Donnerstag, 28. Mai 2015

Seltsames…

Mein Herr hatte gerade angefangen darüber zu sinnieren, was er von den Münzen kaufen wird, die meine Dienste ihm bislang eingebracht haben, als drüben am anderen Voskufer eine Gruppe seltsamer Gestalten auftauchte und kurze Zeit später mit der Fähre übersetzte. Ok, die Ablenkung von seinen Überlegungen über metallene Fesseln mit Goldplättchen kam mir nicht ganz ungelegen, doch leider waren schon wieder sämtliche Bewohner aus Vanguard… irgendein Boskdorf in der goreanischen Pampa… im Anmarsch. Sie kamen diesmal wenigstens ohne Mamba-Geschenk, legten allerdings wieder ein sehr irritierendes Benehmen an den Tag, vor allem die Frauen. Da mein Herr außer dem Brauer der einzige in der Unterstadt anwesende Krieger war, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Ankömmlinge zu begrüßen und sich bei einem der Männer nach dem Grund ihres Besuchs zu erkundigen.

Seine Fragen hielten den Rest dieser überwiegend weiblichen Dörfler jedoch nicht davon ab, sich ohne Einladung einfach an ihm und dem Brauereikrieger vorbei zu quetschen, um es sich auf der jortsschen Gasthausterrasse bequem zu machen und sich munter an den Getränken dort zu bedienen. Die Krönung seltsamen Benehmens war jedoch, dass eines dieser Dorfweiber meinen Herrn nicht nur mit „Tal Kerlchen“ begrüßte, sondern ihm gleichzeitig schwungvoll auf die Schulter schlug. Die Freie konnte sich wirklich glücklich schätzen, dass sie nicht Bekanntschaft mit dem Schwert meines Herrn machte. Sie wurde also keinen Kopf kürzer, sondern erhielt nur einen Schlag seiner Hand, bevor mein Herr sie anbrüllte, was ihr einfiele. Unfassbar, dass die Männer dieses Dorfes ihren Frauen keine Manieren beibringen oder ihnen andernfalls einen Kragen verpassen.

Leider schien das mehr als seltsame Benehmen dieser Besucher auf den Brauereikrieger abzufärben, kaum dass er sich zu ihnen gesetzt hatte. Mein Herr hatte ihn um Unterstützung gebeten, die Stadtgesetze nicht alleine durchsetzen zu müssen, weil freie Frauen in Jorts verpflichtet sind, Schleier zu tragen… sonst drohen ihnen Peitschenhiebe. „Stadtgesetze durchsetzen“ muss bei dem Krieger jedoch nicht angekommen sein. Mir kam es so vor, als ob er das alles überflüssig fand, denn er forderte die Frauen auf, sich wegen der Stimmung meines Herrn zu verschleiern und nicht wegen eines Gesetzes, das vom hohen Rat seines Heimsteins erlassen wurde. Jedenfalls traute ich meinen Ohren nicht, denn gehört es nicht zu den Aufgaben von Kriegern, Fremde zu kontrollieren und auf die Gesetze ihrer Stadt hinzuweisen? Aber egal, ich bin nur eine Kajira.

Es trafen an diesem Tag übrigens auch zwei weniger seltsame Freie in Jorts ein, mit denen das Gespräch um ein Vielfaches angenehmer verlief. Sie gaben bereitwillig Auskunft über ihre Zugehörigkeit zur Händlerkaste und ihrer Herkunft von einer Insel namens Lyros, von der ich nicht mehr herausbekam, wo diese nun genauer lag, außer irgendwo im Süden. Leider hatten die beiden Herrschaften einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt, denn sie waren auf der Suche nach der Händlerin, die jedoch in Geschäften unterwegs war. Es blieb ihnen daher nichts anderes übrig, als sich im Gasthaus bei einer Erfrischung in Geduld zu üben. In Anbetracht der seltsamen Dörfler, die dort immer noch hockten, war ich echt froh, dass mein Herr sich nicht auf einen Paga dazu gesellte, weil er seinen Rundgang noch fortsetzen wollte.

Wie gut, es war ansonsten ruhig in der Stadt und mein Herr trat beizeiten den Weg nach Hause an, um seine Überlegungen hinsichtlich der Ausgabe oben genannter Münzen für meine Dienste noch ein wenig… ähmmm… zu vertiefen. Er wollte sich nämlich vorab einen Eindruck über einige praktische Aspekte verschaffen und schob daher sein Gespräch mit dem Schmied einfach auf den nächsten Tag, nach absolviertem Waffentraining, sodass dieser Tag mit so viel seltsamem Benehmen einfach wundervoll endete. Mein Herr war zu vorgerückter Ahn nämlich nicht nur stolz auf mich und zufrieden mit mir, sondern auch sehr mit sich, weil er mich vor bald vier Märkten geliehen und später dann gekauft hatte. 


Kein Wunder also, dass ich am nächsten Tag hinter meinem Herrn Richtung Trainingswiese immer noch auf Wolke sieben schwebte. Leicht getarnt im hohen Gras der Wiese genoss ich es, noch ein wenig meinen verklärten Gedanken nachzuhängen, während sich die Hauptmannskajira mit einem Becher Wasser vom Brunnen um den leicht schwächelnden Ex-Mentor meines Herrn kümmerte. Ich bekam trotz meiner Überlegungen selbstverständlich aber mit, in welch ausgezeichneter Form mein Herr bei diesem Training war und dass er dem Brauereikrieger etliche Grasflecken auf der Tunika verpasste, brach aber nicht jedesmal in laute Jubelrufe aus… eine wohlerzogene Kajira wie ich kann sich selbstverständlich auch leise freuen. 

Ganz und gar nicht gefiel mir übrigens die Aussicht, dass mein Herr möglicherweise in einen Kampf zieht. Die Bewohner aus Vanguard hatten Jorts um Hilfe gebeten, weil sie gegen wilde Mambas vorgehen wollen… aber ich sagte ja schon, dass diese Freien sehr seltsam sind. Soweit ich weiß, leben Mambas tief in den Wäldern und scheuen jeglichen Kontakt zu Dörfern und Städten. Allerdings ist Vanguard auch nicht mit Jorts verbündet, sodass die Unterstützung auf freiwilliger Basis für Krieger mit überschüssigen Kräften sowie Bedarf an Abwechslung und Bewegung in unbekannten Wäldern vielleicht genau das Richtige ist, sofern es sie nicht irritiert, Seite an Seite mit bewaffneten Frauen zu kämpfen. 


Wenigstens hat mein Herr dieser seltsamen Unternehmung nicht gleich zugesagt, um noch drüber nachzudenken. Außerdem wollte er nun erst einmal den Schmied aufsuchen, um ihm seine tollen Gedanken nach dem Aufwachen mitzuteilen… Geld bei der Handwerkerkaste auszugeben. Wir hatten Glück, nach einigem Klopfen öffnete sich tatsächlich die Haustür des Schmieds. Er fühlte sich bei solchen Gedanken meines Herrn natürlich auch nicht gestört, obwohl er nicht alleine gewesen war, wie sich einige Zeit später herausstellte, als die nackte Luna auftauchte, der es ohne den netten Schmied wohl zu langweilig geworden war. 

Oha, es ging meinem Herrn jetzt tatsächlich um die Fesseln aus Metall, über die er nun schon einige Tage nachgedacht hatte… ungefähr drei Finger breit, hart und robust, mit kleinen Ösen zum Einfädeln eines Seils oder einer Kette und Schlössern. Mit Erstaunen, aber auch Freude hörte ich, dass sie ordentlich nach was aussehen sollten, denn mein Herr wünschte das Metall glänzend poliert. Puhhh, obwohl der Preis wirklich nicht ohne war, wurden sich die beiden Männer sehr schnell einig, nachdem der Schmied den Umfang meiner Hand- und Fußgelenke und meine Oberarme mit einem Knotenband ausgemessen hatte. Äußerst bedauerlich war jedoch, dass ich echt keine einzige Silbe davon verstehen konnte, was mein Herr seinem Freund ganz zuletzt noch ins Ohr geflüstert hat.


Ok, Neugier steht einer Kajira nicht, mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich in Geduld zu üben. Dennoch beschäftigte mich das Flüstern ganz schön, sodass ich beim Zwischenstopp auf dem Nachhauseweg vor dem Gasthaus nur mit halben Ohr mitbekam, dass die Baumeisterin inzwischen vier Sklavinnen hat und mein Herr der Sklavenhändlerin vorschlug, lieber mir der Gelben eine Geschäftsbeziehung einzugehen, als mit den nicht ganz ungefährlichen Waldfrauen, zumal der Hauptmann bereits sein Interesse an der Blonden bekundet hatte, die zumindest wohl nach seinem Geschmack war… seltsamerweise meinte er von hinten.;-)

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