Dienstag, 18. August 2015

Noch mal gut gegangen

Beim Blick über die Terrassenmauer entdeckte ich den Hauptmann und seine Gefährtin sowie den Brauereikrieger im Gespräch mit einem Fremden. Da außer dessen Kajira, die übrigens fast wie eine Kopie von Luna aussah, ansonsten niemand von der jortsschen knienden Fraktion und auch keine Wirtin zu sehen war, erkundigte ich mich selbstverständlich, ob es Bedarf an meinen Diensten gab. Alle Freien waren jedoch bereits versorgt und warteten auf frisch gebackene Brezeln, die die neueste Ware der Sklavenhändlerin ihnen angekündigt hatte. Mmmmhh… so lecker wie es aus der Küche duftete, lief mir sofort das Wasser im Mund zusammen. Es konnte also nicht schaden, mich etwas an den Brauereibesitzer anzuschmiegen, vielleicht würde ja auch ein kleiner Happen für mich abfallen?

Während der Hauptmann sich nun nach dem Befinden meines Herrn erkundigte, dessen Gesundheit zum Glück wieder voll hergestellt ist, was der olle Wachoffizier zu meinem Bedauern beim Einteilen der schlechtesten und längsten Wachen aber auch gleich wieder ausgenutzt hatte, opferte sich der Krieger von der Brauerei als Tester für die noch warmen Backwaren. Tja, damit fing allgemeines Schwelgen an, denn die Dinger waren wirklich oberköstlich. Da der rothaarige Rarius neben mir vermutlich nicht mit ansehen konnte, wie ich den Weg seiner Brezel mit meinen Augen bis in seinen Mund verfolgte und dann trocken schluckte, gab er mir ein superleckeres Stückchen ab… später übrigens noch eines. Ich bin nun gespannt, ob sein Vorschlag sich durchsetzen wird, dass jeder erste Tag der Hand zum Brezeltag wird.


Schließlich tauchte auch die Sklavenhändlerin auf und war zufrieden, für drei Kupfer eine neue Kajira an ihrer Kette zu haben. Die Brezelsklavin war nämlich bis vor kurzem noch frei gewesen, hatte sich aber wegen verlorener Familie unterworfen, weil sie keinen Sinn mehr sah… oder so ähnlich verworren drückte sie sich wohl aus. Ich hörte diesem Mädchen aber auch nur mit halbem Ohr zu, viel interessanter fand ich nämlich, etwas über den Fremden zu erfahren… einen anscheinend vom Fayheen angereisten mit Arzneien handelnden Apotheker. Da sich der Herr jedoch schon sehr lange auf Reisen befindet, konnte er weder das Gerücht bestätigen, Kasra habe Probleme mit seiner Regentin, was ja niemanden ernsthaft verwundert hätte, noch wusste er, ob die ekelige Fischsuppe tatsächlich fast alle Bewohner dieser Schande am Fayheen dahin gerafft hatte.

Mist, nun musste sich der Brauereikrieger leider um seine Kessel kümmern und ich verlor die schöne Möglichkeit zum Anschmiegen. Gleichzeitig war ich schutzlos dem Bewegungsdrang der Hand des Hauptmanns ausgesetzt, die mich mit reichlich Ks beehrte… also Knuffen, Kneifen und Kopfpatschen… sodass ich möglichst unauffällig seine Reichweite abschätzte und etwas zurück rutschte. Schade, natürlich entging dem Hauptmann mein Vorhaben nicht und meine Erklärung, nach dem Rückzug des Brauereibesitzers einfach nicht an der falschen Seite knien zu wollen, half auch nicht… die linke Hand des Hauptmanns ist nämlich genauso unangenehm wie seine rechte. Als meine Rettung entpuppte sich dann seine wenige Ehn später rufende Nachtwache, sodass ich mich nun dem leiblichen Wohl des Ersten Schwerts mit der Zubereitung eines Essens widmen durfte.


Ich glaube, so zufrieden wie der Rarius schmatzte, muss ich seinen Geschmack wohl getroffen haben… andernfalls hätte er mir auch bestimmt nicht die letzten Happen dieser mit zerlaufenem Boskkäse gekrönten Köstlichkeit zukommen lassen. In Sachen Essen war offensichtlich sowieso mein Glückstag, auch wenn mir fast das nackte Hinterteil des anscheinend schon wieder besoffenen Schmieds dazwischen gekommen wäre, der plötzlich auftauchte und dann nach einem kurzen Stopp auf direktem Weg gleich die Küche stürmte, um sich in Selbstbedienung einen Krug mit Paga zu füllen. Sein Weib tauchte übrigens kurz nach ihm auf, hatte anscheinend auch mitbekommen, dass ihr Gefährte fast unbekleidet das Haus verließ, brachte aber weder seine Kleidung noch seinen fehlenden rechten Stiefel mit. Na toll, da behaupte noch mal einer, ich sei eine Prinzessin… ICH hätte meinem Herrn seine fehlenden Kleidungsstücke hinterher getragen!

Der Frau war es womöglich sogar ein innerer Genuss, dass sich ihr Gefährte so blamierte, denn schmollend tat sie lediglich kund, er habe ja nicht auf sie hören wollen und sie sowieso überhaupt nicht beachtet. Pahhh… welcher Mann auf diesem männerdominierten Planeten hört denn auf eine Frau und dann auch noch auf die eigene Gefährtin!? Die Gnädigste war jedenfalls beleidigt und genoss offensichtlich ihre Rache. Während sich merkwürdigerweise auch keins der anderen Weiber über zu viel sichtbare Haut am Hintern des Schmieds echauffierte, übernahm der Sattler mit seinem entsetzten Ausruf „Myrkur, du willst dich doch nicht mit deinem nackten Arsch auf das Kissen setzen oder?“ die Rolle des Moralapostels und vermieste damit weitere Blicke auf den nackten Männerhintern, der sich wirklich sehen lassen konnte.


Auch dem Krieger neben mir gefiel übrigens nicht was er sah. Mit geschlossenen Augen befahl er mir nämlich leise seufzend, ihm Bescheid zu geben, wenn dieser Anblick vorbei ist. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass der Schmied nun beleidigt war und mit seinem Pagakrug, den er übrigens als seinen besten Freund bezeichnete, schwankend von dannen zog. Vorbei war dann aber doch noch nicht vorbei, denn er holte sich aus seiner Schmiede lediglich einen Helm… vermutlich als Maßnahme gegen schmerzhafte Beulen am Kopf, falls er sich in seinem Suff für die falsche seiner vielen Haustüren entscheiden sollte. Er tauchte jedenfalls erneut vor der Terrasse auf. Zusätzlich trug er warum auch immer eine brennende Fackel, sodass nun zu befürchten war, er könne womöglich Jorts in Brand stecken. 

Während die Gefährtin sich darüber lediglich zu einem Augenrollen hinreißen ließ, sprang das Erste Schwert bei einer solchen Gefahr selbstverständlich sofort auf und befahl mir, einen Eimer Wasser zu holen. Dann stürmte er eilig hinter dem Schmied hinterher, um Schlimmes zu verhindern. Doch alles ging noch mal gut. Als ich die kleine Gruppe erreichte, hatte der Schmied inzwischen seine Fackel entsorgt und das angeschleppte Löschwasser war überflüssig. Dabei wäre es bestimmt lustig gewesen, wenn der Krieger dem Besoffenen den Genuss einer Eimerdusche gegönnt hätte und sein neben ihm stehendes Weib bestimmt auch nicht ganz trocken geblieben wäre.


Doch Schadenfreude liegt mir ja gänzlich fern und ich fand es natürlich total toll, dass die beiden Gefährten dann nach einem gelallten „Jarcath diene mit Feuer… und Dina, dir eine ruhige Wache!“ nicht brennend und auch nicht geduscht nun gemeinsam schwankend von dannen zogen. Selbstverständlich habe ich auch an diesem Tag mein Bestes gegeben… ohne Wache, doch wie immer mit Feuer, nachdem ich mich endlich entkichert hatte!

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