Dienstag, 28. Juli 2015

Ein neues Steuergesetz

…oder lieber doch nicht?

Die geplante Überraschung für meinen Herrn musste wegen viel Wichtigerem leider ausfallen. Warum wieso weshalb interessiert aber sicherlich niemanden, sodass ich mir hier nähere Einzelheiten lieber verkneife. Doch was die Überraschung anbelangt… abwarten, man sagt doch „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“.

Zu vorgerückter Ahn drängelte mein Herr mich schließlich, mir eilig etwas anzuziehen, da er vor seinem Wachantritt unbedingt noch einen Rundgang in die Stadt machen wollte. Naja, ein Rundgang wurde es dann doch nicht, sondern nur ein Gang bis zum Marktplatz und schließlich auf die Gasthausterrasse. Der Hauptmann und Oberauskenner in Sachen Pflastersteine beendete nämlich plötzlich das Platttreten selbiger. Vielleicht befürchtete er Plattfüße zu bekommen und verordnete sich zum Ausgleich nun vorsichtshalber noch ein wenig Plattsitzen von Kissen auf der Gasthausterrasse? Egal und vor allem der Reihe nach…

Meinen Herrn interessierten jedenfalls weder die Pflastersteine noch die Sitzkissenpolsterung. Stattdessen versuchte er von den am Brunnen versammelten Kriegern herauszubekommen, ob er während seiner langen Patrouillenflüge in den letzten Tagen etwas in Sacgeb Sicherheit und Ehre von Jorts Fähre verpasst hatte. Ähnlich ging es anscheinend dem Hauptmann, der aufgrund diverser Spätwachen ebenfalls nicht viel mitbekommen hatte und nun seinen Neffen aufforderte, zu berichten. Der Bericht war kurz, denn es gab weder Besonderes noch irgenwelche Probleme zu melden. Lediglich der heimgekehrte, hinter meinem Herrn wohnende Krieger und seine Parfümgefährtin wurden vermisst, was allerdings vorerst keinen Anlass zur Sorge gab, da vermutlich nur sein Tarn mal wieder mit ihm durchgegangen war, falls er sich nicht in der Oberstadt verlaufen hat.


Anders verhielt es sich mit dem Mündel meines Herrn. Obwohl der Hauptmann dem Weib in der roten Kaste Arbeit in Aussicht gestellt hatte, macht mein Herr sich Gedanken, weil sie seit einiger Zeit spurlos verschwunden zu sein scheint… niemand hatte sie gesehen. Oha, die Gnädigste drückt sich doch nicht womöglich vor der Arbeit? Für meinen Herrn war dieser Umstand jedenfalls Anlass, vorsichthalber noch einmal deutlich zu machen: „Ich betone, sie ist nicht blutsverwandt mit mir, Hauptmann... sich vor Arbeit zu drücken liegt so gar nicht in meiner Familie, aber so überhaupt nicht... nicht...!“ Merkwürdig, mir war nicht klar, warum die Schreiberin jetzt plötzlich anfing zu kichern und ich glaube, auch mein Herr verstand die Erheiterung der Blauen nicht, tat dies aber offenbar als unwichtig ab, weil anscheinend jede Kaste ihre eigenen Witze hat… oder so ähnlich sagte er wohl.

Die Aufmerksamkeit des Hauptmanns war nun allerdings auf diese Frau gelenkt. Er überlegte nämlich laut, dass er zwar nicht genau wisse, womit sich Schreiber beschäftigen, konnte sich aber durchaus vorstellen, dass diese Frau vielleicht dem Rat ein neues Steuergesetz vorlegt, das sicherlich dazu beitragen würde, sich allseits beliebt zu machen. Ist mehr Geld in der Stadtkasse, könnte nämlich der Sold der Krieger und aller bei der Stadt beschäftigten Bürger erhöht werden. Sämtliche anwesenden Krieger waren begeistert. Oho, nicht so jedoch die Schreiberin, denn anscheinend hatte ihr der Krieger von der Brauerei bereits eins vor den Bug gegeben und sie gewarnt… sobald sie seine Brauereierzeugnisse besteuern will, bekommt sie ein Problem mit ihm.


Mein Herr und der Hauptmann sahen nun ebenfalls ein Problem, außer die Krieger bleiben steuerfrei, was ja durchaus logisch ist… erst wegnehmen und dann mit dem Sold wieder geben macht ja auch gar keinen Sinn und außerdem viel zu viel Arbeit. Sie waren sich außerdem einig, dass eine Pagasteuer nichts ist, dafür aber die Besteuerung der niederen Kasten zum Wohle der hohen eine sehr gute Tradition hat, die nun unbedingt mit einem steuerfreien Paga begossen werden musste, zumal wie schon erwähnt, die Hauptmannsfüße inzwischen vermutlich genauso platt waren wie das Pflaster auf dem Marktplatz. Auf die besten Sitzkissen setzte jetzt also eine allgemeine Kissenflucht ein.

Das Steuerthema ging auf der Gasthausterrasse allerdings noch weiter und die Schreiberin befürchtete immer noch, sich Ärger einzuhandeln. Ihrer Meinung nach kostet es womöglich mehr, die Steuern zu erheben, als damit eingenommen werden kann. Die Gedankengänge des Hauptmanns, die niederen Kasten von Jorts Fähre würden in Begeisterung über die Steuerzahlungen ausbrechen, konnte sie anscheinend nicht so ganz nachvollziehen. Doch ich muss gestehen, dass ich den Gesprächen am Tisch jetzt nur noch mit halbem Ohr bis gar nicht mehr folgte, da ich mit dem Anhimmeln meines Herrn beschäftigt war.


Der sinkende Sonnenstand zeigte nämlich leider schon wieder an, dass seine nächste Patrouille unaufhörlich nahte, sodass ich es sehr genoss, mich schließlich in den wenigen noch verbleibenden Ehn vor seinem Dienstantritt möglichst eng an ihn zu schmiegen, nachdem er seinen Arm so herrlich besitzergreifend um meine Hüften geschlungen hatte. Mist, die Zeit verging wirklich wie im Flug und er konnte nicht mal in Ruhe seinen Paga austrinken... aber Dienst ist Dienst und mein Herr ist eben sehr pflichtbewusst.

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