Donnerstag, 23. Juli 2015

Nur Geplänkel...

Obwohl mein Herr Wache hatte und deswegen leider nicht am Waffentraining teilnehmen konnte, machte ich mich auf den Weg zur Wiese, um dort vielleicht ein wenig den trainierenden Kriegern zuzusehen. Weit kam ich jedoch nicht. Beim Überqueren des Marktplatzes bemerkte ich auf der Gasthausterrasse eine mir unbekannte freie Frau, die mein Interesse weckte, denn neugierig bin ich ja nicht. Sie schaute sich irgendwie ratlos und suchend um… glaubte ich jedenfalls und lag mit meiner Vermutung tatsächlich richtig. Die Freie hatte einen Getränkewunsch und hielt nach der Wirtin Ausschau, die jedoch nirgends zu sehen war. Mein Auftauchen passte also perfekt und kaum war ich ihrem Wunsch nach einem Kalana nachgekommen, gesellten sich noch der Sattler und kurz darauf auch die Wirtin.

Während ich mich eiligst um einen Paga für den Lederarbeiter kümmerte, machte dieser sich mit der Fremden bekannt und ich bekam mit, dass sie aus Asperiche stammt und einige Hand wohl in Schendi verbracht hat. Inzwischen strömten übrigens auch die Krieger auf die Terrasse, um deren Bestellungen sich die Wirtin jedoch höchstpersönlich kümmerte. Die Herren waren sich mal wieder einig, dass das Beste am Training die Getränke danach sind, bei deren Servieren meine Hilfe jedoch nicht erwünscht war. Das von der Wirtin verordnete Ausruhen blieb selbstverständlich nicht ungenutzt… endlich konnte ich den seit einiger Zeit in Jorts wohnenden Neffen des Hauptmanns etwas genauer in Augenschein nehmen, natürlich möglichst unauffällig. Besonders interessant fand ich seine Nichtfrisu, erinnerte sie mich doch irgendwie an einen jungen Krieger aus Ar, der mir vor vier Märkten an seinem ersten Tag in Jorts übermütig einen Klaps auf den Po gegeben hatte.

Um Frisuren oder vielmehr um den Erlass des Stadtrats hinsichtlich der Frisuren freier Frauen drehte sich dann auch das Gespräch am Tisch. Der oberste Moralapostel von Jorts Fähre war allerdings nicht anwesend, sodass sich das Erste Schwert nun verpflichtet sah, die Fremde darauf hinzuweisen, dass an seinem Heimstein nur Sklavinnen ihre Haare offen tragen, Freie jedoch nicht. Merkwürdigerweise kannte der Brauereikrieger dieses Stadtgesetz gar nicht und die Wirtin fiel ebenfalls aus allen Wolken… aber die ist meines Wissens auch keine Heimsteinangehörige. Alle anwesenden Männer hatten zwar eigentlich kein Problem mit den offenen Haaren der fremden Herrin, wollten ihr Anecken beim ersten Händler jedoch vorsorglich verhindern, sodass der Frau nichts anderes übrig blieb, als sich auf der Suche nach ein paar Haarbändern in ihr Gasthauszimmer zurückzuziehen.


Ich glaube übrigens, die Kondition der Krieger ist nicht mehr das, was sie mal war. Mehr als ein Getränk schafften sie nämlich nicht und zogen sich dann in ihre Felle zurück… und zwar alle ohne Kajira! Dennoch wurde es auf der Gasthausterrasse trotzdem nicht leer. Ein leider seltener, aber sehr gern gesehener Gast tauchte nämlich auf und wurde von der Wirtin lustigerweise mit „Tal Fremde“ begrüßt… meine ehemalige Herrin!! Endlich hatte sie die ländliche Pampa ihres Landsitzes mal wieder verlassen, um ihrem Heimstein einen Besuch abzustatten. Ich glaube, ich habe vor Freude von einem Ohr zum anderen gestrahlt. Gut sah sie übrigens aus… die Landluft scheint ihrer Schönheit sehr gut zu bekommen… und auch sonst war sie ganz wie früher. Ihre ersten Worte an mich waren nämlich leicht pikiert: „Dina dein Oberteil ist verrutscht.“

Nach meiner Antwort „mei… ähhmmm… Herrin, meine nackte Brust ist Absicht!“ war das nun einsetzende, mehr oder weniger gut unterdrückte Lachen beim Sattler und Ravi eigentlich nur logisch. Zum Glück konnte ich aber mit der Ankündigung einer heißen Honigmilch die leicht missmutig gekräuselte Stirn meiner früheren Herrin schnell wieder glätten. Dieses ekelige, bevorzugt mit fieser Haut oben drauf getrunkene Getränk ist bei ihr offenbar immer noch sehr beliebt, auch wenn sie das selbstverständlich nicht zugab und die Milch als eine nur „ausnahmsweise gute Idee“ bezeichnete. Ich denke, es ist durchaus nachvollziehbar, dass ich mich ganz gewaltig ins Zeug legte, um die Honigmilch bloß nicht anbrennen zu lassen.

