Samstag, 13. Juni 2015

Rätselraten

Nachdem die beiden Vulos soweit vorbereitet waren, dass ich sie für meinen Herrn nach seiner Heimkehr vom Dienst schnell zubereiten konnte, machte ich mich in die Stadt auf, um vielleicht die eine oder andere Neuigkeit zu erfahren. Ob die Baumeisterin inzwischen nun abgereist war oder wo auch immer steckte, erfuhr ich zwar nicht, dafür aber etwas sehr Merkwürdiges, das den Gemütern der Freien auf dem Marktplatz einiges Rätselraten bereitete.

Auf dem Boden im Haus des Sattlers hatte man nämlich Blut gefunden. Diese Information veranlasste mich logischerweise umgehend, mir die Nase der neuen Hauptmannkajira anzusehen, weil ich am Vortag ja mitbekommen hatte, dass der Herr sein Eigentum zum Lederarbeiter schicken wollte, um ihr ein zusätzliches Loch in die Nase stechen zu lassen. Der Hauptmann liebt es anscheinend immer noch, wenn seine Mädchen einen Nasenring tragen, genau wie ein Bosk. Warum er dieser Sklavin jedoch einen so riesigen und vor allem dicken Boskring verpassen wollte, war mir allerdings nicht klar, auch wenn das eine wie ich fand sehr logische Erklärung für das Blut auf dem Boden im Sattlerhaus gewesen wäre. Genau, gewesen wäre… die Kajira hatte nämlich noch gar kein Boskringloch in der Nase, weil der Lederarbeiter nirgends aufzutreiben gewesen war.


Zusätzlich hatte man offenbar die Haustür des Sattlerhauses weit offenstehend vorgefunden und in dem Blut die Scherben eines Tellers sowie merkwürdige Fußabdrücke hinter dem Haus und Spuren, die anscheinend Richtung Wald führten... wobei die Herkunft der Spuren wohl eher unklar war. Klar war immerhin, der Herr war nicht mit einer Schnittverletzung zur Krankenstation gerannt, um sich ein abgetrenntes Körperteil wieder annähen oder was auch immer behandeln zu lassen und hatte daher auch nicht in seiner Panik darüber vergessen, seine Haustür zu schließen. Die grüne Gefährtin des Hauptmanns stand nämlich vor mir am Marktplatzbrunnen und hatte den Herrn weder behandelt noch gesehen. Der Grund für die offene Haustür muss also ein anderer gewesen sein.

Die Möglichkeit, der Sattler habe die Baumeisterin entführt, wurde nach meinem Hinweis, ob denn auch die Bank des Herrn fehlte, ebenfalls verworfen. Mein Hinweis, dass sich der recht groß gewachsene Lederarbeiter im Gespräch mit der riesigen Baumeisterin schon mehrfach auf seine Bank gestellt hatte, wenn er vermeiden wollte Genickstarre zu bekommen, fanden alle Herrschaften interessant und durchaus nachvollziehbar. Die Bank fehlte jedoch nicht, es musste also tatsächlich doch etwas anderes passiert sein… was genau, blieb allerdings weiter ungeklärt und somit ging das Rätselraten auch auf der Gasthausterrasse weiter, nachdem sich der Hauptmann und seine Gefährtin in ihr Haus zurückgezogen hatten.

Es ist wohl durchaus zu befürchten, dass der nette Handwerker möglicherweise entführt wurde. Das Erste Schwert hatte nämlich am Vortag im Haus des Sattlers eine heimsteinfremde Freie gesehen, von der er glaubte, sie sei eines der Waldweiber vom Stamm der Arquanas. Waren die inzwischen vielleicht sauer geworden, weil der Lederarbeiter ihre Einladung bislang ausgeschlagen hat, da er mit seiner jetzigen Frisur durchaus zufrieden ist und daher keinen gesteigerten Wert auf einen Besuch dieses Camps in den Wäldern von Enkara legt? Oder hatte seine kürzlich entlaufene Sklavin, die ja ursprünglich zu diesem Stamm gehörte, sich ihm dann aber unterworfen hatte, Sehnsucht nach ihrem Herrn gehabt? Fragen über Fragen… das Rätselraten wird also wohl noch einige Tage weitergehen.


Ansage des Hauptmanns war jedenfalls, vorerst noch abzuwarten, ob der Sattler nicht von alleine wieder auftaucht, bevor Suchtrupps losgeschickt und Steckbriefe verteilt werden. Denn selbstverständlich wird kein Heimsteinangehöriger im Stich gelassen. Seltsam fand ich übrigens das Benehmen der neuen Wirtin, die mit ihrem sehr kurzen Rock eh schon nicht gerade wie eine freie Frau gekleidet ist, die sehr viel Wert auf ein ehrbares Äußeres und ihren Ruf legt. Das Weib rannte doch tatsächlich gleich los, um nach ihrem Bogen zu sehen! Allerdings glaube ich nicht, dass ihr spontan in den Sinn gekommen war auf die Jagd zu gehen, um ihren Gästen einen schmackhaften Braten zu servieren.

Aber egal, als Kajira hat mich die Bewaffnung dieser Freien nichts anzugehen, sodass ich dazu selbstverständlich meine Klappe gehalten habe. Außerdem ist die Frau noch nicht lange in der Stadt, gehört nicht dem Heimstein von Jorts Fähre an und der oberste Moralprediger aus der jortsschen Händlerkaste weilt immer noch bei seiner Verwandtschaft oder wo auch immer... also mal abwarten.^^

Kommentare:

  1. Oje, oje, oje. Kaum bin ich nicht da...

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  2. genau...meine rote Kampfkajira hätte das bestimmt verhindert :-)

    LG
    Val

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  3. Ha! Die hätten mich schon kennen gelernt! Das war bestimmt wieder diese Hildi!

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  4. ja klar war sie das...unmögliches Weib. Die ist total unfair. Haut einem Teller auf den Kopf und solche Dinge.

    LG
    Val

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  5. die will dich übrigens gerne treffen...weil du so arrogant zu ihr warst^^

    Val

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