Freitag, 31. Juli 2015

Wissen… gefährliches Gut?

Der Rundgang meines Herrn war kurz und ruhig, also ohne irgendwelche Vorkommnisse und auch der Marktplatz um diese frühe Ahn noch nicht bevölkert. Sogar der Sleen von Wachoffizier hatte an diesem Tag ein Einsehen gehabt und zwar ohne die vom Ex-Mentor meines Herrn vorgeschlagene Methode, die ungefähr so lautete: „Rechte Brust täuscht an, dann die linke fest ins Gesicht drücken und das Knie zwischen die Beine…“ Danach würde der Wachoffizier platt liegen und nicht mehr wissen, wo oben und unten ist. Das Beste daran aber wäre, noch weniger kann er sich erinnern, wen er schon wieder zu einer besonders doofen Wache einteilen wollte.


Es war also alles perfekt für einen ruhigen Feierabend-Paga auf der Bank vor der Terrasse, den ich unter den mir wie immer durch und durch gehenden Blicken meines Herrn, zusammen mit einer ordentlichen Portion rotseidener Hingabe servieren durfte… es war nämlich weit und breit kein Rockzipfel irgendeines Weibs in Sicht. Obwohl mein Herr mir sehr sanft über den Arm strich, bevor er mir den Pagabecher abnahm und kurz mit seiner Hand an dem Stahl um mein Handgelenk spielte, wurde mir jedoch leider klar, dass seine Gedanken nicht ganz bei seinem Eigentum waren, sondern vermutlich bei dem Schmied und dem so überraschend aufgetauchten Wissenden. 

Und so war es auch, denn nach dem ersten Schluck Paga trug er mir auf, ihn daran zu erinnern, dass er wegen dem Wissenden unbedingt noch mit seinem Freund sprechen will. Die ganze Sache mit diesem hohen Herrn aus der weißen Kaste und dem jortsschen, ursprünglich aber aus dem Norden stammenden Schmied, der es wohl immer noch mit Odin und nicht mit den Priesterkönigen hält, jetzt aber merkwürdigerweise dazu erwählt wurde, ihren Willen zu einer besonderen Angelegenheit zu vermitteln, kam übrigens nicht nur mir komisch vor. Wobei ich mich aus solchen Dingen natürlich herauszuhalten habe und vielleicht auch irgendetwas nicht ganz verstanden hatte. Vielleicht würde sich einiges ja in dem Gespräch mit dem Schmied klären?

Doch diese Klärung musste noch ein wenig warten, da nun der Neffe des Hauptmanns mit der Schreiberin auftauchte. Die beiden hatten sich anscheinend größte Mühe gegeben, den Ruf der Herrin zu ruinieren. Der Frischling hatte anscheinend im Haus der Herrin Möbel gerückt und sich dabei den Tunikarock zerrissen, den das Weib ihm dann geflickt hatte. Oh oh, ich traute meinen Ohren nicht, denn ich weiß von keinem Krieger, der unter seinem Tunikarock nicht nackt ist. Als ehemalige Erste einer Sklavenhändlerin versuchte ich daher schon mal abzuschätzen, welche Kragengröße die Frau wohl hatte, denn sie war kurz davor zu knien. Mein Herr war ähnlich irritiert über dieses ordinäre Benehmen, erkundigte sich aber vorsichtshalber noch einmal, ob die beiden tatsächlich alleine im Haus gewesen waren. Ja, sie waren alleine gewesen, allerdings hatte die Tür offen gestanden…na toll, wie sittsam!

Sichtlich erheitert darüber gab mein Herr der noch Freien dann lachend den Tipp: „Ach, die Tür war auf, Schreiberin… lass das alles bloß nicht unser Erstes Schwert hören und sei froh, dass der Händler noch nicht von seinen Reisen zurück ist... dein Ruf wäre ruiniert!" Den Neffen bedachte er mit einem total ernsten Blick und erkundigte sich, ob er inzwischen genug über den Kodex der Krieger gelernt hatte, um zu wissen, was er in einem solchen Fall tun muss. Ehre, Ruf und Hals der Blauen hingen in natürlich äußerst eng zusammen. Tja, dumm war nur, dass der junge Krieger sich damit rausreden wollte, das Möbelrücken sei lediglich ein Training und sonst nichts für ihn gewesen.


Dabei erinnerte mein Herr sich nämlich, dass der Neffe am Vortag das Waffentraining geschwänzt hatte. Es stellte sich heraus, erst mit einer Freien rummachen wegen Umzug und so… dann mit einer griffigen Sklavin in der Taverne entspannen und so… dabei kann man schon mal die Zeit vergessen. Oh oh… nun wurde es spannend. Mein Herr trank seinen Paga aus, warf mir den Becher zu und stand auf. "Ai, na das ist natürlich was anderes... so als herausragender Schwertkämpfer kann man sich schon mal das Training sparen für eine Kajira....". Danach zog er sein Schwert und zeigte dem Neffen seine Schwächen auf, also wie wenig herausragend er mit dieser Waffe immer noch ist… mitten auf dem Marktplatz!

Während ich der inzwischen nach Luft japsenden Schreiberin schnell ein Wasser holte, rückte mein Herr dem Jungspund noch ein wenig den Kopf zurecht. So wie es aussah, würde dieser nämlich seine erste Mission niemals überleben, wenn er denn irgendwann überhaupt mal auf eine geschickt wird. Was die beiden Krieger zuletzt dann noch besprachen, bekam ich nicht mehr mit, weil mein Herr seine Stimme ziemlich senkte. Ich vermute aber, es ging um den Kodex der Krieger, von dem freie Frauen und Sklavinnen ja bekanntlich nichts wissen dürfen.

Als sich schließlich der Sattler zur Runde auf dem Marktplatz dazu gesellte, wandten sich die Gespräche dem Besuch des Wissenden zu, denn der Herr hatte bislang offensichtlich nicht mitbekommen, dass die Kaste der Handwerker von den Priesterkönigen gesegnet wurde, weil doch der Schmied von dem Weißen als Vertrauensmann in einer Angelegenheit des Sardar heimgesucht… ähmm… aufgesucht worden war. Die Irritationen sämtlicher Anwesenden, die davon noch nichts mitbekommen hatten, waren jetzt natürlich entsprechend groß, zumal die Erinnerungen an das schreckliche Inferno in Jorts Fähre, als sich die Priesterkönige das letzte Mal um die Stadt gekümmert hatten, nach über 5 Märkten immer noch sehr präsent sind.

Die Aufregung wurde logischerweise nicht geringer dadurch, dass auch die Kriegerkaste irgendwie in diese Sache involviert ist, weil es ja anscheinend um die Aufnahme eines Mannes in selbige geht. Leider war der von dem Wissenden ins Vertrauen gezogene Schmied jedoch nicht anwesend und niemand konnte sagen, ob er überhaupt in der Stadt ist. Die Gerüchteküche fing also entsprechend an zu kochen. Meine Information, dass ich den Schmied noch am Vortag aus dem Fenster gesehen hatte, als er zusammen mit seiner Gefährtin und dem hohen Herrn mit der Fähre den Vosk überquerte, half natürlich auch nicht weiter, sondern führte zu weiterer Besorgnis.

Kein Wunder eigentlich, dass nun die ersten Bewohner schon überlegten, ob es nicht besser ist, Jorts für einige Zeit zu verlassen, während andere sich den Kopf zerbrachen, was oder noch besser wen man am opfern sollte, um für gute Stimmung im Sardar zu sorgen und die Priesterkönige milde zu stimmen. Opfer sind natürlich nie verkehrt und mein Herr gehört vermutlich sogar zu denjenigen, die am häufigsten opfern, nur schaute der Sattler ausgerechnet mich jetzt äußerst nachdenklich an… ich war ja die einzige anwesende Kajira. Zum Glück bremste mein Herr seine offensichtlichen Überlegungen in Sachen Opfer aber sogleich mit: „Denk nicht mal dran, Sattler, plündere erst den eigenen Sklavenkäfig!“


Trotzdem passte es perfekt, dass genau in dieser Ehn der Schmied auftauchte, der jetzt natürlich sofort mit Fragen bombardiert wurde. Doch da der Wissende offensichtlich nicht gewollt hatte, dass eine gewisse Angelegenheit gleich an die große Glocke gehängt wird, trat mein Herr dicht neben seinen Freund und murmelte: „Lass uns gleich mal reden... gehen wir besser hoch zu mir?“ Die Begeisterung der Anwesenden für diese Vorsichtsmaßnahme war, um es mal verhalten auszudrücken, gemäßigt. „Ihr könnt uns doch nicht einfach hier stehen lassen!“ Doch… konnten sie und taten sie auch, denn Wissen ist ein gefährliches Gut, das nur maßvoll verteilt werden sollte! Deswegen werde ich auch Stillschweigen darüber bewahren, was mein Herr von dem Schmied erfahren hat. ;-)))

Donnerstag, 30. Juli 2015

Überraschungen

Hach, es hat tatsächlich geklappt mit der Überraschung für meinen Herrn und zwar nicht nur mit dem frühen Aufstehen, während er noch schlief. Nein, auch der Händler hatte Wort gehalten, sodass schließlich eine Schale mit herrlich roten, wunderbar saftigen, sehr süßen Rambeeren darauf wartete, von meinem Herrn verspeist zu werden… natürlich nur der Inhalt! Kein Wunder also, dass meine Augen leuchteten, als ich mit dieser Köstlichkeit um die Hausecke flitzte, denn mein Herr saß inzwischen draußen auf seiner Sitzbank und genoss den Blick über den Hafen. Über meine stürmische Art lachend, entdeckte er natürlich sofort, was ich in meinen Händen hielt und begann nun ebenfalls zu strahlen. „Rambeeren? Oh, meine beste aller Kajirae!“ rief er sichtlich überrascht, aber total begeistert und nahm die Schale schnell entgegen, um sich gleich ein paar der leckeren Beeren in den Mund zu schieben.

