Mittwoch, 13. Mai 2015

Brisante Rache

Die meine Nacktheit betonenden Ledergurte des ziemlich eng sitzenden, vom Lederhandwerker angefertigten Harness gefielen meinem Herrn immer noch sehr an mir, sodass er nach eingehender Musterung erneut befahl, mich lediglich mit einem Tuch zu bedecken, bevor wir sein Haus für einen Gang in die Stadt verließen. Ich wäre am liebsten natürlich nackt geblieben, konnte ihn aber durchaus auch verstehen. Nach einer anstrengenden Wache hatte er einfach keinen Nerv auf sich bei meinem nackten Anblick möglicherweise echauffierende Weiber. Im Nachhinein stellte sich seine Entscheidung übrigens als sehr vorausschauend heraus, denn vor der Gasthausterrasse trafen wir auf mehrere Herrinnen, allerdings auch auf den Hauptmann und den Krieger von der Brauerei mit ihren Kajirae.

Worüber die Frauen tuschelten, bekam ich allerdings nicht mit, spitzte dafür meine Ohren aber umso mehr, als sich der Hauptmann mit dem Brauereikrieger schon wieder über Paga für den Sattler unterhielt. Letzterer stand zwar nicht mehr unter Paga-Arrest in Sachen Ratssitz, stattdessen schuldete der Hauptmann ihm nun aber anscheinend sogar eine Hand lang Freipaga. Ich glaube, mein Herr war darüber noch irritierter als ich, denn bei der Paga-Folter vor kurzem, war nie die Rede davon gewesen, sie auf eine ganze Hand auszudehnen. Letztendlich erfuhren wir jedoch, dass es diesmal um die Schlichtung einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem Hauptmann und dem Brauereikrieger ging.


Selbstverständlich bot mein Herr sofort seine Hilfe an, eine dritte Meinung schadet manchmal wirklich nicht. Doch nach der bereits erfolgten Vermittlung durch den Lederarbeiter sah der Hauptmann dafür keine Notwendigkeit mehr, rückte leider aber auch nicht heraus, worum es bei diesem Zwist gegangen war. Mist, ich wäre vor Neugier bestimmt geplatzt, wenn ich noch hätte warten müssen, um vielleicht erst heute beim Kriegertraining Näheres von San über diese Sache zu erfahren… Kajirafunk ist dabei eben eine überaus wichtige Aufgabe! Doch ich hatte Glück und musste gar nicht warten. Der Brauereikrieger informierte seinen Vorgesetzten nämlich über das Gespräch mit dem Sattler: „Ums kurz zu machen...ich sagte ihm, ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn San das Kastenhaus wischt oder durchfegt oder was auch immer es dort wegen der Hygiene zu tun gibt.“

Oha, hatten sich die beiden etwa über die Reinigungsaufgaben einer Kajira gestritten?! Ich glaubte falsch gehört zu haben, obwohl meine Ohren wirklich in Ordnung sind und meistens eigentlich auch das hören, was sie hören sollen. Mein Herr hatte offenbar das Gleiche verstanden und war ebenso erstaunt wie ich: „Da streiten sich zwei gestandene Krieger darüber, was eine Kajira wischt?! Allein das klingt wie ein Tavernenwitz… und am Ende kommt dabei eine Hand Freipaga für den Sattler heraus?“ Tja, anscheinend war dies aber wohl noch nicht alles, nur ließ sich der Hauptmann leider nicht weiter darüber aus… außerdem tauchte jetzt der Leder-Handwerker auf, der anscheinend irgendein Waldweib gefangen und in einen der Käfige am Hafen gesperrt hatte.


Selbstverständlich war die Sklavenhändlerin sofort an diesem Fang interessiert, aber auch alle anderen Freien wollten sich zumindest eine Besichtigung der gefangenen Taluna nicht entgehen lassen, sodass sich nun ein ganzer Pulk von Menschen Richtung Hafen bewegte. Der Sattler erweckte übrigens einen sichtlich zufriedenen Eindruck, da er bei seiner Errungenschaft nämlich noch eine Rechnung offen hat. Ihre Haare sind erstaunlicherweise allerdings nicht so rot, wie sonst für alle Frauen in seinem Haushalt typisch. Trotzdem ging es bei der offenen Rechnung tatsächlich um Haare, in diesem Fall um die des Sattlers. Seine Gefangene war nämlich die Wortführerin bei der Auseinandersetzung über eine sehr unkleidsame Frisur gewesen, von der er meinem Herrn und dem Schmied während seines Paga-Arrests erzählt hatte.


Durchaus nachvollziehbar also, dass er seinen Fang nicht gleich an die Sklavenhändlerin weiterverkaufen wollte…. erst einmal möchte er nämlich seine Rache genießen. Brisant ist bei diesen Rachegelüsten leider jedoch die Herkunft der Gefangenen, vor allem für die Sklavenhändlerin und damit auch für meinen Herrn, sollte die Händlerin für ihren Handel mit Kajirae u.a. auch mit diesen Waldweibern eine Geschäftsbeziehung anstreben. Da mein Herr die Problematik hierbei natürlich sofort durchschaute, bat er die Herrin um eine kurze Unterredung und informierte sie über die beiden Möglichkeiten, die sie nach dieser Gefangennahme eigentlich nur hat: Entweder sie kauft dem Sattler die Wilde als Sklavin ab und verzichtet auf die angestrebten Geschäfte mit diesem Talunastamm oder sie lässt sie frei und verschafft sich damit einige Vorteile für ihr Vorhaben. 


Letzteres hatte sich die gewiefte Sklavenhändlerin natürlich auch schon überlegt und war anscheinend über das Angebot ganz froh, dass mein Herr mit dem Sattler spricht, da er ihn ja zu seinen Freunden zählt. In Anbetracht der in naher Zukunft geplanten Reise der Sklavenhändlerin zu den Wilden in den Wäldern von Enkara und der Eskorte meines Herrn zu ihrem Schutz, setzte er dies auch sofort in die Tat um. Da auch bei dieser Unterredung natürlich nicht jeder zuhören sollte, zog er seinen Freund etwas von der Versammlung vor dem Sklavenkäfig weg. Zusätzlich senkte er leider jedoch seine Stimme ganz besonders und flüsterte zuletzt so leise, dass ich bedauerlicherweise kaum etwas von ihrer Unterredung mitbekam, obwohl ich genau hinter meinem Herrn kniete. 


Aber egal, irgendwann nickte der Lederarbeiter und sagte: „Ich denke darüber nach, Lucius...wegen dir und unserer Freundschaft. Aber erst mal werde ich mich mit meinem Fang beschäftigen.“ „Das sei dir gegönnt, mein Freund!“, war die offensichtlich nicht unzufriedene Antwort meines Herrn, bevor er sich ebenfalls erneut dem Sklavenkäfig zuwandte. Irgendwie hatte es die Gefangene inzwischen geschafft, die Händlerin dazu zu bringen, ihre Hand zwischen den Gitterstäben hindurch in den Käfig zu stecken. Man konnte fast meinen, sie wollte per Handschlag ein Geschäft besiegeln, bei dem die Taluna allerdings so fest zupackte, dass die Frau nicht nur ziemlich unsanft an die Gitterstäbe herangezogen wurde, sondern ihr gefangenes Gegenüber auch ungehalten anzischte, es nicht zu übertreiben. 


Doch zum Glück klärte sich die Situation mit dem eindeutigen Befehl meines Herrn: "Lass sie los!" Gleichzeitig zog er übrigens nicht nur sein Schwert, sondern schlug zusätzlich mit dessen flacher Seite drohend auf die Stäbe. Nach einer letzten Musterung der Wilden und irgendetwas Gemurmeltem zur Händlerin, von dem ich allerdings nur „nicht knauserig sein, dann klappt es“ verstanden habe, zog es meinen Herrn schließlich nach Hause, zu einem von seinem Eigentum mit Hingabe servierten Paga. Ach nee, vorher legte er wegen des Antrags der Baumeisterin auf Heimsteinschwur, noch einen kurzen Zwischenstopp beim Schmied ein… darüber gibt es demnächst bestimmt noch mehr zu berichten.

Kommentare:

  1. ... und ich habe diese Wilde jetzt erst mal an der Backe! *mault*

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  2. ja...und nach gestern könnte es sogar noch etwas länger sein *grinst*

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  3. O_o und das heißt was genau, Herr oder Frau Anonym?

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  4. Tja... so wie sich deine neue Kettenschwester gestern benommen hat, kommt da wohl noch einiges an Erziehungsarbeit auf dich zu Ravi... mein 'Mitgefühl' hast du jedenfalls^^

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