Obwohl ich mich also hochkonzentriert dem Topf auf dem Feuer widmete, lauschte ich natürlich nach draußen und bekam daher das Gespräch mit. Die Wirtin versucht sich nebenbei nämlich als Schusterin und stellte meiner Ex-Herrin die Frage, wie sie überhaupt auf ihren Schuhen laufen und das Gleichgewicht ohne Stöcker halten kann. Sie war wohl auf ein Geschäft aus. Ohje, ich glaube, da war jemandem gar nicht bewusst, welche Schuhe sie angezogen hatte, nämlich die feinen, zum Kleid passenden! Mir kam es jedenfalls so vor, als ob meine ehemalige Besitzerin dachte, sie hätte ihre grässlichen, leider heiß geliebten Treter an, von denen sie sich anscheinend immer noch nicht getrennt hat und das wohl auch nie tun wird!


„Na wie Stiefel sehen deine Schuhe nicht aus, sondern eher wie Schuhe, an die ein Tischler etwas dran gebastelt hat. Wäre ich so rumgelaufen, hätte unser Dorfjarl die sofort ins Feuer geworfen“, war selbstverständlich eine Behauptung, auf die eine entsprechende Erwiderung nicht ausbleiben durfte. Wie gut, dass ich in die Milch statt der üblichen zwei inzwischen einen Extralöffel Honig hinein gerührt hatte… eigentlich zur Feier dieses besonderen Tages. Bei der Entwicklung des Gespräches wurde mir dann jedoch schnell klar, ohne ihn und seine besänftigende Wirkung auf die spitze Zunge meiner ehemaligen Herrin, wäre die Wirtin noch früher von dannen gerauscht, weil sie dieser Waffe natürlich nicht mal ansatzweise gewachsen war.

So konzentriert, allerdings breit grinsend, wie der Sattler in seinen Pagabecher schaute, schien er die Beleidigungen der beiden sich angiftenden Weiber über Knochenbrecherschuhe, eine ehemalige Bond, die ihre Schultern halb nackt und einen Ausschnitt bis kurz vor dem Bauchnabel trägt und die Besserwisserei über einen Dorfjarl ganz unterhaltsam zu finden. Es war wirklich erstaunlich, dass er sich nicht an seinem Paga verschluckte. Selbstverständlich waren alles überhaupt keine Beleidigungen, sondern nur Geplänkel, das trotz eines Beschwichtigungsversuchs des Lederarbeiters schließlich wie gesagt mit dem Abgang der beleidigten Wirtin endete. „Wenn du meinst, hier deine Klappe aufreißen zu müssen, nur weil dein ehemaliger Gefährte da sitzt, dann tu es… aber nicht in meiner Gegenwart. Seid froh, dass ich hier keine Waffen benutzen darf und mich noch zusammenreiße, denn mein nordisches Blut kocht gerade.“

Der Sattler konnte sich auf diese wütenden Worte der aus dem Norden stammenden, schnaubenden Wirtin ein lautes Lachen endgültig nicht mehr verkneifen, Ravi versuchte ihre Erheiterung mit zuckenden Schultern durch meditatives Betrachten ihrer Hände in den Griff zu bekommen und auch wenn ich mir selbstverständlich sofort eine Hand vor den Mund schlug, war mein Losprusten einfach nicht zu verhindern. Tja und was machte meine ehemalige Herrin? Sie runzelte lediglich erstaunt eine Augenbraue, meinte leicht überrascht, dass sie wohl einen wunden Punkt getroffen habe und stellte zuletzt fest: „Du hast nie gefragt mein Lieber, zumindest nicht mich“. „Das stimmt Lady Teddy, ich ahnte, was du antworten würdest.“ 


Ich glaube übrigens, nicht nur ich fand es toll, dass meine frühere Herrin mal wieder zuhause war. Vielleicht merkt sie ja irgendwann doch noch, dass Heimsteinluft genauso gut wie Landluft ist… aber die Kontrolle des Namens auf meinem Kragen, kann sie sich auch zukünftig wirklich sparen! :-)))

Kommentare:

  1. Ich habe keine Schulterzuckungen, Dina, das gehörte selbstverständlich zur Meditation! Als ob ich es wagen würde, über Gefährtenabsichten oder Nichtabsichten meines Herrn zu lachen...! *grinst unschuldig*

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  2. Vertrauen ist gut, Kontrolle.. ;-)

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