Mittwoch, 26. August 2015

Zivilisiert... aber bitte mit Hemd

An diesem Tag ließ sich die Herrenrunde auf dem Marktplatz vom Kriegerbauern überreden, ausnahmsweise mal nicht beim Platttreten des Pflasters zu trinken, sondern lieber auf der Gasthausterrasse. Keine Ahnung, ob der Hofkrieger weniger Stehvermögen als die anderen Herren hatte oder womöglich unter platten Füßen litt? Möglicherweise kamen seine Gelüste nach einem weichen Sitzkissen von der schweren körperlichen Arbeit auf den Feldern in den letzten Hand, weil die Priesterkönige ihn mit sehr reichhaltigen Ernteerträgen gesegnet hatten.


Während der Hauptmann von Luna belagert wurde und seine Freude über das Wiedersehen mit seinem Bauernfreund äußerte… die Kajira schaffte es übrigens mit intensivem Anschmiegen die typischen Zuckungen seiner Hand in den Griff zu bekommen… zapfte sich der Sattler merkwürdigerweise einen schnellen Paga in Selbstbedienung vom Fass, bevor er sich wegen seinem Getränkeengpass auf die Suche nach der Händlerin machte. Falls er sein rothaariges Eigentum nicht dabei hat, verzichtet er seit dem Gemecker einer Freien neuerdings nämlich auf Bedienung durch Kajirae, die ihm nicht gehören. Wie gut, dass ich nicht verstehen muss, warum ein Mann auf Weibergezicke hört… doch vielleicht habe ich da auch etwas nicht richtig mitbekommen.

Interessant fand ich, dass der Bauer der Schreiberin bestenfalls noch sechs Hand gibt, bis sie wegen ihres sklavenhaften Benehmens kniet… die Herrin hatte ihn nämlich am Vortag auf seinem Hof besucht. Aber mal abwarten, der Neffe des Hauptmanns hat ein Auge auf die Blaue als Gefährtin geworfen, hält sich ständig in ihrer Nähe auf, wenn ihn sein Onkel nicht herumscheucht, rückt Möbel in ihrem Haus, bedenkt dabei in seiner rosaroten Hilfsbereitschaft jedoch nicht, dass eine offene Haustür bei Männerbesuch kein Garant für den guten Ruf einer Freien ist... aber er achtet darauf, falls die Angebetete so wie vor kurzem am Tisch eingenickt ist, sie nicht durch mein rotseidenes Benehmen zu brüskieren. Es bleibt also spannend, an wessen Kette das Weib mit oder ohne Gefährtenvertrag landen wird.


Total irritierend wurde es für mich übrigens, als sich der Hofkrieger über den unbekleideten Oberkörper seines Waffenbruders neben ihm mokierte, dem es bei dem schönen Wetter seit einiger Zeit mit Hemd einfach zu warm ist. Er erkundigte sich nämlich, ob während seiner Abwesenheit die Kleidungsordnung geändert wurde, ob demnächst freie Weiber womöglich mit nackten Brüsten herumlaufen und kündigte an, zukünftig jedem den Schädel zurecht zu rücken, der sich wegen einer unsittlich gekleideten Freien aufführt. Ehrlich gesagt war mir das alles zu hoch. Außer dass es in Jorts Fähre anscheinend sogar mehrere Moralapostel gibt, verstand ich nämlich nichts, schaffte es jedoch ganz hervorragend, mich in Schweigen zu hüllen, wie es sich für eine Kajira gehört und mir meine nicht zustehenden Irritationen nicht anmerken zu lassen. 

Selbstverständlich muss ich auch nicht verstehen, warum der Bauer schließlich vorschlug, dass sich die Bürger an den Rat wenden sollen, wenn sie ab sofort solche Kleiderregeln nicht mehr wollen, denn von einer Hemdenvorschrift hatte ich noch nie gehört, die ich mir auch erst nach der hauptmannschen Antwort „wir sind zivilisiert und haben Hemden an“ zusammenreimen konnte. Anscheinend hat der Stadtrat nicht nur eine Kleidervorschrift für freie Frauen erlassen und per Aushang verkündet, sondern offenbar auch eine gegen nackte Oberkörper männlicher Heimsteinangehöriger, allerdings ohne Aushang. Doch solche Dinge gehen mich wirklich nichts an, egal wie sehr ich es gelegentlich auch genieße, mich an die nackte Haut eines Herrn anzuschmiegen.


Nachdem Moral und Zivilisation dann geklärt waren, verabschiedete sich der Kriegerbauer und die beiden anderen Rarii entschlossen sich zu einem Spiel… würfelten auf eine mir immer noch unverständliche Weise oder schoben schwarze und weiße Steine auf einem Brett hin und her, während ich stumm zusehen durfte. Dabei hätte ich mich am liebsten gleich verdrückt, kam aber nicht um die Aufgabe herum, als Deko daneben zu knien, weil es bei dem Spiel angeblich um mich ging… erst sollte der Verlierer mich bekommen, dann war es doch der Sieger und zuletzt keiner. Tja, die erste Runde verlor der Hauptmann und tönte sofort, ich würde in der nächsten Zeit dem Ersten Schwert gehören. Nach der zweiten Runde mit einem Unentschieden wurde der Hauptmann jedoch schlagartig müde und ich durfte mich endlich nach Hause verdrücken… wem ich gehöre, steht übrigens auf meinem Kragen! :-)))

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