Montag, 1. Juni 2015

Klägliche Reste der Freiheit

Mein Herr war einer der wenigen Krieger, die zuhause geblieben waren, um auf die Stadt aufzupassen, während sich etliche Rarii der jortsschen roten Kaste in irgendwelchen Wäldern mit Wilden herumschlugen. Jorts war also nicht unbewacht. Außerdem überzeugt mein Herr sich auf seinen Rundgängen sowieso ständig davon, ob alles ruhig ist. An diesem Tag trafen wir vor der Gasthausterrasse auf die Sklavenhändlerin, die offensichtlich die Abreise zur vorgenannten Frischluftveranstaltung verpasst hatte. Aber seit den Geschäftsbeziehungen zu einem Stamm Waldweibern mangelt es ihr eh nicht an Sklavenzulauf. Ihr neuester, sich jetzt neben sie kniender Zugang, war nämlich ein Kajirus, dem nun meine ganze Aufmerksamkeit galt.


Die Herrin war von ihrem neuen Eigentum… erfreulicherweise zahm, ohne angespitzte Zähne und kein Metall im Gesicht… anscheinend ganz angetan, da es nicht nur Getränke servieren kann, sondern auch beim Schleppen von schweren Sachen oder beim Holzhacken wohl ganz nützlich ist. Im Gegensatz zu ihr interessierte sich mein Herr jedoch eher wenig bis gar nicht für diesen Sklaven, auch wenn der wirklich gut gebaut ist. Transportbedarfe hat er jedenfalls nicht…. seine Ausrüstung trägt mein Herr selbst, für seinen Proviant bin ich zuständig, alles andere transportiert sein Tarn und ich bin mir sicher, bei gewissen anderen Diensten steht mein Herr eindeutig auf Frauen…egal ob unfrei oder frei.

Total lustig fand ich übrigens, dass sich der erste Heimkehrer der siegreichen jortsschen Krieger nach einem kurzen Blick auf den Kajirus bei der Sklavenhändlerin erkundigte, ob sie sich ein Double ihres Gefährten zugelegt hatte. Ohje, es gehörte wirklich einige Körperbeherrschung dazu, nicht laut los zu prusten… aber ich weiß natürlich, was sich für eine Kajira gehört. In Anbetracht der nicht von der Hand zu weisenden Ähnlichkeit fand ich die Sorge des Kriegers, die Herrin könnte aus Versehen mal den Falschen an die Kette nehmen, eigentlich gar nicht so abwegig. Die Händlerin tat diese Befürchtung jedoch mit einem belustigten Lachen einfach ab und außerdem befindet sich ihr Gefährte immer noch auf Reisen, sodass diese Gefahr zumindest momentan wohl nicht gegeben ist. 

Es war inzwischen sowieso viel interessanter, von den Heldentaten und dem Sieg der Verbündeten über irgendwelche Wilden mit angespitzten Zähnen in den vanguardschen Wäldern zu hören… zum Glück ohne Verluste. Wobei die Kämpfe trotz lautem Waffengesang bei irgendwelchen Sturmangriffen eigentlich nicht allzu schlimm gewesen sein können. Immerhin war zwischendurch genug Zeit geblieben, um sich mit einer Hand am Schwert in der anderen den einen oder anderen Becher Ale oder Paga zu gönnen. Naja, die Nichtschwerthand will auch beschäftigt sein und außerdem gibt es natürlich auch Situationen, in denen einfach gilt: „Entweder jetzt noch schnell oder vielleicht nie wieder ein Paga!“


Inzwischen hatte sich die Heimkehr des ersten Kriegers wohl herumgesprochen und der Marktplatz füllte sich zunehmend mit weiteren Bewohnern. Darunter war schließlich auch der Schmied und sein Anhängsel… ähmm… Mündel wollte ich natürlich sagen. Mein Herr nutzte sofort die Gelegenheit, sich bei seinem Freund nach seiner Bestellung zu erkundigen, nachdem ich ihm vor kurzem schon ausgerichtet hatte, dass alles vermutlich schneller fertig sein wird, als ursprünglich veranschlagt. Daher war er mehr als erfreut nun zu hören, wie fleißig der Schmied gewesen war, denn bis auf die bestellten Ketten war alles bereits fertig. 

Während es die Sklavenhändlerin nun mit ihrem Kajirus zum Holzhacken in den Wald zog, war mein Herr natürlich neugierig auf die bestellten Metallfesseln und das Interesse des Kriegers war wohl ebenfalls geweckt… zumindest vielleicht an der Gesellschaft des Schmied-Mündels. Wobei die Frau schon wieder Probleme mit meinen geöffneten Schenkeln zu haben schien… glaube ich jedenfalls… bis sie mit stur zur Wand gerichtetem Blick dann anscheinend eine akzeptable Lösung gefunden hatte. Mein Augenmerk galt natürlich den neuen, nicht nur spiegelpolierten, sondern sogar nichtrostenden, mit Scharnier und Schlüssel versehenen Cuffs, die der Schmied jetzt auf seiner Werkbank ausbreitete und meinem Herrn anpries. 


Das Nichtrostende gefiel mir übrigens ganz besonders. Die Fesseln sind damit also perfekt zum Baden und Schwimmen geeignet… sofern sie nicht meine Arme auf dem Rücken fixieren, denn diese Haltung gefällt meinem Herrn an seinem Eigentum außerordentlich gut. Er war wirklich höchst zufrieden über diese ausgezeichnete Arbeit seines Freundes. Die bestellten Ketten waren zwar noch nicht fertig und werden nachgeliefert, doch die vereinbarte Silbermünze wechselte schon mal ihren Eigentümer. Eigentlich kehrte das Silber nun wieder zum ursprünglichen Besitzer zurück, denn mein Herr hatte es seinerzeit von dem Schmied für meine Dienste erhalten.

Mein Herr hatte es danach ziemlich eilig, mit seinen Neuanschaffungen nach Hause zu kommen, um sie möglichst bald an seinem Eigentum zu sehen. Daher wurde meine überflüssige Frage nach einem Zuhausepaga auch wie erwartet verneint, während er seine Waffen wie immer im Waffenständer neben der Haustür ablegte und ich schnell meine Kleidung in der Kiste unter der Treppe verstaute und schon ganz aufgeregt war. Statt Paga wurde ich aufgefordert, mich zu präsentieren, damit mein Herr mir die silbernen Metallfesseln umlegen konnte, was ich mit erhobenen Armen und leicht gespreizten Beinen natürlich sofort tat, während mir heiße, kribbelnde Schauer der Erwartung den Rücken hinunter liefen.

Hach, wie so oft glaubte ich, die langsam über meinen Körper wandernden Blicke meines Herrn bei seiner eingehenden Musterung auf meiner nackten Haut zu spüren, bevor er mir dann nacheinander sämtliche Cuffs umlegte und äußerst zufrieden dabei aussah. Das relativ kalte Metall um meine Gelenke und Oberarme ließ mich jedes Mal erschauern, wenn mein Herr mir eine weitere Fessel anlegte, denn es vermittelte mir das Gefühl, als wären es die festen Griffe meines Herrn, dir mir Halt und Schutz geben. Auch das leise Klicken der Verschlüsse ging mir durch und durch, weil es sich genauso anhörte, als ob mein Kragen erneut geschlossen wird. Mir fiel jedoch gar nicht auf, dass mein Herr die Fesseln nicht abschloss. 


Bewegende Erinnerungen, an die unbeschreiblichen Momente keimten in mir, als sei es erst gestern gewesen, als mein Herr mir am Wasserfall dieses Seil umgelegt hatte und einen Markt später den Kragen mit seinem Namen. Doch es ging nicht nur mir so. Mein Herr schaute mich nun mit seinen grauen Augen unergründlich an und sprach: „Was ich gleich tue, wollte ich eigentlich am Wasserfall machen, wo ich dir damals dieses Seil umlegte, meine Scharlachrote... aber da holzt jetzt die Sklavenhändlerin herum. Ich will, dass du dich genau an diese Situation erinnerst und dir das Gefühl vergegenwärtigst, als ich dir meinen Kragen umgelegt habe, meine Kajira.“

Nun wurde mein Herzklopfen noch wilder. Leise hauchte ich die Bitte, ob ich mich hinknien darf, denn ich wünschte mir nichts sehnlicher, als vor meinem Herrn erneut die Pose der Unterwerfung einzunehmen. Ich erhielt jedoch erst einmal keine Antwort, bis mein Herr schließlich die kleinen Schlüssel in die Hand nahm und mich mit einem sehr innigen Blick anschaute, der mir durch und durch ging: „Unterwirf dich mir, Kajira.....................“

Die kläglichen Reste der wenigen Freiheit, die ich überhaupt noch gehabt hatte, lagen schließlich dann als abgebrochene Schlüssel vor mir auf dem Boden. :-)))))

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