Sonntag, 9. August 2015

Terrassendienst

Mein Herr war auf Wache und alle meine Aufgaben erledigt. Sogar der Larmakuchen war soweit vorbereitet, dass er in den Ofen geschoben werden konnte... nur der Teig sollte vorher noch etwas aufgehen. Die langweilige Warterei nutzte ich für einen kleinen Spaziergang Richtung Marktplatz... vielleicht würde ich auf der Gasthausterrasse irgendwelche Neuigkeiten erfahren, sofern sich dort Gäste aufhielten? Der Terrassendienst eignet sich dafür oft recht gut, während man sich den Gang zur Taverne meistens sparen kann, weil sich viele Herren auch gern mit den freien Weibern unterhalten, die selbstverständlich nie einen Fuß in eine Taverne setzen würden... außer sie knien irgendwann.

Mein neugieriger Blick über die Mauer des Gasthauses zeigte mir das Erste Schwert, den Neffen des Hauptmanns und die Schreiberin. Eigentlich hatte ich nur kurz meine Nase über die Brüstung gereckt, wurde dabei aber sofort von dem wachsamen älteren Krieger entdeckt, der allerdings auch eines der bevorzugten Sitzkissen mit Blickrichtung zum Eingang gewählt hatte, sodass umgehend die Chance vertan war, mich schnell wieder zu verdrücken. Doch das hatte ich selbstverständlich auch gar nicht vorgehabt... wollte mich ja etwas nützlich machen, denn die Wirtin war nicht zu sehen. Letztere tauchte zwar kurz nach mir auf, die beiden Herren waren jedoch zuvor schon von der Schreiberin mit Kalana und Ale versorgt worden, sodass ich schon annahm, meine Dienste wären nicht gewünscht. 


Doch dem Ersten Schwert fehlte zum Genuss seines Weines offensichtlich noch etwas Anschmiegsames und außerdem eine Beschäftigung für seine linke Hand. Einem solchen Anliegen kam ich selbstverständlich gerne nach, nachdem mich der Rarius mit unmissverständlichem Wink näher zu sich heran beordert und an sich gezogen hatte. Einzige Problematik dabei war allerdings die Wärme... für mich natürlich nicht, denn ich mag es warm, sondern für den Krieger, obwohl er wegen der warmen Temperaturen schon kein Oberteil trug, was mir beim Anschmiegen an seinen muskulösen Körper übrigens ganz besonders gut gefiel. 

Während ich nun begann, mit meiner Hand sehr sanft über seinen Rücken zu streicheln und meinen fast nackten Körper logischerweise noch etwas inniger an ihn drückte, fühlte ich mich bei seiner Feststellung "zu warm" logischerweise umgehend verpflichtet zu fragen, ob ich lieber wieder etwas von ihm abrücken sollte. Welche Auswirkungen bei meinem Ankuscheln an einen Mann meistens nicht zu verhindern sind, war mir natürlich klar... nicht nur mein Herr hat mich schon oft als seine Mobilheizung bezeichnet. Doch in diesem Fall war die Temperatur des Kalanas gemeint, denn der Arm des Rarius zog mich mit festem Griff noch enger heran, was mein Sklavenfeuer natürlich noch mehr zum Glühen brachte. 

Blöd war nur, dass wir uns auf der Gasthausterrasse befanden und leider auch noch in Gesellschaft freier Frauen, von denen auch noch eine auf meiner anderen Seite direkt neben mir saß und mit Sicherheit eine gute Sicht auf die Hand des Rarius an meinem Hinterteil hatte. Doch ich ignorierte das Weib einfach, war es doch nicht mein Problem, wenn ein Mann den Körper einer Kajira roter Seide erkundet. Erstaunlicherweise war diese Herrin jedoch in der Lage, ihre Blicke in unverfänglichere Richtungen zu werfen und die Wirtin ist eh nicht so zimperlich… glaube ich jedenfalls.

Leider fand mein Glühen trotzdem ein jähes Ende, nachdem sämtliche Herrschaften die Beschaffung von Eisblöcken erörtert hatten und irgendwelche ausstehenden Getränkezahlungen erledigt waren. Allerdings war nicht das Eis der Grund für mein nur noch auf Sparflamme glühendes Feuer, sondern weil das Gespräch des Rarius mit der Wirtin über Blackwine immer hitziger wurde. Der Wirtin war offenbar das Getue von Thentis um seine extrem teuren Bohnen nicht bekannt. Doch war ich wie gesagt etwas abgelenkt, sodass ich der Unterhaltung verständlicherweise nur mit halbem Ohr zuhörte und damit beschäftigt war, mich einigermaßen zusammenzureißen, um echauffiertes Freiefrauengekreische zu verhindern. 

Von einem anderen Gespräch vor einiger Zeit zwischen meiner ehemaligen Herrin und der Wirtin erinnerte ich, dass diese sich offenbar gerne verdrückt, wenn sie sich nicht mehr in der Lage sieht, Kontra zu geben. Daher wunderte es mich eigentlich nicht wirklich, dass sie auch bei der Diskussion um den schwarzen Wein plötzlich wütend davon stapfte. Mist war nur, der Krieger lief dem Weib leider kurz danach hinterher. Aber egal, ich überlegte nicht lange und nutzte den günstigen Umstand, als die Schreiberin über ihrer Milch eingedöst zu sein schien. Nachdem ich die kostbaren Bohnen des Zanks zurück in die Gasthausküche gebracht hatte, kniete mich sehr dicht neben den jungen Neffen. Mein Schenkel drückte sanft an sein Bein, während ich ihn bezirzend anplinkerte und mich nach seinem bevorzugten Getränk erkundigte. 

Eine Kajira ist nämlich stets gut beraten, die Vorlieben der Freien zu kennen und sich diese zu merken. In diesem Fall merkte ich mir übrigens nicht nur, was der junge Krieger am liebsten trinkt und dass er von Blackwine Blähungen bekommt. Ich merkte mir auch, dass er sehr darauf bedacht ist, freie Frauen nicht durch an seinem Oberschenkel langsam aufwärts wandernde Finger einer Rotseidenen zu brüskieren. Doch egal, inzwischen war es längst Zeit, mich um den Kuchen für meinen Herrn zu kümmern, sodass ich darum bat, mich zurückziehen zu dürfen. Dank rechtzeitigen Erinnerns kam ich zum Glück genau zum richtigen Zeitpunkt nach Hause, der Teig war inzwischen schön aufgegangen, aber noch nicht davongelaufen... dem Backen und später leiblichen Wohl meines Herrn stand also nichts mehr im Weg, außer seiner Heimkehr, die leider jedoch noch auf sich warten ließ.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen