Freitag, 24. Juli 2015

Ein neuer Krieger

Nachdem ich meinem Herrn die Grüße meiner früheren Herrin bestellt und von den neuen Bewohnern an seinem Heimstein berichtet hatte, die er wegen seiner momentan sehr ungünstigen Wachen noch nicht kannte, meinte er grinsend: „Kajira, zieh dich an, wir werden in die Stadt gehen… Frischlinge erschrecken.“ Der Zeitpunkt passte perfekt, denn der Neffe des Hauptmanns war auf dem Marktplatz im Gespräch mit der Schreiberin… von beiden hatte ich ihm zuvor erzählt. Es schien dort offensichtlich eine allgemeine Vorstellungsrunde zu sein, denn der Neffe stellte der Schreiberin gerade den Hauptmann als seinen Onkel Schreihals vor. Ganz schön frech, aber Recht hatte er schon irgendwie, denn niemand in Jorts plärrt so wie der Hauptmann… wenn er nicht brummt.


Da sich nun herausstellte, dass dieser junge Krieger noch total grün hinter den Ohren ist, konnte mein Herr sich nicht verkneifen, lachend auszurufen: „ Ein Frischling, Hauptmann?! Wie ist es mit einem Training?“ Natürlich hatte der Hauptmann keine Einwände gegen ein kleines Probetraining meines Herrn mit seinem Neffen, forderte jedoch, ihn ganz zu lassen. Merkwürdigerweise bevorzugte der Frischling übrigens erst einmal den Bogen und nicht das Schwert. Doch meinen Herrn schien das nicht zu wundern, da dies bei jungen Kriegern wohl nicht unüblich zu sein scheint. Ich machte mich selbstverständlich wie immer neben dem dicken Baum ganz klein, stellte jedoch sehr schnell fest, dass es dort zu unsicher war. 


Die Pfeile des Neuen streuten um einiges breiter, als ich es von den Trainings der erfahrenen Krieger kannte, sodass ich ganz schnell die kleine Baumgruppe hinter dem Sattlerhaus als Deckung wählte. Obwohl mein Herr wegen seines nahenden Wachantritts nicht allzu viel Zeit hatte, ließ er es sich jedoch nicht nehmen, zusätzlich zum Bogen noch eine Runde mit dem Schwert zu trainieren, winkte mich danach dann aber wieder heran. Während ich mit wiegenden Hüften lautlos durch das weiche Gras zu den Kriegern lief, bekam ich mit, wie mein Herr seinem Trainingspartner ein paar Tipps über Beinarbeit, Deckung und mehr Wumms gab, bevor er sich dem jungen Krieger richtig vorstellte: „Du hast übrigens mit Lucius, Krieger und Tarnreiter aus Jorts Fähre gekämpft“. „Ist mir eine Ehre... ich bin Tiu, Krieger in der Ausbildung und Neffe des Hauptmanns aus der wundervollen Stadt Ven“.

Da ich zuvor für meinen Herrn in Erfahrung gebracht hatte, dass die Sklavenhändlerin einer Unterredung mit ihm nicht abgeneigt war, beeilte er sich nun, diese Möglichkeit nicht verstreichen zu lassen. Es ging nämlich um die Rückzahlung seines Darlehens, das er sich nun mit hoher Verzinsung zurück erwartete. Seine Investition hatte sich tatsächlich gelohnt. Der Start dieser Herrin ins Sklavengeschäft hatte offenbar unter dem Wohlwollen der Priesterkönige gestanden und ganz ausgezeichnet floriert, sodass sie meinem Herrn jetzt einen dick mit Silbermünzen gefüllten Beutel überreichte, den er an mich weitergab. Oha, das Gewicht des Beutels zog das Seil um meine Hüften, an dem ich ihn sicherheitshalber befestigte, ganz schön nach unten, sodass ich zusätzlich eine Hand darum schlang.


Zum Glück konnte ich das viele Silber aber bald zuhause im geheimen Fach meines Herrn deponieren, denn vor seinem unaufhörlich näher rückenden Wachdienst blieb nur noch kurz Zeit für einen kleinen Plausch auf dem Marktplatz. Seine Bitte an die Priesterkönige, dass der für diese doofen Dienste zuständige, blöde Wachoffizier in Flammen aufgehen möge, wurde nämlich mal wieder nicht erhört. Dadurch erfuhr ich nicht mehr, wie es mit dem Ale für den hechelnden Neffen ausgegangen ist. Dieser hatte sich das Getränk nach Meinung des Ersten Schwerts wohl verdient, nachdem auch er den jungen Krieger noch über die Wiese gescheucht hatte. Allerdings meinte er zum Hauptmann, für das Ale sei eigentlich das Familienoberhaupt haftbar. Ich glaube, es gab eine gebrummte Zustimmung, allerdings mit der Ergänzung „Soldabzug“. 

Aber egal, so wirklich interessant fand ich den Ausgleich von Flüssigkeitsdefizit bei dem jungen Krieger dann doch nicht. Viel wichtiger war mir nämlich, vor seinem Aufbruch noch etwas Zeit für meinen Herrn zu haben. Danach hing ich wie so oft leider etwas durch, raffte mich aber schließlich noch einmal auf, weil mir eine tolle Idee gekommen war, mit der ich meinen Herrn nach seiner Heimkehr zu erfreuen hoffte. Ziel meiner Unternehmung war der Hafen. Doch an diesem Tag war ich offensichtlich zu spät dran, denn ich bekam nicht das, was ich suchte… zumindest nicht in der Qualität, die mir vorschwebte. Dafür hatte ich das Wort eines Händlers, das Gewünschte am nächsten Tag kaufen zu können… also eigentlich alles oberperfekt!


Höchstzufrieden mit mir und meiner Abmachung, wollte ich gerade den Weg nach Hause antreten, als ich jemanden an der Hafenmole entdeckte. Es war der nette Schmied, der dort den schönen Blick übers Wasser genoss. Um ihn nicht zu stören, näherte ich mich ihm leise, denn er saß dort ohne seine Gefährtin und deren Kajirus, aber auch ohne seine Wilde. Vielleicht wollte er mal alleine sein? Doch anscheinend war ich nicht leise genug. Er bemerkte mich sofort, war aber offensichtlich erfreut über meine Gesellschaft, sodass wir uns noch eine ganze Weile unterhielten. Über Gefährtin und Kajirus erfuhr ich allerdings nichts, stattdessen aber, dass er die untaugliche Wilde entsorgt hatte… dienen konnte und wollte sie nicht, rotseiden war sie auch nicht und auf ein Brett mit Warzen, das steif in den Fellen liegt, konnte er verzichten. 

Schade irgendwie, dass die Zeit viel zu schnell verging. Doch es half nichts, wegen meiner Besorgung musste ich am nächsten Morgen zeitig aufstehen, sodass ich mich schließlich schweren Herzens aufraffte und nach Hause lief… dabei kann der Schmied so wundervoll küssen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen