Freitag, 10. April 2015

Totenstille

...war eingekehrt, denn Jorts Fähre war bis auf zwei Pilger, die mein Herr auf einem seiner Rundgänge im Kohlbeet des Hofes gefunden und zu einem Paga und einem Wasser ins Gasthaus eingeladen hatte, ausgestorben. Zum Glück hatte er am Vortag nach dem Training, an dem er gekränkt und verbittert wie er war, nicht teilgenommen hatte, erst mit dem netten Schmied und einem anderen Krieger, zuletzt aber doch noch mit dem Hauptmann sprechen können. Warum sollte mein Herr auch unter dem Kommando eines Mannes trainieren, den die Ehre eines ihm unterstellten Kriegers nicht interessiert? Im Gespräch mit dem Hauptmann kam dann heraus, dass diesen Weibergeschwätz anscheinend noch weniger interessiert oder es ihm sogar komplett am Allerwertesten vorbei geht. Klar, ein Mann hört wohl wirklich besser nicht auf das Geschwätz von Weibern und schon gar nicht auf das einer kastenlosen, vor kurzem erst freigelassenen Kajira ohne Heimstein.


Wie von mir befürchtet, habe ich jetzt natürlich die A-Karte gezogen... der Hauptmann kündigte nämlich an, dass er zukünftig jedes Gespräch abbrechen wird, sobald ich in der Nähe bin, weil ich getratscht hatte. Pahhh, eigentlich ständig ohne eigene Kajira, kann er selbstverständlich nicht nachempfinden, dass ein Krieger von seinem Eigentum über Geschehnisse informiert wird, die sich während seiner Wache ereignet haben. Gut, mit dem Unmut dieses Freien muss ich jetzt leben und bin mir sicher, dass es mir ganz hervorragend gelingen wird, auch wenn es wohl ein sehr einsames Leben wird, wenn mein Herr Wachdienst hat, denn der Hauptmann ist nun mal eine sehr zentrale Persönlichkeit, um die sich immer viele Bewohner scharren. Auf seine ständigen Kopfpatscher kann ich trotzdem gut verzichten.


Mich rar machen, aber vor allem meine Ohren auf Durchzug stellen und Klappe halten wird bei mir also zukünftig oberste Priorität haben, wenn ich nicht erleben möchte, dass sämtliche Gespräche eingestellt werden, sobald ich auftauche. Durchzug und schweigen klappte auch schon mal bestens, nachdem mein Herr mir später noch erlaubt hatte, zum Gasthaus zu laufen... es gelang mir tatsächlich, eine überflüssige weibliche Giftspritze einfach zu ignorieren. Vor die Tür durfte ich übrigens noch, weil ich während der Unterrredung meines Herrn mit dem Hauptmann vor der Schmiede gesehen hatte, dass meine ehemalige Herrin seit langer Zeit endlich mal wieder zuhause war und Richtung Gasthaus lief... und das auch noch an diesem für mich immer noch so besonderen Tag, an dem sie mir vor 28 Märkten ihren Kragen umgelegt hatte. 

Danke, dass du immer für mich da warst und es immer noch bist meine liebe ehemalige Herrin! :-)))

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