Donnerstag, 13. August 2015

Spülungen

Kein Kuchen, keine Früchte und generell beim Essen aufpassen war für meinen mit Bauchgrummeln und Co. geplagten Herrn angesagt. Seit Tagen schon hatte er das Haus und sein Fell hüten müssen, außer er verschwand mal irgendwohin, weil es durch ihn hindurch spülte. Es ging ihm also nicht gut… allerdings auch nicht so schlecht, dass er meinen Rat Tee zu trinken, einfach ablehnte. Gestern behauptete er sogar, ein wenig Waffentraining wäre genau das Richtige für ihn. Solche Aktivitäten sah ich natürlich besonders skeptisch, verkniff mir aber einen Kommentar dazu, war ich doch froh, dass er inzwischen wenigstens nicht mehr zu krank war, um zumindest kurz mein Anschmiegen an sein Bein zu genießen. Es war nämlich noch etwas Zeit vor dem Training, sodass er mit der Hand an sein Schienbein klopfte: "Jetzt komm erstmal näher zu mir, Kajira".


Während er sehr sanft meine Wange streichelte und zuletzt über meinen Kragen strich, startete ich einen weiteren Versuch, ihm einen Tee schmackhaft zu machen, denn ich möchte natürlich, dass mein Herr bald wieder richtig gesund ist. Ok, auch dieser Versuch schlug gänzlich fehl. Mit vorwurfsvollem Blick donnerte er mich an und verpasste mir zusätzlich einen leichten Klaps auf die Wange: „Kajira! Paga ist gesund und Tee trink ich keinen!“ Mein Vorschlag, den Tee mit einem Mini-Schuss Paga zu verfeinern, damit er nicht mehr so total gesund schmeckt, kam für ihn leider auch nicht in Frage und Wasser lehnte er ebenfalls ab, obwohl ich ihm das auf eine Art serviert hätte, bei der ihm vollkommen entfallen wäre, welches Getränk im Becher ist. Mist, er verpasste mir nach meinen Widerworten sogar noch eine weitere Ohrfeige, nach der ich dann aufgab und vorsichtshalber das Thema wechselte, um nicht noch mehr in Ungnade zu fallen.

Ich erkundigte mich daher schnell, ob ich inzwischen wieder im Vosk baden darf. Da wir über Paga, Tee und Wasser gesprochen hatten, fand ich diese Frage eigentlich nur logisch und verstand überhaupt nicht, was mein Herr damit meinte: „Du wählst stets interessante Momente aus, um das zu fragen, Kajira.“ Ob er meine logischen Erklärungen für den Grund meiner Nachfrage dann nachvollziehen konnte, bezweifel ich im Nachhinein übrigens, aber zumindest erkundigte er sich, ob im Vosk inzwischen keine Flussthalarions mehr sind. Leider konnte er meiner Argumentation nicht so ganz folgen… die Viecher haben Angst vor mir und hauen ab, weil ich ihnen zu dünn bin und daher einfach jegliches Interesse fehlt, mich auf ihren Speiseplan zu setzen, denn erstens werden sie nicht satt und zweitens legen sie keinen Wert darauf, meine Knochen quer im Hals stecken zu haben. Tja, das Badeverbot gilt leider weiter.


Meine sämtlichen Ablenkungsversuche scheiterten kläglich, denn es hielt meinen Herrn irgendwann tatsächlich nichts mehr auf seiner Bank und nach seinem Eigentum stand ihm auch nicht der Sinn. Stattdessen zog es ihn zur Trainingswiese, wo sich schon einige Krieger versammelt hatten… die Medica übrigens auch. Ich verkniff mir zwar eine Bemerkung über seine schon eine Weile andauernden Beschwerden, war aber ganz froh, dass die Grüne ihn notfalls medizinisch versorgen konnte, falls er zusammenklappen sollte. Ich befürchtete nämlich, seine Kondition habe womöglich etwas gelitten. Mir fiel daher ein kleiner Stein vom Herzen, dass sein erster Trainingspartner der zwar sehr eifrige, aber immer noch recht unerfahrene Neffe des Hauptmanns war… obwohl damit zu rechnen war, dass mein Herr vielleicht wieder anfing zu dozieren und das Training dadurch sehr lang wird, denn einem jungen Krieger hilft er in Sachen Ausbildung natürlich gerne.