Neugierig erkundigte er sich, woher ich die Früchte hatte, denn er nahm an, dass die Zeit dafür inzwischen schon vorbei war… er ist übrigens ein echter Rambeeren-Kenner. „Es ist nichts so scharlachrot wie diese Beeren, Kajira... eine wahre Kriegerspeise, wenn du mich fragst…“ erfuhr ich nun und wunderte mich ein wenig, dass er mir davon noch nie etwas erzählt hatte, sonst hätte ich vermutlich die doppelte Portion gekauft. Die Früchte verschwanden jedenfalls in einer Geschwindigkeit in seinem Mund, dass man fast glauben konnte, sie lösen sich schon in der Schale in Luft auf. Nur mit der letzten war offensichtlich irgendetwas, so nachdenklich wie mein Herr sie betrachtete. Ohje, womöglich ein Wurmloch?

Während ich nun eilig eingestand, dass ich die Rambeeren selbstverständlich vorher probiert hatte, zog er seine Stirn plötzlich in Falten. Und bevor ich ergänzen konnte, dass mir bei meinen Stichproben kein Wurm zwischen die Zähne geraten war, stellte mein Herr fest: „Ach, du hattest schon eine?“ Natürlich ließ ich Wurm jetzt erst mal Wurm sein und erläuterte eiligst, dass mein Vorkosten wegen der Qualität einfach ein unumgängliches Muss gewesen war, weil natürlich nur das Oberallerbeste gerade gut genug für ihn ist. Uff, er hatte gar nichts an der letzten Rambeere auszusetzen… mein Herr hielt sie mir jetzt nämlich zwinkernd vor den Mund. Ich denke eine Beschreibung, wie schlagartig mein Gequassel nun aufhörte, weil ich mir die Köstlichkeit schnell schnappte, erübrigt sich wohl?

Leider war inzwischen auch schon die Ahn des Waffentrainings angebrochen, doch irgendwie waren die meisten Krieger verhindert, sodass mein Herr nur relativ kurz mit seinem ehemaligen Mentor trainierte. Nicht allzu überraschend fand ich übrigens, sie sehr sie sich über ihre Motivation einig waren, nachdem der Krieger meinen Herrn gleich nach seinem Eintreffen fragte: „ Wo wollen wir trinken? Taverne oder Herberge?“ Doch pflichtbewusst wie die beiden ja trotzdem sind, war vorher natürlich erst noch Schwitzen und Schwertfuchteln angesagt. Außerdem wollte der Krieger sein Möglichstes geben, um meine Waschkünste zu befriedigen, was ihm trotz der Extraportion Rambeeren-Vitamine mal wieder gut gelang… über zu wenig Grasflecken in der Tunika meines Herrn konnte ich mich jedenfalls nicht beschweren.


Sorgen bereitete mir allerdings, dass mein Herr sich ständig seinen linken Oberarm rieb. Er hatte wohl Probleme mit seiner Abwehr und erkundigte sich nun ärgerlich brummend bei seinem Trainingsgegner, ob es angehen könne, dass die Verletzung seines Schildarms seit dem Duell mit dem Hauptmann immer noch manchmal Probleme macht. Doch irgendwie wollte der erfahrene Rarius davon nichts hören und knurrte lediglich zurück:“ Die Schildarme machen fast jedes Mal zur Mitte der Hand Probleme“. Eigentlich stand es mir ja nicht zu, mich in ein Gespräch zwischen Kriegern einzumischen, trotzdem konnte ich mir jedoch nicht verkneifen, meinen Herrn darauf hinzuweisen, dass sein Arm bei der Medica vielleicht noch Reparaturgarantie hatte.

Tja, kaum spricht man von der Grünen, schon taucht sie an der Wiese auf… das war schon fast unheimlich, in diesem Fall jedoch praktisch, denn mein Herr konnte seine Armbeschwerden gleich zur Sprache bringen. Leider stellte sich heraus, dass irgendwelche Garantieansprüche längst wie die Sohlen alter Sandalen abgelaufen sind. Mist, die sonst immer sehr freundliche Herrin hatte offensichtlich ihren schnippischen Tag... die Laufzeit ihrer Gefährtenschaft hat nichts mit ihren Behandlungen zu tun, mein Herr ist gesundheitlich sowieso voll auf der Höhe, Nachwehen des Duells seien nicht zu erkennen und außerdem habe er nach dem Duell ihre Behandlung abgelehnt. Na toll. Letztendlich fuhr sie ihre grünen Krallen aber wieder ein und wurde nett. Sie wies sie meinen Herrn freundlich darauf hin, dass es mit seiner Behandlung als Heimsteinangehöriger selbstverständlich kein Problem gibt und die Kosten von der Stadt getragen werden.

Inzwischen nahte dann schon wieder die nächste Wache meines Herrn, vor der er zuhause aber noch ein paar Dinge mit mir besprechen wollte, was mir natürlich überaus gut gefiel und auch, dass ich ihn danach zumindest ein kurzes Stück auf dem Weg zur Kriegerkaserne durch die Stadt begleiten durfte. Andernfalls hätte ich bestimmt verpasst, welch ungewöhnliche Überraschung sich vor der Schmiede befand… ein Wissender, anscheinend ziemlich alt, so zerknittert wie er aussah und Rückenprobleme hatte der Herr wohl auch. Ich muss gestehen, ich war über diese weiße Gestalt so total erstaunt und abgelenkt, dass ich nicht mit dem abrupten Stehenbleiben meines Herrn rechnete und ihn peinlicherweise leicht anrempelte. 

Wenn so unerwartet ein Mitglied der höchsten aller hohen Kasten Jorts Fähre mit seinem Besuch ehrt, wollte mein Herr ihm natürlich eine angemessene Begrüßung zukommen lassen. Leider blieben mir die näheren Details dieses Besuchs etwas unklar. Anscheinend hatte der Wissende kurz vor unserem Eintreffen gerade dem Schmied einen Auftrag erteilt, bevor er sich nun meinem Herrn zuwandte… seinen Namen wissen wollte und ob er der roten Kaste angehört. Dann stellte er sich selbst vor. Oha, er war nicht irgendein Wissender, sondern sogar oberster Wissender der Tempelanlage. Nachdem er etwas in einer mir unbekannten Sprache geflüstert hatte, forderte er meinen Herrn auf, näher zu treten.


Anscheinend hatte dieser hohe Besuch etwas mit den Forderungen eines Mannes zu tun, in die Kriegerkaste aufgenommen zu werden. Warum dieser Freie damit an einen Wissenden herangetreten war, erfuhr ich jedoch nicht. Es war jedenfalls ein Anliegen, das eine Entscheidung des Hauptmanns benötigt, weil er der Erste der roten Kaste von Jorts Fähre ist. Bevor mein Herr sich wegen seines Wachbeginns dann leider aber doch ziemlich schnell verabschieden musste, forderte der Wissende ihn noch auf, ihm behilflich zu sein und schlug schließlich vor, ihn in einigen Tagen zusammen mit dem Hauptmann zu besuchen. Er will ihm anscheinend über den Schmied, den er offenbar sehr gut kennt, eine Nachricht zukommen lassen. 

Hoffentlich schaffe ich es, bis zum Gespräch meines Herrn mit dem Schmied nicht zu platzen… natürlich aus reiner Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht! ;-))

Mittwoch, 29. Juli 2015

Männer...

…lieber bekleckert und nett, als mit Abheber-Syndrom und mieser Laune.

Die meisten Krieger waren auf Wache und sorgten für die Sicherheit der Stadt… so auch mein Herr. Er hatte leider noch eine Zusatzschicht aufgebrummt bekommen und war deswegen wohl kurz davor gewesen, dem Sleen von Wachoffizier seine Ehrerbietung auf eine ganz besondere und daher wohl ziemlich schmerzhafte Art zu zeigen…

Ich war also alleine in der Stadt unterwegs. Beim Überqueren des Marktplatzes hörte ich Stimmen vom Gasthaus und stellte fest, dass die Terrasse relativ gut besucht war. Vielleicht konnte ich mich dort nützlich ja machen? Luna war zwar bereits fleißig gewesen und hatte alle Anwesenden versorgt, dennoch kam ich anscheinend genau richtig für ein Problemchen namens Schokoladenfleck auf dem Oberteil eines Kriegers. Da dieser Fleck nach Meinung des Bekleckerten aufgrund seiner braunen Farbe nicht eindeutig als Schokoschmadderzeugs identifiziert werden konnte, forderte er mich nun zur Beseitigung dieser peinlichen Spuren auf. 

Mist, leider hatte der Herr bereits selbst daran gelutscht, sodass mir mein Einsatz mit gleicher Methode an dem Gemisch aus eingetrockneter Kriegerspucke mit kaum noch vorhandenem Schokoladengehalt wenig lecker und vor allem extrem aussichtslos erschien. Als einzige wirksame Lösung schlug ich daher waschen vor. Doch davon wollte der Rarius nun wiederum nichts hören, wegen Lieblingsoberteil und nicht nackt im Gasthaus sitzen und so. Während ich meine Begutachtung des Flecks darauf noch etwas mehr intensivierte, um vielleicht doch noch auf eine dem Herrn genehmere Lösung zu kommen, dabei logischerweise meine Hand unter sein Oberteil schob und mich gleichzeitig sehr weit vorbeugte, befahl er mir, es wenigstens mit meiner Spucke zu versuchen. Seine Begründung, Spucke wirkt ja auch bei Wunden oft Wunder, führte verständlicherweise zu einiger Erheiterung bei den Freien, während ich mir krampfhaft mein Kichern zu verkneifen versuchte. 

Wirklich schade… warum musste ausgerechnet jetzt ein Weib anwesend sein und dann auch noch die Gefährtin dieses Kriegers? In mir waren bei der näheren Untersuchung natürlich bereits einige andere Ideen zur Ergänzung eines Versuchs mit Spucke und Ablenkung des Kriegers von dem peinlichen Fleck gekeimt, doch auf Freiefrauengekeife wollte ich lieber verzichten. Es reichte schon, dass ich nicht vergessen durfte, meine Schenkel zusammenzukneifen. Wie gut, dass in dieser Ehn der ehemalige Mentor meines Herrn und die Sängerin eintrafen. In der Hoffnung, der Schokoladenfleck wird vielleicht auch irgendwann von alleine weggammeln, ließ der Krieger nämlich jetzt von mir und der braunen Hässlichkeit auf seinem Oberteil ab, um sich ganz dem großen Wiedersehen mit den beiden zu widmen. Während sich der Gefährte der Sängerin dann mit dem eintreffenden Schmied Richtung Schmiede verzog, erkundigte sich die Sängerin übrigens nach meinem Herrn und schien Gefallen an meinen Haaren zu finden, durch die sie mehrfach sehr sanft strich. 

Sie hatte sogar wegen den vielen langen Patrouillen meines Herrn Mitleid mit mir und meinte, er sollte in Sachen Einteilung zum Dienst das nächste Mal lieber mich zu dem fiesen Wachoffizier schicken... hmmm, ob ich da vielleicht etwas deichseln könnte? Eine Menge Ideen hätte ich ja und einen Versuch wäre es wohl wert… auf jeden Fall fand ich diesen Vorschlag besser, als den mir äußerst unverständlichen eines schlecht gelaunten Kriegers: „Dein Herr könnte den auch herausfordern, das macht er ja so gerne.“ Na gut, diese Behauptung muss ich aber wohl auch nicht verstehen. Vermutlich hatte der Rarius mal wieder seine Tage? Mit Hormonstau wäre auch erklärbar, warum ich neuerdings wieder meistens Luft für ihn bin und ebenfalls seine schlechte Laune wegen angeblicher Schummelei eines Kriegers beim Training, die ihn zwischendurch sogar veranlasste, sich zum Abstinken vorübergehend alleine an einen anderen Tisch zu setzen.


Die Erklärungen des Ex-Mentors meines Herrn, dass Trainings dazu dienen, den Ernstfall zu proben und zu üben… über Tore, die bei Angriffen eher durch Verrat geöffnet werden, als durch Erstürmen… und warum der Krieger auch mit diesem Training zufrieden sein sollte, weil im Krieg nämlich alles und jede Schandtat denkbar ist… stießen bei dem schlecht gelaunten Abgehobenen und seinem Syndrom leider auf komplett taube Ohren. Schade, aber ich konnte wirklich verstehen, warum der Gefährte der Sängerin schließlich seinen Kelch sichtlich verärgert und um einiges lauter als sonst auf den Tisch knallte und sich zurückzog… genau wie leider auch der nette Schmied, der Luna und mir übrigens ein Beutelchen mit leckeren Süßigkeiten geschenkt hatte. Da ich nun sicherlich wieder Luft sein würde, sah ich ebenfalls zu,  nach Hause zu kommen, um beim Genuss schlechter Laune nicht länger zu stören.

Dienstag, 28. Juli 2015

Ein neues Steuergesetz

…oder lieber doch nicht?

Die geplante Überraschung für meinen Herrn musste wegen viel Wichtigerem leider ausfallen. Warum wieso weshalb interessiert aber sicherlich niemanden, sodass ich mir hier nähere Einzelheiten lieber verkneife. Doch was die Überraschung anbelangt… abwarten, man sagt doch „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“.

Zu vorgerückter Ahn drängelte mein Herr mich schließlich, mir eilig etwas anzuziehen, da er vor seinem Wachantritt unbedingt noch einen Rundgang in die Stadt machen wollte. Naja, ein Rundgang wurde es dann doch nicht, sondern nur ein Gang bis zum Marktplatz und schließlich auf die Gasthausterrasse. Der Hauptmann und Oberauskenner in Sachen Pflastersteine beendete nämlich plötzlich das Platttreten selbiger. Vielleicht befürchtete er Plattfüße zu bekommen und verordnete sich zum Ausgleich nun vorsichtshalber noch ein wenig Plattsitzen von Kissen auf der Gasthausterrasse? Egal und vor allem der Reihe nach…

Meinen Herrn interessierten jedenfalls weder die Pflastersteine noch die Sitzkissenpolsterung. Stattdessen versuchte er von den am Brunnen versammelten Kriegern herauszubekommen, ob er während seiner langen Patrouillenflüge in den letzten Tagen etwas in Sacgeb Sicherheit und Ehre von Jorts Fähre verpasst hatte. Ähnlich ging es anscheinend dem Hauptmann, der aufgrund diverser Spätwachen ebenfalls nicht viel mitbekommen hatte und nun seinen Neffen aufforderte, zu berichten. Der Bericht war kurz, denn es gab weder Besonderes noch irgenwelche Probleme zu melden. Lediglich der heimgekehrte, hinter meinem Herrn wohnende Krieger und seine Parfümgefährtin wurden vermisst, was allerdings vorerst keinen Anlass zur Sorge gab, da vermutlich nur sein Tarn mal wieder mit ihm durchgegangen war, falls er sich nicht in der Oberstadt verlaufen hat.


Anders verhielt es sich mit dem Mündel meines Herrn. Obwohl der Hauptmann dem Weib in der roten Kaste Arbeit in Aussicht gestellt hatte, macht mein Herr sich Gedanken, weil sie seit einiger Zeit spurlos verschwunden zu sein scheint… niemand hatte sie gesehen. Oha, die Gnädigste drückt sich doch nicht womöglich vor der Arbeit? Für meinen Herrn war dieser Umstand jedenfalls Anlass, vorsichthalber noch einmal deutlich zu machen: „Ich betone, sie ist nicht blutsverwandt mit mir, Hauptmann... sich vor Arbeit zu drücken liegt so gar nicht in meiner Familie, aber so überhaupt nicht... nicht...!“ Merkwürdig, mir war nicht klar, warum die Schreiberin jetzt plötzlich anfing zu kichern und ich glaube, auch mein Herr verstand die Erheiterung der Blauen nicht, tat dies aber offenbar als unwichtig ab, weil anscheinend jede Kaste ihre eigenen Witze hat… oder so ähnlich sagte er wohl.

Die Aufmerksamkeit des Hauptmanns war nun allerdings auf diese Frau gelenkt. Er überlegte nämlich laut, dass er zwar nicht genau wisse, womit sich Schreiber beschäftigen, konnte sich aber durchaus vorstellen, dass diese Frau vielleicht dem Rat ein neues Steuergesetz vorlegt, das sicherlich dazu beitragen würde, sich allseits beliebt zu machen. Ist mehr Geld in der Stadtkasse, könnte nämlich der Sold der Krieger und aller bei der Stadt beschäftigten Bürger erhöht werden. Sämtliche anwesenden Krieger waren begeistert. Oho, nicht so jedoch die Schreiberin, denn anscheinend hatte ihr der Krieger von der Brauerei bereits eins vor den Bug gegeben und sie gewarnt… sobald sie seine Brauereierzeugnisse besteuern will, bekommt sie ein Problem mit ihm.


Mein Herr und der Hauptmann sahen nun ebenfalls ein Problem, außer die Krieger bleiben steuerfrei, was ja durchaus logisch ist… erst wegnehmen und dann mit dem Sold wieder geben macht ja auch gar keinen Sinn und außerdem viel zu viel Arbeit. Sie waren sich außerdem einig, dass eine Pagasteuer nichts ist, dafür aber die Besteuerung der niederen Kasten zum Wohle der hohen eine sehr gute Tradition hat, die nun unbedingt mit einem steuerfreien Paga begossen werden musste, zumal wie schon erwähnt, die Hauptmannsfüße inzwischen vermutlich genauso platt waren wie das Pflaster auf dem Marktplatz. Auf die besten Sitzkissen setzte jetzt also eine allgemeine Kissenflucht ein.

