Samstag, 29. August 2015

Trubel zwischen Brauereikesseln

Schon von weitem konnte ich erkennen, dass der Marktplatz leer war, sodass ich mich noch ein paar Versuchen meiner Übungen im Pfeifen hingab, während ich gemächlich weiter trödelte. Doch außer mehr oder weniger laut zischenden Geräuschen und etwas Spucke, die zwischen meinen im Mund steckenden Fingern heraus lief, brachte ich nichts heraus... schade, aber mal abwarten, so lange übe ich ja noch nicht und wurde jetzt eh unterbrochen. Der Brauereikrieger genoss den Abend auf der Bank vor seinem Haus und war offensichtlich meiner Gesellschaft nicht abgeneigt, weil er nun nicht mehr aufstehen musste, um an sein geliebtes Ale zu kommen. Leider blieb jedoch nicht allzu viel Zeit für einen besonders rotseidenen Serve, nachdem der Neffe des Hauptmanns aufgetaucht war und natürlich auf ein Ale eingeladen wurde... die beiden Herren haben bezüglich ihres Lieblingsgetränks nämlich den gleichen Geschmack. 

Wobei sich herausstellen sollte, dass ihre Geschmäcker auch bei Kopfbedeckungen nicht weit auseinander sind. Da der Brauer die ganze Hand auf Spätwache gewesen war und keinen Gasthaustratsch mitbekommen hatte, wollte er von mir nun nämlich wissen, was es denn Neues zu berichten gab. Vorher erkundigte er sich aber noch nach meinem Herrn, der ja leider immer noch nicht von dieser ewig langen Patrouille zurück ist. Wie gut, dass der nette Brauereibesitzer mich von meinen schlagartig sehr trübe werdenden Gedanken sofort ablenkte, indem er mir erzählte, dass eines der Fässer ein Sklavenfass ist. Ein was??? Mir schwante schon das Schlimmste, doch grinsend wies der Herr mich an, mich auf das Fass zu setzen, anstatt auf den Bodenplatten zu knien, um meine Knie zu schonen. 


Oha, welch ein Komfort für eine Kajira, allerdings gab ich noch zu Bedenken, dass es mir eigentlich nicht zusteht, auf diesem Fassthron hockend, auf die beiden Männer herunter zu schauen. Doch der gut gelaunte Krieger meinte einfach nur zufrieden übers ganze Gesicht grinsend: "Mach nur Dina, hier gelten meine Gesetze... die Gesetze der Brauerei... du eignest dich bestens als Fassfigur." Nachdem ich also nicht drum herum kam, auf diesen Fassthron zu klettern, forderte er mich auf, ihm Näheres darüber zu erzählen, warum das Erste Schwert beim Bauern wegen unterschiedlicher Kleidervorstellungen bei Wärme angeeckt war. Selbstverständlich kam ich diesem Befehl so objektiv es ging nach und schaffte es wohl auch ganz gut, mir meine Meinung dazu zu verkneifen. Zwar kann niemand einer Sklavin verbieten, sich ihren Teil zu denken, nur sollte sie sich damit zurückhalten, sofern sie nicht gefragt wird.

Er fand es jedenfalls sehr weise vom Ersten Schwert, dass er so verhalten und zurückhaltend reagiert hatte, denn für mich war es eigentlich eine ziemliche Anmaßung, einem Mann seine Kleidung vorzuschreiben. Wobei ich die internen Regelungen innerhalb der roten Kaste natürlich nicht kenne, die es den Kriegern aus Jorts Fähre möglicherweise verbieten, mit nacktem Oberkörper durch die Stadt zu laufen oder auf der Gasthausterrasse zu sitzen, um sich damit optisch von irgendwelchen halbnackten Dörflern aus dem Norden zu distanzieren. Klar wurde jedenfalls, wie verschieden Geschmäcker sein können. Der Krieger von der Brauerei behauptete nun nämlich, man müsse anerkennen, dass der Bauer einen ausgezeichneten Geschmack hat und immer fesch gekleidet ist... in der Hutmode sogar führend. Wie gut, dass er dabei ganz schelmisch grinste und noch hinzufügte, er habe schon Stimmen gehört, die dauerhaft getragene Kopfbedeckungen aus Blech als Angsthut bezeichnen.


Das Thema war mit lautem Rumpeln und einem sich offensichtlich leidtuenden Händler dann aber beendet, der vom Hafen kommend ein großes Fass mit weißem Kalana anrollte, das er offensichtlich aus Cos beschafft hatte. Selbstverständlich ergänzte ich meinen Gruß mit einer Erklärung, warum ich oben auf dem Fass thronte, konnte damit jedoch nicht verhindern, dass seine flache Hand im Vorbeigehen meinen Hinterkopf anditschte, gefolgt von einem gebrummten Kommentar, ich soll keinen Blödsinn erzählen. Eiligst beendete ich daher mein Dasein als Fassfigur und kniete mich wie immer auf den Boden. Während sich nun der Neffe nach dem Preis des angelieferten Kalanas erkundigte, er war nämlich für die Feier nach dem Heimsteinschwur in der nächsten Hand gedacht, bei 5 Silber ziemlich blass wurde und kleinlaut davon sprach, er habe doch nur ein Fässchen haben wollen, beeilte ich mich, dem Händler als Nervenberuhigung einen Paga zu servieren.

Obwohl mir ja bekannt ist, wie wichtig dem Herrn sein Paga in einer Schale ist… er lehnt es ab, ihn wie alle anderen Männer in Jorts aus einem Becher zu trinken, wählte ich diesmal trotzdem einen. Für eine Schale hätte ich nämlich ins Gasthaus laufen müssen und das erschien mir in Anbetracht der Preisdiskussion und der sich auf der Händlerstirn bildenden Falte nicht allzu vorteilhaft. Tja, falsch gedacht... zum Schweiß vom Fassrollen kam jetzt nämlich außer der weißer Wein aus Cos ist nun mal so teuer Falte noch eine besonders drohende auf der Händlerstirn hinzu, während der Herr mich ungehalten anfunkelte, seine Hand sehr unangenehm meine Haare packte und der Pagabecher nebst Inhalt auf dem Boden landete, wo sich eine große Pfütze bildete. Dass ich nach seiner wütenden Ermahnung umgehend wie ein geölter Blitz davon sauste, um die gewünschte Schale aus dem Gasthaus zu holen, darüber kann ich mir die näheren Erläuterungen wohl verkneifen.


Nachdem ich dieses oberwichtige Trinkgefäß dann das zweite Mal mit Paga gefüllt hatte, beruhigte der Herr sich schließlich einigermaßen wieder, sodass ich mich um die anderen, inzwischen  halb verdursteten Herren kümmern konnte. Die beiden mittlerweile aufgetauchten Mädchen der Sklavenhändlerin, verzogen sich nämlich Richtung Gasthaus, um dort aufzuräumen, nachdem die eine ihrer Herrin ein Getränk serviert hatte. Übrigens hatte der Händler mit dem Eintreffen seiner Gefährtin ein anderes Opfer für seine schlechte Laune gefunden und gab seinen Unmut darüber von sich, weil sich noch kein Nachwuchs für die Händlerkaste ankündigte. Irgendwie muss ihm wohl komplett entfallen sein, wie Kinder gezeugt werden und dass er kurz nach seiner Gefährtenfeier mindestens einen Markt oder sogar noch länger auf Reisen gegangen ist.^^

Kommentare:

  1. /me schmunzelt:
    Der kleine Georg hat auf der Händlerschule auch in Biologie aufgepasst und weiß also wo die kleinen Händler herkommen. Zumal er die letzten Hand mehrmals in Jorts war um seinen Anteil an der Zeugung von Händlernachwuchs sicherzustellen. ;)

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  2. oooh..... *bekommt einen knallroten Kopf*...Verzeihung Herr, die kleine dina hat zwar in Bio aufgepasst und weiß, woher die kleinen Händler kommen... aber sie hat anscheinend nicht aufgepasst, wie oft du nun schon.... ähmmm... *bricht lieber schnell ab und senkt ihren Kopf nun sehr tief, damit hoffentlich nicht auffällt, dass aus Knallrot nun Dunkelknallrot geworden ist, weil sie annahm, der Händler ist zu alt dafür* ;-))

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