Dienstag, 4. August 2015

Keine besonderen Vorkommnisse

Eine Botschaft von dem Wissenden hatte meinen Herrn zwar immer noch nicht erreicht, doch wollte er an diesem Tag endlich in der Oberstadt einen Blick in den Zylinder der Kriegerkaste werfen, da es inzwischen wohl eine Ewigkeit her war, dass er sich dort aufgehalten hatte. Doch dazu später mehr, mein Herr schloss nämlich plötzlich die Kette an meinen Kragen und befestigte sie an dem in der Wand eingelassenen Ring neben seinem Schlaffell. Ich befürchtete natürlich, er würde mich nicht mitnehmen und was noch viel schlimmer war, ich bekam Angst, er sei unzufrieden mit mir. Zum Glück war beides jedoch nicht der Fall… ihm stand einfach nur so der Sinn danach, sein angekettetes Eigentum eine Weile zu betrachten oder so zu tun, als würde er mich ignorieren. Dass seine Blicke mir natürlich durch und durch gingen und mein Feuer ganz schön anheizten ist ja klar. Leider war es viel zu schnell dann aber doch Zeit für seinen Rundgang.


Gleich auf dem Marktplatz trafen wir übrigens den Krieger vom Hof, der es sich auf der Bank vor dem Gasthaus bequem gemacht hatte. Da die beiden sich lange nicht gesehen hatten, erkundigte sich mein Herr natürlich erst einmal nach dem Befinden des Kriegers und erfuhr, dass die Priesterkönige ihn in diesem Jahr mit einer sehr reichen Ernte gesegnet hatten, was logischerweise mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Kein Wunder also, dass der schwer Beschäftigte nicht mal Zeit für die Waffentrainings der jortsschen Krieger gehabt hatte. Während des Gesprächs über die guten Ernteerträge bemerkte mein Herr schließlich auf der Gasthausterrasse drei Rarii, darunter einen Fremden, bei dem es sich anscheinend um einen Freund des Ersten Schwerts handelte. Natürlich war es nun ein Gebot der Höflichkeit für meinen Herrn, sich diesem Krieger vorzustellen.

So wie es aussah, ließen die drei Roten es sich bei einem mitten auf dem Tisch stehenden Fass Paga gut gehen. Der fremde, aus irgendeiner mir unbekannten Oase der Tahari stammende Rarius hatte es spendiert und lud meinen Herrn ebenfalls ein… eine freundliche Geste, die er selbstverständlich dankend annahm. Vorgeglüht wie ich war, nutzte ich die perfekte Gelegenheit sofort aus und präsentierte beim Füllen des Bechers mein Hinterteil auf eine möglichst aufreizende Art, auch wenn mir dabei klar war, dass mein Herr total auf Rundgang eingestellt war, sodass er meinen Po wahrscheinlich nur beiläufig betrachten würde, wenn überhaupt. Aber egal, kein Versuch kann schaden und vielleicht erfreute der Anblick ja doch. Er ließ sich übrigens auch nicht bei den anderen am Tisch auf einem Sitzkissen nieder, sondern trank seinen Paga im Stehen, um nach einer freundlichen Warnung des fremden Kriegers „ wer länger bleibt, muss mit uns Mitte der Hand trainieren“, seinen Rundgang fortzusetzen.

Das nächste Waffentraining wird nach der Behauptung des Fremden, sein Schwert würde es nach einem Fass Paga mit 10 Kriegern tänzelnd aufnehmen, bestimmt spannend… oder so ähnlich drückte er sich wohl aus. Ich fand es eigentlich toll, mit meinem Herrn weiter Richtung Oberstadt zu laufen, weil ich es liebe, dort auf der Stadtmauer mit ihm zu sein, vor allem wenn in der Stadt alles ruhig ist und mein Herr Muße hat, sich trotz seiner Mauerinspektion mit mir nebenbei zu unterhalten. Er machte sich Gedanken um den Sattler, ob der sich wegen dem Wissenden immer noch von seinem Heimstein fernhält, da er sein Packen aus Angst vor Feuerbällen doch neulich angekündigt hatte. Außer einigen sehr vagen Gerüchten über die Abreise des Herrn, die ich am Hafen bei meinen Einkäufen aufgeschnappt hatte, war mir über seinen Verbleib jedoch nichts weiter bekannt. Es bleibt also vorerst abzuwarten, ob er wohlbehalten zurückkommen wird und nicht wieder gerettet werden muss.

Das letzte Ziel auf dem Rundgang meines Herrn war dann wie oben schon erwähnt der Raum der roten Kaste von Jorts in einem der Zylinder in der Oberstadt. Er überlegt nämlich, den Wissenden dort zu empfangen, weil es sich bei dem Anliegen ja um eine Angelegenheit der Kriegerkaste handelt. Übrigens konnte mein Herr nicht ganz verstehen, warum der Hauptmann diesen Raum nur äußerst selten oder gar nicht nutzt, sondern stattdessen lieber den Marktplatz oder einen anderen Ort. Für Besprechungen mit mehreren Teilnehmern bietet er sich nach Meinung meines Herrn wirklich sehr gut an und auch wenn mal ein Krieger zusammengestaucht werden muss. Alleine der Umstand, von seinem Vorgesetzten dort hoch in die Oberstadt zitiert zu werden… der lange Weg… die vielen Stufen… macht nicht nur kurze Beine und aus der Puste, sondern Hitzköpfe sicherlich auch etwas kleinlauter und bereitet manch einen Spezi bestimmt ganz gut auf den erforderlichen Einlauf vor. 

Aber egal, der Hauptmann wird bestimmt seine Gründe haben und ob mein Herr diesen Raum für die Verhandlungen mit dem hochkastigen Weißen tatsächlich nutzen wird, hat er noch nicht endgültig entschieden, da es inzwischen spät geworden war und damit Zeit, nach Hause zu gehen.

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