Das Steuerthema ging auf der Gasthausterrasse allerdings noch weiter und die Schreiberin befürchtete immer noch, sich Ärger einzuhandeln. Ihrer Meinung nach kostet es womöglich mehr, die Steuern zu erheben, als damit eingenommen werden kann. Die Gedankengänge des Hauptmanns, die niederen Kasten von Jorts Fähre würden in Begeisterung über die Steuerzahlungen ausbrechen, konnte sie anscheinend nicht so ganz nachvollziehen. Doch ich muss gestehen, dass ich den Gesprächen am Tisch jetzt nur noch mit halbem Ohr bis gar nicht mehr folgte, da ich mit dem Anhimmeln meines Herrn beschäftigt war.


Der sinkende Sonnenstand zeigte nämlich leider schon wieder an, dass seine nächste Patrouille unaufhörlich nahte, sodass ich es sehr genoss, mich schließlich in den wenigen noch verbleibenden Ehn vor seinem Dienstantritt möglichst eng an ihn zu schmiegen, nachdem er seinen Arm so herrlich besitzergreifend um meine Hüften geschlungen hatte. Mist, die Zeit verging wirklich wie im Flug und er konnte nicht mal in Ruhe seinen Paga austrinken... aber Dienst ist Dienst und mein Herr ist eben sehr pflichtbewusst.

Freitag, 24. Juli 2015

Ein neuer Krieger

Nachdem ich meinem Herrn die Grüße meiner früheren Herrin bestellt und von den neuen Bewohnern an seinem Heimstein berichtet hatte, die er wegen seiner momentan sehr ungünstigen Wachen noch nicht kannte, meinte er grinsend: „Kajira, zieh dich an, wir werden in die Stadt gehen… Frischlinge erschrecken.“ Der Zeitpunkt passte perfekt, denn der Neffe des Hauptmanns war auf dem Marktplatz im Gespräch mit der Schreiberin… von beiden hatte ich ihm zuvor erzählt. Es schien dort offensichtlich eine allgemeine Vorstellungsrunde zu sein, denn der Neffe stellte der Schreiberin gerade den Hauptmann als seinen Onkel Schreihals vor. Ganz schön frech, aber Recht hatte er schon irgendwie, denn niemand in Jorts plärrt so wie der Hauptmann… wenn er nicht brummt.


Da sich nun herausstellte, dass dieser junge Krieger noch total grün hinter den Ohren ist, konnte mein Herr sich nicht verkneifen, lachend auszurufen: „ Ein Frischling, Hauptmann?! Wie ist es mit einem Training?“ Natürlich hatte der Hauptmann keine Einwände gegen ein kleines Probetraining meines Herrn mit seinem Neffen, forderte jedoch, ihn ganz zu lassen. Merkwürdigerweise bevorzugte der Frischling übrigens erst einmal den Bogen und nicht das Schwert. Doch meinen Herrn schien das nicht zu wundern, da dies bei jungen Kriegern wohl nicht unüblich zu sein scheint. Ich machte mich selbstverständlich wie immer neben dem dicken Baum ganz klein, stellte jedoch sehr schnell fest, dass es dort zu unsicher war. 


Die Pfeile des Neuen streuten um einiges breiter, als ich es von den Trainings der erfahrenen Krieger kannte, sodass ich ganz schnell die kleine Baumgruppe hinter dem Sattlerhaus als Deckung wählte. Obwohl mein Herr wegen seines nahenden Wachantritts nicht allzu viel Zeit hatte, ließ er es sich jedoch nicht nehmen, zusätzlich zum Bogen noch eine Runde mit dem Schwert zu trainieren, winkte mich danach dann aber wieder heran. Während ich mit wiegenden Hüften lautlos durch das weiche Gras zu den Kriegern lief, bekam ich mit, wie mein Herr seinem Trainingspartner ein paar Tipps über Beinarbeit, Deckung und mehr Wumms gab, bevor er sich dem jungen Krieger richtig vorstellte: „Du hast übrigens mit Lucius, Krieger und Tarnreiter aus Jorts Fähre gekämpft“. „Ist mir eine Ehre... ich bin Tiu, Krieger in der Ausbildung und Neffe des Hauptmanns aus der wundervollen Stadt Ven“.

Da ich zuvor für meinen Herrn in Erfahrung gebracht hatte, dass die Sklavenhändlerin einer Unterredung mit ihm nicht abgeneigt war, beeilte er sich nun, diese Möglichkeit nicht verstreichen zu lassen. Es ging nämlich um die Rückzahlung seines Darlehens, das er sich nun mit hoher Verzinsung zurück erwartete. Seine Investition hatte sich tatsächlich gelohnt. Der Start dieser Herrin ins Sklavengeschäft hatte offenbar unter dem Wohlwollen der Priesterkönige gestanden und ganz ausgezeichnet floriert, sodass sie meinem Herrn jetzt einen dick mit Silbermünzen gefüllten Beutel überreichte, den er an mich weitergab. Oha, das Gewicht des Beutels zog das Seil um meine Hüften, an dem ich ihn sicherheitshalber befestigte, ganz schön nach unten, sodass ich zusätzlich eine Hand darum schlang.


Zum Glück konnte ich das viele Silber aber bald zuhause im geheimen Fach meines Herrn deponieren, denn vor seinem unaufhörlich näher rückenden Wachdienst blieb nur noch kurz Zeit für einen kleinen Plausch auf dem Marktplatz. Seine Bitte an die Priesterkönige, dass der für diese doofen Dienste zuständige, blöde Wachoffizier in Flammen aufgehen möge, wurde nämlich mal wieder nicht erhört. Dadurch erfuhr ich nicht mehr, wie es mit dem Ale für den hechelnden Neffen ausgegangen ist. Dieser hatte sich das Getränk nach Meinung des Ersten Schwerts wohl verdient, nachdem auch er den jungen Krieger noch über die Wiese gescheucht hatte. Allerdings meinte er zum Hauptmann, für das Ale sei eigentlich das Familienoberhaupt haftbar. Ich glaube, es gab eine gebrummte Zustimmung, allerdings mit der Ergänzung „Soldabzug“. 

Aber egal, so wirklich interessant fand ich den Ausgleich von Flüssigkeitsdefizit bei dem jungen Krieger dann doch nicht. Viel wichtiger war mir nämlich, vor seinem Aufbruch noch etwas Zeit für meinen Herrn zu haben. Danach hing ich wie so oft leider etwas durch, raffte mich aber schließlich noch einmal auf, weil mir eine tolle Idee gekommen war, mit der ich meinen Herrn nach seiner Heimkehr zu erfreuen hoffte. Ziel meiner Unternehmung war der Hafen. Doch an diesem Tag war ich offensichtlich zu spät dran, denn ich bekam nicht das, was ich suchte… zumindest nicht in der Qualität, die mir vorschwebte. Dafür hatte ich das Wort eines Händlers, das Gewünschte am nächsten Tag kaufen zu können… also eigentlich alles oberperfekt!


Höchstzufrieden mit mir und meiner Abmachung, wollte ich gerade den Weg nach Hause antreten, als ich jemanden an der Hafenmole entdeckte. Es war der nette Schmied, der dort den schönen Blick übers Wasser genoss. Um ihn nicht zu stören, näherte ich mich ihm leise, denn er saß dort ohne seine Gefährtin und deren Kajirus, aber auch ohne seine Wilde. Vielleicht wollte er mal alleine sein? Doch anscheinend war ich nicht leise genug. Er bemerkte mich sofort, war aber offensichtlich erfreut über meine Gesellschaft, sodass wir uns noch eine ganze Weile unterhielten. Über Gefährtin und Kajirus erfuhr ich allerdings nichts, stattdessen aber, dass er die untaugliche Wilde entsorgt hatte… dienen konnte und wollte sie nicht, rotseiden war sie auch nicht und auf ein Brett mit Warzen, das steif in den Fellen liegt, konnte er verzichten. 

Schade irgendwie, dass die Zeit viel zu schnell verging. Doch es half nichts, wegen meiner Besorgung musste ich am nächsten Morgen zeitig aufstehen, sodass ich mich schließlich schweren Herzens aufraffte und nach Hause lief… dabei kann der Schmied so wundervoll küssen!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Nur Geplänkel...

Obwohl mein Herr Wache hatte und deswegen leider nicht am Waffentraining teilnehmen konnte, machte ich mich auf den Weg zur Wiese, um dort vielleicht ein wenig den trainierenden Kriegern zuzusehen. Weit kam ich jedoch nicht. Beim Überqueren des Marktplatzes bemerkte ich auf der Gasthausterrasse eine mir unbekannte freie Frau, die mein Interesse weckte, denn neugierig bin ich ja nicht. Sie schaute sich irgendwie ratlos und suchend um… glaubte ich jedenfalls und lag mit meiner Vermutung tatsächlich richtig. Die Freie hatte einen Getränkewunsch und hielt nach der Wirtin Ausschau, die jedoch nirgends zu sehen war. Mein Auftauchen passte also perfekt und kaum war ich ihrem Wunsch nach einem Kalana nachgekommen, gesellten sich noch der Sattler und kurz darauf auch die Wirtin.

