Montag, 8. Juni 2015

Keine besonderen Vorkommnisse

Auf dem Weg in die Stadt blieb mein Herr bei der Schmiede stehen, um seinem Freund seine Zufriedenheit über die kürzlich gelieferten Ketten mitzuteilen. Dabei bemerkte er nun auch die neue Bank, die der Schmied selbst gebaut hatte, um bei Bedarf Sitzplätze anbieten zu können. Mangels Kunden saß er die Bank jetzt allerdings zusammen mit seinem Mündel selbst ein. Darüber, dass er mir beim Schlafen auf seiner neuen Errungenschaft oder vielmehr beim Aufwachen vor kurzem einen gehörigen Schrecken eingejagt hatte, hatte ich ja schon berichtet.

Genau wie in den letzten Tagen, war es übrigens wieder sehr ruhig in der Stadt. Auch wenn mit keinen besonderen Vorkommnissen zu rechnen war, verzichtete mein Herr selbstverständlich nicht auf seinen Rundgang. Die anderen Krieger waren teilweise auf Wache, hatten sich wegen der Wärme ein schattiges Plätzchen gesucht und diverse Freie waren auf ihren Landsitzen oder hielten sich in ihren Häusern auf. 

Lustig wurde es nach der Information des Schmieds, trotz Wärme wie ein Baby geschlafen zu haben. Er erinnerte sich nämlich an die Worte seines Vaters aus seiner Kindheit, er würde wie ein Säugling schlafen und ergänzte nun breit grinsend, dass dieser Vergleich hinsichtlich Länge und Gewicht immer noch passt… allerdings nur für sein bestes Stück. 

Während das Schmied-Mündel jetzt lieber so tat, als hätte sie nichts gehört, konnte ich mir mein Kichern nicht verkneifen, auch wenn mich die Gewichtsangabe etwas irritierte. 

Doch mir blieb nicht viel Zeit, lange darüber nachzudenken, weil mein Herr natürlich auch einen Vater gehabt hatte und von ihm eine Weisheit zum Besten gab: "Scheiße Junge! Sei mal froh, dass wir den Stahl nicht nach Schwanzgröße verteilen... du dürftest sonst immer nur mit Lanzen kämpfen!" Typisch Männer und ihr Lieblingsthema… das Gejohle der beiden war natürlich groß und auch ich fiel vor Lachen fast hintenüber und das obwohl ich kniete. Nur die Herrin verzog immer noch keine Miene und schien sich auf irgendetwas auf dem Boden zu konzentrieren… naja, typisch freie Frau eben. 


Nicht allzu erstaunt war ich übrigens, als der Schmied meinem Herrn erzählte, dass seine Vormundschaft in wenigen Hand endet. Mir sowieso schon seit längerem, aber auch meinem Herrn war sofort klar, dass sich nun wohl in eine Gefährtenschaft anbahnt. So richtig damit herausrücken, wer denn der potentielle Gefährte dieses Weibs ist, wollte der Metallhandwerker jedoch nicht… er druckste ziemlich herum. Pahhh, obwohl die Bestrebungen der Frau schon seit langem so total offensichtlich sind, dass es inzwischen schon sämtliche jortsschen Pieper von den Dächern pfeifen, hat sie den Schmied anscheinend doch noch nicht komplett weichgekocht.

Ok, seine Geheimniskrämerei ist für mich durchaus nachvollziehbar, zumal ich sehr gut erinnere, wie vehement und sogar mehrfach er weit von sich gewiesen hat, jemals eine Gefährtenschaft einzugehen! Er will auch nie wieder eine Kajira an seine Kette nehmen, nachdem ihn seine letzte hintergangen und sich dann klammheimlich aus dem Staub gemacht hat. Meinem Herrn gegenüber behauptete er zwar, die Entscheidung über den Gefährten für sein Mündel sei bereits gefallen, wurde aber nicht konkreter. Ob er sich vielleicht bis zur Unterzeichnung des Vertrags doch noch ein Hintertürchen offen halten will? Na gut, womöglich ist es noch unklar, ob es zu einem Gefährtenvertrag oder doch zur Unterwerfung kommen wird… also mal abwarten.

Richtig toll fand ich übrigens, dass mein Herr seinen Rundgang schließlich Richtung Wasserfall fortsetzte. Ich liebe diesen herrlichen Flecken einfach, mit dem mich so schöne Erinnerungen verbinden und ich glaube, meinem Herrn geht es ähnlich. Daher war ich reichlich erstaunt, als er plötzlich stehen blieb und dann ziemlich enttäuscht, weil dieser wunderschöne Platz leider bereits besetzt war. Es ging stattdessen auf die Stadtmauer, wo mein Herr jedoch nicht nur zusammen mit mir die schöne Aussicht über die Stadt und das Vosktal genoss. Gleichzeitig sinnierte er nämlich darüber, sich eine Lanze zuzulegen. Ausschlaggebend für diese Überlegungen waren jedoch nicht die gerade zum Besten gegebenen Worte seines Vaters, sondern der Kampfstil, mit dem er bislang keine Erfahrungen hat.

Mich hatte nun also das Schicksal als Kriegerkajira wieder eingeholt, denn es folgte ein kleiner Vortrag meines Herrn über die unterschiedlichen Reichweiten von Lanzen und Schwertern. Meine Bemerkungen hinsichtlich der durchaus ernst zu nehmenden Schwächen von Lanzen im Vergleich mit Schwertern, haben ihn aber wohl gefreut. Er gab mir nämlich nicht nur Recht, sondern nannte mich auch „meine Kriegerkajira“, was immer ein ganz dickes Lob ist, bekam dann aber Gelüste, seine Füße hoch zu legen… 

Auch dabei kann sich eine Kriegerkajira übrigens als durchaus nützlich erweisen!^^

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