Samstag, 16. Mai 2015

Spaziergänge und so…

Nach Waffentraining mit anschließendem leckeren Essen und Co. verspürte mein Herr plötzlich große Lust, an seinem Fell zu horchen… die Topform war also Vergangenheit. Anstatt mich jedoch am Fußende schlaflos hin und her zu wälzen… ich gehöre nun mal zu den Lang- und nicht wie er zu den Frühschläfern… schlich ich mich leise aus dem Haus, nachdem mir ein letzter sanfter Blick auf sein entspanntes Gesicht gezeigt hatte, dass er tief schlief. 

Mein Ziel war der Bach, wo ich mich noch ein wenig waschen wollte… meine langen Haare natürlich auch. Leider war mein Badeverbot im Vosk ja immer noch nicht aufgehoben. Wobei ich eh nicht wusste, wie wohlwollend Ledergurte auf meine Schwimmgelüste reagieren und ausziehen durfte ich sie ja nicht. Nachdem ich mir noch schnell ein knappes Tuch um die Hüften gebunden hatte, schlich ich hinter den Häusern entlang Richtung Bach. 

Herrlich erfrischt, aber mit triefend nassen Haaren, kam mir danach spontan in den Sinn, mich noch eine Weile auf dem wunderschönen Plateau am Wasserfall zu trocknen. Gedanken über irgendwelche gefährlichen Tiere im Wald, die mich auf ihren Speisezettel setzen könnten, kamen mir dabei allerdings nicht und mir begegnete auch tatsächlich niemand. Auf dem Rückweg passierte mir dummerweise jedoch ein kleines Missgeschick. Nein, es kam nicht die Monsterspinne und auch sonst kein Viech mit Fressgelüsten…

Ich muss irgendwo falsch abgebogen sein, sodass ich plötzlich ganz woanders als geplant aus dem Wald herauskam und nun der Weg am Brunnen vorbei durch die Unterstadt einfach der kürzeste war. Der nette Schmied und die Händlerin waren vor der Gasthausterrasse allerdings so in ihr Gespräch vertieft, dass ich aufs Grüßen verzichtete. Doch gerade als ich mich eigentlich schnell an der Mauer der Schmiede vorbei drücken wollte, schaute die Mündeltochter des Schmieds von ihrer Arbeit auf und zu mir hinüber. 

Die Herrin war mal wieder am Spinnen… also sie arbeitete an ihrem Spinnrad. Selbstverständlich grüßte ich sie jetzt freundlich und nutzte die Gelegenheit, um mich danach zu erkundigen, was sie denn aus so viel Wolle herstellen will. Diese Frage interessierte mich schon seit einigen Tagen, doch wenn mein Herr dabei ist muss ich ja immer meine Klappe halten. Während die Herrin sich nun in der für sie typischen, sehr freundlichen Art über gewebte, flauschig dicke Teppiche und weiche Strickwaren ausließ, spürte ich plötzlich einen festen Klapps auf meinen Po. Ups, versperrte ich den Durchgang? So ein dickes Hinterteil habe ich doch eigentlich gar nicht!

Bei den Ausführungen der Herrin war mir komplett entgangen, dass sich der Schmied genähert hatte… ok, ich habe hinten ja auch keine Augen. Seine Hand auf meinem Allerwertesten war mir selbstverständlich nicht unangenehm, machte die Erläuterungen seines Mündels, dass sie für einen Teppich die gleiche Wolle wie für einen Pullover nimmt, mit der Anzahl an Wollfäden beim Weben und Stricken jedoch variiert, sodass man angeblich nicht das Gefühl hat, eigentlich einen Teppich zu tragen, irgendwie zur Nebensache.


Da ich nun annahm, dass Vormund und Mündel lieber ungestört sein wollten, machte ich Anstalten, mich zu verabschieden. Erstens wollte ich die beiden nicht stören und außerdem waren meine Haare inzwischen wirklich trocken. Doch dem Schmied kam meine Anwesenheit wohl ganz gelegen, denn er forderte mich zum Bleiben auf und setzte sich gemütlich auf den Boden… allerdings ziemlich weit weg von mir. Es ging ihm um eine etwas ungewöhnlich Auskunft über den Verbleib ausgerupfter Vulofedern, die ich den Viechern vorm Braten ausrupfe.