Während ich mich eiligst um einen Paga für den Lederarbeiter kümmerte, machte dieser sich mit der Fremden bekannt und ich bekam mit, dass sie aus Asperiche stammt und einige Hand wohl in Schendi verbracht hat. Inzwischen strömten übrigens auch die Krieger auf die Terrasse, um deren Bestellungen sich die Wirtin jedoch höchstpersönlich kümmerte. Die Herren waren sich mal wieder einig, dass das Beste am Training die Getränke danach sind, bei deren Servieren meine Hilfe jedoch nicht erwünscht war. Das von der Wirtin verordnete Ausruhen blieb selbstverständlich nicht ungenutzt… endlich konnte ich den seit einiger Zeit in Jorts wohnenden Neffen des Hauptmanns etwas genauer in Augenschein nehmen, natürlich möglichst unauffällig. Besonders interessant fand ich seine Nichtfrisu, erinnerte sie mich doch irgendwie an einen jungen Krieger aus Ar, der mir vor vier Märkten an seinem ersten Tag in Jorts übermütig einen Klaps auf den Po gegeben hatte.

Um Frisuren oder vielmehr um den Erlass des Stadtrats hinsichtlich der Frisuren freier Frauen drehte sich dann auch das Gespräch am Tisch. Der oberste Moralapostel von Jorts Fähre war allerdings nicht anwesend, sodass sich das Erste Schwert nun verpflichtet sah, die Fremde darauf hinzuweisen, dass an seinem Heimstein nur Sklavinnen ihre Haare offen tragen, Freie jedoch nicht. Merkwürdigerweise kannte der Brauereikrieger dieses Stadtgesetz gar nicht und die Wirtin fiel ebenfalls aus allen Wolken… aber die ist meines Wissens auch keine Heimsteinangehörige. Alle anwesenden Männer hatten zwar eigentlich kein Problem mit den offenen Haaren der fremden Herrin, wollten ihr Anecken beim ersten Händler jedoch vorsorglich verhindern, sodass der Frau nichts anderes übrig blieb, als sich auf der Suche nach ein paar Haarbändern in ihr Gasthauszimmer zurückzuziehen.


Ich glaube übrigens, die Kondition der Krieger ist nicht mehr das, was sie mal war. Mehr als ein Getränk schafften sie nämlich nicht und zogen sich dann in ihre Felle zurück… und zwar alle ohne Kajira! Dennoch wurde es auf der Gasthausterrasse trotzdem nicht leer. Ein leider seltener, aber sehr gern gesehener Gast tauchte nämlich auf und wurde von der Wirtin lustigerweise mit „Tal Fremde“ begrüßt… meine ehemalige Herrin!! Endlich hatte sie die ländliche Pampa ihres Landsitzes mal wieder verlassen, um ihrem Heimstein einen Besuch abzustatten. Ich glaube, ich habe vor Freude von einem Ohr zum anderen gestrahlt. Gut sah sie übrigens aus… die Landluft scheint ihrer Schönheit sehr gut zu bekommen… und auch sonst war sie ganz wie früher. Ihre ersten Worte an mich waren nämlich leicht pikiert: „Dina dein Oberteil ist verrutscht.“

Nach meiner Antwort „mei… ähhmmm… Herrin, meine nackte Brust ist Absicht!“ war das nun einsetzende, mehr oder weniger gut unterdrückte Lachen beim Sattler und Ravi eigentlich nur logisch. Zum Glück konnte ich aber mit der Ankündigung einer heißen Honigmilch die leicht missmutig gekräuselte Stirn meiner früheren Herrin schnell wieder glätten. Dieses ekelige, bevorzugt mit fieser Haut oben drauf getrunkene Getränk ist bei ihr offenbar immer noch sehr beliebt, auch wenn sie das selbstverständlich nicht zugab und die Milch als eine nur „ausnahmsweise gute Idee“ bezeichnete. Ich denke, es ist durchaus nachvollziehbar, dass ich mich ganz gewaltig ins Zeug legte, um die Honigmilch bloß nicht anbrennen zu lassen.

Obwohl ich mich also hochkonzentriert dem Topf auf dem Feuer widmete, lauschte ich natürlich nach draußen und bekam daher das Gespräch mit. Die Wirtin versucht sich nebenbei nämlich als Schusterin und stellte meiner Ex-Herrin die Frage, wie sie überhaupt auf ihren Schuhen laufen und das Gleichgewicht ohne Stöcker halten kann. Sie war wohl auf ein Geschäft aus. Ohje, ich glaube, da war jemandem gar nicht bewusst, welche Schuhe sie angezogen hatte, nämlich die feinen, zum Kleid passenden! Mir kam es jedenfalls so vor, als ob meine ehemalige Besitzerin dachte, sie hätte ihre grässlichen, leider heiß geliebten Treter an, von denen sie sich anscheinend immer noch nicht getrennt hat und das wohl auch nie tun wird!


„Na wie Stiefel sehen deine Schuhe nicht aus, sondern eher wie Schuhe, an die ein Tischler etwas dran gebastelt hat. Wäre ich so rumgelaufen, hätte unser Dorfjarl die sofort ins Feuer geworfen“, war selbstverständlich eine Behauptung, auf die eine entsprechende Erwiderung nicht ausbleiben durfte. Wie gut, dass ich in die Milch statt der üblichen zwei inzwischen einen Extralöffel Honig hinein gerührt hatte… eigentlich zur Feier dieses besonderen Tages. Bei der Entwicklung des Gespräches wurde mir dann jedoch schnell klar, ohne ihn und seine besänftigende Wirkung auf die spitze Zunge meiner ehemaligen Herrin, wäre die Wirtin noch früher von dannen gerauscht, weil sie dieser Waffe natürlich nicht mal ansatzweise gewachsen war.

So konzentriert, allerdings breit grinsend, wie der Sattler in seinen Pagabecher schaute, schien er die Beleidigungen der beiden sich angiftenden Weiber über Knochenbrecherschuhe, eine ehemalige Bond, die ihre Schultern halb nackt und einen Ausschnitt bis kurz vor dem Bauchnabel trägt und die Besserwisserei über einen Dorfjarl ganz unterhaltsam zu finden. Es war wirklich erstaunlich, dass er sich nicht an seinem Paga verschluckte. Selbstverständlich waren alles überhaupt keine Beleidigungen, sondern nur Geplänkel, das trotz eines Beschwichtigungsversuchs des Lederarbeiters schließlich wie gesagt mit dem Abgang der beleidigten Wirtin endete. „Wenn du meinst, hier deine Klappe aufreißen zu müssen, nur weil dein ehemaliger Gefährte da sitzt, dann tu es… aber nicht in meiner Gegenwart. Seid froh, dass ich hier keine Waffen benutzen darf und mich noch zusammenreiße, denn mein nordisches Blut kocht gerade.“

Der Sattler konnte sich auf diese wütenden Worte der aus dem Norden stammenden, schnaubenden Wirtin ein lautes Lachen endgültig nicht mehr verkneifen, Ravi versuchte ihre Erheiterung mit zuckenden Schultern durch meditatives Betrachten ihrer Hände in den Griff zu bekommen und auch wenn ich mir selbstverständlich sofort eine Hand vor den Mund schlug, war mein Losprusten einfach nicht zu verhindern. Tja und was machte meine ehemalige Herrin? Sie runzelte lediglich erstaunt eine Augenbraue, meinte leicht überrascht, dass sie wohl einen wunden Punkt getroffen habe und stellte zuletzt fest: „Du hast nie gefragt mein Lieber, zumindest nicht mich“. „Das stimmt Lady Teddy, ich ahnte, was du antworten würdest.“ 


Ich glaube übrigens, nicht nur ich fand es toll, dass meine frühere Herrin mal wieder zuhause war. Vielleicht merkt sie ja irgendwann doch noch, dass Heimsteinluft genauso gut wie Landluft ist… aber die Kontrolle des Namens auf meinem Kragen, kann sie sich auch zukünftig wirklich sparen! :-)))

Dienstag, 21. Juli 2015

Spannerpaga für Sicherheitsspanner

Gleich beim Eintreffen meines Herrn auf der Gasthausterrasse gab es erst einmal zwei fremde Kajirae zu mustern, die dem Ersten Schwert und dem Krieger von der Brauerei anscheinend vor kurzem zugelaufen waren. Während eine der Sklavinnen neben ihrem am Tisch sitzenden Eigentümer auf dem Bauch lag, plagte sich der Hauptmann mit der anderen herum, was sich trotz Knebel und Fesseln nicht so ganz einfach gestaltete und vom Brauereikrieger war weit und breit nichts zu sehen. Der Hauptmann schien daher ganz froh zu sein, dass mein Herr einverstanden war, mich zur Schmiede zu schicken, wo ich in Erfahrung bringen sollte, ob der Schmied Zeit für ein Branding hatte… vielleicht erhoffte er sich das äußerst aufmüpfige Mädchen hinterher etwas kleinlauter, denn der Knebel half nicht so wirklich.

