Freitag, 29. Mai 2015

Eintopf


So wirklich beeindruckt war ich vom Angebot am Marktstand nicht, auch wenn ich das trocken bis gummiähnlich aussehende Gemüse für einen sehr günstigen Preis erhalten hätte. Da ich beim Essen für meinen Herrn selbstverständlich immer auf gute Qualität achte, nahm ich lieber Abstand von einem Sul-Gemüse-Eintopf und lief unverrichteter Dinge zurück nach Hause, denn natürlich hatte ich noch einen Plan B für den Speiseplan am nächsten Tag, Plan A überlebt ja bekanntermaßen nie… übrigens nicht nur eine alte Weisheit der roten Kaste. Ich nahm diesmal allerdings nicht den direkten Weg, sondern den kleinen Umweg zwischen Schmiede und Brauerei, um noch einen Blick Richtung Gasthaus zu werfen, Ich hatte es nicht allzu eilig, weil mein Herr auf einer dieser doofen Patrouillen war, auf die er mich nie mitnimmt.

Schmiede und Brauerei waren übrigens genauso ausgestorben, wie das Haus meines Herrn, auf der Gasthausterrasse allerdings einige Gäste zu sehen, sodass ich kurz an der Ecke der Schmiede stehenblieb und überlegte, ob dort vielleicht die Dienste einer Kajira benötigt wurden. Ich entdeckte dann aber die Sklavenhändlerin und war mir ziemlich sicher, dass ihre Mädchen bereits für das Wohl der Herrschaften sorgten, sodass ich mich letztendlich zum Heimweg entschloss. Genau in dieser Ihn zuckte ich jedoch zusammen und glaubte, mein Herz bleibt stehen… mich hatte plötzlich jemand gegrüßt. Es war das freundliche, allerding komplett unerwartete „Talchen Dina“ des Schmieds, das mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt hatte.

Nachdem mein Herzschlag zum Glück in der nächsten Ihn wieder einsetzte, wurde mir klar, dass er sich angeschlichen haben musste. Selbstverständlich sank ich wie es sich gehört sofort grüßend auf die Knie, worauf der Herr allerdings umgehend wieder verschwand. Nein… er lief nicht weg, sondern ging hinter der Mauer in Deckung oder eigentlich ich vor der Mauer. Ach egal, es war mal wieder dieser typische Effekt, den jede zum Gruß niederkniende Kajira zur Genüge kennt, wenn sich zwischen ihr und dem Freien eine Mauer befindet. Ich sah daher zu, dass ich ein kleines Stückchen weiter kam und kniete dann im Eingang vor der Terrasse der Schmiede erneut nieder.

Es stellte sich heraus, der Schmied war gar nicht geschlichen, sondern hatte seine neue Wartebank mit einem Nickerchen eingeweiht. Er will sie seinen Kunden anbieten, wenn Brandings mal längere Zeit in Anspruch nehmen. Einem kleinen Plausch mit mir war er nun aber anscheinend nicht abgeneigt und setzte sich auf seine Neuanschaffung. Ich wurde aufgefordert, näher zu kommen, doch davon nahm ich lieber Abstand. In diesem Moment tauchte nämlich die Händlerin auf, sodass ich es vorzog, im Eingang knien zu bleiben. Allerdings schloss ich meine Schenkel, um nicht erneut den Unmut dieses zartbesaiteten Weibs auf mich zu ziehen. 

Ich war nämlich wieder sehr knapp bis an der Vorderseite fast gar nicht bekleidet, was bei dieser Frau, von der mir inzwischen ja bekannt ist, dass sie nicht wirklich Kontrolle über die Blickrichtung ihrer Augen hat, sicherlich zu einigem Gemecker geführt hätte. Aber egal, meine frühere Herrin hatte seinerzeit auch sehr lange gebraucht, sich nicht mehr über die stets weit gespreizten Schenkel von Shani zu echauffieren und war die ständigen Diskussionen darüber irgendwann leid geworden. Mal sehn ob diese Freie das vielleicht auch noch schafft oder ob sie vorher selbst kniet. 

Zumindest gestern war die Händlerin wohl eher in meditativer Stimmung, denn außer einer Begrüßung, kurzer Begeisterung über die Bank und einmal hochgezogenen Augenbrauen, weil ihr an mir ich weiß nicht mehr was nicht gefiel, kamen von ihr keinerlei Reaktionen. Mir war das Schweigen der Herrin nur Recht, denn so erfuhr ich vom netten Schmied die tolle Nachricht, dass der Auftrag meines Herrn bereits auf der Esse köchelte und das noch für weitere acht Ahn, bis die verschiedenen Metalle und Mineralien dieses Stahl-Eintopfes mit sehr besonderer Rezeptur richtig verschmolzen sind und weiterverarbeitet werden können.

Der Schmied war jedenfalls bester Dinge, dass die Bestellung früher als veranschlagt fertig ist und der silberne Glanz ganz hervorragend aussehen wird. Mein Herr wird über die schnelle Arbeit seines Freundes bestimmt begeistert sein, wenn er von seiner Patrouille nach Hause kommt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen