Mittwoch, 23. September 2015

Ein Kastenhaus für die Handwerker

Das vor kurzem aufgeschnappte Gespräch der zweiten Grünen im Gasthaus über ihren Einzug in ein Eckhaus innerhalb der Stadtmauern, veranlasste mich gestern, noch durch die Oberstadt zu laufen, nachdem ich meinen Dienst im Tarnturm beendet hatte. Ich habe in der Oberstadt ja meistens eigentlich nichts zu suchen, doch in diesem Fall wollt ich in Erfahrung bringen, wo bei Notfällen weitere ärztliche Hilfe geholt werden kann, falls die Krankenstation nicht besetzt ist. Dass die grüne Kastenerste bei ihrem Gefährten, dem Hauptmann wohnt, weiß ich ja.

Meine Vermutung, um welches Haus es sich handelt… drei Eckhäuser von vieren in der Oberstadt waren nämlich bereits anderweitig vergeben… war übrigens richtig, denn es sah tatsächlich bewohnt aus und es waren auch Stimmen zu hören. Ich konnte sogar mehrere Stimmen ausmachen, allerdings nur männliche. Überhaupt nicht neugierig und eigentlich vollkommen desinteressiert, an fremden Türen zu lauschen, hielt dennoch inne, da ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass die Freie Männerbesuch hatte… hatte sie übrigens auch nicht. Letztendlich stellte ich erstaunt fest, die Stimmen kamen gar nicht aus dem Eckhaus, sondern aus dem nebenan, wo die Haustür offen stand. 

Tja, ich gebe zu, wirklich nur aus total nicht neugieriger Wissbegier und um festzustellen, ob dort alles mit rechten Dingen zuging, lief ich langsam auf diese Tür zu. Nach dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, erschien es mir vollkommen richtig, lieber erst mal durch den Spalt zwischen Türblatt und Mauerwerk ins Innere des Hauses zu linsen, wo ich dann aber keine Halunken, sondern den Sattler, den Zeugmeister und den Schmied entdeckte. Letzterer bekam von Ravina gerade ein Getränk serviert, während sich die Männer über irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen im Belagerungsfall zur Entsorgung gewisser Ausscheidungen unterhielten und dabei erörterten, wie gefährlich es im Kriegsfall sein kann, seinen Allerwertesten einfach über die Stadtmauer zu hängen, warum man keinen Eimer nehmen sollte und warum Rohre besser sind. 

Leider muss ich mich in meiner Wissbegier wohl zu stark an der Tür abgestützt haben, denn plötzlich war mitten in einer unvorhersehbaren Gesprächspause vom Türscharnier schrecklich lautes Knarzen zu hören. Die nun prompt ertönenden Rufe des Lederarbeiters und des Schmieds veranlassten mich natürlich mich sofort zu zeigen, damit ich mir durch meine Unachtsamkeit nichts Schmerzhaftes einhandelte, denn immerhin war dort ein Krieger im Haus. Unschuldig plinkernd beeilte ich mich dann darauf aufmerksam zu machen, dass die Tür knarzt und geölt werden muss und versuchte damit den Eindruck zu erwecken, als ob es ganz logisch ist, dass ich einfach so auftauche. Uff, die spontane Ablenkung klappte tatsächlich, denn ich blieb von einem Anranzer verschont und es gelang mir außerdem, sogleich die erstaunte Frage an Ravina nachzuschieben, ob ihr Herr womöglich umgezogen ist und jetzt in der Oberstadt wohnt.

Meine vorausschauende Notfallerkundung entpuppte sich nun als echter Glückstreffer für Neuigkeiten. Ich erfuhr nämlich, der Sattler war nicht umgezogen, sondern er hatte zusammen mit dem Schmied für die Handwerkerkaste von Jorts Fähre ein Kastenhaus gemietet, allerdings mit knarzender Tür. Die Vorüberlegungen der beiden Herren dazu hatte ich irgendwann zwar mal mitbekommen, allerdings war mir nicht bekannt, dass diese inzwischen umgesetzt worden waren. Während die Männer nun das Rohr- und Eimerthema noch zu Ende erörterten und der Schmied schließlich vom Zeugmeister den Auftrag zur Fertigung von Rohren erhielt… schließlich sollte niemand bei feindlicher Belagerung Gefahr laufen, seine Vier Buchstaben mit einem Pfeil geschmückt zu bekommen… durfte ich mit Ravina draußen ein wenig tratschen. 

