Dienstag, 5. Mai 2015

Bestandener Belastungstest…

…zum Schwur gratuliert, über Kastenwechsel spekuliert und ein Ratsbeschluss.

„Mir ist gerade eingefallen, dass ich noch nie ausprobiert habe, was dieser Kerzenhalter hier so aushält, Kajira... aber das muss ich ja wissen!“ ergab also wie schon erwähnt ein sehr ausgiebiges Extratraining, allerdings komplett ohne Grasflecken. Die Details verkneife ich mir allerdings. Der Kerzenhalter, wirklich gute Arbeit mit sehr solider Wandbefestigung, bestand seinen Test jedenfalls mit Bravour… die jortsschen Handwerker haben ihrem Namen alle Ehre gemacht. Ach ja, mein Herr erwähnte im Zusammenhang mit dem Wandhalter auch noch irgendetwas Dekoratives… also den schönen Ausblick ins Vosktal meinte er natürlich, den man von dort hat.

Leider war ich nur irgendwie dermaßen abgelenkt, dass mir der Sinn so gar nicht nach einem Blick aus dem Fenster stand.

Nach einer eng an meinen Herrn gekuschelten Nacht und einem wundervollen Start in den nächsten Tag, der dem schönen Abend in nichts nachstand, verschnürte mein Herr mich mit den Ledergurten, die er für meine Körpermaße vor einiger Zeit vom Sattler hatte anfertigen lassen. Selbstverständlich war ich wieder kein bisschen traurig, dass erneut für mich das Anziehen ausfiel, als mein Herr sein Haus verließ. Er wollte an diesem Tag endlich seine Glückwünsche an die beiden Händlerinnen zu ihren Heimsteinschwüren loswerden und mit der Sklavenhändlerin noch über ihre demnächst bevorstehende Reise sprechen.

Sein lautes Pfeifen beim Anziehen zeigte mir, dass er auch an diesem Tag anscheinend oberallerbester Laune war, was mich mit unbeschreiblicher Freude erfüllte, denn ich erhoffte mir natürlich, ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen zu haben.

Die gesamte Händlerkaste war übrigens auf dem Marktplatz am Brunnen versammelt, sodass mein Herr nicht nur seine überfälligen Gratulationen zum Schwur loswurde, sondern wie erhofft auch mit der Sklavenhändlerin sprechen konnte, bevor er sein Augenmerk dem Mündel des Schmieds zuwandte. Er war neugierig darauf, welche Art von Händlergeschäften sie vorrangig betreiben will und erfuhr, dass die Herrin von ihrem Kastenersten anscheinend als „Händlerin für alles“ eingesetzt wird und sich momentan um Lieferungen von Baumaterialien kümmert.

Als sich das Gespräch dann jedoch erneut um eine Frau als Zeugmeisterin drehte, habe ich meine Ohren auf Durchzug gestellt. Mein Herr sprach nämlich schon wieder von rein theoretischen Vorüberlegungen über Aufstiege in die rote Kaste durch Gefährtenschaft… doch von einer geeigneten Kandidatin ist weit und breit noch nichts in Sicht.


Wie gut, dass nun der Schmied dazu gekommen war und klarstellte, dass für solche Vertragsunterzeichnungen zum Glück immer zwei gehören, denn es kam mir fast so vor, als ob sein Mündel um die Nase gerade etwas blass geworden war und ihm mit großen, erschrockenen Augen etwas zugeflüstert hatte. Aufgrund ihrer Gesichtsgardine kann ich mich aber auch getäuscht haben, vielleicht fand sie die Aussicht auf diese einmalige Gelegenheit, ein ehrenvolles Leben in der roten Kaste führen zu können, sogar interessant?

Bei der Sklavenhändlerin war es übrigens offensichtlich, dass ihr ein Stein vom Herzen fiel, sich demnächst über eine Zwangsgefährtenschaft keine Sorgen mehr machen zu müssen. Der erste Händler hatte tatsächlich zugestimmt, in einigen Tagen einen Gefährtenvertrag mit ihr zu unterzeichnen, auch wenn ihm überhaupt nicht gefiel, dass sie anscheinend halb Gor zur Feier eingeladen hatte.

Nach dem freundlichen Angebot meines Herrn, das Mündel des Schmieds genauso wie die Sklavenhändlerin mit einem Kredit zu unterstützten, war dann erst einmal seine Inspektion der nördlich von Jorts Fähre gelegenen Wälder angesagt. Eigentlich war ich mir sicher, dass meinem Herrn ein wenig Bewegung in guter Waldluft gut tun würde, doch unterwegs kamen mir leichte Zweifel. Brummend gab er irgendetwas über auf Weibern hockende Händler von sich und den angeblich immer noch die Luft verpestenden Gestank eines Verräters, sodass er schließlich den Heimweg nach Hause antrat, um sich lieber einer kleinen Modenschau zu widmen.

Ihm war nämlich der Gedanke gekommen, mich das Lederharness länger tragen zu lassen, denn er ließ sich nun von mir zeigen, ob und wenn ja, welche Kleidungsstücke sich eignen, die ich darüber ziehen kann und wie das aussieht. Typisch Mann übrigens, wie schnell er zufrieden war! Obwohl ich ihm noch gar nicht viel gezeigt hatte, stellte er nämlich fest, dass es mit den Kombinationen klappt und schloss mit kleinen Schlössern die Schnallen des Harness, sodass ich die Ledergurte nicht alleine ablegen kann.

Nachdem mein Herr gestern dann leider erneut zu einer längeren Patrouille aufgebrochen war, widmete ich mich der Wahl meiner Kleidung logischerweise etwas intensiver. Ohne ihn zieht es mich eh meistens nicht so eilig vor die Tür, zumal ich während seiner Abwesenheit immer gerne Arbeiten erledige, zu denen ich sonst nicht komme oder weil ich ihn damit nicht stören mag. Trotzdem ist ein kurzer Ausflug zum Hafen oder Marktplatz nie verkehrt, alleine schon, um vielleicht die eine oder andere Neuigkeit zu erfahren.

Da ich ohne seinen Schutz keine Lust auf die Blicke möglicherweise zickiger freier Weiber hatte, kramte ich eine Weile in der Klamottenkiste und fand nach ausgiebigem Herumprobieren schließlich eine ganz passable Möglichkeit, mich zu bedecken.


Einigermaßen zufrieden mit meinem Aussehen machte ich mich auf den Weg in die Stadt, wo ich dem Schmied begegnete, der mit einem von seinem Mündel überreichten Kuchenpacket unter dem Arm eigentlich nach Hause wollte. Vorher erzählte er mir allerdings noch von seiner entlaufenen Kajira. Er war darüber verständlicherweise so in Wut, dass er ihr nicht nur einen qualvollen, langsamen Tod durch den Biss einer Ost wünschte, sondern das Mädchen kurz darauf dem Hauptmann als Futter für Fenris anbot, sollte es mit dem Schlangenbiss nicht klappen und sie jemals die Frechheit besitzen, wieder einen Fuß zurück nach Jorts zu setzen.

Vielleicht war es ganz gut, dass der offensichtlich von einer Ratssitzung kommende Hauptmann nun die Gelegenheit nutzte und den Schmied über den neuesten, die Handwerker betreffenden Beschluss informierte und damit den Herrn vermutlich von seinem entlaufenen Eigentum ablenkte. 

Der Ratssitz des ersten Händlers soll während seiner demnächst anstehenden längeren Abwesenheit nämlich nicht unbesetzt bleiben und als Vertreter kamen nur der Sattler oder der Schmied in Frage. Frauen sind in Jorts per Gesetz vom Rat ausgeschlossen, egal welcher Kaste sie sind oder wie laut sie meckern und noch ein weiterer Krieger im Stadtrat könnte möglicherweise zur Annahme führen, Jorts Fähre sei ein Ubarat. Da der weit über die Grenzen seines Heimsteins bekannte Sattler jedoch sehr häufig zum Verkauf seiner Lederarbeiten oder wegen Lederbeschaffungen unterwegs und nicht zuhause ist, wäre es daher eigentlich nur logisch, dass der Schmied den Sitz im Rat vorübergehend einnimmt.

Doch das werden die beiden Handwerker unter sich ausmachen. Der Schmied war sich übrigens sicher, dass eine einvernehmliche Regelung möglich ist… ohne Schiedsrichter, Wettsaufen und Schädelbrummen mit wilder Gorpolka im Kopf!

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