob es zu den Inspektionsgelüsten der Gelben einen Ratsbeschluss gibt, was wie erwartet nicht der Fall war und wohl auch nicht zu erwarten ist, so ungehalten wie der Hauptmann sich über den eigenmächtigen Aushang dieses Weibs äußerte. Die Gnädigste war also ordentlich übers Ziel hinaus geschossen und hatte damit wohl nicht gerade Freunde oder Befürworter ihres geplanten Heimsteinschwurs gewonnen. Aber mein Herr sagte es gleich ja beim Lesen und der andere Tarnreiter wiederholte jetzt, wie heikel es für eine Freie ist, das Haus eines Mannes zu betreten… außer sie will einen Kragen, wobei sie immer damit rechnen muss, getötet zu werden, wenn sie sich den falschen Krieger aussucht. Wie oft, wenn man vom Übel spricht, taucht es leider in Person auf… in diesem Fall in Gelb. Die Begrüßung der inzwischen recht zahlreich versammelten Männer war daher eine Mischung aus ungehaltenem Brummen und bestenfalls einem knappen, frostig bis eiskalten „Tal“. Dies hielt die hochkastige Gelbe aber nicht vom Blablaba über ihre Anträge beim Rat, undichte Fenster und einstürzenden Dächer ab. 


Mein Herr fasste die Sache letztendlich ganz treffend zusammen: „Sei mir nicht böse Baumeisterin, aber die meisten Käfige sind für dich einfach zu klein!“ und verzog sich dann Richtung Hafen, nachdem der andere Tarnreiter bestätigt hatte, gegen diesen Schock der Sorte Gelb einen kräftigen Schluck zu benötigen, denn er gehöre ja schließlich nicht dem Heimstein einer gewissen Schande am Fayheen an, sondern dem von Jorts Fähre! Um vor freiem Weibsvolk sicher zu sein, kam also nur die Taverne in Frage. Schade war nur, dass der nach langer Zeit mal wieder aus dem hohen Norden eingetroffene nette Händler nicht mitkam, weil er wegen seiner Geschäfte noch die neue Gasthauswirtin aufsuchen wollte und der Hauptmann mit einem anderen Ratsmitglied etwas zu besprechen hatte. Noch um ein Vielfaches mehr habe ich jedoch bedauert, dass meinen Herrn leider ein sehr dringender Befehl erreichte, der ihn umgehend zum Wachantritt beorderte, sodass er die Taverne bereits nach seinem ersten Paga sehr eilig wieder verlassen musste.


Wobei sein Platz nicht lange leer blieb, da sich auch der Schmied noch dazu gesellte, um sich seine überraschende Vaterschaft schön zu saufen. Der Ärmste hatte wohl erst jetzt durch Zufall erfahren, dass er anscheinend Vater einer mittlerweile erwachsenen Tochter ist, die er nun unter seine Fittiche nehmen soll oder so. Ich muss jedoch zugeben, dass ich inzwischen durch die Hände des Tarnreiters auf meinem Körper etwas abgelenkt war und mich daher nicht so wirklich auf diese Vormundsache in der Schmiede konzentrieren konnte, zumal es nach dem Eintreffen des Sattlers und seiner Kajira immer heißer herging und ich dem Krieger sein Ale schließlich auf nordische Art servieren durfte… manche Sitten des Nordens haben ja durchaus was, auch wenn die Aufmerksamkeit einer Kajira dadurch arg einschränkt wird.^^

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