Leider schwante mir vor der Schmiede sogleich, dass ich womöglich einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatte. Der Schmied war zwar da, hatte es sich jedoch auf seinem Stuhl vor dem Schleifstein gemütlich gemacht und sah aus, als würde er ein kleines Nickerchen halten. Erfreulicherweise lag ich mit meinen Befürchtungen aber daneben. Auf meine geflüsterte Begrüßung reagierte der Herr nämlich sofort und als er von mir dann auch noch erfuhr, dass es sich um die schwarzhaarige Wilde mit der dunklen Haut handelte, schien er nicht nur prompt hellwach zu sein, sondern total begeistert… glaub ich jedenfalls. Er sprach merkwürdigerweise nämlich von SEINER kleinen Panther, für deren Kef er schon das Feuer angeheizt hatte.

Zurück beim Gasthaus, wurde mir klar, dass es mit dem Schmiedekajirus wohl ein Missverständnis gegeben hatte. Doch einigermaßen froh darüber, diese trotz Knebel und Fesseln anstrengende Ungezähmte abliefern zu können, war sich der Hauptmann nicht zu schade, sie dann eben selbst zum Schmied zu bringen. Da mein Herr sich das Schauspiel mit diesem vor Wut schnaufenden und knurrenden Fang nicht entgehen lassen wollte, folgte er dem Hauptmann, sodass ich dort dann endlich Gelegenheit erhielt, die Ware etwas genauer zu mustern, die übrigens nicht nur wild und unerzogen war, sondern am ganzen Körper auch total beschädigte Haut hatte. Falls man ihr überhaupt Benehmen beibringen kann, wird sie mit solchen Bemalungen bestimmt keinen guten Preis erzielen.

So mitfühlend wie sich der Schmied nun wegen des verdreckten, mit Öl verschmierten Knebels im Mund der Panther benahm… der Hauptmann hatte nämlich einfach sein ekeliges Waffenreinigungstuch verwendet, um das Generve der Wilden zumindest etwas zu dämpfen… schien er tatsächlich etwas für die Dunkle übrig zu haben. Er fand im Gegensatz zu meinem Herrn und dem Hauptmann auch ihre Hautbemalungen nicht schlimm Naja, Geschmäcker sind verschieden und ich bin ganz froh, dass solch eine anstrengende Sklavin wohl nie an die Kette meines Herrn gelangen wird… zumindest nicht lange. 

Komischerweise hatte der Schmied an diesem Tag plötzlich Konzentrationsschwierigkeiten und warf alle hinaus, die nichts mit seiner Arbeit zu tun hatten. Keine Ahnung, ob die Überlegungen meines Herrn und des Hauptmanns die Ursache dafür waren, ob Schlachtgetümmel nun Musik oder doch lauter als eine Kajira ist, der ein glühendes Eisen auf den Schenkel gedrückt wird? Tja, Pech war nur, der Schmied hatte nicht bedacht, dass sich die Zuschauer nun taktisch klug mit direkter Sicht auf das Ziel vor der Schmiedemauer positionierten. Krieger sind selbstverständlich immer im Dienst und spannen natürlich nicht einfach nur so, sondern in diesem Fall rein aus Sicherheitsgründen und Verantwortungsbewusstsein. 


Freundlich wie der Schmied ja immer ist, hatte er schließlich aber doch noch ein Einsehen mit den beiden Sicherheitsspannern aus der roten Kaste und ließ ihnen von seinem Kajirus Spannerpaga servieren… na, wenn das kein Service für Zaungäste ist! Kein Wunder eigentlich, dass nun mit befeuchteten Zungen die Fachsimpelei über die Zähmung dieser Sklavin weiterging, vor allem wie hart man sie dafür in den Fellen rannehmen muss… der Hauptmann hielt mit seiner Expertenmeinung jedenfalls nicht hinter den Berg. Interessant fand ich auch, dass der Schmied schließlich nach getaner Arbeit bei der Rückgabe der Ware an den Hauptmann behauptete, nicht in das Mädchen verliebt zu sein, sondern sie nur deswegen kaufen will, weil er neugierig ist, wie ihre Hautbeschädigungen im Feuerschein aussehen! 


Oha, ich erinnere mich noch sehr gut an die Aussagen des Herrn „NIE wieder eine Kajira!“ und vor allem „NIEMALS eine Gefährtin!“. Doch daran habe ich sowieso nicht wirklich geglaubt und gönne ihm seine beiden Weiber natürlich. Einen Gefährtenvertrag hat er inzwischen ja nun schon unterschrieben und es schien ihm auch ganz gut in den Kram zu passen, dass der Hauptmann die Ungezähmte vor dem Fortsetzen seines Rundgangs loswerden wollte. Er erteilte ihm nämlich den Auftrag, die Kajira bis zur Rückkehr des Brauereikriegers in Obhut zu nehmen. 

Kurz bevor der Aufpasser der Dunklen Richtung Hafen verschwand, gesellte sich noch der Sattler dazu, um irgendetwas abzuholen, das der Schmied für ihn angefertigt hatte. Da der Lederarbeiter meinen Herrn länger nicht gesehen hatte, nutzte er die Gelegenheit für einen kleinen Plausch und erkundigte sich nach seinem Befinden. „Ach das Übliche... lange Ritte und so. Und übrigens, ich habe jetzt ein Mündel“, war selbstverständlich eine Neuigkeit, die einschließlich der Unterbringung dieses Weibs in der Mündelherberge… also im Schmiedekontor… etwas näher erläutert werden musste, während ich neugierig die auf Ravis Brüsten sich deutlich abzeichnenden Striemen musterte. 

Leider bekam ich nicht mehr genauer heraus, wie sie dazu gekommen war, denn ich hörte natürlich dem Gespräch der beiden Männer zu und konnte mal wieder meine Klappe nicht halten, als mein Herr dem Sattler von der Heimkehr des hinter seinem Haus wohnenden Kriegers erzählte und von dessen mit Parfüm und Duftölen handelnden Gefährtin. Ganz plötzlich platzte nämlich aus mir heraus, dass mein Herr jetzt Testdufter ist. Das war nicht nur total doof ausgedrückt, sondern er hat ja auch noch gar nicht getestet, die Neugier des Sattlers war jedoch geweckt. Mein Herr stellte natürlich schnell klar, dass die Parfümhändlerin ihm zum Testen ein bislang allerdings noch unbenutztes duftendes Massageöl geschenkt hatte und dass er für Massagen meine sanften Hände bevorzugt … und zwar pur, ohne künstlichen Duft. 


Die beiden Männer waren sich jedenfalls sehr einig darüber, für männliche Düfte kein Geld auszugeben. Selbstverständlich wäre es äußerst fatal, wenn ein Krieger beim Anpirschen im Wald oder beim Stehen in der Schlachtreihe zu gut riecht... der Mann und die ganze Kompanie könnten ruckzuck wegen zu viel unnatürlichem Duft ihr Leben verlieren! Doch den Priesterkönigen sie Dank, diese Gefahr besteht wohl nicht, denn die beiden Herren haben keine Probleme mit ihrem unparfümierten Geruch… Ravi und ich ja sowieso nicht… und wenn er ihnen mal nicht passt, wissen sie sich auch ohne Duftöl sehr gut zu helfen. Übrigens gefällt mir die eine Methode meines Herrn ganz besonders! ;-)))

Freitag, 17. Juli 2015

Unklare Begrifflichkeiten

Ich haderte nun schon den zweiten Tag etwas mit dem Wohlwollen der Priesterkönige, die es im Gegensatz zu mir offenbar in Ordnung fanden, dass mein Herr so doofe Wachen und Patrouillen erwischt hatte. Letztendlich gab es dann aber doch nichts mehr für mich, was noch im Haus erledigt werden musste, sodass ich mich aufraffte, um mich in der Stadt umzusehen. Vielleicht hatte ja irgendjemand Bedarf an meinen Diensten? So auf den ersten Blick sah es nicht danach aus, nachdem ich um die Ecke der Schmiede geschlendert war. Ich entdeckte auf dem Marktplatz nämlich nur eine mir unbekannte, in rote Roben gekleidete Freie, die ich natürlich neugierig, aber auch vorsichtig musterte… man kann ja nicht wissen, auf welche Ideen Waldfrauen bei ihren Verkleidungen kommen und Vorsicht ist nun mal die Mutter der Porzellankiste.

Als der Hauptmann dann aber am Brunnen auftauchte, flitzte ich einigermaßen erleichtert zu ihm. Natürlich war mir klar, dass ich damit in die Reichweite seiner Kopfpatscher gelangte, was sich leider auch sofort bestätigte. Letztendlich waren die dann aber zum Glück doch eher von der sanften Sorte und das Weib entpuppte sich als Mündel meines Herrn, das er während meiner Ausleihe geerbt hatte. Diese Litita… oder wie auch immer sie heißt… sprach den Hauptmann, der sich ihren Namen übrigens auch nicht merken konnte, nun darauf an, ob und wie sie sich in der roten Kaste nützlich machen könne. Damit erhielt sie auf meiner geheimen Liste übrigens einen kleinen Pluspunkt… mit eigenem Einkommen würde sie meinem Herrn also nicht auf der Tasche liegen.

