Donnerstag, 30. Juli 2015

Überraschungen

Hach, es hat tatsächlich geklappt mit der Überraschung für meinen Herrn und zwar nicht nur mit dem frühen Aufstehen, während er noch schlief. Nein, auch der Händler hatte Wort gehalten, sodass schließlich eine Schale mit herrlich roten, wunderbar saftigen, sehr süßen Rambeeren darauf wartete, von meinem Herrn verspeist zu werden… natürlich nur der Inhalt! Kein Wunder also, dass meine Augen leuchteten, als ich mit dieser Köstlichkeit um die Hausecke flitzte, denn mein Herr saß inzwischen draußen auf seiner Sitzbank und genoss den Blick über den Hafen. Über meine stürmische Art lachend, entdeckte er natürlich sofort, was ich in meinen Händen hielt und begann nun ebenfalls zu strahlen. „Rambeeren? Oh, meine beste aller Kajirae!“ rief er sichtlich überrascht, aber total begeistert und nahm die Schale schnell entgegen, um sich gleich ein paar der leckeren Beeren in den Mund zu schieben.

Neugierig erkundigte er sich, woher ich die Früchte hatte, denn er nahm an, dass die Zeit dafür inzwischen schon vorbei war… er ist übrigens ein echter Rambeeren-Kenner. „Es ist nichts so scharlachrot wie diese Beeren, Kajira... eine wahre Kriegerspeise, wenn du mich fragst…“ erfuhr ich nun und wunderte mich ein wenig, dass er mir davon noch nie etwas erzählt hatte, sonst hätte ich vermutlich die doppelte Portion gekauft. Die Früchte verschwanden jedenfalls in einer Geschwindigkeit in seinem Mund, dass man fast glauben konnte, sie lösen sich schon in der Schale in Luft auf. Nur mit der letzten war offensichtlich irgendetwas, so nachdenklich wie mein Herr sie betrachtete. Ohje, womöglich ein Wurmloch?

Während ich nun eilig eingestand, dass ich die Rambeeren selbstverständlich vorher probiert hatte, zog er seine Stirn plötzlich in Falten. Und bevor ich ergänzen konnte, dass mir bei meinen Stichproben kein Wurm zwischen die Zähne geraten war, stellte mein Herr fest: „Ach, du hattest schon eine?“ Natürlich ließ ich Wurm jetzt erst mal Wurm sein und erläuterte eiligst, dass mein Vorkosten wegen der Qualität einfach ein unumgängliches Muss gewesen war, weil natürlich nur das Oberallerbeste gerade gut genug für ihn ist. Uff, er hatte gar nichts an der letzten Rambeere auszusetzen… mein Herr hielt sie mir jetzt nämlich zwinkernd vor den Mund. Ich denke eine Beschreibung, wie schlagartig mein Gequassel nun aufhörte, weil ich mir die Köstlichkeit schnell schnappte, erübrigt sich wohl?

Leider war inzwischen auch schon die Ahn des Waffentrainings angebrochen, doch irgendwie waren die meisten Krieger verhindert, sodass mein Herr nur relativ kurz mit seinem ehemaligen Mentor trainierte. Nicht allzu überraschend fand ich übrigens, sie sehr sie sich über ihre Motivation einig waren, nachdem der Krieger meinen Herrn gleich nach seinem Eintreffen fragte: „ Wo wollen wir trinken? Taverne oder Herberge?“ Doch pflichtbewusst wie die beiden ja trotzdem sind, war vorher natürlich erst noch Schwitzen und Schwertfuchteln angesagt. Außerdem wollte der Krieger sein Möglichstes geben, um meine Waschkünste zu befriedigen, was ihm trotz der Extraportion Rambeeren-Vitamine mal wieder gut gelang… über zu wenig Grasflecken in der Tunika meines Herrn konnte ich mich jedenfalls nicht beschweren.


Sorgen bereitete mir allerdings, dass mein Herr sich ständig seinen linken Oberarm rieb. Er hatte wohl Probleme mit seiner Abwehr und erkundigte sich nun ärgerlich brummend bei seinem Trainingsgegner, ob es angehen könne, dass die Verletzung seines Schildarms seit dem Duell mit dem Hauptmann immer noch manchmal Probleme macht. Doch irgendwie wollte der erfahrene Rarius davon nichts hören und knurrte lediglich zurück:“ Die Schildarme machen fast jedes Mal zur Mitte der Hand Probleme“. Eigentlich stand es mir ja nicht zu, mich in ein Gespräch zwischen Kriegern einzumischen, trotzdem konnte ich mir jedoch nicht verkneifen, meinen Herrn darauf hinzuweisen, dass sein Arm bei der Medica vielleicht noch Reparaturgarantie hatte.

Tja, kaum spricht man von der Grünen, schon taucht sie an der Wiese auf… das war schon fast unheimlich, in diesem Fall jedoch praktisch, denn mein Herr konnte seine Armbeschwerden gleich zur Sprache bringen. Leider stellte sich heraus, dass irgendwelche Garantieansprüche längst wie die Sohlen alter Sandalen abgelaufen sind. Mist, die sonst immer sehr freundliche Herrin hatte offensichtlich ihren schnippischen Tag... die Laufzeit ihrer Gefährtenschaft hat nichts mit ihren Behandlungen zu tun, mein Herr ist gesundheitlich sowieso voll auf der Höhe, Nachwehen des Duells seien nicht zu erkennen und außerdem habe er nach dem Duell ihre Behandlung abgelehnt. Na toll. Letztendlich fuhr sie ihre grünen Krallen aber wieder ein und wurde nett. Sie wies sie meinen Herrn freundlich darauf hin, dass es mit seiner Behandlung als Heimsteinangehöriger selbstverständlich kein Problem gibt und die Kosten von der Stadt getragen werden.

Inzwischen nahte dann schon wieder die nächste Wache meines Herrn, vor der er zuhause aber noch ein paar Dinge mit mir besprechen wollte, was mir natürlich überaus gut gefiel und auch, dass ich ihn danach zumindest ein kurzes Stück auf dem Weg zur Kriegerkaserne durch die Stadt begleiten durfte. Andernfalls hätte ich bestimmt verpasst, welch ungewöhnliche Überraschung sich vor der Schmiede befand… ein Wissender, anscheinend ziemlich alt, so zerknittert wie er aussah und Rückenprobleme hatte der Herr wohl auch. Ich muss gestehen, ich war über diese weiße Gestalt so total erstaunt und abgelenkt, dass ich nicht mit dem abrupten Stehenbleiben meines Herrn rechnete und ihn peinlicherweise leicht anrempelte. 

Wenn so unerwartet ein Mitglied der höchsten aller hohen Kasten Jorts Fähre mit seinem Besuch ehrt, wollte mein Herr ihm natürlich eine angemessene Begrüßung zukommen lassen. Leider blieben mir die näheren Details dieses Besuchs etwas unklar. Anscheinend hatte der Wissende kurz vor unserem Eintreffen gerade dem Schmied einen Auftrag erteilt, bevor er sich nun meinem Herrn zuwandte… seinen Namen wissen wollte und ob er der roten Kaste angehört. Dann stellte er sich selbst vor. Oha, er war nicht irgendein Wissender, sondern sogar oberster Wissender der Tempelanlage. Nachdem er etwas in einer mir unbekannten Sprache geflüstert hatte, forderte er meinen Herrn auf, näher zu treten.


Anscheinend hatte dieser hohe Besuch etwas mit den Forderungen eines Mannes zu tun, in die Kriegerkaste aufgenommen zu werden. Warum dieser Freie damit an einen Wissenden herangetreten war, erfuhr ich jedoch nicht. Es war jedenfalls ein Anliegen, das eine Entscheidung des Hauptmanns benötigt, weil er der Erste der roten Kaste von Jorts Fähre ist. Bevor mein Herr sich wegen seines Wachbeginns dann leider aber doch ziemlich schnell verabschieden musste, forderte der Wissende ihn noch auf, ihm behilflich zu sein und schlug schließlich vor, ihn in einigen Tagen zusammen mit dem Hauptmann zu besuchen. Er will ihm anscheinend über den Schmied, den er offenbar sehr gut kennt, eine Nachricht zukommen lassen. 

Hoffentlich schaffe ich es, bis zum Gespräch meines Herrn mit dem Schmied nicht zu platzen… natürlich aus reiner Wissbegier, denn neugierig bin ich ja nicht! ;-))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen