Donnerstag, 24. September 2015

Zu spät?

„Ahhhhh... Dina, du bist zum Bewundern heute zu spät dran“, war das Erste, was ich nach der Grüßerei vom früheren Mentor meines Herrn hörte, als ich die Wiese erreichte, wo die Krieger wie jede Hand ihr Waffentraining abhielten. Ok, ich war bestimmt über eineinhalb Ahn später dran als sonst, aber die Rarii hatten sich an diesem Tag anscheinend auch schneller geschlagen und beschossen als sonst. Trotzdem war das noch lange kein Grund für mich, diesen gut aussehenden Krieger nicht zu bewundern. Das Anhimmeln bekommt allerdings einen etwas anderen Schwerpunkt, wenn Hin- und Herlaufen und Schwertfuchteln entfällt, ist aber trotzdem nicht weniger schön.

Schade war nur, dass der Rarius nun behauptete, durch mein verspätetes Auftauchen hätte ihm ein Anreiz gefehlt, sich noch mehr ins Zeug zu legen. Der Hofkrieger hatte offensichtlich wie ein Bosk gewütet, der zur Schlachtbank geführt wird, nachdem er ihm ich weiß nicht was an den Kopf geworfen und damit anscheinend beleidigt hatte. Wobei mir anschließend im Gasthaus Gedanken durch den Kopf gingen, ob nicht ein ganz anderer Grund die Ursache für das Auftrumpfen dieses Trainingsgegners gewesen war. Es gibt nämlich Neues in der Stadt in Form einer sich anbahnenden Gefährtenschaft zwischen jenem Krieger und der zweiten Grünen. 


Bei dieser noch nicht allzu lange in Jorts wohnenden Freien muss ich übrigens immer ganz gewaltig aufpassen, sie nicht mit der Gefährtin des Hauptmanns zu verwechseln, weil die beiden Herrinnen offensichtlich nicht nur den selben Schneider haben, sondern beide sich ihre dunklen Haare auch noch in derselben Art und Weise hochstecken. Nur in ihrem Getränkegeschmack unterscheiden sie sich wie Gianni und Urt, da die Hauptmannsgefährtin lieber bei Tee oder Wasser bleibt und ihr Double diesen Mischmaschtrunk mit Namen eines nordischen Gottes aus ich weiß nicht wie vielen Alkoholsorten bevorzugt. Aber egal, mir steht selbstverständlich nicht zu, über Freie zu urteilen, also hat mir der Alkoholkonsum freier Frauen egal zu sein.

Allerdings versuche ich mir zu merken, welche Getränke die Herrschaften bevorzugen, ob gesüßt oder ungesüßt, mit oder ohne einen Schuss Fruchtsaft und in welchem Mischungsverhältnis mit Wasser, da vieles oft nur verdünnt getrunken wird. Es ist nämlich ein tolles Gefühl, wenn es mir gelingt, damit eine kleine Freude zu bereiten, so wie an diesem Abend im Gasthaus beim Ex-Mentor meines Herrn und der Sklavenhändlerin. Ein großer Nachteil des Servierens ist für mich nur, dass die Gespräche am Tisch meistens mehr oder weniger an mir vorbei gehen, da ich mich immer auf den jeweiligen Freien konzentriere, dem ich gerade sein Getränk anreiche. Trotzdem sollte eine Kajira natürlich nicht alles um sich herum komplett ausblenden. 

Ok, das übliche Gerangel um das beste Sitzkissen ist nicht so wichtig. Die Kissen sind übrigens immer noch nicht mit Namen bestickt und werden es zum Leidwesen einiger besonders hartnäckiger Herren wohl auch nicht. Wobei es ohne den Sitzkissenstreit vermutlich auch kein Thema über die Länge der kleinen Krieger der beiden Rarii gegeben hätte. Der Bauer hatte dem Ex-Mentor meines Herrn zuletzt nämlich angedroht, ihm jenes nicht unwichtige Körperteil zu kürzen. Um welches Kissen es dabei ging, konnte ich aus der Küche jedoch nicht sehen… ist aber auch egal. 


Viel interessanter war, bei meiner Rückkehr zum Tisch mitzubekommen, wie wenig Eindruck diese Drohung hinterlassen hatte. Ich musste echt mit mir kämpfen, um nicht zu kichern, weil der Ex-Mentor diese Maßnahme durchaus positiv sah und damit komplett die Drohung nahm. Eine Kürzung seines besten Stücks hätte durchaus Vorteile, meinte er… er könne kürzere Tuniken tragen, ohne dass unten jemand heraushängt. Danach legte er aber seine Hand unter mein Kinn und strich mit dem Daumen so sanft über meine Lippen, dass außer diesem Krieger alles um mich herum schlagartig nicht mehr existierte… naja, nur bis ich ihm schließlich irgendwie seinen Kalanakelch überreicht hatte und weiter servieren durfte. 

Gestern wurde von mir neben den Getränkebestellungen übrigens auch schnelles Reagieren und Wegducken gefordert, als die Grüne und der Kriegerbauer plötzlich Messer zückten. Während ich mich also eiligst aus der Schnittrichtung der Messerkampfzone zurückzog, stellte sich heraus, dass das Weib ihrem „Dummerchen“ (so nannte sie ihren Zukünftigen tatsächlich!) nur eine Messerklinge auf seine Beule legen wollte… nur flach und aus medizinischen Gründen… also zur Kühlung… und auf die Stirn. Den medizinischen Aspekt am Tun seiner Angebeteten, hatte das angebeulte „Dummerchen“ offensichtlich nicht erkannt. 

Das Gesäusel zwischen den beiden Verliebten um ihre Gefährtenschaft und dass die Priesterkönige die Grüne mit einem schärferen Messer segnen mögen, ihren Zukünftigen aber mit einem bis auf die Schultern reichenden Helm, ging dann wieder weitestgehend an mir vorbei, da mein liebster Gast eine Runde für alle ausgab und damit dafür sorgte, dass ich einiges zu tun bekam. Warum er nach seinem Messer-Schulterhelm-Trinkspruch seinen Kelch in einem Zug austrank und ihn dann in der Hand zerdrückte, habe ich leider jedoch nicht verstanden und konnte bedauerlicherweise auch nicht mehr nachfragen, weil er sich danach gleich verabschiedete.


Die Terrasse wurde dennoch nicht leerer. Kaum hatten sich weitere Freie zurückgezogen, trafen neue Gäste auf der Terrasse ein, sodass die Kissen nicht kalt wurden und die Gespräche sich neuen Themen und auch den vielen ausstehenden Aufträgen auf einer langen Liste des Zeugmeisters zuwandten.

In Anbetracht meiner fortschreitenden Müdigkeit, sind die aber bis auf die freundliche Nachfrage des Schmieds nach meiner freie Frauen tauglichen Darbietung am ersten Tag dieser Hand und der Erkenntnis, dass das schwarze Kailla gar nicht dem Fremden gehört hatte, jetzt aber im Besitz der Sklavenhändlerin ist und den Garten meiner früheren Herrin verwüstet hat, tatsächlich an mir vorbei gerauscht. Das Getue der Grünen um die Farbe ihres Kleids bei einer Vertragsunterzeichnung mit 4 Märkten Gültigkeit, war für mich eh zu hoch, weil Goreaner doch so stolz auf ihre Kaste sind, sodass sich damit solche Fragen eigentlich erübrigen… naja... sollten! ;-)

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