Freitag, 17. April 2015

Verweigerung von Brot, Salz und Feuer

Mein Herr verließ schon vor mir sein Haus und war Richtung Hafen gegangen, wo sich eine kleine Menschenmenge versammelt hatte. Es waren irgendwelche Fremden aus dem Norden, die mir vage bekannt vorkamen. Ich glaubte sie nämlich mal zusammen mit dem Heimsteinabtrünnigen gesehen zu haben. Unsicher wie ich war, ließ ich darüber aber nichts verlauten. Merkwürdigerweise luden die Fremden die Schneiderin, die sie anscheinend sehr gut kannten und die freigelassene Kajira in die Taverne ein, was logischerweise zu reichlich Erheiterung bei sämtlichen Anwesenden aus Jorts führte, denn eine freie Frau, die etwas auf sich hält, würde sich nie in ein solches Etablissement begeben… im Süden herrschen nun mal andere Sitten als in den Longhalls des Norden. Doch diese anscheinend ungewollte Anzüglichkeit klärte sich auf, sodass die Fremden mit den jortsschen Weibern Richtung Gasthaus verschwanden.


Inzwischen war eine fremde Kajira aufgetaucht, die merkwürdigerweise den Hauptmann suchte, um ihm das Schild eines jortsschen Kriegers zu überreichen. Der Stinkeblick des Hauptmanns verhieß irgendwie nichts Gutes, als die Sklavin sich vor ihn kniete, da sie aus den Gesprächen vorher herausgehört haben muss, bei welchem Krieger es sich um den Hauptmann handelt. Er schien offensichtlich sofort erkannt zu haben, wessen Schild es war und hielt es meinem Herrn mit fassungslosem Unverständnis im Blick hin, damit dieser die darauf eingeritzte Botschaft lesen konnte. Der Heimsteinverräter, der sich vor kurzem klammheimlich aus der Stadt geschlichen hatte, denn seinen Namen nannte der Hauptmann jetzt, besaß nun anscheinend die Frechheit, erneut nach Jorts zu kommen und hatte den Hauptmann zu einem Gespräch im Wald aufgefordert… alleine natürlich. Naja, außer seiner Geschicklichkeit mit dem Schwert hatte er sich auch früher schon nicht gerade mit Ruhm bekleckert.


Der Hauptmann und mein Herr zogen sich logischerweise für eine kurze Unterredung in die Taverne zurück, damit nicht der halbe Hafen ihre Worte mitbekam. Zum einen war nach einer solchen „Überraschung“ natürlich ein schneller Stehpaga von Nöten, den ich den beiden Männern eilig servierte, nachdem ich das Schild hinterm Tresen erst einmal abgestellt hatte… als Tablett zum Servieren durfte ich es nämlich leider nicht benutzen. Während die beiden Krieger ihre Vorgehensweise kurz abstimmten, denn der Hauptmann hatte dem Heimsteinverräter anscheinend tatsächlich sein Wort gegeben, ihn noch einmal anzuhören, nutzte ich die Gelegenheit um die eingeritzten Zeichen auf dem Schild zu lesen, sodass sich meine Vermutung bestätigte. Ich verstand jedenfalls nicht, warum ein Verräter, dem bereits zwei Ratsmitglieder die Chance eingeräumt hatten, seinen Allerwertesten heil aus der Stadt zu schwingen, um nicht auf dem Pfahl zu landen, trotzdem noch mit dem Hauptmann sprechen wollte.


Letztendlich gingen der Hauptmann und mein Herr tatsächlich Richtung Wald davon. Es kommt zwar häufiger vor, dass Menschen ihren Heimstein verlassen, nur stellen sie es in der Regel geschickter an als dieser Krieger. Die Erkenntnis des Hauptmanns aus diesem Verrat war anscheinend, dass Söldner nicht zu Kriegern taugen und er nie wieder einen solchen in die Kriegerkaste von Jorts Fähre aufnehmen will. Ich musste leider in der Stadt bleiben, durfte schließlich aber einen der anderen Krieger bis zur Brücke hinter dem Hof begleiten, der dort seine wachsamen Blicke Richtung Wald schweifen ließ, um notfalls schnell dem Hauptmann und meinem Herrn zu Hilfe eilen zu können. Leider wählten mein Herr und der Hauptmann jedoch einen Rückweg aus dem Wald, auf dem sie von unserem Standort aus nicht zu sehen waren, denn plötzlich waren laute Rufe meines Herrn vom Marktplatz zu hören, die den Krieger und mich umgehend veranlassten, eilig zurück in die Stadt zu laufen.


„Höret ihr Freien und höret ihr Unfreien! Höret Bürger und höret Fremde!
Der ehrenwerte Kintradim, Hauptmann eurer geliebten roten Kaste, hat soeben dem euch bekannten Baljaro für das Verbrechen des Heimsteinverrates Brot, Salz und Feuer in dieser Stadt verweigert!
Der Heimsteinschwur des euch bekannten Baljaro ist somit nichtig! 
Sollte er gesehen werden, ist ihm jede Gastfreundschaft zu verweigern! 
Er ist fremd, er ist ein Feind! 
Um weitere Unehre von unserem Heimstein durch diesen Mann abzuwenden, entschied der weise Kintradim, ihn seiner Wege ziehen zu lassen, auf dass der Zorn der Priesterkönige Baljaro an einem anderen Ort treffen möge! 
Dieses Verfahren sei Warnung für jeden!“


Auch wenn mir die Blicke zweier Frauen bei dieser Entscheidung nicht so ganz verständlich waren... ihr Getuschel konnte ich leider nicht verstehen... war diesen eindeutigen Worten nichts mehr hinzuzusetzen, denn der Kontakt zu Feinden ist unehrenhaft und der zu einem Geächteten natürlich ganz besonders.

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