Es stellte sich heraus, dass mein Herr dieser Frau anscheinend bereits einiges über mich erzählt hatte. Als der Hauptmann nämlich meinen Namen erwähnte, stockte sie und fragte gleich noch einmal nach, wie ich genannt werde. Was es dann hinter ihrem Schleier zu kichern gab, erschloss sich mir allerdings nicht, denn ich antwortete selbstverständlich wahrheitsgemäß: „Ja Herrin, ich werde Dina genannt, aber mein Herr ruft mich meistens Kajira oder auch... naja, anders.“ Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine freie Frau verstand, warum mein Herr mir oft andere Namen gab. Gewisse Dinge können sich Herrinnen nun mal nicht vorstellen und sind dafür wohl auch nicht geschaffen… andernfalls würden sie ja knien.


Da das Mündel meines Herrn lese- und schreibkundig ist, schlug der Hauptmann ihr nun vor, sich ab sofort um den Papierkram und die Buchhaltung der roten Kaste von Jorts Fähre zu kümmern oder auch auszuhelfen, wenn jemand etwas geschrieben haben möchte, weil sich die meisten Goreaner damit bekanntermaßen ja sehr schwer tun. Diesen ehrenhaften Posten nahm das Weib natürlich gerne an. Nachdem dann noch die Soldfrage geklärt war… die 20 Kupfer sollten übrigens direkt an meinen Herrn ausgezahlt werden, weil er ja ihr Vormund ist… durfte ich die Herrin zum Haus des Zeugmeisters bringen, der wohl bereits zugesagt hatte, seine neue Assistentin einzuweisen. 

Ehrlich gesagt war ich nun doch ganz froh, damit aus der Reichweite der Hauptmannshand zu kommen, die sich zunehmend auf meinem Kopf austobte, nachdem die Kajira der Sklavenhändlerin sich schrecklich daneben benahm, weil ihr etwas nicht in den Kram passte und mit Steinchen nach dem Hauptmann schmiss, bevor sie ihm auch noch die Zunge ausstreckte und damit unter Beweis stellte, wie talentfrei und schlecht erzogen sie ist. Außerdem versuchte sie sich mit ihren frechen Antworten einem Befehl ihrer Herrin zu widersetzen. Doch vielleicht habe ich da auch etwas falsch verstanden, weil ich nach einem weiteren Patscher des Hauptmanns... diesmal allerdings auf meinen Po... inzwischen versuchte, das Mündel in die Richtung des Zeugmeisterhauses zu lotsen.

Leider war der Zeitpunkt für diesen Besuch ziemlich ungünstig gewählt. Zum Einen bekam ich beim Weggehen nur noch bruchstückhaft mit, dass sich anscheinend ein Neffe des Hauptmanns in Jorts aufhält… Näheres dazu erfuhr ich jedoch leider nicht mehr… und dann blieb auch noch die Haustür des Zeugmeisters trotz intensiven Klopfens verschlossen. Vielleicht machte der Herr einen Mittagsschlaf oder was auch immer? „Wir werden warten oder später wiederkommen… Männer zu stören kann bös enden“, war eine weise Aussage der Roten, der ich wirklich zustimmen konnte. Das Warten nutzte die Herrin, um mir ihr Leid mit der schwergängigen Tür des Mündelkontors zu klagen.

Mir kam sofort in den Sinn, dass sich vielleicht ein Faden um die Türangel getüdelt hatte, denn das Mündel des Schmieds hatte dort doch bis vor kurzem ständig und ununterbrochen gesponnen… also Garn. Alternativ konnte aber vielleicht auch Öl helfen, was sich später dann tatsächlich als hilfreich herausstellte. Besonders interessant fand ich während unserer Wartezeit übrigens, ein paar weitere Dinge von der Gefährtenfeier des Schmieds zu erfahren, die mein Herr nur ganz knapp und am Rande erwähnt hatte… naja er ist eben ein Mann. Das besonders weit ausladende Kleid des Schmiedemündels hatte diese Frau anscheinend sehr beeindruckt und erinnerte mich nach ihrer Beschreibung an die Zelte meiner ehemaligen Herrin, die zwar der damaligen Mode entsprochen hatten, unter denen ich mich seinerzeit jedoch auch problemlos hätte verstecken können.


Mein Klopfen und unser Geschnatter muss schließlich wohl doch ans Ohr des Zeugmeisters vorgedrungen sein, denn plötzlich öffnete sich seine Haustür, in der er sich mit nicht gerade begeistertem Gesichtsausdruck aufbaute und uns finster musterte. Ich will ja nicht behaupten, dass der Krieger verpennt aussah, aber offensichtlich hatten wir seine Ruhe gestört und außerdem erinnerte er sich nicht mehr daran, dem Mündel meines Herrn auf der Feier des Schmieds vorgestellt worden zu sein. Der Start der Zusammenarbeit dieser beiden Herrschaften stand wegen eines Missverständnisses über die ungeklärten Begrifflichkeiten Assistenz zur Entlastung und Nachfolge jedenfalls unter einem äußerst ungünstigen Stern. Ich zog es daher vor, tunlichst meine Klappe zu halten und war froh, dass nach einigem Hin und Her beim Hauptmann eine Klärung herbeigeführt werden konnte.


Von dem tief verschleierten Mündel konnte ich ja nur die Augen sehen, aber so wie die funkelten und so wie sie immer wieder ihre Brauen zusammenzog, war sie vermutlich pikiert, ständig als Fremde bezeichnet zu werden. Doch das ist die Gnädigste nun mal für die meisten Bewohner, auch wenn sie vielleicht schon eine Weile in Jorts zu Gast ist… zumindest noch gehört sie nicht dem Heimstein an und ob sie ihm jemals angehören wird, dafür muss sie wohl noch einiges tun. Doch das geht eine Kajira nichts an. Ich war jedenfalls zufrieden mit mir, denn es war mir wohl ganz gut gelungen, mich gegenüber dieser Frau, die ja neuerdings nun zum Haus meines Herrn gehört, von meiner besten Seite zu zeigen… glaube ich jedenfalls. Mal sehn, ob das so bleibt… ich gebe natürlich stets mein Bestes, um meinem Herrn Ehre zu bereiten.^^

Mittwoch, 15. Juli 2015

Ein Fehlgriff?

Mein Herr hatte diesmal den schönsten Anblick des Tages… genau, so drückte er sich tatsächlich aus... etwas ausgiebiger genießen können. Seine grauen Augen waren nämlich sehr intensiv über meinen nackten Körper gewandert, während er sich mit mir über Dies und Das unterhielt. Doch dann kam netter Besuch vorbei und er wandte sein Augenmerk dem heimgekehrten Krieger zu, der inzwischen in das Haus hinter seinem eingezogen war. Nach einer sehr freundlichen Begrüßung gestand der Herr, halb verhungert zum Nörgeln und Schnorren von Essbarem vorbeigekommen zu sein. Der Ärmste beklagte sich über seinen Fehlgriff, ausgerechnet die einzige Frau auf Gor als Gefährtin erwischt zu haben, die nicht kochen kann und befürchtete, fast nur noch ein Strich in der Landschaft zu sein... was aber eigentlich nicht stimmte, denn ich fand, dass er immer noch so gut gebaut war wie früher.


Tja, für mich bestätigte sich jedenfalls mal wieder, dass ein Mann keine Gefährtin braucht, sondern eine Kajira! Ziemlich belustigt über die fehlenden Kochkünste der Herrin lud mein Herr seinen Schwertbruder sofort zu Obst und Paga ein, was mich etwas irritierte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass der ausgehungerte Krieger sich nach Obst wirklich satter fühlen würde. Doch kaum war ich Richtung Küche davon gesaust, bemerkte mein Herr seine Fehlentscheidung und rief mir lachend hinterher: "Kajira, bring auch noch Brot und Speck mit!" Übrigens nicht nur bei dieser Ergänzung zur Bestellung zeigte sich, wie vorausschauend es von mir gewesen war, die Haustür offen zu lassen, während ich das Essen zubereitete. Andernfalls wäre mir womöglich die Frage meines Herrn an seinen Nachbarn entgangen, ob das Weib wenigstens in den Fellen gut ist, wo sie schon nicht kochen kann. 

"Naja, wie soll sie in den Fellen schon sein… unerfahren und wie eine Freie halt. Aber es hätte schlimmer kommen können, die vier Märkte schaff ich schon“, beendete dieses Thema, sodass ich mich nun beeilte, den Paga zu servieren und mir dabei selbstverständlich nicht anmerken ließ, dass ich gelauscht hatte. Die beiden Herren sprachen über alte Traditionen und Ehre, die man hat oder eben nicht und wie schnell eine einst stolze und starke rote Kaste, die auf halb Gor gefürchtet und auf der anderen Hälfte geachtet ist, durch den Wahn einer Frau zugrunde gerichtet werden kann. Über die Oase der vier Dummschwätzer, die Oase der zwei Brotmesser und die Schande am Fayheen mit ihren Weibern, die nicht wissen wo ihr Platz ist und Männer, die es entweder auch nicht wissen oder zu schwach sind, um diese Frauen zurechtzuweisen, waren sie sich jedenfalls ziemlich einig und über mich irgendwie auch.


Der Krieger lächelte mich an. „Unglaublich, du bist immer da, Dina… schon an meinem ersten Tag in Jorts Fähre habe ich dich gesehen und jetzt bei meiner Heimkehr wieder… das ist unglaublich!“ Zum Glück gesellte sich in dieser Ehn seine Gefährtin dazu und rettete mich. Auch wenn ich mich über seine Worte und natürlich besonders über die meines mit mir sehr zufriedenen Herrn wahnsinnig gefreut habe, machten sie mich ganz schön verlegen. Nach einem Blick auf ihren Schinkenbrote vertilgenden Gefährten lenkte die Herrin jedenfalls von mir ab und war offensichtlich froh, dass ihr die Verpflegung den Kochkurs erspart hatte. Es war ihr vor allem anscheinend wichtig, sich zu erkundigten, ob mein Herr sich als Testobjekt für ihr neues Massageöl zur Verfügung stellt… wobei sie das Massieren selbstverständlich mir überlassen wollte. Die Freie ist nämlich eine Parfümhändlerin.

Der skeptische Blick meines Herrn besagte eigentlich ziemlich viel oder sogar fast alles, doch nach einigem Hin und Her über Männerparfüm aus Blut, Schweiß und Dreck, diverse andere Testmethoden, die nach Erörterung mit seinem Schwertbruder letztendlich jedoch alle wieder verworfen wurden, nahm er das Testfläschchen dann tatsächlich entgegen und stellte es neben sich auf die Bank. "Das Öl wird mein nächstes Bad sicher... bereichern...", ließ er auch nur recht zögerlich verlauten. Tja, also mal abwarten… zumindest an diesem Abend verzichtete er auf Bad und Massageöl, auch wenn meine zarten Hände es selbstverständlich sehr sanft auf seiner Haut verrieben hätten.^^

Dienstag, 14. Juli 2015

Wieder zuhause

Hach, trotz dieser wirklich tollen, allerdings auch sehr heißen Zeit im herrlich sonnigen Süden, war es nach drei Hand einfach unbeschreiblich schön, endlich wieder vor meinem Herrn niederzuknien. Ich glaube übrigens, so wie er mich anstrahlte, hat er sich genauso wie ich riesig darüber gefreut, dass ich wieder zuhause war. Doch leider konnten wir unser um die Wette Strahlen und die Wiedersehensfreude vorerst gar nicht so richtig auskosten. Es waren vom Hafen kommend nämlich plötzlich Schritte zu hören und eine mir nicht unbekannte Stimme grüßte meinen Herrn mit: „Ehre und Stahl, da bin ich wieder…“. 

Mist, zumindest für meinen Geschmack war der Zeitpunkt für das Auftauchen dieses manchmal etwas verrückten Kriegers denkbar schlecht, auch wenn ich diesen Herrn eigentlich ganz gerne mag, weil er in der Vergangenheit bezüglich meiner Dienste manchmal sehr lustige Wünsche gehabt hatte… ok, einmal war auch ein gefährlicher darunter gewesen, den ich jedoch unbeschadet gemeistert hatte. 

In diesem Fall fand ich sein Auftauchen jedoch überhaupt nicht lustig… hätte er nicht wenigstens noch eine Ahn warten können, um meinem Herrn irgendeine Freie vorzustellen, die er anscheinend geerbt hatte? Aber was soll’s, auch eine Kajira, die sich vor Glück kaum einkriegt, weil sie wieder zurück bei ihrem Herrn ist, hat natürlich ihre Klappe zu halten, wenn ein Krieger seinem Schwertbruder ein zur Gefährtin genommenes Erbe vorstellt. Wie gut, dass mein Herr die äußerst schlechten Vorzeichen dieser Gefährtenschaft aufgrund der Vertragsunterzeichnung in einem Ort mit sehr schändlichem Ruf, die auch noch von einer Verrückten bezeugt wurde, sofort erkannte und den Priesterkönigen ein Opfer bringen will, damit diese Verbindung trotzdem noch einen guten Gang nehmen möge. 

Wegen einer nachträglichen, angemessenen Feier am Heimstein scheint das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen worden zu sein, denn die würde die Priesterkönige bestimmt zusätzlich enorm besänftigen. Mein Herr gab dem Krieger daher den Tipp, seinen Freund, den Schmied, gelegentlich aufzusuchen, der während meiner Abwesenheit offenbar sein Mündel zur Gefährtin genommen und als Mann von Ehre selbstverständlich ein großes Fest ausgerichtet hatte... mit einem ordentlichen Buffet und reichlich Getränken. Irritierenderweise erfuhr ich in diesem Zusammenhang nun, dass das Schmiedekontor trotzdem weiter eine Mündelunterkunft bleibt… jetzt allerdings für das Mündel meines Herrn. Genau, ich glaubte zwar falsch gehört zu haben, aber Vormundschaften scheinen derzeit in Jorts tatsächlich in Mode gekommen zu sein!

Wie gut, dass sich der heimgekehrte Krieger jetzt verabschiedete, denn mein Herr muss mir angesehen haben, wie heftig es nach dieser Information in meinem Kopf rotierte. "Ja, Kajira, ich habe jetzt ein Mündel... und nein, nur weil es bei den Schmieden Sitte ist, Mündel zur Gefährtin zu nehmen, ist das bei Kriegern noch lange nicht so… ich denke jedenfalls nicht daran." Dann erzählte er mir ganz ausführlich, warum und wieso er Vormund geworden ist, doch das tut hier nichts weiter zur Sache. Für mich ist eigentlich nur wichtig, mein Herr ist nicht unglücklich darüber, dieses Mündel geerbt zu haben und ein wenig Verantwortung zu übernehmen, bis er für die Freie einen Gefährten gefunden hat… oder bis sie kniet, ergänzte ich in Gedanken natürlich noch, allerdings wirklich lautlos.


Der Hinweis auf den Schmied war für meinen Herrn übrigens der Anlass, diesen aufzusuchen, weil er bei ihm ein Siegel in Auftrag gegeben hatte… anscheinend ein Muss für jeden Mann, dessen Haus gewachsen ist, egal ob durch geerbten Zuwachs in Mündelform oder als Gefährtin. Der Hauptmann hatte sich nämlich ebenfalls solch ein Haudrauf bestellt. Wobei mein Herr mit seinem Freund zum Glück nicht mithalten kann, bei dem inzwischen nämlich noch eine Schwester aufgetaucht ist. Glaubt er jedenfalls, allerdings wusste er darüber nichts Näheres und die Frau war auch während unseres kurzen Besuchs beim Schmied nicht anwesend. Der Herr ist während der Zeit meiner Ausleihe übrigens in die äußerste Ecke der Oberstadt gezogen, aber anscheinend noch nicht fertig eingerichtet und auch das Spinnrad seines Mündels fehlt noch vor der Tür.


Über die noch ausstehende Gefährtenschaftsfeier zur Beruhigung der hohen Herren am Sardar informierte mein Herr den wie immer äußerst brummig aussehenden Hauptmann auf seinem Rundgang natürlich sofort, was dessen Brummen natürlich wie erwartet nicht gerade begeisterter klingen ließ, denn der Hauptmann ist ja ein großer Anhänger von freiem Saufen und Essen. Mein Herr versprach ihm daher, den fremdvergefährteten Krieger beim verabredeten zusätzlichen Schwerttraining ausgiebig Haudrauf zu geben und ihn ordentlich ins Gras beißen zu lassen. Sollte sich der ziemlich orientierungslose Rarius jedoch wueder in der Oberstadt verlaufen haben, wäre auch denkbar, ihn dort noch ein wenig herumirren zu lassen… zumindest habe ich den Hauptmann so verstanden. 


Doch erstaunlicherweise muss der Krieger aus der Oberstadt hinaus gefunden haben, sodass dem zusätzlichen Training mit ausgiebiger Grasverkostung nichts mehr entgegen stand. Mein Herr war nämlich echt in Höchstform und die Klinge seines Schwertbruders wohl etwas eingerostet... er kündigte schließlich nach einer letzten Runde aber trotzdem an: „So, jetzt wird es Zeit für das, was ich beinahe am Meisten vermisst habe... für meinen Zuhause-Paga!“ Zuhause meinte er dann zwinkernd, dass ich ihm nun zeigen darf, wie sehr ich es in den letzten drei Hand vermisst habe, ihm diesen Paga zu servieren und ergänzte breit grinsend: „Kajira... je schneller du servierst, desto schneller kommen wir zu dem, was ich in dieser Zeit am Meisten vermisst habe!"


Ich denke, es erübrigt sich, genauer zu beschreiben, wie schnell ich mit rotseidener Hingabe unter den gierigen Blicken meines Herrn servieren konnte, die nämlich nicht seinem Getränk galten………… :-)))))

Montag, 13. Juli 2015

Im Süden...

etwas feudaler, als auf dem Marktplatz von Jorts Fähre

Häuser einer Unterstadt

Blick zum Tarnturm

verarmter Landadel...

der sein Eigentum verkommen lässt!

Belohnung für eine Wasser-Urt... 
das Badeverbot im Vosk galt für die südliche Thassa nämlich nicht :-))