Bereitwillig erläuterte ich ihm erst einmal, dass manche Vulos als Opfer an die Priesterkönige natürlich komplett in die Stätten des Staubes gehen… halbe Sachen erfreuen die hohen Herren im Sardar womöglich nicht. Sind es allerdings Vögel, die die Ehre erhalten, lecker gebraten auf dem Teller meines Herrn zu landen, dann stopfe ich ihre ausgerupften Federn in einen Aufbewahrungssack, sofern mir keine Windböen in die Quere kommen, um die Kissen meines Herrn gelegentlich nachzufüllen, damit sie schön weich bleiben. Die ungewöhnlichen Fragen des Herrn rührten übrigens vom Wunsch nach einem Kopfkissen her, denn momentan schläft er komplett ohne, was mangels Kajiraunterlage natürlich entsprechend unkomfortabel ist.

Klar, dass ich meinem Herrn am nächsten Tag die Kissengelüste des Schmieds, aber auch meine Spaziergänge zum Bach und anschließend zum Wasserfall nicht vorenthielt. Puhhh… wie gut, dass ihn beim Geständnis meines Waldspaziergangs mein Anblick wohl etwas ablenkte und ich ihn dann mit aller mir zur Verfügung stehenden Hingabe erfreuen durfte, um diesen ungenehmigten Ausflug wieder gut zu machen… ich möchte nicht wissen, wie sein Ausbruch über die Gefahren im Wald ohne Aussicht auf Tiefenentspannung sonst geendet hätte, egal wie obersauber gewaschen und total heil ich sein Eigentum wieder zurück nach Hause gebracht hatte. 

Nachdem ich seine Entspannung zuletzt noch mit einem Paga krönen durfte, trat er schließlich guter Dinge seinen Rundgang an, auf den ich ihn zu meiner Freude erneut nackt begleiten durfte. Am Marktplatz angekommen, nutzte er die günstige Gelegenheit, sich bei dem Hauptmann nun genauer nach der Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und dem Brauereikrieger zu erkundigen. Lustigerweise wollte die Brauereikajira diesen Streit einfach als Missverständnis abtun… ungefragt, sodass sie entsprechend angeherrscht wurde und daher vielleicht ganz froh war, sich mit der Kajira des Hauptmanns verdrücken zu dürfen. Außerdem ist diese unschöne Sache zwischen den beiden Kriegern mittlerweile tatsächlich beigelegt. 


Nachdem die Sklavenhändlerin und der Kriegerbauer sich dazu gesellt hatten, wandte sich das Gespräch dann Wichtigerem zu. Vermutlich weil der Rarius überwiegend mit seinem Vieh und der Landwirtschaft zu tun hat, war an ihm bislang anscheinend vorbeigegangen, dass die Händlerin demnächst eine Reise in die Wälder von Enkara plant. Wobei sie wohl noch nicht mit dem Sattler über dessen neuesten Fang verhandelt hat, der bei dieser Unternehmung vielleicht von Nutzen sein kann. Somit erübrigte sich die Erörterung weiterer Details mit dem offenbar eh nicht allzu gut aufgelegten Krieger vom Hof, der sich dann auch bald Richtung Oberstadt davon machte. 


Auch mein Herr setzte schließlich seinen Rundgang fort, nachdem die beiden Kajirae wieder zurück waren, von denen eine inzwischen anscheinend mit Sklavenparfüm geduscht hatte. Ich verstand zwar erst gar nicht, warum der Hauptmann plötzlich so durch die Nase schnaubte und sein Mädchen dann anbrummte, warum es auf einmal so anders riecht, seitdem sie zurück ist. Tja, mit einer leichten Brise die vom Hauptmann und seinem Eigentum herüber wehte, wurde mir dann klar, dass sie die Menge an Parfüm wohl nach dem Motto „viel hilft viel“ bemessen hatte. 


Natürlich benutze auch ich Sklavenparfüm, hoffentlich aber ohne große Wolke um mich herum. Es wäre doch wirklich schade, wenn ein so wundervoller Platz am Wasserfall an Schönheit einbüßen würde, wenn es dort nach Parfüm riecht und nicht mehr nach Natur!^^

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