Dienstag, 2. Juni 2015

Rundgang mit Luxus-Erweiterung

„Ah, da kommt mein glänzender Stahl!“ grinste mich mein Herr an, als ich um die Hausecke bog, nachdem ich die Haustür wegen der Metallfesseln mehr oder weniger mühsam endlich aufbekommen hatte. Er hatte mich in seinen Fellen noch ein wenig weiterschlafen lassen und saß inzwischen auf seiner Gartenbank, den Blick über die Stadt und den Vosk genießend. Seine neuesten, spiegelpolierten Errungenschaften an mir musternd, interessierte es ihn nun erst einmal, ob ich gut geschlafen hatte. Was für eine Frage, selbstverständlich… sogar richtig toll, wie immer wenn ich eng an ihn geschmiegt die Nacht in den Fellen meines Herrn verbringen darf und nicht auf dem Boden an seinem Fußende. 

Ok, ich gestehe, die neuen Metallfesseln sind noch reichlich ungewohnt für mich und ganz schön unbequem, wenn sie meine Arme hinterm Rücken fixieren… man kann so nämlich dann nur auf der Seite oder auf dem Bauch schlafen und wird häufig wach. Doch was gibt es Schöneres, als sich immer wieder eng an meinen leise schnarchenden Herrn anzukuscheln und ihm mit meiner Hilflosigkeit Freude zu bereiten? Er behauptete zwar, ich hätte ihn durch meinen unruhigen Schlaf nicht gestört, klagte aber leider über leichtes Kopfweh, sodass eine entspannende Nackenmassage durch die sanft knetenden Hände seines Eigentums vielleicht genau das Richtige gewesen wäre.


Tja, aber nur vielleicht… meinem Herrn stand als Maßnahme gegen Kopfschmerzen mehr der Sinn nach einem Rundgang und überhaupt nicht danach, meine Fesseln nur wegen einer Massage zu lösen, im Gegenteil. "So gefesselt kann sich mein Eigentum wohl kaum etwas anziehen, hm?" Mit dieser Feststellung beschloss er breit grinsend, dass die freien Weiber an diesem Tag Pech haben. Alle, die es auf seinem Rundgang nicht schaffen sollten, ihre Augen nicht auf seine Nackte zu richten, mussten eben leiden. Sie hatten jedoch Glück, denn war in der Unterstadt weit und breit kein „Opfer“ in Sicht. Aber das konnte sich schnell noch ändern, denn der Rundgang meines Herrn hatte ja erst begonnen… es ging nun weiter in die Oberstadt.

Beim inzwischen leergeräumten Haus des ehemaligen Schreibers, fiel ihm logischerweise wieder ein: „Dieser diebische Sack hat sich verdrückt, ohne seine Schulden zu bezahlen. Kajira, mein Vater hat immer gesagt… Scheiße Junge, trau nie einem Mann, dessen Kastenfarbe schon so aussieht, als hättest du ihn zusammengeschlagen… und er hat Recht.“ Außer einer vorsichtigen Äußerung, dass vielleicht irgendwann doch noch ein Bote mit dem Silber der säumigen Zahlung ankommt, enthielt ich mich lieber weiteren Kommentaren. Mir würde niemals einfallen, gegen meinen Herrn Partei für einen merkwürdigen, verklemmten Schreiber zu ergreifen.

Es war übrigens nicht nur ein Rundgang mit unschönen, sondern auch einer mit überaus lustigen Erinnerungen. Am Haus der Schneiderin fiel meinem Herrn nämlich eine Begebenheit mit deren einstmaliger Mitschneiderin ein. Breit grinsend erklärte er mir, dass in einer Schneiderei ja nicht nur Stoff zugeschnitten wird, sondern auch gestochen und gefi… An dieser Stelle räusperte er sich und führte dann lachend fort, dass natürlich auch viel geflickt wird. Leider kann er diese Nähwerkstatt inzwischen jedoch nur noch bedingt ernst nehmen und sich beim Anblick des Schneidertischs das Lachen kaum verkneifen. Jedes Mal hat er anscheinend vor Augen, wer dort vor ihm mit dem Bauch auf dem Tisch, hochgeschlagenen langen Röcken und entblößtem Hinterteil gelegen hat.


Nachdem sich die Belustigung meines Herrn über diese ehemalige Freie und ihr sklavenhaftes Verhalten wieder gelegt hatte, eröffnete er mir zwinkernd noch, dass ein Krieger innerlich stets locker bleibt, während er äußerlich still steht... oder auch stramm. Danach ging es weiter auf die Stadtmauer, wo plötzlich eine wohlbekannte Stimme zu hören war. „Moment mal, dieses Geplärre, so lieblich wie von einer Horde saufender Nordmänner, kenne ich doch?“ Mein Herr stellte nun die erschreckende Vermutung auf, die anderen Ratsmitglieder haben den Hauptmann eingemauert und seine Gefährtin gleich mit. Ihre Stimmen, vor allem aber das laute Brüllen und typische Brummen des Hauptmanns, war sehr deutlich durch die dicke Wand neben uns zu hören. Doch so schlimm konnte es eigentlich nicht sein, denn wer bekommt eingemauert Gelüste nach einem Kräutertee, so wie die Hauptmanngefährtin?

Es stellte sich heraus, die beiden Herrschaften befanden sich zwar hinter der dicken gemauerten Wand, waren allerdings nicht eingemauert worden, sondern saßen auf der Terrasse des Händlerhauses und warteten dort mit einer angeschwemmten Kajira auf die Sklavenhändlerin. Ihre Stimmen waren also nicht durch die Wand gekommen, sondern durch die Luft… übers Dach, um die Hausecke herum oder wie auch immer. Komischerweise hatte der Hauptmann, als er die Stimme meines Herrn hörte Überlegungen angestellt, ob im Gegensatz zu seiner Fundsache, womöglich Wände reden können. Die kurz zuvor am Hafen eingesammelte Kajira hatte es mit dem Reden nämlich so gar nicht… aber vielleicht war auch irgendwas mit ihren Ohren.


Das Mädchen war deswegen für die Sklavenhändlerin vermutlich eher uninteressant, außer eine Ohrspülung konnte doch noch Abhilfe schaffen. Leider bekam ich aber nur noch mit, dass es die grünkastige Hauptmanngefährtin mit dem offensichtlich taubstummen Mädchen bereits aufgegeben hatte, denn mein Herr machte nun Anstalten, seinen Rundgang fortzusetzen, nachdem er schnell noch seinen Hauptmann zum großen Sieg über die Wilden beglückwünscht hatte, die mit vereinten Kräften ja anscheinend glorreich niedergemetzelt worden waren. Leider erfuhr ich auch nicht mehr, was bei diesem Sieg so komisch gewesen war, dass sich der Hauptmann das nächste Mal von seinen jortsschen Kriegern verhauen lassen will, falls er sowas erneut mitmacht… zumindest sowas Ähnliches sagte er wohl.


Eigentlich schon fast auf dem Weg nach Hause, trafen wir unterwegs noch auf den Schmied und das Erste Schwert. Während mein Herr Letzterem natürlich ebenfalls zu dieser siegreichen Schlacht gegen die Mambas beglückwünschte, durfte ich dem Schmied seine spiegelpolierte Arbeit am lebenden Objekt vorführen, was für mich natürlich eine sehr große Ehre war. Die Männer waren sich jedenfalls einig, dass mir diese Luxus-Erweiterung sehr gut steht und wie angegossen sitzt. Übrigens hatte mein Herr die metallenen Cuffs tatsächlich so bezeichnet, nachdem sich der Krieger leicht verwundert erkundigt hatte, ob ich neuerdings den Hang zum Weglaufen habe. Mit seiner Auskunft „diese Luxus-Erweiterung ist praktisch, robust, sieht gut aus und verliert nicht an Wert…“ gab er sich dann aber zufrieden. Bei „praktisch“ hielt ich übrigens lieber meine Klappe und konzentrierte mich darauf, das nackte Eigentum meines Herrn, einschließlich der Luxus-Erweiterung möglichst gut zu präsentieren, sah diesen Aspekt aber eher kritisch. 


Leider bestätigte sich meine Skepsis kurz darauf, denn mein Versuch, meinem Herrn zuhause einen Paga mit auf dem Rücken gefesselten Händen zu servieren, hat ihn wohl nicht so wirklich erfreut. Immerhin war es mir wenigstens gelungen, keinen Paga zu verschütten, sodass mir außer einer Ohrfeige eine weitere Bestrafung erspart blieb, doch füllte die gezapfte Pagamenge den Becher leider nur halb. Meine Zapftechnik mit gefesselten Händen ist wohl noch etwas verbesserungsbedürftig und auf zweimal einen halben Becher Paga ließ sich mein sturer Herr leider nicht ein. *seufz* ;-))

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