Dienstag, 25. August 2015

Eine gefühlte Ewigkeit

…von über einer Hand verzehre ich mich nun schon nach meinem Herrn und mein Gefühl, ohne ihn eigentlich nur noch eine leere Hülle zu sein, wird immer größer. Nach außen funktioniere ich zwar noch ganz gut und gebe mir selbstverständlich allergrößte Mühe, mich nützlich zu machen… habe selbstverständlich auch schon sein Haus von oben bis unten und von unten bis oben, also mehrfach gründlich geputzt. Erstaunlicherweise schaffe ich es sogar, mich immer wieder aufzuraffen, um in der Stadt meine Dienste anzubieten, weil es mir damit einigermaßen gelingt, mich von meiner Sehnsucht nach meinem Herrn abzulenken. Während lähmende Müdigkeit zunehmend von mir Besitz ergreift und mich viel schlafen lässt, fühlt es sich innerlich jedoch an, als ob ich immer weniger werde.

Es war wieder einer dieser Tage, an denen ich traurig vor mich hin döste, als ich plötzlich eine sehr sanfte Berührung spürte. Allerdings patschte niemand, sondern strich ganz zart durch meine Haare. Mein erster Gedanke war daher, das konnte nicht der Hauptmann sein, denn selbst wenn er mal nicht patscht, wuschelt er eher. Dementsprechend erstaunt und neugierig schlug ich meine Augen auf… und blickte in das lächelnde Gesicht meines Herrn, das trotz ungläubigem und daher ausgiebigem Plinkern nicht wieder verschwand! Juhuuuuu, die Priesterkönige müssen ein Einsehen mit meinen stummen Gebeten gehabt haben, in denen ich sie angefleht hatte, ihn auf seiner langen Patrouille zwischendurch doch wenigstens vielleicht mal einen Abstecher nach Hause machen zu lassen!!! 

Bedauerlicherweise war es aber tatsächlich nur ein sehr kurzer Besuch. Doch zu meiner riesigen Freude hatte mein Herr richtig dienstfrei und verschwendete daher keinerlei Gedanken an irgendwelche Rundgänge, sondern widmete sich stattdessen sehr intensiv seinem Eigentum, bevor er dann leider erneut aufbrechen musste. Unser Wiedersehen war einfach unbeschreiblich und hat mir ganz viel Mut gegeben, sodass ich mir jetzt ganz sicher bin, auch den Rest der diesmal so extrem langen Patrouille meines Herrn aushalten zu können, wie es sich schließlich für eine Kriegerkajira gehört. Die wundervollen Erinnerungen an die letzten Ahn mit meinem Herrn noch im Kopf, hatte ich gestern jedenfalls das Gefühl, auf meinem Weg zum Marktplatz zu schweben. Dort hatten sich einige Freie versammelt, darunter auch der Hauptmann.


Seine letzten Ermahnungen noch sehr präsent im Gedächtnis, kniete ich mich natürlich sofort neben den Hauptmann und ermöglichte ihm damit eine Betätigung für seine Hand, was er mit Kopfpatscher Nr. 1 dann auch sogleich zu nutzen wusste. Nach Nr. 2, erstaunlicherweise gefolgt von recht angenehmem, leichtem Wuscheln, gab es jedoch eine Unterbrechung dieser Zuneigungsbekundungen des Kriegers. Er befahl mir nämlich, zusammen mit der Pilgerkajira aus dem Gasthaus ein paar Getränke heran zu schaffen. Leider habe ich dadurch nicht mehr erfahren, wie seine Überlegungen über zusätzlichen Sold ausgingen, damit sich die Krieger Hemden zum Wechseln kaufen können, wenn eine Garnitur durchgeschwitzt ist. Vor allem dem Ersten Schwert war nämlich mal wieder viel zu warm… mich traf daran allerdings keine Schuld, sondern nur das herrlich warme Wetter.

Ebenfalls verpasst habe ich, warum der Hauptmann als ersten Teil der Rekrutenprüfung seinen Neffen in der Kleidung eines Bauern auf eine Reise schickt. „Kann ich nicht“ ließ er dabei übrigens nicht durchgehen, erlaubte dem Frischling aber vorher noch eine Einweisung durch das Erste Schwert, damit sich nicht die Befürchtung des jungen Rekruten bewahrheitet und er auf seiner Mission eines Morgens plötzlich tot aufwacht… ach nee, tot ist meinte er wohl. Wobei das Einritzen seines Namens nach seinem Ableben im Kriegerhaus natürlich eine große Ehre wäre. Während ich dem Ersten Schwert nun seinen Stehkalana servierte, bemerkte ich aus dem Augenwinkel und hörte es übrigens auch, dass der Hauptmann der neuen Kajira der Sklavenhändlerin eine heftig klatschende Ohrfeige verpasste… offenbar hatte sie irgendeinen Fehler gemacht. 

Da die Sklavenhändlerin und auch ihre Erste jedoch nicht anwesend waren, wurde ich dazu verdonnert, in Sachen Servieren ein wenig Nachhilfe zu geben, was ich dann etwas abseits von den Freien tat, um nicht unnötig zu stören. Für den Hauptmann war ich danach allerdings weiter das gefundene Opfer und angeblich Schuld am Fehler der Kajira, weil ich nicht aufgepasst hatte… ah ja, dabei sagte meine frühere Herrin doch immer, ich habe nur dann Schuld, wenn sie es sagt und mein Herr hält es genauso. Schade, beide waren nicht da und Freie haben immer Recht. Ich kann durchaus mit Willkür leben, helfe auch gerne, verstand aber trotzdem die Logik nicht, warum ich auf diese Kajira hätte aufpassen müssen und fragte daher noch einmal nach. Mich aufzudrängen ist nämlich nicht mein Ding und wie eine Freie oder ihr erstes Mädchen ihre Kajira erzieht, eigentlich auch nicht.

Puhhh… nach zwei weiteren Kopfnüssen hatte der Hauptmann dann tatsächlich ein Einsehen mit mir und verzichtete schließlich sogar darauf, mich die Pagapfütze auf dem Marktplatz auflecken zu lassen. Ich glaube, ihm behagte nicht, möglicherweise nasse Füße zu bekommen, denn mein Vorschlag, für eine optimale Reinigung des Pflasters wäre ein Eimer Wasser besser als meine Zunge, war nicht wirklich von der Hand zu weisen. Die Pilgerkajira schien übrigens nicht mal ansatzweise zu ahnen, was ihr erspart wurde. Ich hätte nämlich den Befehl des Hauptmanns selbstverständlich ohne Widerworte ausgeführt, mich hinterher jedoch an ihr gerächt und zwar, wenn keine Freien in der Nähe sind. 

Während der Neffe nun im Stehen eindöste und dabei so tat, als ob er sich mental auf die ihm gestellte Aufgabe vorbereitete, aufgrund eines fliegenden Steinchens sich vor Schreck jedoch mit seinem Ale begoss, der Sattler sein Problem wegen Getränkenachschub Paga und Kalana dramatisierte, die unausgebildete Kajira sich beim Hauptmann überflüssigerweise erkundigte, ob sie ihm noch einen Paga bringen darf und mir damit Nr. 5 einbrachte… er hatte ja noch nicht mal seinen ersten… wurde ich nach einem Entlassungskopfpatscher zum Ersten Schwert geschickt, von dem ich den Auftrag erhielt, die Schreiberin zu holen. Anscheinend hatte die Blaue sich bereit erklärt, das Schriftstück für einen Vertrag aufzusetzen, nur war unklar, ob sie dafür schon Zeit gehabt hatte. 


Obwohl ich bei keiner der eher unangenehmen hauptmannschen Handauflegungen mit der Wimper gezuckt hatte, war ich nun ganz froh, aus seiner grobmotorischen Reichweite zu kommen. Da war der Transport diverser sich verselbständigender Pergamentrollen doch um einiges angenehmer. Die Herrin mühte sich nämlich damit ab, ungefähr die Hälfte ihrer 30 Schriftstücke auf dem Weg zum Marktplatz nicht davon flattern zu lassen, während ich versuchen durfte, das Eigenleben der anderen Hälfte zu bändigen. Tja, selbst schuld, wenn sie mir nicht erlaubt, die Dokumente in dem roten Tuch einzuwickeln, das ich mir an diesem Tag um den Körper geschlungen hatte. Aber beim Anblick einer nackten Sklavin hätte das Weib vermutlich nicht nur nach Luft geschnappt, sondern ihre Rollen endgültig losgelassen. Tja, Nacktheit zieht die Blicke von freien Frauen bekanntlich magisch an, auch wenn es alternativ ganz viel anderes zu betrachten gibt.^^

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