Freitag, 21. August 2015

Durchhalten

Leider muss ich weiter alleine durchhalten, denn die ausgedehnte Patrouille meines Herrn dauert immer noch an. So lange fort von seinem Heimstein mag für einen Tarnreiter vielleicht nicht ungewöhnlich sein, doch bin ich mir sicher, dass es meinem Herrn trotzdem nicht leicht fällt. Aber für einen Krieger ist Befehl nun mal Befehl und seine Kajira darf ihm natürlich keine Schande bereiten, auch wenn sie sich nun schon länger als eine Hand alleine durchkämpfen muss und sich logischerweise immer schwerer damit tut... eine Sklavin fühlt sich ohne ihren Herrn irgendwie nur noch halb oder noch weniger. Das Motto heißt also weiterhin „durchhalten, tapfer bleiben und weiter kämpfen“. 

Da es im Haus meines Herrn inzwischen aber wirklich nichts mehr zur Ablenkung zu tun gab, raffte ich mich gestern ein wenig lustlos, aber dennoch schließlich auf, um mich wenigstens in der Stadt nach ein paar Neuigkeiten umzuhören. Etwas Bauchschmerzen bereitete mir allerdings die grobmotorische Veranlagung des Hauptmanns, denn mein Versuch, außerhalb der Reichweite seiner ständig kopfpatschenden Hände zu bleiben, war vor kurzem ja leider ziemlich fehlgeschlagen… aber mal abwarten. Es war übrigens erstaunlich ruhig, die Gasthausterrasse leer und es trat auch niemand die Pflastersteine auf dem Marktplatz fest, sodass ich fast schon den Heimweg antreten wollte. Doch vorher entdeckte ich den freundlichen Brauereibesitzer, der es sich auf einer Bank vor seinem Haus gemütlich gemacht hatte und einem kleinen Klöhnschnack mit mir offensichtlich nicht abgeneigt war.


Unser Plausch hatte jedoch noch gar nicht richtig begonnen, als das Erste Schwert angeschlendert kam. Für den Brauereikrieger war dies die perfekte Gelegenheit, sich bei seinem Schwertbruder zu erkundigen, ob es etwas Neues gab. Oh ja, gab es… die Sklavenhändlerin scheint beleidigt zu sein, ist offenbar der Meinung, dass ihre Kajirae die einzigen sind, die arbeiten und überlegt wohl, beim Stadtrat einen Antrag zu stellen, dass jede Sklavin in der Stadt aushelfen muss. Häh? Ich schaffte es zwar meine Klappe zu halten, aber so ganz verstand ich diese Information ehrlich gesagt nicht, denn meines Wissens wird es doch genau so schon immer gehandhabt.

Aber egal und der Kommentar des Brauereibesitzers „freie Frauen lieben es beleidigt zu sein... hehe, sie war mir als Sklavin lieber, als jetzt als Sklavenhändlerin“, traf die Sache eigentlich ganz gut. Sämtliche Spekulationen erübrigten sich eh und was genau vorgefallen war, bekam ich nicht mehr heraus, da beiden Männern die Befindlichkeiten dieser Frau ziemlich schnuppe waren. Ein möglicherweise Privateigentum betreffender, angestrebter Ratsbeschluss wurde außerdem mit den Worten „was mein Mädchen macht oder nicht, da hat keiner was reinzureden“ abgetan.


Beide Herren empfanden die Ruhe in der Stadt als recht angenehm, zumal ihnen jetzt der Sinn nach einem Spiel war. Tja, und da ich mich immer gerne nützlich mache, wenn mein Herr mich nicht benötigt, durfte ich mich um Getränke für die Männer kümmern, während sie sich im Spielehaus vor einem neuen Spielbrett niederließen. Selbstverständlich habe ich mich beim Servieren kürzer gefasst und gar nicht erst versucht, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Das hätte eh nicht geklappt, waren sie doch viel zu sehr damit beschäftigt, wer welche Farbe wählt und ihre Spielsteine aufs Brett zu legen. Obwohl ich keinerlei Ahnung von den Regeln hatte, habe ich eine ganze Weile zugeschaut, wurde aber auch nach der ich weiß nicht wievielten Revanche nicht schlauer... ich bin eben nicht für Spiele gemacht.


Da es bei jedem Sieg logischerweise auch einen Verlierer gibt, kam mir das Sprichwort „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“ in den Sinn. „Liebe ist was für junge Spunde, die eine Erektion nicht von einem Herzanfall unterscheiden können“, war der Kommentar des Ersten Schwerts dazu und dass eine Glücksbotin seine Eier krault… oder so. Ich war das jedenfalls nicht. Danach war außer gelegentlichem Grummeln, Brummen, Seufzen, Fluchen oder Gemurmel über irgendwelche Paschs, Ausgleiche, gut oder schlecht gelegte Steine nichts mehr von den beiden Spielbesessenen zu hören, sodass ich mich schließlich verdrückt habe… natürlich hatte ich aber vorher um Erlaubnis gefragt.


Am Hafen entdeckte ich den Sattler und seinen Freund, den Schmied, die es sich vor der Taverne gemütlich gemacht hatten und sich ebenfalls über das Gekeife der Sklavenhändlerin unterhielten. Doch was nun genau der Anlass dafür gewesen war, konnten auch diese beiden Herren nicht abschließend klären, weil viel zu unwichtig. Viel wichtiger war beiden, einer Kajira den Nacken zu kraulen, sanft durch rote oder schwarze Haare zu wuscheln. Hach, eine nicht patschende Männerhand auf dem Kopf zu spüren hat doch wirklich was! Leider besteht aber auch die Gefahr, dass sich die Finger darin vertüdeln.


Obwohl beide durch ihr Gespräch über Haarspülungen und meine Frage, ob Massageöl auch geeignet ist, warum mein Herr meiner Frisur den Namen Tarnfrisur gegeben hatte und über Frisuren, die wie ein Vulonest aussehen, einigermaßen abgelenkt waren, passte der Schmied zu meinem Glück trotzdem auf und bekam seine Finger schließlich aus der Fingerfalle meiner Locken ohne zusätzliches Hilfsmittel wieder frei. Der Sattler war da um einiges weniger vorsichtig, denn er musste letztendlich sein Messer zücken, sodass auf Ravinas Kopf hinterher einige rote Haare weniger waren, was bei ihrer Matte aber nicht weiter auffiel. ;-)

Kommentare:

  1. Dina! Ich habe keine "Matte"!

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  2. Tststs... da formuliere ich mal nett... kann doch nicht von rotem Gestrüpp auf deinem Kopf sprechen, das du ausnahmsweise mal zu einer Art Zopf zusammengetüdelt hast..........*seufzt mitleiderregend*

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