Freitag, 17. Juli 2015

Unklare Begrifflichkeiten

Ich haderte nun schon den zweiten Tag etwas mit dem Wohlwollen der Priesterkönige, die es im Gegensatz zu mir offenbar in Ordnung fanden, dass mein Herr so doofe Wachen und Patrouillen erwischt hatte. Letztendlich gab es dann aber doch nichts mehr für mich, was noch im Haus erledigt werden musste, sodass ich mich aufraffte, um mich in der Stadt umzusehen. Vielleicht hatte ja irgendjemand Bedarf an meinen Diensten? So auf den ersten Blick sah es nicht danach aus, nachdem ich um die Ecke der Schmiede geschlendert war. Ich entdeckte auf dem Marktplatz nämlich nur eine mir unbekannte, in rote Roben gekleidete Freie, die ich natürlich neugierig, aber auch vorsichtig musterte… man kann ja nicht wissen, auf welche Ideen Waldfrauen bei ihren Verkleidungen kommen und Vorsicht ist nun mal die Mutter der Porzellankiste.

Als der Hauptmann dann aber am Brunnen auftauchte, flitzte ich einigermaßen erleichtert zu ihm. Natürlich war mir klar, dass ich damit in die Reichweite seiner Kopfpatscher gelangte, was sich leider auch sofort bestätigte. Letztendlich waren die dann aber zum Glück doch eher von der sanften Sorte und das Weib entpuppte sich als Mündel meines Herrn, das er während meiner Ausleihe geerbt hatte. Diese Litita… oder wie auch immer sie heißt… sprach den Hauptmann, der sich ihren Namen übrigens auch nicht merken konnte, nun darauf an, ob und wie sie sich in der roten Kaste nützlich machen könne. Damit erhielt sie auf meiner geheimen Liste übrigens einen kleinen Pluspunkt… mit eigenem Einkommen würde sie meinem Herrn also nicht auf der Tasche liegen.

Es stellte sich heraus, dass mein Herr dieser Frau anscheinend bereits einiges über mich erzählt hatte. Als der Hauptmann nämlich meinen Namen erwähnte, stockte sie und fragte gleich noch einmal nach, wie ich genannt werde. Was es dann hinter ihrem Schleier zu kichern gab, erschloss sich mir allerdings nicht, denn ich antwortete selbstverständlich wahrheitsgemäß: „Ja Herrin, ich werde Dina genannt, aber mein Herr ruft mich meistens Kajira oder auch... naja, anders.“ Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine freie Frau verstand, warum mein Herr mir oft andere Namen gab. Gewisse Dinge können sich Herrinnen nun mal nicht vorstellen und sind dafür wohl auch nicht geschaffen… andernfalls würden sie ja knien.


Da das Mündel meines Herrn lese- und schreibkundig ist, schlug der Hauptmann ihr nun vor, sich ab sofort um den Papierkram und die Buchhaltung der roten Kaste von Jorts Fähre zu kümmern oder auch auszuhelfen, wenn jemand etwas geschrieben haben möchte, weil sich die meisten Goreaner damit bekanntermaßen ja sehr schwer tun. Diesen ehrenhaften Posten nahm das Weib natürlich gerne an. Nachdem dann noch die Soldfrage geklärt war… die 20 Kupfer sollten übrigens direkt an meinen Herrn ausgezahlt werden, weil er ja ihr Vormund ist… durfte ich die Herrin zum Haus des Zeugmeisters bringen, der wohl bereits zugesagt hatte, seine neue Assistentin einzuweisen. 

Ehrlich gesagt war ich nun doch ganz froh, damit aus der Reichweite der Hauptmannshand zu kommen, die sich zunehmend auf meinem Kopf austobte, nachdem die Kajira der Sklavenhändlerin sich schrecklich daneben benahm, weil ihr etwas nicht in den Kram passte und mit Steinchen nach dem Hauptmann schmiss, bevor sie ihm auch noch die Zunge ausstreckte und damit unter Beweis stellte, wie talentfrei und schlecht erzogen sie ist. Außerdem versuchte sie sich mit ihren frechen Antworten einem Befehl ihrer Herrin zu widersetzen. Doch vielleicht habe ich da auch etwas falsch verstanden, weil ich nach einem weiteren Patscher des Hauptmanns... diesmal allerdings auf meinen Po... inzwischen versuchte, das Mündel in die Richtung des Zeugmeisterhauses zu lotsen.

Leider war der Zeitpunkt für diesen Besuch ziemlich ungünstig gewählt. Zum Einen bekam ich beim Weggehen nur noch bruchstückhaft mit, dass sich anscheinend ein Neffe des Hauptmanns in Jorts aufhält… Näheres dazu erfuhr ich jedoch leider nicht mehr… und dann blieb auch noch die Haustür des Zeugmeisters trotz intensiven Klopfens verschlossen. Vielleicht machte der Herr einen Mittagsschlaf oder was auch immer? „Wir werden warten oder später wiederkommen… Männer zu stören kann bös enden“, war eine weise Aussage der Roten, der ich wirklich zustimmen konnte. Das Warten nutzte die Herrin, um mir ihr Leid mit der schwergängigen Tür des Mündelkontors zu klagen.

Mir kam sofort in den Sinn, dass sich vielleicht ein Faden um die Türangel getüdelt hatte, denn das Mündel des Schmieds hatte dort doch bis vor kurzem ständig und ununterbrochen gesponnen… also Garn. Alternativ konnte aber vielleicht auch Öl helfen, was sich später dann tatsächlich als hilfreich herausstellte. Besonders interessant fand ich während unserer Wartezeit übrigens, ein paar weitere Dinge von der Gefährtenfeier des Schmieds zu erfahren, die mein Herr nur ganz knapp und am Rande erwähnt hatte… naja er ist eben ein Mann. Das besonders weit ausladende Kleid des Schmiedemündels hatte diese Frau anscheinend sehr beeindruckt und erinnerte mich nach ihrer Beschreibung an die Zelte meiner ehemaligen Herrin, die zwar der damaligen Mode entsprochen hatten, unter denen ich mich seinerzeit jedoch auch problemlos hätte verstecken können.


Mein Klopfen und unser Geschnatter muss schließlich wohl doch ans Ohr des Zeugmeisters vorgedrungen sein, denn plötzlich öffnete sich seine Haustür, in der er sich mit nicht gerade begeistertem Gesichtsausdruck aufbaute und uns finster musterte. Ich will ja nicht behaupten, dass der Krieger verpennt aussah, aber offensichtlich hatten wir seine Ruhe gestört und außerdem erinnerte er sich nicht mehr daran, dem Mündel meines Herrn auf der Feier des Schmieds vorgestellt worden zu sein. Der Start der Zusammenarbeit dieser beiden Herrschaften stand wegen eines Missverständnisses über die ungeklärten Begrifflichkeiten Assistenz zur Entlastung und Nachfolge jedenfalls unter einem äußerst ungünstigen Stern. Ich zog es daher vor, tunlichst meine Klappe zu halten und war froh, dass nach einigem Hin und Her beim Hauptmann eine Klärung herbeigeführt werden konnte.


Von dem tief verschleierten Mündel konnte ich ja nur die Augen sehen, aber so wie die funkelten und so wie sie immer wieder ihre Brauen zusammenzog, war sie vermutlich pikiert, ständig als Fremde bezeichnet zu werden. Doch das ist die Gnädigste nun mal für die meisten Bewohner, auch wenn sie vielleicht schon eine Weile in Jorts zu Gast ist… zumindest noch gehört sie nicht dem Heimstein an und ob sie ihm jemals angehören wird, dafür muss sie wohl noch einiges tun. Doch das geht eine Kajira nichts an. Ich war jedenfalls zufrieden mit mir, denn es war mir wohl ganz gut gelungen, mich gegenüber dieser Frau, die ja neuerdings nun zum Haus meines Herrn gehört, von meiner besten Seite zu zeigen… glaube ich jedenfalls. Mal sehn, ob das so bleibt… ich gebe natürlich stets mein Bestes, um meinem Herrn Ehre zu bereiten.^^

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