Meine Ängste waren jedoch weitestgehend umsonst… das Training mit dem Frischling bezeichnete mein Herr als Aufwärmen und die anschließenden Runden mit dem Hauptmann beendete er mit dem wohlwollenden Hinweis: „Hauptmann, bei allem Respekt, aber dir würde etwas mehr Training nicht schaden…“ oder so ähnlich. Danach gestand er seinen Bauch reibend jedoch ein, nicht so ganz einsatzfähig zu sein und beendete seinen Ausflug zur Trainingswiese. Tja, am liebsten hätte ich ihn jetzt natürlich mit gesundem Tee und einem entspannenden Bad verwöhnt, doch mein Oberschlauberger meinte, ein Paga sei genau das Richtige für ihn… grrr, meine Ohren hatten tatsächlich richtig gehört und keine Spülung nötig. Ich wählte zwar einen relativ kleinen Becher und machte auch jede Menge rotseidenes Getue beim Servieren, doch schaffte ich es nicht zu verhindern, dass mein Herr mir den Becher mit einem „möge der Paga ordentlich durchspülen“ abnahm, um sogleich einen kräftigen Zug davon zu nehmen.

Na toll, sein Wunsch nach Durchspülen wurde ihm tatsächlich recht schnell erfüllt und danach kam für den Ärmsten nur noch Fellruhe in Frage… Betonung auf RUHE. Um ihn nicht zu stören, machte ich mich daher noch einmal alleine auf den Weg in die Stadt und traf am Hafen auf Ravi, die dort offensichtlich ausgiebig ausgelüftet wurde. Sie war nämlich bereits seit dem Vortag auf dem Block angekettet. Natürlich machte sie auf mich nicht gerade einen begeisterten Eindruck und roch auch ziemlich... naja, sehr herb würzig, eben aromatisch nach Hafen und Männern. Wobei ich vorsichtshalber nur an ihren Achseln geschnuppert und die Spuren auf ihren Schenkeln lieber ignoriert habe. Sie hatte aber Glück, denn ihr Herr tauchte auf und hatte Erbarmen mit ihr. 


Während er sich mit dem Schmied vor die Taverne setzte und beide Männer wegen eines Getränks auf uns lauerten, durfte ich sie losbinden, wurde von dem Sattler allerdings noch angeranzt, nicht lange die Düfte seiner ausgiebig gelüfteten Kajira einzusaugen, sondern mich zu beeilen. Hach, den Hafen liebe ich ja sowieso, aber besonders diesen Platz vor der Taverne, wo man nicht wie im Gasthaus auf die Befindlichkeiten von freien Frauen Rücksicht nehmen muss, auch wenn einige wirklich nett sind. Selbstverständlich gefällt es mir, wenn eine Männerhand meinen Nacken krault oder durch meine Haare wuselt. Ok, wenn sich die Finger eines Schmieds dabei vertüdeln, wird es etwas unangenehm, aber ich mag den Herrn ja trotzdem sehr. Ich war jedenfalls kein bisschen traurig, als gewisse am Hafen ankommende Roben nur von weitem zu sehen waren und zusammen mit ihren Wadenbeißern gleich zielstrebig Richtung Gasthaus liefen. 


Gestern war ich mit meinen Vorlieben und Abneigungen übrigens nicht allein. Erst gesellte sich der Hauptmann noch auf einen kleinen Plausch zu den beiden Handwerkern dazu und kurz danach dann das Erste Schwert mit einer oberstinkigen Laune und sogar Mordgelüsten, die anscheinend durch Unverschämtheiten und Unzuverlässigkeit eines Weibs verursacht worden waren. Schade fand ich nur, dass ich einem trotz Stoffballen auf dem Kopf wirklich gut aussehenden Herrn nicht als Wegweiser dienen durfte, den ich schon viele Märkte kenne. Vordrängeln ist jedoch nicht mein Ding und „wünsch dir was“ gibt es für Kajirae nun mal nicht… aber angelächelt hat er mich. ;-)

1 Kommentar:

  1. Tja, Dina und wer durfte ihm als Wegweiser dienen? Naaaaa? *grinst überheblich*

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