Von ihr erfuhr ich, dass das Kastenhaus der Handwerker tatsächlich neu ist… also nicht neu gebaut, sondern erst vor wenigen Tagen gemietet wurde. Grund dafür ist die stetig wachsende Handwerkerkaste von Jorts Fähre. Einen Sitz im Rat haben sie übrigens schon seit einiger Zeit. Meine Beratung in Sachen Gartengestaltung… den Handwerkern scheinen die hübschen wilden Mohnblumen vor dem Haus zu wild zu sein und Ravina soll sich nun mit einer Verschönerung befassen… wurde jedoch bereits unterbrochen, bevor ich auch nur einen einzigen Vorschlag machen konnte. Es war nämlich von irgendwo ein äußerst unheimlich klingendes Schnaufen zu hören, das mich schlagartig verstummen ließ und an das gefährliche Kailla vom Vortag erinnerte. Wobei ich zuletzt noch mitbekommen hatte, dass das Viech zum Hof gebracht werden sollte. 

Ich musste mich also verhört haben, zumal sich herausstellte, dass Ravina nichts gehört hatte. Außerdem, der Hof war weit weg und was hatte ein Kailla in der Oberstadt zu suchen? Doch plötzlich hörten wir beide ein lautes Knurren, das uns sofort aufstehen ließ, weil sich nun die ehemalige Kriegerkajira in Ravina zeigte und in mir die neue. Furchtlos wie Kriegerkajirae nun mal sind, liefen wir die Gasse ein Stück hinunter bis zur ersten Abzweigung, entdeckten jedoch nichts, sodass wir uns nun aufteilten. Der Blick von oben erschien uns sinnvoller, sodass Ravina ins Obergeschoss des neuen Kastenhauses lief und ich auf die Stadtmauer. Eigentlich fand ich uns ziemlich clever, leider waren wir aber trotzdem erfolglos. Wir entdeckten weder ein Kailla noch ein anderes gefährliches Tier, das frei durch die Oberstadt lief und Fenris schlief eingesperrt in seinem Gartenkäfig neben dem Haus des Hauptmann.


Ich bin mir nicht sicher, ob es die Stimme der zweiten grünen Herrin war oder weil sie mich mit dem Namen des Schmieds begrüßte. Anscheinend dachte die Grüne, ich bin er und nicht das Eigentum meines Herrn. Vielleicht war die Gnädigste aber auch vor Eile so tüdelig, denn sie rauschte gleich weiter. Egal, jedenfalls wurden der Sattler und der Schmied im Haus wohl neugierig und kamen nun vor die Tür, nachdem sich der vielbeschäftigte Zeugmeister bereits einige Ehn zuvor auf den Weg zu seinem nächsten noch ausstehenden Auftrag aufgemacht hatte. Interessant war übrigens die Vermutung des Schmieds über die Eile der Grünen und ihre Tüdeligkeit, aber da diese noch unbestätigt ist, werde ich hierüber lieber meine Klappe halten.

Weil sich nicht mehr klären ließ, woher das gefährliche Schnaufen und Knurren kam, war ich eigentlich ganz froh, dem Schmied zu vorgerückter Ahn zum Stadttor folgen zu können, auch wenn ich wie gesagt nicht ängstlich bin… oder nur manchmal. Das Gespräch vor dem Kastenhaus hatte sich zuletzt von Blech bedeckten Haaren oder Nichtfrisur nämlich oberleckeren Pasteten zugewandt, bei denen mir nicht nur das Wasser im Mund zusammen lief, sondern auch mein Magen ganz heftig anfing zu knurren. So eilig wie es mich nun nach Hause zog, ich hatte mangels Appetit vermutlich viel zu wenig gegessen, konnte ich mich trotz Wissbegier dann auch einfach nicht mehr dazu durchringen, wie der Schmied noch einen Stopp am Sklavenhaus einzulegen. Dort war nämlich ein schnaufendes, knurrendes Kailla damit beschäftigt, die Sklavenhändlerin und einen ganzen Haufen Kajirae auf Trab zu halten.^^

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