Dienstag, 15. September 2015

Verhüllung gegen dumme Gedanken

Nach einem herrlichen und sehr ausgiebigen Bad mit diversen Tauchübungen im Bach hinter dem Gasthaus und mehr oder weniger langem Luftanhalten, schlenderte ich ziemlich zufrieden mit mir und meinem Können langsam nach Hause. Ich hatte es dabei logischerweise überhaupt nicht eilig, da mein Herr ja leider immer noch auf Wache war und an diesem Tag wohl auch nicht heimkommen würde. Mal sehen, ob der Hauptmann wie versprochen mit dem Planer meckert, den er wohl ziemlich gut zu kennen scheint und für meinen Herrn tatsächlich ein Wort einlegen wird? Ein wenig skeptisch bin ich schon… doch mal abwarten. 

Auf dem Marktplatz entdeckte ich einige Herrschaften und zwei mir unbekannte Kajirae, die mein Interesse weckten, sodass ich mich in der Hoffnung auf ein paar Neuigkeiten nach einem freundlichen Gruß zu der Gruppe dazu gesellte. Bei den Unfreien entpuppte sich nach dem Näherkommen jedoch nur eine als fremd… es gab an der Kette des Hauptmanns nämlich anscheinend einen Neuzugang. Tja, und das andere Mädchen war die Nackte, auf die der Schmied wohl ein Auge geworfen hat. Ich hatte sie von weitem nur nicht als die Neue der Sklavenhändlerin erkannt, weil sie an diesem Tag mit einer Tunika bekleidet war.

Viel interessanter war jedoch, dass die seit kurzem in Jorts wohnende zweite Grüne dem Krieger vom Hof das Ergebnis einer medizinischen Untersuchung aushändigen wollte. Selbstverständlich lehnte der Herr die Annahme dieses Dokuments ausdrücklich ab und betonte, niemanden überwachen zu wollen. Auch wenn ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, dass Heimsteinangehörige es begrüßen, wenn ihr Gesundheitszustand öffentlich gemacht und womöglich Thema von Marktplatzgesprächen wird, verkniff ich mir trotzdem jeden Kommentar, denn aus solchen Dingen hat sich eine Kajira natürlich herauszuhalten. Außerdem war der Untersuchte kerngesund. 

Mir wurde jedenfalls klar, dass die vom Bauernkrieger während des letzten Waffentrainings bei der Gefährtin des Hauptmanns beantragten Massenuntersuchungen der jortsschen Bürger einschließlich Volkszählung anscheinend begonnen hatten. Nun bin ich ziemlich gespannt darauf, wie begeistert mein Herr darüber sein wird. Vielleicht beginnt er ähnlich wie der Hauptmann zu brummen, der offensichtlich gar nicht oder bestenfalls verhalten davon angetan war, untersucht und gezählt zu werden, auch wenn er mit einer der beiden Grünen vergefährtet ist. Zuletzt gab er dann zwar grummelnd, aber dennoch klein bei, sollte ihm ein Termin zu einer Gesundheitsuntersuchung bei der grünen Kaste ins Haus flattern.

Während der Hofkrieger über seinen bei dieser Aussicht nicht gerade begeisterten Vorgesetzten schmunzelte und ankündigte, ihm gerne einen Termin bei seiner Gefährtin zu beschaffen, rauschte übrigens der Sattler nach einem knappen Gruß, dafür aber mit riesigen Schritten zusammen mit Ravina an uns vorbei Richtung Fähre. Kein Wunder also, dass ich nun darüber nachdachte, ob dieser Herr womöglich von den verordneten medizinischen Untersuchungen gehört hatte und………? Nee, er musste bestimmt irgendwelche irgendwem zugesagten Lieferfristen einhalten und hatte wahrscheinlich Angst, die Fähre zu verpassen. Ich glaube nämlich, der Lederarbeiter kann sich über seine gut gehende Sattlerei nicht beklagen.


Nachdem der Hauptmann sich zurückgezogen und sich die Sklavenhändlerin dazu gesellt hatte, erfuhr ich übrigens von einer mir bis dahin unbekannten Verhüllung, die ich noch gar nicht bemerkt hatte. Naja, wie auch, sie wäre mir vermutlich erst aufgefallen, wenn ich das nächste Mal das große Stadttor zur Oberstadt passiert hätte, was an diesem Tag jedoch nicht der Fall gewesen war. Der Hofkrieger erkundigte sich bei der Herrin nämlich nach dem Künstler, der die beiden Statuen links und rechts des großen Stadttors geschaffen hat. Zusätzlich interessierte ihn noch der Auftraggeber für die beiden Kunstwerke. Anscheinend nahm die Freie genau wie ich an, dass dort anscheinend neue Statuen aufgestellt worden waren, doch stellte sich heraus, dass der Bauer von der riesigen Kriegerstatue rechts und der Sklavin links vom Tor sprach.


Für mich ziemlich unverständlich, waren anscheinend beide Kunstwerke von ihm und auch von anderen Bewohnern bislang nicht bemerkt worden, obwohl sie dort schon seit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Inferno vor mehr als acht Märkten ihren Platz haben. Eigentlich habe ich bis jetzt immer angenommen, dass solche Dinge vom hohen Rat der Stadt genehmigt worden sind, in dem dieser Herr ja sitzt. Doch anscheinend war dem nicht so. Ich verstand jedenfalls immer weniger und ich glaube, auch die Sklavenhändlerin war ziemlich irritiert über die nun folgende gebrummte Empörung: „Da müssen wir etwas ändern… die linke Statue könnte wen auf dumme Gedanken bringen. Ich habe erst mal eine Fahne davor gehängt“. Leider bestellte der Freie danach einen Kalana bei mir, sodass ich in die Gasthausküche musste und den Rest nicht mehr mitbekam.


Bei meiner Rückkehr hatten sich die Herrschaften inzwischen für ein Spiel am Zarbrett niedergelassen. Die sanften Hände des Ersten Schwerts genießend, nachdem ich den Krieger ebenfalls mit einem Getränk versorgen durfte, ließ ich meine Gedanken irgendwohin in weite Fernen abschweifen, denn mit Spielen habe ich es ja nicht wirklich. Meine Aufmerksamkeit wurde erst wieder voll geweckt, als sich das Erste Schwert bei der Sklavenhändlerin erkundigte, ob er sich von ihr eine Kajira ausleihen kann, damit er endlich mit einer Liste über die Vorräte im Lager für die Notversorgung der Stadt voran kommt und eine Aufstellung über noch zu beschaffende Nahrungsmittel gemacht werden kann. An mich hatte er bei dieser Tätigkeit übrigens auch gedacht, aber darüber wird er natürlich noch mit meinem Herrn sprechen.

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