Dienstag, 14. Juli 2015

Wieder zuhause

Hach, trotz dieser wirklich tollen, allerdings auch sehr heißen Zeit im herrlich sonnigen Süden, war es nach drei Hand einfach unbeschreiblich schön, endlich wieder vor meinem Herrn niederzuknien. Ich glaube übrigens, so wie er mich anstrahlte, hat er sich genauso wie ich riesig darüber gefreut, dass ich wieder zuhause war. Doch leider konnten wir unser um die Wette Strahlen und die Wiedersehensfreude vorerst gar nicht so richtig auskosten. Es waren vom Hafen kommend nämlich plötzlich Schritte zu hören und eine mir nicht unbekannte Stimme grüßte meinen Herrn mit: „Ehre und Stahl, da bin ich wieder…“. 

Mist, zumindest für meinen Geschmack war der Zeitpunkt für das Auftauchen dieses manchmal etwas verrückten Kriegers denkbar schlecht, auch wenn ich diesen Herrn eigentlich ganz gerne mag, weil er in der Vergangenheit bezüglich meiner Dienste manchmal sehr lustige Wünsche gehabt hatte… ok, einmal war auch ein gefährlicher darunter gewesen, den ich jedoch unbeschadet gemeistert hatte. 

In diesem Fall fand ich sein Auftauchen jedoch überhaupt nicht lustig… hätte er nicht wenigstens noch eine Ahn warten können, um meinem Herrn irgendeine Freie vorzustellen, die er anscheinend geerbt hatte? Aber was soll’s, auch eine Kajira, die sich vor Glück kaum einkriegt, weil sie wieder zurück bei ihrem Herrn ist, hat natürlich ihre Klappe zu halten, wenn ein Krieger seinem Schwertbruder ein zur Gefährtin genommenes Erbe vorstellt. Wie gut, dass mein Herr die äußerst schlechten Vorzeichen dieser Gefährtenschaft aufgrund der Vertragsunterzeichnung in einem Ort mit sehr schändlichem Ruf, die auch noch von einer Verrückten bezeugt wurde, sofort erkannte und den Priesterkönigen ein Opfer bringen will, damit diese Verbindung trotzdem noch einen guten Gang nehmen möge. 

Wegen einer nachträglichen, angemessenen Feier am Heimstein scheint das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen worden zu sein, denn die würde die Priesterkönige bestimmt zusätzlich enorm besänftigen. Mein Herr gab dem Krieger daher den Tipp, seinen Freund, den Schmied, gelegentlich aufzusuchen, der während meiner Abwesenheit offenbar sein Mündel zur Gefährtin genommen und als Mann von Ehre selbstverständlich ein großes Fest ausgerichtet hatte... mit einem ordentlichen Buffet und reichlich Getränken. Irritierenderweise erfuhr ich in diesem Zusammenhang nun, dass das Schmiedekontor trotzdem weiter eine Mündelunterkunft bleibt… jetzt allerdings für das Mündel meines Herrn. Genau, ich glaubte zwar falsch gehört zu haben, aber Vormundschaften scheinen derzeit in Jorts tatsächlich in Mode gekommen zu sein!

Wie gut, dass sich der heimgekehrte Krieger jetzt verabschiedete, denn mein Herr muss mir angesehen haben, wie heftig es nach dieser Information in meinem Kopf rotierte. "Ja, Kajira, ich habe jetzt ein Mündel... und nein, nur weil es bei den Schmieden Sitte ist, Mündel zur Gefährtin zu nehmen, ist das bei Kriegern noch lange nicht so… ich denke jedenfalls nicht daran." Dann erzählte er mir ganz ausführlich, warum und wieso er Vormund geworden ist, doch das tut hier nichts weiter zur Sache. Für mich ist eigentlich nur wichtig, mein Herr ist nicht unglücklich darüber, dieses Mündel geerbt zu haben und ein wenig Verantwortung zu übernehmen, bis er für die Freie einen Gefährten gefunden hat… oder bis sie kniet, ergänzte ich in Gedanken natürlich noch, allerdings wirklich lautlos.


Der Hinweis auf den Schmied war für meinen Herrn übrigens der Anlass, diesen aufzusuchen, weil er bei ihm ein Siegel in Auftrag gegeben hatte… anscheinend ein Muss für jeden Mann, dessen Haus gewachsen ist, egal ob durch geerbten Zuwachs in Mündelform oder als Gefährtin. Der Hauptmann hatte sich nämlich ebenfalls solch ein Haudrauf bestellt. Wobei mein Herr mit seinem Freund zum Glück nicht mithalten kann, bei dem inzwischen nämlich noch eine Schwester aufgetaucht ist. Glaubt er jedenfalls, allerdings wusste er darüber nichts Näheres und die Frau war auch während unseres kurzen Besuchs beim Schmied nicht anwesend. Der Herr ist während der Zeit meiner Ausleihe übrigens in die äußerste Ecke der Oberstadt gezogen, aber anscheinend noch nicht fertig eingerichtet und auch das Spinnrad seines Mündels fehlt noch vor der Tür.


Über die noch ausstehende Gefährtenschaftsfeier zur Beruhigung der hohen Herren am Sardar informierte mein Herr den wie immer äußerst brummig aussehenden Hauptmann auf seinem Rundgang natürlich sofort, was dessen Brummen natürlich wie erwartet nicht gerade begeisterter klingen ließ, denn der Hauptmann ist ja ein großer Anhänger von freiem Saufen und Essen. Mein Herr versprach ihm daher, den fremdvergefährteten Krieger beim verabredeten zusätzlichen Schwerttraining ausgiebig Haudrauf zu geben und ihn ordentlich ins Gras beißen zu lassen. Sollte sich der ziemlich orientierungslose Rarius jedoch wueder in der Oberstadt verlaufen haben, wäre auch denkbar, ihn dort noch ein wenig herumirren zu lassen… zumindest habe ich den Hauptmann so verstanden. 


Doch erstaunlicherweise muss der Krieger aus der Oberstadt hinaus gefunden haben, sodass dem zusätzlichen Training mit ausgiebiger Grasverkostung nichts mehr entgegen stand. Mein Herr war nämlich echt in Höchstform und die Klinge seines Schwertbruders wohl etwas eingerostet... er kündigte schließlich nach einer letzten Runde aber trotzdem an: „So, jetzt wird es Zeit für das, was ich beinahe am Meisten vermisst habe... für meinen Zuhause-Paga!“ Zuhause meinte er dann zwinkernd, dass ich ihm nun zeigen darf, wie sehr ich es in den letzten drei Hand vermisst habe, ihm diesen Paga zu servieren und ergänzte breit grinsend: „Kajira... je schneller du servierst, desto schneller kommen wir zu dem, was ich in dieser Zeit am Meisten vermisst habe!"


Ich denke, es erübrigt sich, genauer zu beschreiben, wie schnell ich mit rotseidener Hingabe unter den gierigen Blicken meines Herrn servieren konnte, die nämlich nicht seinem Getränk galten………… :-)))))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen