Dienstag, 9. Juni 2015

Wegen Unzufriedenheit bestraft?

Mein Herr spürte mal wieder ein typisches Jucken in seiner Schwerthand… vermutlich eine Folgeerscheinung von Defiziten wegen fehlender kriegerischer Auseinandersetzungen mangels Feinden und fehlenden Waffentrainings aufgrund seiner vielen Tarnpatrouillen in der letzten Zeit. Es lag also nahe, einen der Krieger zu fragen, ob er Lust zu einem zusätzlichen Training hat. Gleich beim Krieger der Brauerei waren die Priesterkönige meinem Herrn offensichtlich wohlgesonnen, denn der Herr von San war nicht abgeneigt, dem Schwerthandjucken meines Herrn ein Ende zu bereiten und folgte ihm zur Trainingswiese.

Hach, es war wieder eine Freude für mich, den beiden geschickten Männern beim Kreuzen ihrer Schwertklingen zuzuschauen und ganz besonders natürlich meinem Herrn, der trotz Trainingsdefizit echt toll in Form war. Ok, ich gebe zu, für mich ist er sowieso immer der beste, geschickteste, größte und tollste Schwertkämpfer schlechthin, auch wenn sein Gegner ihn mal ins Gras schickt. Übrigens bestätigte auch das Erste Schwert, dass mein Herr schneller und besser geworden ist, obwohl er an die überragende Form dieses erfahrenen Kriegers noch nicht heran reicht.


Lustig war, dass die Gefährtin des Hauptmanns glaubte, sich im Tag geirrt zu haben. Die laut in der Stadt zu hörenden Schwerter der Rarii hatten sie nämlich nicht nur neugierig gemacht, sondern auch veranlasst, sichtlich irritiert zur Wiese zu laufen, wo ich sie dann aber beruhigen konnte, dass noch nicht Mitte der Hand ist und nur ein kleines Sondertraining für die juckende Rechte meines Herrn stattfindet. Als Grünkastige vermutete leider sofort eine Handverletzung bei ihm, ließ sich jedoch schnell davon überzeugen, dass diese Symptome bei Kriegern gelegentlich normal sind und nicht anderes behandelt werden müssen, als mit freundschaftlichem Waffentraining, wenn gerade kein Feind greifbar ist.


Nachdem das Training am Boden beendet war und die Tarnreiter zum Glück von einer Fortsetzung in der Luft abgesehen hatten… ich befürchtete nämlich, außer Genickstarre vom Hinaufschauen davon nicht allzu viel mitzubekommen… war es an der Zeit für den üblichen Rundgang meines Herrn. Von weitem entdeckten wir den neuen Kajirus der Sklavenhändlerin, der es allerdings sehr eilig hatte, in die Oberstadt zu kommen. Ihm nachdenklich hinterherschauend, überlegte mein Herr laut, ob dieser Sklave vielleicht mal frei gewesen ist oder ob er unfrei geboren wurde. Er war sich jedoch nicht sicher, dazu eine Antwort hören zu wollen, weil er nicht viel von knienden Männern hält und von freien Männern, die sich unterwerfen, noch weniger bis gar nichts. 

Während ich noch darüber nachdachte, ob es überhaupt ratsam ist, ihm Näheres über diesen Sklaven zu erzählen, sofern ich etwas über seine Herkunft herausbekommen sollte, erreichten wir den Hafen und trafen auf den Sattler, der dort anscheinend seiner Vorliebe für Häfen frönte. Das Erwähnen von Wasser war für mich natürlich die perfekte Gelegenheit, das Gespräch aufs Baden zu bringen, denn mein Herr hat es ja nicht so damit und hat mein Schwimmverbot im Vosk leider immer noch nicht wieder aufgehoben. Mist, der Lederarbeiter war mir jedoch keine Hilfe… ganz im Gegenteil. Genau wie mein Herr, hat auch er es leider nicht gerade mit den nassen Elementen und schon gar nicht mit fließenden Gewässern.


Der Sattler scheint wohl zu den Frostködeln zu gehören, denen Wasser meistens zu kalt ist, sodass er es vorzieht, sich lieber oberhalb der Wasseroberfläche mit Schiffen zu bewegen. Als weiteren Grund zum Meiden des Vosk, erwähnte er die gefährlichen Viecher, von denen ausgerechnet in dieser Ehn gerade eines auf der Suche nach Beute seine Runden im Hafenbecken drehte. Leider behauptete er noch zusätzlich, dass auch ich es nicht schaffe, einem Flussthalarion zu entwischen, weil es bei so gefährlichen Biestern egal ist, ob ich im Wasser zu einem Fisch werde und wie schnell ich schwimmen kann. Die Frage an meinen Herrn, ob und wann ich endlich wieder im Vosk baden darf, konnte ich mir also schenken.

Da Reden bekanntlich durstig macht und vom Stehen irgendwann die Füße platt werden, setzten die beiden Männer ihr Gespräch über die Vor- und Nachteile des Reisens per Schiff oder Tarn schließlich vor der Taverne bei einem Paga fort, zu dem mein Herr den Lederarbeiter einlud. Es war für ihn nicht nur eine gute Gelegenheit, sich für den letzten Paga im Haus des Sattlers zu revanchieren, sondern auch etwas gegen das Gerücht zu unternehmen, er sei knapp bei Kasse. Einer der Krieger scheint nämlich dieser Meinung zu sein und hatte mir für meine Dienste mit dem Hinweis, mein Herr habe es wohl nötig, ein Almosen ausgehändigt. Wie gut, dass mein Herr solche Beleidigungen ignoriert und den Krieger nicht erneut herausfordern wird wie seinerzeit, nachdem der ihm eine Münze vor die Füße geworfen hatte, dann aber ganz schnell neben seiner Münze auf dem Pflaster lag.


Der Lederarbeiter kam beim Paga übrigens erneut aufs Reisen zu sprechen. Er muss wohl demnächst einige Dinge in seinem Geburtsort erledigen, bei denen er vermutlich keine Kajira dabei haben will. Sein erstes Mädchen hat er anscheinend bereits für ein paar Hand an seinen Bruder verliehen und nun erkundigte er sich, ob er seine andere Sklavin in dieser Zeit bei meinem Herrn in Obhut geben kann. Da ich genau weiß, wie eine Kajira sich ohne ihren Herrn fühlt, hatte ich damit selbstverständlich keinerlei Probleme, bei dem was mein Herr dem Sattler jedoch grinsend erwiderte, musste ich allerdings schwer schlucken, um nicht in Tränen auszubrechen: „Es passt mir ganz gut, deine Kajira so lange an die Kette zu nehmen... dann hab ich einen Ersatz zum Felle wärmen. Ich bin nämlich Ende nächster Hand an der Reihe, Dina für einige Zeit an die Tarnstaffel zu verleihen.“

Ein paar Hand verleihen??? Es ist wohl klar, dass mich solche Worte erschrocken nach Luft schnappen ließen und ich mir den Kopf zermarterte, worüber mein Herr dermaßen unzufrieden mit mir war, dass er mich so hart bestraft. Wenigstens gelang es mir meine Klappe zu halten, um bei ihm nicht noch mehr in Ungnade zu fallen. Während der Lederarbeiter nun anfing, seine Mädchen und ihre Vorzüge in den höchsten Tönen zu loben, wurde ich immer kleiner und trauriger. So wirklich überzeugend war mein Gestammel über die Umsicht meines breit grinsenden Herrn wohl auch nicht, mich nicht an die Torwachen auszuleihen, die sich nur halb so oft waschen wie die Rekruten der Tarnstaffel, obwohl ich natürlich versucht habe, ihm meine Dankbarkeit zu zeigen und selbstverständlich stets mein Bestes geben werde, um ihm Ehre zu breiten.

Nachdem der Sattler sich verabschiedet hatte, wurde die Miene meins Herrn sehr ernst, bevor er mich mit gerunzelter Stirn nachdenklich ansah. "Du denkst, ich verleihe dich, weil ich unzufrieden mit dir bin, Kajira? Da hast du etwas völlig falsch verstanden, meine Scharlachrote!“ Seine nun folgenden Erklärungen über seine Verpflichtungen gegenüber der Tarnstaffel, konnte ich mir allerdings nicht merken, weil mein Kajiraherz einfach zu wild klopfte und ich viel zu durcheinander war. Doch den warmen Blick meines Herrn, während seine Hand erst über die Gravur auf meinem Kragen strich und dann über eine der beiden Metallfesseln oberhalb meiner Ellenbogen, werde ich bestimmt nie vergessen und noch weniger sein Lächeln bei den Worten: „Welchen Ersatz ich mir auch immer ab Ende nächster Hand während deiner Abwesenheit suche, meine Scharlachrote... es gibt nur eine die meinen Stahl trägt.“

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