Mittwoch, 29. Juli 2015

Männer...

…lieber bekleckert und nett, als mit Abheber-Syndrom und mieser Laune.

Die meisten Krieger waren auf Wache und sorgten für die Sicherheit der Stadt… so auch mein Herr. Er hatte leider noch eine Zusatzschicht aufgebrummt bekommen und war deswegen wohl kurz davor gewesen, dem Sleen von Wachoffizier seine Ehrerbietung auf eine ganz besondere und daher wohl ziemlich schmerzhafte Art zu zeigen…

Ich war also alleine in der Stadt unterwegs. Beim Überqueren des Marktplatzes hörte ich Stimmen vom Gasthaus und stellte fest, dass die Terrasse relativ gut besucht war. Vielleicht konnte ich mich dort nützlich ja machen? Luna war zwar bereits fleißig gewesen und hatte alle Anwesenden versorgt, dennoch kam ich anscheinend genau richtig für ein Problemchen namens Schokoladenfleck auf dem Oberteil eines Kriegers. Da dieser Fleck nach Meinung des Bekleckerten aufgrund seiner braunen Farbe nicht eindeutig als Schokoschmadderzeugs identifiziert werden konnte, forderte er mich nun zur Beseitigung dieser peinlichen Spuren auf. 

Mist, leider hatte der Herr bereits selbst daran gelutscht, sodass mir mein Einsatz mit gleicher Methode an dem Gemisch aus eingetrockneter Kriegerspucke mit kaum noch vorhandenem Schokoladengehalt wenig lecker und vor allem extrem aussichtslos erschien. Als einzige wirksame Lösung schlug ich daher waschen vor. Doch davon wollte der Rarius nun wiederum nichts hören, wegen Lieblingsoberteil und nicht nackt im Gasthaus sitzen und so. Während ich meine Begutachtung des Flecks darauf noch etwas mehr intensivierte, um vielleicht doch noch auf eine dem Herrn genehmere Lösung zu kommen, dabei logischerweise meine Hand unter sein Oberteil schob und mich gleichzeitig sehr weit vorbeugte, befahl er mir, es wenigstens mit meiner Spucke zu versuchen. Seine Begründung, Spucke wirkt ja auch bei Wunden oft Wunder, führte verständlicherweise zu einiger Erheiterung bei den Freien, während ich mir krampfhaft mein Kichern zu verkneifen versuchte. 

Wirklich schade… warum musste ausgerechnet jetzt ein Weib anwesend sein und dann auch noch die Gefährtin dieses Kriegers? In mir waren bei der näheren Untersuchung natürlich bereits einige andere Ideen zur Ergänzung eines Versuchs mit Spucke und Ablenkung des Kriegers von dem peinlichen Fleck gekeimt, doch auf Freiefrauengekeife wollte ich lieber verzichten. Es reichte schon, dass ich nicht vergessen durfte, meine Schenkel zusammenzukneifen. Wie gut, dass in dieser Ehn der ehemalige Mentor meines Herrn und die Sängerin eintrafen. In der Hoffnung, der Schokoladenfleck wird vielleicht auch irgendwann von alleine weggammeln, ließ der Krieger nämlich jetzt von mir und der braunen Hässlichkeit auf seinem Oberteil ab, um sich ganz dem großen Wiedersehen mit den beiden zu widmen. Während sich der Gefährte der Sängerin dann mit dem eintreffenden Schmied Richtung Schmiede verzog, erkundigte sich die Sängerin übrigens nach meinem Herrn und schien Gefallen an meinen Haaren zu finden, durch die sie mehrfach sehr sanft strich. 

Sie hatte sogar wegen den vielen langen Patrouillen meines Herrn Mitleid mit mir und meinte, er sollte in Sachen Einteilung zum Dienst das nächste Mal lieber mich zu dem fiesen Wachoffizier schicken... hmmm, ob ich da vielleicht etwas deichseln könnte? Eine Menge Ideen hätte ich ja und einen Versuch wäre es wohl wert… auf jeden Fall fand ich diesen Vorschlag besser, als den mir äußerst unverständlichen eines schlecht gelaunten Kriegers: „Dein Herr könnte den auch herausfordern, das macht er ja so gerne.“ Na gut, diese Behauptung muss ich aber wohl auch nicht verstehen. Vermutlich hatte der Rarius mal wieder seine Tage? Mit Hormonstau wäre auch erklärbar, warum ich neuerdings wieder meistens Luft für ihn bin und ebenfalls seine schlechte Laune wegen angeblicher Schummelei eines Kriegers beim Training, die ihn zwischendurch sogar veranlasste, sich zum Abstinken vorübergehend alleine an einen anderen Tisch zu setzen.


Die Erklärungen des Ex-Mentors meines Herrn, dass Trainings dazu dienen, den Ernstfall zu proben und zu üben… über Tore, die bei Angriffen eher durch Verrat geöffnet werden, als durch Erstürmen… und warum der Krieger auch mit diesem Training zufrieden sein sollte, weil im Krieg nämlich alles und jede Schandtat denkbar ist… stießen bei dem schlecht gelaunten Abgehobenen und seinem Syndrom leider auf komplett taube Ohren. Schade, aber ich konnte wirklich verstehen, warum der Gefährte der Sängerin schließlich seinen Kelch sichtlich verärgert und um einiges lauter als sonst auf den Tisch knallte und sich zurückzog… genau wie leider auch der nette Schmied, der Luna und mir übrigens ein Beutelchen mit leckeren Süßigkeiten geschenkt hatte. Da ich nun sicherlich wieder Luft sein würde, sah ich ebenfalls zu,  nach Hause zu kommen, um beim Genuss schlechter Laune nicht länger zu stören.

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